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Wir scheitern immer schöner

Scheitern – ein Wort, das sofort Mitleid und Panik weckt. Dabei scheitern wir doch selbst die ganze Zeit. Warum sich die Generation Y um sich dreht.

 

Unsicherheit finden wir normal

„Generation Y”
nennt man uns. Uns, die in den 1990ern Teenager waren. Wir sind gut
ausgebildet, hinterfragen kritisch, sind ständig auf Sinnsuche und
stellen unsere Selbstverwirklichung über ein geregeltes
Arbeitsleben. Wir gehen containern, trinken veganen Bio-Weißwein,
fahren Rad und betreiben auf unserem Balkon Urban-Gardening. Wir
leben in einer Zeit der wirtschaftlicher und sozialen Unsicherheit,
doch finden das ganz normal. Auf Instagram zeigen wir die guten
Ausschnitte aus unserem DIY-Foodblogging-Achtsamkeits-Leben und
twittern unsere tiefsinnige Gedanken. Und wir sind verdammt noch mal
stolz drauf!

Doch in Wahrheit
scheitert mindestens die Hälfte von uns andauernd. Wir sind hoch
ausgebildet, aber hangeln uns von Praktikum zu Praktikum.
Mindestlohn? Fehlanzeige! Und wir sind trotzdem froh einen
(bezahlten) Job zu haben. Doch wie geht Selbstverwirklichung, wenn
das Geld gerade so für die Miete und unser teures Bio-Essen reicht?
Und zum erfolgreichen Urban-Gardening fehlt uns die Zeit, denn wie
soll man mit zwei Jobs die Pflanzen pflegen? Containern ok, aber es
ist illegal und oftmals auch nicht ungefährlich. Und Rad fahren ist
meist eher die Alternative zum Auto, dass nicht bezahlbar ist. Kein
Wunder, dass wir ständig den Sinn in allem suchen.

Und so kreiseln wir
um uns selbst und schauen verwundert auf die, die untypisch für die
Generation Y sind. Die, die schon Haus und Kind(er) und Karriere
haben. Und dabei wissen wir nicht, ob wir auf sie neidisch sind oder
sie doch eher bemitleiden.

Wovor hat die Generation Y Angst?

Für uns ist vieles
noch in weiter Ferne. Wörter wie „Berufsunfähigkeitsversicherung”
und „Steuerabschlagszahlungen” schlagen uns in die Flucht, denn
sie erinnern uns daran, dass es ein Leben nach der
Selbstverwirklichung gibt. Eines, in dem man leicht vom
selbsternannten Künstler zum Hartz-IV-Empfänger werden kann. Wir
sind kein Einzelfall und fühlen uns doch damit einzigartig.
Getröstet von Geschichten, die sich kaum von unserer unterscheiden.

Und doch lieben wir
es jeden Tag aufs neue Etiketten und Zwänge zu sprengen und anders
als unsere Vorgänger- und Elterngeneration zu sein. Wir wollen die
Welt verändern und nehmen gern und bereitwillig in Kauf daran zu
scheitern. Denn Scheitern ist auch immer eine Chance. Nur auf was,
dass müssen wir erst noch herausfinden.

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