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Selbstverrat für die Hoffnung auf Liebe? Schluss damit!

Sie machen sich klein, verzeihen alles und verraten sich dabei selbst – und das alles für die Hoffnung auf ein bißchen Zuneigung. Warum so viele Frauen noch lernen müssen, dass die Liebe kein Tauschgeschäft für Selbsterniedrigung sein darf.

 

Von der enttäuschten Hoffnung auf etwas Liebe

Den ersten Menschen, den ich in Sachen Liebe bekehren wollte, war ein Egoist
– aber so richtig. Sebastian kokettierte damit, dass er nur an sich dachte. Ich
mochte diese Ehrlichkeit und dachte an das Sprichwort von der harten Schale und dem weichen Kern. Ich opferte Stunden und jede Menge Benzingeld, um ihn, der keinen Führerschein besaß, abzuholen und zu Terminen zu fahren. Ich erhoffte mir davon keine Dankbarkeit, sondern nichts weniger als seine Liebe.

Die Erkenntnis, dass ich ihm so viel gebe, sollte bei meinem Gegenüber die Zuneigung für mich wecken. Ein Spiel das sich bei David, Rene und Christoph (erfolglos) wiederholte. Und ein Muster, das ich immer wieder auch bei anderen Frauen beobachte: Wir reißen uns den Hintern auf für die Aussicht auf ein bißchen Liebe. Wir verzeihen Egoismus, Unachtsamkeit, spitze Worte, Ignoranz, fehlende Wertschätzung in der Hoffnung geliebt zu werden.

Bisher sind mir nur Frauen, allesamt klug, gebildet und selbstständig, begegnet, die sich für Männer klein machen. Und es macht mich einfach nur noch wütend.

Wir haben gelernt, uns kleiner zu machen als wir sind

Dem Verhalten zu Grunde liegt ein Missverständnis, ein Erziehungs- und Gesellschaftsfehler, der Mädchen schon von Grundschule an einbläut: Wir sind das zarte, emotionale, verständnisvolle, verzeihende Geschlecht. Wir verstehen,
treten zurück, trösten und werden nicht laut – schließlich sind wir (auch noch)
das sozialere der beiden Geschlechter.

Dieses Rollenbild in Kombination mit einer gesellschaftlichen Überhöhung der Liebe (als rettende, sinnstiftende Lebensgrundlage) führt dazu, dass wir häufig glauben, durch unsere Zuneigung könnten wir Berge oder zumindest Persönlichkeiten versetzen. Wenn wir genug lieben, dann erhalten wir auch
die Liebe die wir verdient haben. Und so verzeihen wir viel, lassen uns
verletzen und machen uns selbst klein.

Niemand sollte seine eigenen Bedürfnisse für die Liebe zurückstellen müssen

Ich würde mir wünschen, dass sich ein anderes Bild von der Liebe durchsetzt. Eine Liebes- und Partnerschaftsidee, basierend auf gegenseitiger Zuneigung und Unterstützung, ohne dass sie im Gegenzug Einschränkungen in der eigenen Persönlichkeit einfordert. Ich möchte diesen sich klein machenden Frauen ein lauten „Stopp“ zu rufen: „Ihr seid gut so wie ihr seid! Und ihr habt verdient, genauso geliebt zu werden!“ Und wenn ihr nicht die Wertschätzung erhaltet, die ihr verdient habt, dann ist es die Sache einfach nicht wert.

Die Liebe wird euch nicht retten. Sie wird euch nicht zu einer besseren Version eurer selbst machen, wenn ihr euch dafür verändern, vielleicht sogar verraten müsst. Und wenn jemand nicht auf euch steht und euch die Wertschätzung entgegenbringt, die ihr verdient, dann geht. By the way: Das gilt für gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen ebenso wie für Freundschaften oder den Arbeitsplatz.

Respekt und Zuneigung sind keine Tauschwährung für Selbsterniedrigung, sondern nur für die gleichen Gemütsbewegungen. Und wenn es tatsächliche eine Form von Liebe vermag Menschen zu retten und glücklich zu
machen, dann ist es wohl die Selbstliebe.

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