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„Weißt du noch?“- Wie es ist eine Fernbeziehung mit den besten Freundinnen zu führen

Unsere Community-Autorin ist mit ihren besten Freundinnen aufgewachsen, heute trennen sie viele Kilometer. Wie ist es eine Fernbeziehung mit der besten Freundin zu führen?

„Kurz auf einen Kaffee treffen?“

„Magst du heute nachmittag vorbeikommen?“ Das war früher kein Problem: „Klar, bin in 5 Minuten da.“ Früher trennten uns zwei Straßen, heute sind es 160 und 70 km. Ja, früher war alles besser. Mittlerweile, mit 25 Jahren, ist dieser Satz auch in meinem Sprachgebrauch. Hat er früher als Teenager nur für Augenverdrehten bei mir gesorgt, kann ich ihn mittlerweile gut verstehen.

Ja, früher war alles besser. Früher haben wir uns getroffen, wann wir es wollten. Jetzt geht das nicht mehr. Es ist eine logistische Meisterleistung. Gemeinsam in die Schule gehen, gemeinsam Turnen, gemeinsam auf Wettkämpfe, im Café treffen und über Sport und Männer reden – und nebenbei ganz wunderbar Leute beobachten, gemeinsam die kaum vorhandenen Clubs und Bars unserer Stadt am Wochenenende unsicher machen, über gemeinsame Erlebnisse reden und neue Pläne schmieden – das war früher (Ha, da ist es wieder) einfach oder sagen wir einfacher. Mittlerweile ist aus einer engen Beziehung eine Fernbeziehung geworden. Ich würde aber ganz dreist behaupten, dass sie immer noch so intensiv ist. Anders, na klar, aber wenn wir uns treffen, ist es wie – sorry – wie früher eben.

„Nächste Woche wieder telefonieren?“

Auch wenn wir es nicht immer regelmäßig schaffen, weil die eine doch abends spontan weggeht oder die andere etwas für die Uni lernen muss, sind mir die Telefondates mit meinen besten Freundinnen heilig. Eine Stunde minimum. Was wir uns eigentlich wichtiges zu erzählen hatten? Hm, das frage ich mich danach auch manchmal. Eigentlich gab es nichts wichtiges zu erzählen, aber andererseits ist auch das für den anderen alltägliche wichtig. „Wie verbringst du deinen Alltag?“ „Was machst du?“ „Wie geht es dir?“  – All das muss natürlich geklärt werden, um so irgendwie am Leben des Anderen teilzuhaben. Wenn auch mit vielen Kilometern dazwischen. Wie es mir danach geht? Ich-bin-im-tanzend-und-hüpfend-durch-die-Wohnung-Modus. Die Telefonate zeigen mir immer wieder, dass sich diese Fernbeziehung mit meinen besten Freundinnen lohnt.

Alltägliches? Nein, Kostbares.

Es ist schon schwer genug, wenn die Familie einige Kilometer weit weg wohnt,  kommen dann noch die besten Freundinnen dazu, wird es nicht unbedingt leichter. Mal eben auf einen Kaffee treffen oder sich einfach nur in den Arm nehmen? Das ist für viele alltäglich, für mich ist es besonders und dadurch besonders wertvoll. Man nimmt die Zeit viel bewusster wahr und genießt sie. Am schönsten ist es dann, wenn ich all meine Liebsten um mich herum habe: Familie, Freund und meine zwei besten Freundinnen. Das ist dann Heimat pur.

Juhu, Mädelswochenende

Letztes Wochenende war es dann endlich soweit. Eine meiner beiden besten Freundinnen kam zu Besuch. Aufregung und gute Laune waren da natürlich vorporgrammiert. Nicht mit jedem kann man vier Tage gemeinsam verbringen. Stressfrei. Wo sich andere schon nach einem Tag nichts mehr zu sagen hätten, ist uns der Gesprächsstoff nie ausgegangen. Wir haben gelacht, bis uns die Tränen kamen, bei den Geschichten – „Weißt du noch, damals?“

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