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Hebammen und Homöopathie – warum ist das so ein heikles Thema?

Wer sind „wir“ als Gesellschaft, was muss sich verändern und wo wollen wir hin? Das sind Fragen, auf die es mit jeder neuen Perspektive auch neue Antworten gibt. In unserer Kolumne „Reboot the System“ gehen ihnen deshalb verschiedene Autor*innen zu unterschiedlichen Themenbereichen nach. Heute mit: Natalie Grams

Mythos natürliche Geburt?

Vorneweg: Ich halte den Beruf der Hebamme für unglaublich wichtig und kostbar und habe meine drei Kinder mit Hebammen (in der Klinik) bekommen. Und genau deswegen möchte ich von einer Sorge erzählen, die ich mir um diesen Berufsstand mache. In einer so verletzlichen und oft schwierigen Lebensphase wie der rund um Schwangerschaft, Geburt und Kleinkindzeit haben Hebammen eine wichtige Funktion: Sie stützen und leiten, beraten und beeinflussen uns als neugeborene Mütter, unsere Babys und oft auch die ganze (neue) Familie. Das ist wichtig und gut. Und doch sehe ich hier in manchen Fällen eine Gefahr.

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sind natürliche, oft anstrengende und manchmal richtiggehend existentielle Zustände, aber im Allgemeinen sind wir dabei nicht krank. Wir brauchen kompetente Unterstützung, haben viele Fragen und fühlen uns manchmal überfordert. Wunderbar, wenn hier eine vertraute und erfahrene Hebamme guten Rat geben und Beistand leisten kann. Sobald es um größere Beschwerden, um Krankheiten, geht, dürfen viele Medikamente nicht oder nur eingeschränkt angewendet werden, doch vielerlei Symptome und Nöte treten aber gerade in diesen Zeiten auf und erfordern therapeutische Maßnahmen, auch durch Hebammen. Erscheint es da nicht doppelt wünschenswert, „sanfte Methoden“ wie die Homöopathie, Anthroposophie, ein paar Bachblüten und Schüßler-Salze als vielversprechende Alternative zur harten „Schulmedizin“ zur Hand zu haben? Und wie ist das nun mit dem Impfen, schadet es den Winzlingen wirklich nicht zu Beginn ihres Lebens?

Nicht mehr als ein Placebo-Effekt

Zunächst mal ganz krass und kurz und knapp: In der Geburtshilfe gibt es keinerlei Studien, die eine mögliche Wirkung von Homöopathie und ähnlichem überhaupt untersuchen. Die Aussage, Globuli und Tröpfchen seien hier wirksam, wie auf vielen Webseiten von Hebammen oder Geburtshäusern zu finden, ist also höchst problematisch. Mehr als ein Placebo-Effekt ist hier nicht zu erwarten und das Eintreten des Placebo-Effekts hat nichts mit einer spezifischen Heilung der Grunderkrankung zu tun. Er kann unter Umständen objektive Verschlechterungen sogar kaschieren. Wie kann es da sein, dass Homöopathie von einigen Hebammen immer noch als sanfte Therapie bei „drohendem Abort”, „vorzeitigen Wehen“, „Blutungen in der Schwangerschaft”, „Brustentzündungen” im Wochenbett oder auch nur bei „fieberhaften Infekten” bei Neugeborenen oder Säuglingen empfohlen wird?

Wenn ich mich daran zurückerinnere, wie mich meine Hebamme mit Globuli unter der Geburt regelrecht genötigt hat („Das öffnet den Muttermund, komm schluck!“), dann finde ich das schwer übergriffig, zumal ich vorher meinen Zweifel an der Wirkung deutlich gemacht hatte. Vor „richtigen“ Medikamenten hat sie mir – und ich fürchte, das ist kein Einzelfall – dagegen regelrecht Angst eingejagt und mir vor allem das Gefühl vermittelt, ich sei keine „echte“ Frau und eine gute Mutter bestimmt auch nicht, wenn ich es nicht auf die richtig harte Tour und ohne Hilfe bei der Geburt schaffe.

Schmerzmittel muss man sich „verdienen“?

Meine Geburten waren sehr unterschiedlich, ich habe sie aber bei aller Anstrengung als sehr beglückend erlebt. Aber eine Sache wurde mir von verschiedenen Hebammen bei jeder Geburt immer wieder klargemacht: Wer sich dabei helfen lässt (von der „Schulmedizin“, Ärzt*innen oder gar einer Klinik), ist eine Mimi. Zu einer Freundin sagte eine Hebamme gar, als sie nach einem Schmerzmittel verlangte: „Das müssen Sie sich erstmal verdienen.“ Und ich fürchte, auch der Wunsch nach einer PDA wird immer noch nicht als selbstverständliches Recht auf eine selbstbestimmte Geburt gesehen, sondern als Schwächezeugnis. In allen Schwangerschaften hatte ich viele Komplikationen und nicht alle davon hätte ich haben und aushalten müssen, hätte ich richtige Hilfe in Anspruch genommen. In der Stillzeit später dann die Brustentzündungen, die sich wie wirklich heftige Ganzkörpererkrankungen anfühlen können, und die Weisung meiner Nachsorgehebamme: Bloß kein Entzündungshemmer, bloß kein Antibiotikum, das sei unnatürlich.

Und so quälte ich mich und meine Kinder durch blutig-eitriges Stillen, extreme Schmerzen mit 40 Grad Fieber – dabei nach Retterspitz und Quark duftend. Ich musste dreimal deswegen früher abstillen, als ich es mir gewünscht hatte; „natürlich“ war ich auch dadurch keine gute Mutter. Die Blicke meiner Hebamme verfolgen mich bis heute und hinterlassen ein schlechtes Gewissen. Doch heute denke ich manchmal: Moment, unter dem Label „Natürlichkeit“ wird hier eigentlich eine ideologische Übergriffigkeit und Verweigerung von wirklicher Selbstbestimmung positiv umetikettiert. Ich weiß natürlich, dass dies nicht alle Hebammen betrifft, möchte aber aufmerksam machen auf den Trugschluss der vermeintlich sanften Alternative, die Verklärung des Mythos „Natürlichkeit“.

Glorifizierung von „altem Wissen“

Seit einigen Jahren kümmere ich mich um Aufklärung im Bereich Alternativmedizin und habe gerade im Gebiet der Geburtshilfe mit vielen Frauen (und ihren Partner*innen) gesprochen, die diese Sorge mit mir teilen; es geht mir hier also nicht etwa um die Ausbreitung meines privaten Dilemmas. Die Problematik geht aus meiner Sicht viel weiter und ich möchte fragen: Sehen wir da wirklich genau genug hin, was dieses „die Frau hat unter der Geburt natürlich zu leiden“-Ursünden-Eva-Ding mit uns macht, das von manchen Hebammen geradezu kultiviert wird? Ich wundere mich , dass so viele emanzipierte Frauen, darunter viele erklärte Feministinnen, Hebammen darin unterstützen. Eine zunehmende Akademisierung wird oft heftig kritisiert, „altes Wissen“ dagegen glorifiziert. Warum? Klar ist jede Geburt natürlich, aber natürlich geht sie nicht immer gut. Die Müttersterblichkeitsrate ist erst aufgrund der verbesserten medizinischen Versorgung seit Beginn des 20. Jahrhunderts (also neuen Wissens).

Und seit dem Beginn der Aufklärung ist auch die Kindersterblichkeit rapide zurückgegangen. Weltweit überleben also mehr Mütter und ihre Kinder als je zuvor Schwangerschaft und Geburt. Nach neuen Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation sind die Zahlen zu Kinder- und Müttersterblichkeit auf einem neuen Tiefststand: „Seit (dem Jahr) 2000 sind die Todesfälle von Kindern fast um die Hälfte zurückgegangen und die Todesfälle von Müttern um mehr als ein Drittel, hauptsächlich durch den verbesserten Zugang zu bezahlbarer und guter Gesundheitsversorgung“, heißt es in dem Bericht. Doch es geht mir dabei nicht nur um die harten Zahlen der Sterblichkeit, auch das Gefühl spielt eine große Rolle. Warum ist es unter den Hebammen, die noch sehr stark der „Kräuterfrauen“-Ideologie anhängen, geradezu verpönt, Frauen nicht mit Humbug und antikem „Wissen“ zu traktieren, sondern mit aktuellem Wissen zu helfen, menschlich Beistand zu leisten und gut mit Ärzt*innen und Kliniken zusammenarbeiten, wenn Komplikationen eintreten – und so eine wirklich sanfte Geburt zu ermöglichen?

Globuli statt Impfen?

Was mich darüber hinaus wütend macht, ist die zunehmend populäre Impfgegner*innenschaft unter Hebammen. Rund 20 Prozent von 549 befragten Hebammen stimmten der Aussage zu: „Homöopathische Behandlung kann Impfungen überflüssig machen.” Ein Viertel der Befragten lehnte eine Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln für Kinder ab. Nur 18 Prozent war selbst gegen Keuchhusten geimpft, und weniger als die Hälfte gegen Diphtherie. An so wichtiger Stelle gegen das Impfen zu sein, kann Menschenleben kosten – gerade bei den wiederansteigenden Masernzahlen! Hier wird Impfhalbwissen gestreut („Pro und Contra“, haha) und die Grundlage geschaffen für Impfangst in den entscheidenden Jahren des Kindes, das Impfschutz noch nicht für sich selbst wählen kann. Warum schreien wir da nicht alle auf?

Also: Reboot the System! Denn obwohl diese Problematik längst nicht alle Hebammen oder Geburtshäuser betrifft und sicherlich auch viel Schlimmes bei Krankenhausgeburten und durch Ärzt*innen verursacht wird, so halte ich sie bisher dennoch für unterschätzt. Gerade in Sachen Homöopathie ist es an der Zeit, den Trugschluss einer sanften, nebenwirkungsfreien oder gar hoch wirksamen Methode gemeinsam aufzuheben und den Blick wieder freizumachen für eine tatsächlich gute und ehrliche, gerne auch pflanzliche Behandlung von Mutter und Kind, die ohne Humbug und Wunderglaube auskommt. In der besonderen Rolle und Verantwortung des Hebammenberufes ist es ja durchaus denkbar, mit der einen oder anderen Gabe von Globuli als Placebo Not und Verzweiflung zu lindern. Jedoch in Einzelfällen und im Bewusstsein, dass dies keine Alternative zu wirksamer Medizin ist und somit auch einer tatsächlich medizinisch sinnvollen Intervention nicht im Wege steht (Stichwort Impfungen). Und, ganz wichtig, bitte keine Panik vor richtiger Medizin, Hilfe und ärztlichem Support, wenn nötig oder gewünscht. Klar gibt es auch fürchterliche Ärztinnen und Ärzte, und eine PDA oder gar ein (unnötiger) Kaiserschnitt sind kein Ersatz für ein gute Betreuung – Natürlichkeits-Mythen, Globuli und Impfablehnung sind es aber auch nicht.

„Reboot the System“ ist eine Kolumne von verschiedenen Autor*innen im Wechsel. Mit dabei: Rebecca Maskos (inklusive Gesellschaft), Sara Hassan (Sexismus), Josephine Apraku (Diskriminierungskritik), Elina Penner (Familienthemen), Natalie Grams (Gesundheit / Homöopathie) und Merve Kayikci (Lebensmittelindustrie).

  1. Bravo Natalie, genau so empfinde ich es auch!
    Meine Frau ist Kinderkrankenschwester, ich bin Notarzt. Beide haben wir schon schlimme Folgen von Hausgeburten gesehen, provoziert durch diese esoterische Einstellung vieler Hebammen.
    Und auch bei den Geburten unserer Kinder hatten wir zu kämpfen, das für die PDA notwendige Gerinnungslabor vor dem Thrombozytensturz zu bekommen, unseren Verzicht auf Homöopathika akzeptiert zu wissen etc.
    Die Hebammen sollten sich ihrer Multiplikatorenrolle bewusst werden, vor allem auch im Hinblick auf das Impfen! Hier unterstütze ich die Impfpflicht, auch wenn ich Spahn nicht mag…

    1. ….und auch ich bin über 20 Jahre als Notarzt tags und nachts unterwegs gewesen.
      Herr Dr. Schmidt, Sie und ich wissen ,glaube ich, aus der Erfahrung genau, dass es auf beiden Seiten Extreme mit schlimmen Folgen gibt, die Schreckliches anrichten können und dass es darum geht, die jeweiligen Grenzen zu sehen und einzuhalten.
      Und dass Frau Grams jetzt auch auf die Hebammen losgeht, bestätigt mich irgenwie in der Erkenntnis, dass das Homöopathie-Bashing etwas von mittelalterlicher Inquisition hat, wo ebenfalls die Hebammen mit „einem zuviel an Wissen“ auf dem Scheiterhaufen brannten.
      https://homoeopathiewirkt.wordpress.com/2019/10/14/homoopathie-unethisch-oder-einfach-nur-unheimlich/
      Wie unten @Sheela Schreibt:
      „Tja schade, für mich ist das alles eher der Dreckwurf einer von ihrem beruflichen Werdegang frustriert Dame.“
      Bleibt noch hinzuzufügen:
      ….und die dabei Schlimmes anrichtet!

  2. Vielen Dank für den Artikel, ich kann in allen Bereichen nur zustimmmen. Bin selber Mutter von 2 kleinen Kindern, habe ähnliche Erfahrungen mit „Anti-Schulmedizinberatung“ bei übler Brustentzündung mit über 39 Grad Fieber gemacht. Und auch in den beiden Kliniken, in denen ich jeweils entbunden habe, wurden Globuli und Ähnliches gegeben. Bei der zweiten Geburt haben wir (mein Mann und ich) das Zeug dann heimlich in den Müll geschmissen, als ich das vor der Einweisung in den Kreissaal beim Rumlaufen durchs Krankenhaus vor jeder Wehe nehmen sollte. Auch was das Impfen betrifft kann ich nur zustimmen!

    1. Danke für diesen wundervoll präzisen Artikel.
      Bevor ich mich (als werdender Vater) mit dem Thema „Hebamme“ auseinandergesetzt habe, dachte ich ganz naiv an die Aufgeklärtheit dieses Berufsstandes. Weit gefehlt!
      Zum Glück konnten wir schließlich eine vertrauensvolle Beleghebamme finden, die auch bei Komplikationen auf ÄrztInnen verwies.
      In meinem Umfeld beobachte ich, dass Freunde, vor der Geburt ihres Kindes, rationale aufgeklärte Menschen waren, aber nach der Betreuung durch eine Impfgegnerin und Homöopathin im Kleide einer Hebamme, zur „sanften Medizin“ tendieren. Die Geburt eines Kindes quasi als Türöffner für Homöopathie.

      Vielleicht sollte man auch die Partner ermutigen während der Schwangerschaft kluge und rational abwägende Berater in ihrer Partnerschaft zu bleiben. Wenn die eingeredeten Versagensängste der Schwangeren nicht allzu groß werden, sinkt hoffentlich auch die Einnahme von Nicht-Medikamenten der „sanften Medizin“.

    2. Ein interessanter Artikel aber ich muss sagen, ich habe das genaue Gegenteil erlebt.

      Ich hatte unbeimliche Angst vor einer PDA und den Folgen (ich habe eine schwere angeborene Verkrümmung der Wirbelsäule und mein Orthopäde, den ich im Vorfeld um eine Meinung bat ob PDA in meinem Fall überhaupt möglich ist, bejahte zwar, wenn es ein sehr erfahrener Anästhesist wäre, dennoch ist die Gefahr der Risiken bei mir deutlich höher und es sei gut abzuwägen) ich brachte dies schriftlich mit zur Geburtsplanung und betonte auch mehrmals meine Angst davor, wurde auch alles so aufgenommen und akzeptiert. Während der sehr langen und schleppenden Geburt kamen wir an einen Punkt, an dem feststand, wenn ich mich nicht ein wenig erholen und kurz nochmal Kräfte sammel wird das zu anstrengend. Die Hebamme riet mir zur PDA, um einen Kaiserschnitt zu umgehen, ich habe nicht sofort entschieden aus Angst, sie beriet uns wirklich sehr gut erklärte alles und rief den Anästhesist dazu, damit er sich überhaupt erstmal ein Bild der besonderen Anatomie machen kann. Nach langem Überlegen meinerseits und zu reden der Hebamme entschied ich mich dann dafür, was auch richtig so war!

      Es gibt auch andere Seiten und andere Hebammen.

      Bei der Geburtsplanung kann jeder seine do’s & dont’s offen und ehrlich ansprechen. Bei uns wurde das ersichtlich in die Akte dokumentiert & markiert. Vll sollte man einfach seinen Wunsch-Fahrplan mitbringen und auch offen ansprechen. Und im Ernstfall eben ein NEIN aussprechen (wenn es um Globuli & Co. geht)

    3. Hi Natalie,
      interessanter Text. Er hat mich nochmal meine Erfahrungen reflektieren lassen.
      Ich bin noch relativ frisch zum zweiten Mal Papa geworden. Bei beiden Kindern wurden wir nicht mit Globulis zugeschüttet, ich kann die Empörung nicht ganz nachvollziehen. Auch wenn ich von Homöopathie nicht viel halte.
      Das Thema ist ewig lang und selbst gesprochen würden wir wohl einige Stunden zusammen sitzen um die Halbzeit zu erleben.
      Ich fand es auch sehr erstaunlich, wie vorallem in der Geburtshilfe die Homöopathie so ausgeprägt ist.
      Die Schwangerschaft/Geburt hat aber auch mir gewisse Probleme der Medizin gezeigt:

      – Aufgrund fehlender Studien (warum? Gerade in so einer wichtigen Phase des Lebens.. ) sind fast keine Medikamente in der Schwangerschaft erlaubt. In der Apotheke bekommt man den Eindruck vermittelt, dass die Hersteller selbst bei den harmlosesten Mittelchen wenig Lust haben Schwangeren zu helfen und sich mit rechtssicheren Aussagen entschuldigen. Es gibt also fast nur die Charité Berlin, die einem Auskunft geben kann wie die Erfahrungen mit gewissen Medikamenten sind…

      – Jeder Arzt sagt etwas anderes, in der Geburtshilfe gibt es viele Möglichkeiten & Techniken, die der eine Arzt verteufelt, der andere sofort an einem Anwenden will (als Beispiel Äußere Wendung).
      Wie kann es bei all dem Wissen und den Statistiken sein, dass die eigene Behandlung dann doch dermaßen am Gusto des behandelnden Arztes hängt? Ich vermute weil das doch nicht alles so genau und eindeutig ist.
      Das gleiche gilt im allgemeinen auch für die Kreißsäale in Krankenhäusern (meine Frau und ich haben uns wirklich einige Info-Abende gegönnt):Im einen Haus überhaupt nicht denkbar, im anderen gar kein Problem…

      -Da man in der Geburtshilfe verständlicherweise wenig eingreifen möchte sind die Mittel sehr begrenzt. Ständig wird vermessen, in der Regel kann man daraus keine sicheren Ableitungen treffen. Lauter Tests, die sagen wie wahrscheinlich ein Kind etwas haben wird. Sicher ist es aber nicht und wie ausgeprägt, weiß man auch erst wenn das Kind da ist.
      Was mache ich also wenn der Arzt mir im Ultraschall beiläufig sagt dass das Kind aber doch sehr groß ist. Für ihn ein Nebensatz, für meine Frau (und mich) schlaflose Nächte. Die große Toleranz der Ultraschallmessung wird auch selten kommuniziert, spielen aber für eine emotionale schwangere dann auch keine Rolle mehr.

      – ich bin absolut ihrer Meinung, dass Dank der Medizin so wenig Frauen und Kinder sterben wie nie.
      Logisch wäre für mich also, dass man entspannter/mutiger sein könnte bei der Geburt, da man ja effektiv reagieren kann. Tatsache ist aber, dass beispielsweise bei Beckenendlage meist ein Kaiserschnitt alleine schon deswegen gemacht wird, weil das Personal zu wenig Erfahrung mit einer Spontangeburt aus solcher Situation hat. Sprich einer Frau wird der Bauch aufgeschnitten, mit all den Folgen auch für das spätere Leben, weil das Personal besser darin trainiert ist, als ihr ohne Schnitt zur Geburt zu helfen. Und das ist ja offensichtlich ein Teufelskreislauf.

      – ich wundere mich auch, warum wir trotz all dieser Kräuterfrauen und der modernen Medizin dabei gelandet sind, die empfohlene Kaiserschnittrate der WHO dermaßen zu übertreffen. Und diese schwankt auch noch stark nach Bundesland..

      Die Liste geht eigentlich weiter, vorallem auch mit all den bürokratischen Eigenheiten die es gibt, die aber weitere Schwangerschaften und damit auch das Leben der Frauen maßgeblich beeinflussen können.

      Offensichtlich wird aber ja, wie sehr man als werdende Eltern verunsichert wird. Das habe ich immer wieder an meiner Frau beobachtet. Da steckt sicher keine Absicht dahinter. Aber eben leider wenig Sensibilität und viel Routine. Für mich ist die Flucht in die Homöopathie daher nicht richtig aber etwas verständlicher.
      Man beruhigt die Seele mit Kügelchen und wartet was passiert. In der Regel kann man mit der richtigen Medizin auch nur abwarten.

      Abschließend möchte ich Ihnen wieder recht geben, dass eine bewusste Ablehnung von sinnvollen medizinischen Maßnahmen zugunsten eines Placebo-Effekte gar nicht geht.

      Ich weiß auch nicht wie wir jetzt weitermachen.
      Gute Nacht.

    4. Als Hebamme macht es mich immer wieder traurig solche Sachen zu lesen und dass anscheinend soviele Kolleginnen mit esoterischem Humbug arbeiten. Allerdings nehme ich dieses Problem in der Praxis nicht ganz so schlimm dar, wie im Text geschildert. Es gibt ein paar Kolleginnen, die darauf schwören, aber ich persönlich habe zum Beispiel noch nie mitbekommen, dass jemand von einer PDA oder ggf. notwendigen Maßnahmen abgeraten hat und Globuli verteilt hat. Ich habe auch noch nie andere Hebammen kennengelernt, die gegen das Impfen sind. Es nervt natürlich wahnsinnig wenn man irgendwelche ungefragten Homöopathietipps bekommt, ich hör dann einfach gar nicht zu. Ich würde mir wünschen, dass sämtliche Hebammenlandesverbände esoterische Fortbildungen aus ihren Katalogen streichen würden und dafür sollte man auch eigentlich keine Fortbildungspunkte bekommen.
      Wir haben in der Geburtshilfe aber noch ganz andere Probleme, wie soviele unnötige nicht evidenzbasierte Interventionen in der Schwangerschaft und unter der Geburt, eine viel zu hohe Einleitungs- und Sectiorate und das Selbstbestimmungsrecht wird sehr oft nicht gewährt (die Liste lässt sich noch fortführen).
      Ich denke, dass wir mit der Akademisierung einen großen Schritt in die Richtung der evidenzbasierte Versorgung machen, aber da muss auch mehr Einsatz von der ärztlichen Seite kommen.

    5. Trifft es auf den Punkt. Hinzu kommt, dass sich Hebammen mittels Globuli und Co. eine eigene „Verschreibungshoheit“ schaffen und somit den Familien suggerieren, sie wären durch das „Verschreiben“ von „sanften Mitteln“ kompetenzmäßig mindestens gleichauf mit Ärztin/Arzt oder sogar besser.

  3. Danke für den Artikel, liebe Frau Grams. Ich habe ganz ähnliche Erfahrungen wie Sie gemacht. Ein paar Wochen nach der Geburt meines ersten Kindes rief ich heulend die Hebamme an, die ich bis dahin als sehr herrisch empfand. Mein Sohn weinte sehr viel und wir waren beide fix und fertig. Sie fragte mich, ob ich ihn habe impfen lassen. Selbst schuld, antwortete sie, als ich das bejahte. Zum Glück habe ich auch andere Erfahrungen gemacht. Die Hebamme beim zweiten Kind ließ mir meine Entscheidungen, war respektvoll und unterstützte mich. Beim dritten Kind hatte ich wieder eine Hebamme, die mir dauernd Globuli verabreichte, mich behandelte wie ein Kind und mir dringend empfahl, den Kindern keine fluorid-haltige Zahnpasta zu geben. Ach, eine Dame habe ich noch vergessen. Diese Hebamme leitete meinen ersten Geburtsvorbereitungskurs und warnte uns vor der Vitamin K-Gabe der Ärzte nach der Geburt, weil das scheinbar für Blutkrebs bei Kindern verantwortlich sein soll. Vielleicht hatte ich viel Pech und ich kenne viele ganz tolle Hebammen, aber ihre Warnung kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.

  4. Hebammen, die Gebärende oder Stillende zu irgendetwas überreden oder auf sie Druck ausüben, sind übergriffig. Das ist unprofessionell und unverantwortlich. Aber Hebammen, die ihre guten Erfahrungen mit Globuli und Homöopathie sowie ihre schlechten mit Chemie und frühen Impfungen verschweigen, sind ebenfalls unverantwortlich. Diese sind viel zu wenig bzw. gar nicht erforscht – wie Sie selbst schreiben.

    1. Sehr richtig geschrieben! Und wenn die Hebamme (ebenso wie ein verantwortlich arbeitender Arzt) dann noch die Grenzen der Homöopathie respektiert (s.o.) dann kann sie mit der Homöopathie sehr segensreich helfen und wirken, wie auch Sie Frau Grams, als Sie noch Homöopathie praktizierten.
      Ebenso wie Sie die segensreichen Wirkungen der Homöopathie nach Ihrem Unfall spürten (die Sie allerding später (aus welchen Gründen auch immer) allein auf die Psychotherapie zurückführten).

  5. Oh weh oh weh…da wird aber über einen Kamm geschert. Ich hatte in meinem Leben schon zwei vollständig unfähige Orthopäden. So what? Alle schlecht?

    Dr Daniel Schmidt kommt mit einer Sache mit der Hebammen wirklich gar nichts zu tun haben. Anordnen, legen, aufklären, zur PDA…alles Arztsache. Auch mit Laboranordnungen haben Hebammen (auch und gerade in der Klinik) nun wirklich überhaupt nichts zu tun.

    Frau ViViM, sofern es sie überhaupt gibt… Brustentzündung mit über 39 Grad Fieber… Arztsache. Gar nicht Hebammenbaustelle. Und Medikamente oder Essen oder Globulis oder oder oder, die man nicht will: Nein. Geht doch ganz einfach.

    Und Fr Dr. Grams, natürlich haben sie ihre Kinder mit Hebammen in der Klinik bekommen. Anders geht das in D gar nicht. Aber trotzdem gibt es in jeder Klinik Standards und die sind eigentlich immer Chefarzt gebunden. Hebammen decken in der BRD den Bereich „gesunde Schwangere“ ab. Keines ihrer Beispiele oben hat auch nur im Ansatz mit einer gesunden Schwangeren zu tun und in der Klinik, wird sich kaum ein Homöopathiestandard finden.

    Vielleicht sollten sich aber doch einmal eingie Leute die Frage stellen, wieso es immer die Hebammen braucht, die von den immer gleichen Leuten an den Pranger gestellt werden und mit Dreck beworfen werden!? Getreu dem Motto: Ach keine Sorge, da bleibt was hängen und damit kriegen wir sie beim nächsten Mal doppelt dran

    Tja schade, für mich ist das alles eher der Dreckwurf einer von ihrem beruflichen Werdegang frustriert Dame.

  6. Tja, und dann schickst du als Hebamme eine Frau zum Arzt zwecks Antbiose und dieser ist total entsetzt, dass die Hebamme der Frau vorher keinen Zucker gegeben hat. Man kann es auch nur falsch machen. Zum Kommentar bzgl. Hausgeburten. Es lebe die Statistik: im no/low risk Kollektiv spricht einiges dafür.

  7. Liebe Frau Grams,
    das haben Sie sehr schön geschrieben und die Problematiken im Zusammenhang mit der Anwendung der Homöopathie unter und nach der Geburt klar herausgearbeitet.

    Aber:
    „… in Sachen Homöopathie ist es an der Zeit, den Trugschluss einer sanften, nebenwirkungsfreien oder gar hoch wirksamen Methode….“

    Dieser Schluss ist ein Kurzschluss:

    RICHTIG ANGEWANDT, das heißt, mit der Sicht für die Grenzen (!) KANN die Homöopathie auch in der Geburtsheilkunde Wunder bewirken und eine „…sanften, nebenwirkungsfreien oder gar hoch wirksamen Methode…“ darstellen.
    Und jede VERANTWORTLICH HANDELNDE Hebamme wird diese Grenzen tunlichst beachten.
    Homöopathissche Mittel wirken gerade in der Geburtshilfe, wenn „richtig liegend“ sofort!

    D.h. wenn keine sofortige Wirkung —> sofort auf Schulmedizin zurückgreifen!

  8. Grundsätzlich sind Extreme nie gesund! Ich finde man muss nicht immer mit schulmedizinischen Medikamenten starten, wenn es pflanzliche Alternativen gibt, die durchaus eine gute Wirkung haben können. Mit Homöopathie arbeite ich z.B. nicht, aber durchaus mit pflanzlichen Wirkstoffen oder Akupunktur. Wichtig ist einzusehen und zu erkennen wann es notwendig wird an einen Arzt zu übergeben und entsprechende Medikamente verschreiben zu lassen. Natürlich gibt es die im Artikel beschriebenen Hebammen, aber der Artikel wird nicht all den anderen Hebammen gerecht, die nicht so extrem eingestellt agieren. Ich bin weder gegen eine PDA, noch bin ich Impfgegnerin. Im Gegenteil. Ich zeige grundsätzlich alle Möglichkeiten zur Schmerztherapie auf. Fange aber nicht mit Opiaden etc. an, wenn möglich, da oft schon ein warmes Bad, Massage, Positionswechsel und Bewegung Linderung bringen kann. Allerdings kann nur die Frau selbst entscheiden, ob sie ein Schmerzmittel benötigt oder nicht. Jeder empfindet den Schmerz anders und geht genauso unterschiedlich damit um. Es ist anmaßend ein solches zu verweigern oder gar der Frau ein schlechtes Gefühl zu vermitteln, wenn sie darum bittet. Das Wichtigste ist, dass die Frauen weder übergangen noch genötigt werden. Das fängt bei einer respektvollen Kommunikation an und endet mit Aufklärung über Maßnahmen und Einbeziehung in Entscheidungen, die Geburt betreffend. Am Ende sollte es für jede Hebamme oberstes Gebot sein, dass die Frauen die Geburt nicht als übergriffig, gewaltvoll und/oder fremdbestimmt erleben. Ich finde es traurig und beschämend, dass das offensichtlich bei vielen Frauen nicht der Fall ist. Geschrieben von einer Hebamme, die sich nicht in dem Artikel wiederfindet

    1. Frau Dr. Grams sagt auch nichts gegen Naturheilkunde. Aber sehr wohl gegen Homöopathie sowie das ganze Impfgegnertum, was sich bei Hebammen ja scheinbar ausbreitet.

  9. Ich selbst habe mein Kind im Geburtshaus Frankfurt bekommen und dort die Vorsorgen gemacht. Globoli und Homäophatie wurde mir kein einziges Mal angeboten. „Antikes Wissen“ das heute weiterhin hochaktuell ist, wie z.B. eine 1 zu 1 Betreuung, das Zulassen verschiedener Stellungen, etc. haben mir eine gute, sichere Geburt ermöglicht. Oft werden hebammengeleitete Geburten mit Hokuspokus assoziiert. Das kann ich keinesfalls bestätigen.

  10. Danke ich hatte eine
    Komplizierte Geburt, die doppelt schmerzhaft war nur mit Paracetamol und meine Hebamme meinte jeder könnte stillen. Sie hat mir wochenlang eingeredet ich würde mich nicht genug anstrengen und hat die These vertreten, dass man im Hochsommer kein Wasser geben soll weil ja Wasser Kinder tötet. Hätte ich die Dame nicht gehabt hätte ich nicht so ein Drama gehabt, stillen konnte ich aus medizinischen Gründen nur begrenzt, und wären die Hebammen nicht gewesen, hätte ich mich vermutlich für einen Kaiserschnitt entschieden und nicht diese Hardcore Schmerzen gehabt. Aber ich war ja so dumm und hab nicht auf Mutti gehört.

  11. Ganz herzlichen Dank,der von einer Grossmutter kommt.Ich habe in einer guten Klinik entbunden und alle Mittel der Medizin in Anspruch genommen ,die 1977 schon zur Verfügung standen.Es wird höchste Zeit,dass aufgeräumt wird mit einem Mythos.Ich danke dem Mediziner heute noch,der mir einen einen Dammschnitt versetzt hat.Also nochmals danke für diesen Artikel

  12. Ich bin eine Hebamme. Hab in verschiedenen Kliniken gearbeitet und nirgends gab es diese beschriebenen Praktiken! Ich möchte nicht bestreiten, dass es irgendwo so passiert, aber mich aufs heftigste wehren, alle in einen Topf zu werfen! „Die Hebammen“ gibt es sowenig wie „die Ärzte“. Oder seid ihr alle gleich? Alle Bäcker, alle Politiker, alle Lehrer…… sehr unqualifizierte, einseitige Berichterstattung! Aber Sie sind bestimmt auch noch stolz über Ihr Geschreibsel.

  13. Als Hebamme kann ich mich von diesem Artikel nur ganz klar distanzieren.
    Dies ist ein sehr subjektiv geschriebener, schlecht recherchierter Beitrag.
    Hebammen dürfen keine Impfberatung durchführen und so verweise ich (und auch meine Kolleginnen) die Eltern an den zuständigen Kinderarzt. Meine persönliche Meinung zu diesem Thema ist dabei uninteressant.

    Im Gegenzug erlebe ich sehr viele traumatisierte Frauen durch unnötig vorgenommene Eingriffe während der Schwangerschaft und vor allem der Geburt (Sectiorate von fast 40%, Kristeller Handgriff, Lateral geschnittene Episiotomien usw.)

    Wenn eine Frau die Alternativmedizin ablehnt, bleibt dann, bei Bedarf nur die Schulmedizin. Jede (r) wie er mag. Wir sind ein freies Land…

    1. Frau Dr. Grams lehnt die Naturheilkunde keineswegs ab. Sondern Homöopathie, Schüßlersalze und anderen Hokuspokus.

      Hebammen dürfen keine Impfberatung durchführen, korrekt. Der Punkt ist nur: Sie haben Kolleginnen, die das trotzdem tun.

  14. Als Vater dreier hausgeborener Kinder möchte ich darauf hinweisen, dass Geburten in der Regel keine Krankheit sind und deshalb auch nicht dringend ins Krankenhaus gehören. Wir haben uns immer vorab mit der Frage beschäftigt, wo das nächste Krankenhaus ist und wie wir da gut hinkommen. Klar gibt es Situationen, in denen medizinischer Beistand gebraucht wird. Aber meistens, bei uns in allen drei Fällen, ist eine gute Versorgung durch eine vertraute Hebamme in häuslicher Umgebung eine super Voraussetzung für eine gute Geburt. Sieht mensch an Holland: Viel mehr Hausgeburten und weniger Kinder die geburtsnah sterben. Ein Lob auf die Hebammen!!

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