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Unfassbar aufregend: das erste Mal

In ihrer Twentysomething-Kolumne schreibt Silvia über alles, was ihr gerade durch den Kopf geht. Und diese Woche über das erste Mal.

Vom Zauber des Anfangs

Was soll ich sagen. Das erste Mal ist einfach ziemlich aufregend. Man weiß, dass man jetzt die Grenze zu etwas überschreitet, dass dahinter etwas Neues wartet. Dass man sein Limit auslotet, ohne genau zu wissen, wohin man es verschiebt. Macht das was mit mir? Und wenn ja, was? Und macht das vielleicht auch was mit dem anderen? Und dann pumpt das Herz und der Bauch und der Kopf gleich mit. Und dann passiert es auch schon, wird ganz toll,
ganz peinlich oder ganz blöd und manchmal alles zusammen. Und hinterher, da hat
man nicht nur sich selbst von einer anderen Seite kennengelernt, man gehört
auch gleich zu einem neuen Kreis dazu: den Wissenden.

Tja, das erste Mal ist toll. Und damit meine ich nicht unbedingt den ersten Sex. Aber den sicherlich auch. Es geht vielmehr um diese vielen ersten Male, die man sein ganzes Leben erfährt – die Abenteuer bedeuten und neue Qualitäten oder auch nur, dass man weiß: Nee, das ist nichts. Nur irgendwann, da merkt man, dass die Abstände zwischen den ersten Malen größer werden. Und das man sie ab einem bestimmten Alter nicht mehr nur herbeisehnt, sondern sie auch etwas sorgenvoll betrachtet. Statt vor allem Vorfreude zu haben, fragt man sich immer öfter: Muss ich das überhaupt? Kann ich das und will ich das? Gehört das, was da hinter der Grenze liegt, noch zu mir?

Ein Leben voller erster Male? Das war früher

Früher, da lag zwischen einem ersten Mal und dem nächsten meist nur ein Tag – wenn überhaupt. Ein neues Gemüse oder Obst, ein Fleischstück, anders gegart, der Gardasee und die Karpaten und dann einmal rothaarig oder Schwarz mit Blaustich im Haar, lässige Hosen und dann ein Korsett, Tennisspielen, Surfen, ein Kuss, betrunken sein und ja, auch der erste Kater, erste eigene Wohnung, Mietverträge, Kühlschrank selbst auffüllen, wegziehen, auswandern, zumindest zeitweise, der erste Job, das erste Mal fliegen, das erste Mal irgendwo verloren gehen und wieder zurückfinden, das erste Mal richtig am Boden zerstört und dann wieder aufstehen.

Bei manchem ist es ja durchaus schön, wenn Routine reinkommt. Aber ist das langsam nicht etwas viel Gleichgang? Es ist doch diese Farce am Älterwerden: Erst darf man alles und dann fängt man an zu zaudern und kann von so vielem die Finger lassen, wovon man früher nicht zu träumen gewagt hätte. Und irgendwann, wenn dann die Lütten kommen, dann schaut man meist nur noch bei den ersten Malen zu. Aber warum sanktionieren wir uns da selbst so? Ich nehme mich da nicht aus – denn auch ich habe nur noch ziemlich selten erste Male.

Es gibt noch so viele Abenteuer zu erleben

Dabei, würde ich sagen, habe ich noch so unendlich viele Dinge nicht erlebt, gesehen, geschmeckt und berührt. Und eigentlich habe ich große Lust, meine Grenze mal wieder um ein paar Meter zu verschieben. Im Prinzip ist das ja auch gar nicht schwer – aber man muss es sich eben bewusst vornehmen. Und dann auch noch machen. Und wenn es soweit ist, dann sitzt man leider schon wieder gemütlich in der Jogginghose auf der Couch und hat ja gar nicht mehr vor, als sich nochmal schnell die Fußnägel zu schneiden und das Käsesandwich zu essen. Wenn auch vielleicht nicht in dieser Reihenfolge. Vielleicht aber schon.

Aber wie wäre es mal wieder damit: sich wieder fordern und dadurch fördern, den Hintern hochbekommen und einfach mal losstürzen, nicht mehr so viel zögern, sondern lieber bereuen, einfach mal machen und selbst mal ganz viel von sich halten. Noch einmal schauen, ob man doch die ist, die das kann und jenes, die lieber das isst oder dort wohnt, die nicht den Beruf gut kann, sondern den anderen, die besser ist darin, sich zu verlieben, oder für sich zu sein. Mal wieder neugierig auf das Leben sein – aber vor allem auf sich selbst.

Klingt ganz gut, wenn ich das so schreibe – jetzt müsste nur noch die Jogginghose in die Ecke. Aber vielleicht bestell ich mir auch erst einmal eine ungewöhnliche Pizza beim Lieferservice. Ist ja auch schon was.

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