Foto: Beowulf Sheehan | PEN American Center | Flickr

Chimamanda Ngozi Adichie: „Privilegien machen uns blind“

Die Autorin Chimamanda Ngozi Adichie hat vor Absolventinnen des Wellesley Colleges eine bewegende Rede über den Umgang mit Privilegien gehalten.

 

Wer ist eigentlich priviligiert und warum?

Am 29. Mai 2015 haben wieder einmal haben zahlreiche Frauen ihre Ausbildung am renommierten Wellesley College abgeschlossen, an dem auch schon Hillary Clinton studierte,  und werden nun mit dem Abschluss in die Welt entlassen. Mit einem Zeugnis von einer Hochschule für Frauen, die sich auf die Fahne geschrieben hat: „Frauen, die etwas in der Welt bedeuten werden, eine exzellente Ausbildung zu geben.“

Aber, was bedeutet diese „exzellente Ausbildung“ für die Frauen? Genau diese Frage hat sich auch die Autorin Chimamanda Ngozi Adichie zum Thema gemacht, als sie am Tag der Abschlussfeier eine starke Rede vor den Frauen hielt.

Hier ein paar Auszüge:

„Ihr habt unfassbares Glück, einen Abschluss von dieser Exzellenz-Bastion zubekommen. Und so Gott will, seid ihr bald Absolventinnen des Colleges, das die erste amerikanische Präsidentin hervorgebracht hat. GO Hillary!“

„Ich habe fehlenden Geschlechtergerechtigkeit bereits in meiner Kindheit erfahren. Ich habe schon damals erfahren, dass die Welt sich nicht vor Frauen ausbreitet, sondern vor Männern. Und ebenso habe ich erfahren, dass das Einnehmen einer Opferrolle keine Tugend ist. Denn nur weil man diskriminiert wird, macht einen das noch lange nicht moralisch besser. Ebenso wusste ich schon damals, dass Männer nicht böse, sondern dass sie lediglich privilegiert sind. Und ich wusste, dass Privilegien uns blind machen – denn das ist die Natur von Privilegien. Ich weiß das aus eigener Erfahrung, denn dass ich in einer gebildeten Familie aufgewachsen bin, macht auch mich privilegiert. Und hat auch mich manchmal blind gemacht.“

„Nun, da ihr euer wundervolles Diplom von Wellesley habt, seid auch ihr privilegiert – ganz gleich, welchen Background ihr habt. Dieser Abschluss und die Erfahrung hier zu sein, hat euch privilegiert gemacht. Lasst euch dadurch nicht zu blind machen. Manchmal werdet ihr eure Privilegien beiseite schubsen müssen, um klar zu sehen.“

„Fragt auch die Männer, wie sie Familie und Beruf vereinbaren. Denn in Zeiten, in denen Eltern mit so viel Schuld beladen werden, sollte die Schuld gleichberechtigt verteilt sein. (…) Lasst Väter an der Pracht von Schuld teilhaben. (lacht) Kämpft für bezahlte Väterzeit überall in Amerika. Stellt mehr Frauen ein, wo nur wenige sind. Aber denkt daran, dass eine Frau, die ihr einstellt, nicht ganz besonders gut sein muss, sondern ebenso wie Männer, einfach nur gut.“  

„Ich habe mich irgendwann gefragt, was es wirklich bedeutet, dieses feministische Label in der Öffentlichkeit zu tragen. (…) Ich wollte den Begriff in eine neue Generation tragen und  wurde davon überrascht, wie viele Menschen, darunter viele Akademiker, in diesem Begriff etwas Bedrohliches sehen. Es scheint fast so, als gehören Feministen einem kleinen elitären Kult mit esoterischen Mitgliedervorschriften an. Aber genau so soll es nicht sein! Feminismus sollte für eine inklusive Gesellschaft stehen. Und Feminismus sollte eine Gesellschaft voller verschiedener Feminismen erlauben. Also, liebe Absolventinnen, geht raus und macht es dazu.“

Das Video mit der gesamten Rede ist hier anzusehen.

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