Foto: Marco Ruhlig

Laura Gehlhaar: „Auf einmal ging es hier um Leben und Tod“

Wichtige politische Themen sollten über einem großen Topf Pasta besprochen werden. Heute allerdings machen wir eine Ausnahme. Wir sind in der Stadtnatur unterwegs und servieren mal etwas anderes als Pasta. Zu Gast bei Aida Baghernejad ist die Autorin, Aktivistin und Beraterin Laura Gehlhaar.

Laura und Aida sitzen auf einer Wiese vor der kleinen Friedhofskapelle auf dem St. Petri-Friedhof, nahe des Volkspark Friedrichshain. Während die kleinen Ansteckmikros vorbereitet werden, grooven sich Laura und Aida schon mal ein. Vor ihnen liegen zwei Portionen Pommes in diesen weißen Schälchen mit dem geriffelten Rand. Ihr habt richtig gelesen: Heute gibt es mal keine Pasta!

Die Pommesbude vor dem Friedhof, erzählt Laura, habe sie vor längerer Zeit nach einer wilden Berliner Partynacht entdeckt. „Nach dem Feiern braucht man einfach richtig ekelhaftes, fettiges Essen“, findet Laura. Und nun sitzen sie hier, essen Pommes rot-weiß und unterhalten sich über Politik: Aufnahme läuft.

Diskussion um „Triage“

Als Autorin und Unternehmensberaterin berät Laura Gehlhaar primär Unternehmen in den großen Fragestellungen rund um Inklusion und Barrierefreiheit. „Also: Wie schaffen wir es als Unternehmen, uns diverser und inklusiver aufzustellen? Und wie sorgen wir für eine inklusive Unternehmenskultur?“, erklärt Laura. Um ihrem Job nachzugehen, reist sie sehr viel, auch international. Jedenfalls war das so, bevor die Pandemie die Welt im Griff hatte. Corona hat vieles sichtbar gemacht, hat offenbart, was vorher eher im Verborgenen prägend war.

„Als Frau mit Behinderung begleitet mich mangelnde Wertschätzung durch meinen Alltag, das kann ich einordnen. Aber auf einmal ging es hier wirklich um Leben und Tod.“

Laura Gehlhaar

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von soundcloud.com zu laden.

Inhalt laden

Für Laura war die Diskussion zum Thema „Triage“ im vergangenen Jahr ein Schock.
Zur Erinnerung: Die „Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin“ (Zusammenschluss aus sieben medizinischen Fachgesellschaften) gab im April letzten Jahres einen Leitfaden für die sogenannte „Triage“ heraus (Triage, französisch: Auswahl, Sortieren, Sichten. Der Begriff kommt aus der Militärmedizin und meint ein Verfahren zur Priorisierung medizinischer Hilfeleistung bei nicht ausreichenden Ressourcen, zum Beispiel ein unerwartet hohes Aufkommen von Patient*innen). Eines der Hauptkriterien bei diesem Leitfaden ist die Frage der besten Erfolgsaussichten bei einer intensivmedizinischen Behandlung. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Menschen mit fortschreitender Behinderung im Zweifelsfall regelrecht aussortiert werden könnten. Laura sagt: „Als Frau mit Behinderung begleitet mich mangelnde Wertschätzung durch meinen Alltag, das kann ich einordnen. Aber auf einmal ging es hier wirklich um Leben und Tod.“

„Ich hatte auf einmal eine ganz tief sitzende Angst, dass ich egal bin.“

Laura Gehlhaar

Innerhalb ihres Aktivismus fand sich Laura vor Entscheidungsträgerinnen und Politikerinnen in einer Diskussion wieder, in der sie sich plötzlich für ihr Leben und das Leben vieler behinderter, alter und chronisch kranker Menschen rechtfertigen musste. Zu diesem Zeitpunkt habe sie ihr Urvertrauen in die Politik und in die Gesellschaft verloren: „Ich hatte auf einmal eine ganz tief sitzende Angst, dass ich egal bin.“

Die Behindertenbewegung wurde sehr laut, trat sehr stark auf. Laura erinnert sich: „Wir haben gesagt: Moment mal. Hier geht es nicht weiter. Es reicht. Das könnt ihr nicht machen!“ Die Diskriminierung wurde noch nie so sichtbar gemacht mit einer Lupe wie im letzten Jahr beim Thema Triage. Das habe sehr viel gemacht mit behinderten Menschen, aber eben auch mit nicht behinderten Menschen.

„Dass Menschen mit Behinderung am Ende mit genau den gleichen Möglichkeiten dastehen und diese wahrnehmen können wie nicht behinderte Menschen. Das ist Barrierefreiheit.“

Laura Gehlhaar

Laura und Aida sprechen über den Umgang mit Behinderung in unserer Gesellschaft. Über die Geschichte dieses Umgangs. Und dass eben diese Geschichte Ausbeutungssysteme wie Behindertenwerkstätten überhaupt erst möglich macht. Wusstet ihr, dass rund 300 000 Menschen mit Behinderung in Deutschland in diesen Werkstätten arbeiten und dabei im Durchschnitt 1,35 Euro verdienen? Aber: Das System bröckelt. Weil es Aktivist*innen gibt, die mit dem Finger darauf zeigen, die Petitionen anstoßen – die laut sind.

Esst mit Laura und Aida Pommes – oder gerne auch Pasta. Und hört zu. Dieses Gespräch ist wichtig. Und es bleibt.

Foto: Julia Joppien | Unsplash

Pommes&Politik

Anfang August 2021: Wir befinden uns vor der Pommesbude am Volkspark Friedrichshain. Vor einer guten Woche waren wir auch hier – und wurden von einem nicht enden wollenden Wolkenbruch überrascht.

Normalerweise steht an dieser Stelle immer das Lieblingsrezept der jeweiligen Gästin. Heute ist es also eher ein etwas außergewöhnlicher Gastro-Tipp von Laura Gehlhaar: Sollte „Coroni“, wie Laura und Aida liebevoll sagen, mal vorbei sein und ihr wieder so eine richtige Clubnacht erleben dürft, dann macht doch auf eurem Rückweg eine Pause in der Straße der Pariser Kommune 91 a. Hier bekommt man alles, was fettig und gut gegen den sich anbahnenden Kater ist – und eben Pommes, die am Sonntagmorgen um 3.30 Uhr die besten Pommes der Welt sind!

Foto: Kolonne Null

[ANZEIGE]

Pasta und Wein gehören zusammen wie Sonne und Urlaub. Oder wie Laura Gehlhaar und Aida Baghernejad in dieser Folge von Pasta&Politik, für die wir einen ebenso passenden Partner gefunden haben: KOLONNE NULL! Du möchtest Pasta genießen, dazu richtig guten Wein trinken, aber eben auch einen kühlen Kopf bewahren, um unserem Gespräch zu folgen und mitzudiskutieren? Dann empfehlen wir dir die entalkoholisierten Premium-Weine von Kolonne Null. Bevor das Essen kommt, starten wir mit einem prickelnden Rosé. Danach fragen wir uns: Weißwein oder Rotwein zur Pasta? Da wir diese Folge in der Stadtnatur aufgenommen haben und ausnahmsweise Pommes essen und keine Pasta, entscheiden wir uns für beide Varianten und verabreden uns später zu echter Pasta, die wir mit dem Riesling Weißwein und dem Cuvée Rouge Rotwein kombinieren. Kolonne Null arbeitet nur mit prämierten Familienweingütern zusammen, das schmecken wir genauso wie den hohen Anspruch an Qualität, Stil und Komposition. Also: CIN CIN! Und ganz viel Spaß mit – Pommes&Politik.

[ANZEIGE]

Unser Partner für diese Folge von Pasta&Politik ist BookBeat. Wir haben unsere heutige Gästin, die Autorin und Unternehmensberaterin Laura Gehlhaar, nach ihrem liebsten Hörbuch gefragt. Und Laura hat sogar gleich zwei! Zum einen ist das „Herz auf Eis“ von Isabelle Autissier. Die Autorin beschreibt in ihrem Roman, was mit einer Liebe zwischen zwei Menschen passiert, wenn sie aus ihrer Komfortzone gerissen werden. Und Tipp Nummer 2: Der Gänsehaut-Thriller „Chemie des Todes“ von Simon Beckett rund um den Forensiker David Hunter. Diesen Mega-Bestseller gibt es nun ungekürzt und mit der einzigartigen Stimme von Johannes Steck. 
Mit BookBeat erhältst du Zugang zu mehr als 100.000 Hörbüchern – direkt auf deinem Smartphone. Speichere deine Lieblingsbücher in der App unter „Meine Bücher“ und höre immer und überall, auch wenn du mal gerade nicht online bist. Erhalte als EDITION F-Podcast-Hörer*in einen Monat lang Bookbeat Premium Gratis unter www.bookbeat.de/pasta oder alternativ mit dem Rabattcode „pasta“.

Anzeige