Foto: Quinn Dombrowski I flickr I CC BY-SA 2.0

Die drei Säulen erfolgreicher Kleinkind-Erziehung: Bestechung, Erpressung, Drohungen

In ihrer Kolumne „Familie und Gedöns“ schreibt Lisa über alles, womit sich Eltern so beschäftigen (müssen), diesmal: billige Erziehungstricks.

Die Sache mit dem Erziehungskonzept

Ein Freund, Vater von zwei Töchtern, erläuterte mir vor einigen Monaten, als ich ihm völlig verzweifelt und ausgelaugt von irgendeinem Erziehungsproblem berichtete – ich weiß schon gar nicht mehr welches – sein Erziehungskonzept. Dieses, sagte er, basiere im Grunde auf drei Säulen, nämlich: Bestechung, Erpressung, Drohungen. Damit bekomme er eigentlich jedes Problem zeitnah und recht problemlos in den Griff.

Seitdem habe auch ich versucht, dieses Konzept verstärkt in meine Erziehungsphilosophie einzubauen. Wenn wir uns mal genau anschauen, wie man den Alltag mit Kindern überhaupt übersteht, ohne komplett durchzudrehen, dann müsste eigentlich allen Eltern auffallen, dass sie das 3-Säulen-Konzept unseres Freundes schon längst implementiert haben – oder es sich unbemerkt eingeschlichen hat. Du kommst sonst einfach nicht weiter, behaupte ich mal.

Das Problem ist nur: Das Konzept kannibalisiert sich irgendwann selbst. Je nach
Charakter der eigenen Kinder kann man damit längere oder kürzere Strecken
überbrücken. Ich merke leider, dass das Eis dünner wird, auf dem ich mich bewege. Beziehungsweise: Ich bemerke Abnutzungserscheinungen und weiß nicht genau, wie ich da jetzt noch gegensteuern soll.

Was tun gegen Abnutzungserscheinungen?

Für die Veranschaulichung vielleicht ein paar Beispiele:

– Bestechung: Fürs Haarewaschen gibt es zwei Gummibärchen; fürs auf-den-Topf-Kacken auch. Mittlerweile holt sich das dreijährige Kind jeden Abend eigenständig einen Messbecher aus der Küche, steigt in die Badewanne, kippt sich einen Messbecher voll Wasser über die Haare und erscheint strahlend in der Küche, um die fällige Gummibärchen-Ration einzusacken; behauptet dreist, in den Topf gekackt zu haben und das Ergebnis bereits eigenständig entsorgt zu haben, um an die Gummibärchen zu kommen, wobei ich dank fehlender Spuren im Topf ganz genau weiß, dass es sich um eine dreiste Lüge handelt.

– Erpressung: „Du darfst die Minions nur gucken, wenn du vorher Zähne putzt und dich wäschst.“ „Nagut, dann guck ich halt nie wieder einen bescheuerten Minions-Film und Karius und Baktus sollen meine Zähne zerfressen, UÄÄÄÄHHHH…“

– Drohungen: „Wenn du jetzt nicht sofort die Schuhe anziehst und wir losgehen, krieg ich richtig Ärger mit Susann und Nora, die sitzen nämlich schon im Büro und warten auf mich, und dann muss ich länger arbeiten und kann dich nicht pünktlich vom Kindergarten abholen“. Antwort des dreijährigen Kindes mit r-Schwäche: „ Nola und Susann sind so gemein, buhuuuu!“ Konsequenz in Sachen Aufbruch in Richtung Kita: keine.

Aber ich bin zuversichtlich: Bestimmt gibt es unter euch ein paar vorbildliche Eltern, die es nicht nötig haben, mit solch schmutzigen und hilflosen Tricks zu arbeiten. Verratet euer Geheimnis!

Bild: Quinn Dombrowski I flickr I CC BY-SA 2.0

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