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Bei „Romeo und Julia“ ging es nie um die Liebe – die beiden verband der Kampf um etwas Existenzielleres

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Tatsächliche Liebe oder ein Mittel zur Befreiung? Das neue Audiodrama „Julia & Romeo“ stellt die vielfach erzählte Liebesgeschichte in ein spannendes neues Licht. Wir haben uns mit der Hauptrolle der Julia genauer auseinandergesetzt.

Shakespeare wurde missverstanden

Denken wir an Shakespeares „Romeo und Julia“, haben wir eine dramatische Liebesgeschichte vor Augen. Zwei junge Menschen aus verfeindeten Familien, die sich unsterblich ineinander verlieben, nicht zusammen sein dürfen und schlussendlich vor lauter Unglück den Tod wählen. Spricht man mit dem Autor David Hewson, der das Drama nun für Audible neu interpretiert hat und dabei Julia in den Mittelpunkt stellt, wurde Shakespeare schlicht missverstanden. Für ihn ist es keine Liebesgeschichte, sondern eine über Befreiung. „Ich wollte die Geschichte so erzählen, wie Shakespeare sie vielleicht gerne erzählt hätte, aber zu seiner Zeit nicht konnte“, sagt er. Zu Zeiten Shakespeares war es schwierig eine starke, weibliche Hauptrolle zu etablieren – allein schon aufgrund der Tatsache, dass Frauen überhaupt nicht als Schauspielerinnen zugelassen waren und die Rolle der Julia deshalb auch von einem Mann besetzt werden musste.

Die Geschichte spielt zwar 1499, greift aber ein aktuelles Thema auf. „Wir werden hier jetzt vielleicht nicht mehr mit dreizehn Jahren verheiratet, aber wir haben als Frau immer noch ähnliche Strukturen, Konventionen, die wir unreflektiert und unterbewusst leben“, sagt Yara Blümel, die die Rolle der Julia spricht. Julia lebt in einer Familie, die genaue Vorstellungen davon hat, wie ihr Leben ablaufen soll, wen sie heiraten soll und vor allem davon, wie sich eine Frau zu verhalten hat. Die Parallelen zum Hier und Heute sind eindeutig: Es wird immer noch darüber diskutiert, was Frauen dürfen, ob es okay ist, wenn sie keine Kinder wollen, ob eine Frau auch „alleine“ glücklich sein kann oder ob eine Mutter eine „Rabenmutter“ ist, nur weil sie nicht auf ihre Karriere verzichten will. So oft müssen sich Frauen für ihre Lebensentwürfe rechtfertigen, werden als „Schlampen“ bezeichnet, wenn sie befreit mit ihrer Sexualität umgehen oder als „bossy“, wenn sie wissen, was sie wollen.

Wer ist diese Julia?

Genau diese Erwartungshaltungen, die es gegenüber Frauen gibt, spürt auch Julia. Sie tritt in der Neuinterpretation als sehr selbstbewusster und direkter Charakter auf, fährt Romeo über den Mund und sagt Sätze wie diesen zu ihm: „Die Hälfte aller Götter lachen über die gebrochenen Versprechen von Liebhabern.“ Gleichzeitig spürt sie den Druck von Familie und Gesellschaft und hat das Gefühl nicht dem zu entsprechen, was man von ihr erwartet: „Bin ich zu vorlaut? Das ist nicht gut, ich weiß. Wenn du willst, kann ich zurückhaltender sein.“ Im Laufe der Erzählung erlebt man dann aber, wie Julia sich ihres rebellischen Charakters immer sicherer wird und merkt, dass das Bild, das andere von ihr haben, nicht das ist, was sie erfüllen möchte. Die rebellischen Züge sind nicht komplett neu. „Shakespeare hatte schon Ansätze davon, aber David hat das verstärkt und Julia moderner gemacht“, sagt Yara Blümel. „Julia benennt die Dinge und versucht, sie zu verändern.“

Romantik Fehlanzeige?

Dabei rennt Julia gegen Wände. Sie will selbst über ihr Leben bestimmen und soll trotzdem zu einer Heirat gezwungen werden. Sie ist gefangen, es scheint ausweglos zu sein – bis sie sich in Romeo verliebt, der fast wie ein Retter in der Not auftritt. Doch ist Romeo mehr eine Befreiung für Julia, als jemand, in den sie sich aufrichtig verliebt? „Ich wollte genauer herausfinden, warum sich Julia und Romeo ineinander verlieben“, betont David Hewson: „Bei Shakespeare ist es Liebe auf den ersten Blick, aber in einem modernen Kontext ist das zu kurz gedacht. Jeder von beiden hat seine eigenen Gründe, sich zu verlieben.“ Bezieht man diese Gedanken mit ein, dann zeigt sich die Geschichte in einem neuen Licht. Es steckt plötzlich weniger dramatische Liebe dahinter und mehr von dem, was wir uns wohl alle wünschen: die Freiheit, das eigene Leben zu lenken und nicht von Familie oder Gesellschaft fremdbestimmt zu werden. Romeo geht es ähnlich. Seine Eltern wollen ihn dazu drängen, Anwalt zu werden, er will aber Dichter sein und erfährt hier die Grenzen seiner Selbstbestimmung. Julia und Romeo lernen sich also in einer Lebensphase kennen und lieben, in der sie beide auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit sind – und sie im jeweiligen anderen zu finden glauben.

Adieu, Romantik also? Ganz so drastisch ist es nicht und auch die berühmte Balkonszene findet in der Neuinterpretation ihren Auftritt. Es geht vielmehr um den Fokus, der in der Erzählung gelegt wird. „Es geht um Emanzipation und Freiheit“, sagt auch Nicolas Artajo-, der den Romeo im Audible-Audiodrama spricht. Sind Julia und Romeo wirklich ineinander verliebt? Wären sie es auch, wenn sie sich nicht beide gefangen fühlen würden? Vielleicht. Den beiden Galionsfiguren der Romantik die Liebe völlig abzusprechen würde wahrscheinlich auch zu weit gehen. Und trotzdem: Ein bisschen mehr Realität in Liebesgeschichten können wir ganz gut gebrauchen. Nach all den Hollywood-Hochzeiten, die wir gesehen haben, nach den vielen Happy-Ends und der glorifizierten Vorstellung von der allumfassenden Liebe, ist es eine gelungene Abwechslung, eine Geschichte zu hören, in der es eben nicht um todeswillige Verliebte geht, sondern um Freiheit, Emanzipation und Selbstverwirklichung.

Oder wie Autor David Hewson es sagt: „Romeo und Julia suchen nicht nach dem Tod; sie suchen nach der Freiheit.“

Hier könnt ihr euch ein Interview der Sprecherin der Julia, Yara Blümel, anschauen:

Das Audiodrama „Julia & Romeo“ von David Hewson gibt es seit dem 6. Juli als Download exklusiv bei Audible.

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