Foto: Ray_LAC | Flickr | CC BY 2.0

Wie ich das Programmieren für mich entdeckt habe

Wir sind den halben Tag im Internet unterwegs – und doch ist die Technik dahinter für die meisten Frauen tatsächlich Neuland. Das muss sich dringend ändern.

 

Was ist eigentlich ein Backend? 

„Die IT-Branche braucht mehr weibliche Vorbilder“ forderte die Zeit schon vor über einem Jahr. 2017 heißt es aber immer noch: „Das Silicon Valley ist männlich und weiß“. Nur 15 Prozent Frauen arbeiten in IT-Berufen. Und nur 23 Prozent der Informatikstudenten sind weiblich. Dabei werden Fachkräfte in dem Bereich händeringend gesucht: Laut Bitkom gibt es derzeit rund 41.000 unbesetzte IT-Stellen in Deutschland. Gut bezahlt sind diese Jobs mit einem Anfangsgehalt ab rund 40.000 Euro auch. Führungskräfte mit Berufserfahrung bewegen sich sogar im Bereich zwischen 66.000 und 116.000 Euro. Klingt verlockend und zukunftsorientiert – und dennoch schrecken viele Mädchen und Frauen vor einer IT-Karriere zurück.

Eine, die das ändern will, ist Anja Schumann. Sie ist Vorstandsvorsitzende von Moinworld e.V., einer Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Anteil der weiblichen Software Entwickler und Manager im IT Bereich auf 50 Prozent zu erhöhen. „Wir wollen die IT-Welt positiv verändern, in dem wir mehr Frauen und Mädchen für das Programmieren begeistern und sie in Ihrem Werdegang unterstützen“, erzählt sie in einem Interview. „Unsere Zukunft ist digital und Frauen und Männer sollten diese Zukunft gemeinsam gestalten können. Software verändert alle Bereiche, egal welchen man sich anschaut: Landwirtschaft, Automobilindustrie, Handel. Es wäre ein großer Vorteil, wenn ein größerer Teil der Bevölkerung diesen Code lesen und schreiben kann. Nicht nur, weil wir damit das Fachkräfteproblem lösen, sondern auch, weil wir alle wissen, dass diverse Teams bessere Ergebnisse hervorbringen.“ 

Damit das gelingt, bietet sie neben Netzwerkveranstaltungen auch verschiedene Programmierkurse für Frauen an: In Blöcken von zehn Unterrichtsstunden kann man bislang HTML & CSS, JavaScript oder Python lernen. Weitere Kurse für Android Prgrammierung und Java sind in Planung.

Endlich verstehen, was Programmieren bedeutet 

Ich würde mich als technikaffin beschreiben, aber mir kam es bisher nie in den Sinn, selbst Informatik zu studieren oder etwas in dem Bereich als Berufsziel auszuwählen. Mein Beruf als Referentin für Onlinekommunikation ist zwar sehr digital: Ich verbringe die meiste Zeit vor dem Computer und befasse mich viel mit dem Internet. Und auch durch meine Ausbildung zur Mediengestalterin für Digital- und Printmedien, die ich vor meinem Studium absolviert habe, konnte ich Einblicke in die Theorie des Internets gewinnen. Aber selbst Webseiten programmieren? Das war für mich eher etwas für Nerds und kein besonders spannender Beruf für mich persönlich. 

Mit dem wenigen Vorwissen, das sich darauf beschränkt, einen Text im HTML-Modus fett zu machen, startete ich vor fünf Wochen also selbst in den Kurs. Mittlerweile habe ich die letzte Doppelstunde „Web Development“ hinter mir – und meine eigene Website online. Das verlief aber nicht ohne Tücken: Nach der Anfangseuphorie kamen auch immer wieder mal Momente, in denen ich nur wenig verstanden und den Faden verloren habe. Zum Glück gab es dann aber immer Hilfestellung von den anderen Frauen. Neben der Begeisterung, zu lernen, wie eine Website aufgebaut ist und wie man die Zeichenkolonnen in grafische Elemente umwandelt, die tatsächlich online sind, ist es nämlich genau das, was den Kurs besonders macht: Gemeinsam mit anderen Frauen aus unterschiedlichen Berufen zu lernen. 

Gemeinsam lernen

In unserem Kurs waren zusätzlich auch Schülerinnen dabei, die dadurch ein anderes Bild vom Programmieren vermittelt bekommen, als ich damals vor meiner Berufswahl. Die beim gemeinsamen Lernen geknüpften Kontakte zu uns anderen Frauen – wir arbeiten mittlerweile alle in guten Positionen verschiedenster Unternehmen – sind aber wahrscheinlich noch wertvoller.

Natürlich lernt man in ein paar Wochen nicht alles, um tatsächlich komplexe Webseiten zu bauen, doch nützlich ist das Grundwissen allemal. Ich versteh jetzt tatsächlich besser, was mir meine IT-Kollegen erzählen – zwei von ihnen sind übrigens weiblich. Insofern bin ich optimistisch, dass die Zukunft der IT anders aussehen wird. Wir brauchen nur noch mehr Initiativen wie diese. 

Saras Text erschien zuerst auf Moinworld. Wir freuen uns, ihn auch hier veröffentlichen zu können.

Titelbild: Ray_LAC | Flickr | CC BY 2.0

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