Foto: Katja Ruge

Sookee: „Die patriarchale Macht im Musikbusiness bröckelt“

Wirklich wichtige politische Themen sollten über einem großen Topf Pasta besprochen werden. Davon ist unsere Moderatorin Aida Baghernejad überzeugt. Den Abschluss der ersten Staffel von Pasta&Politik macht Sookee, die bekannt wurde als queerfeministische Rapperin und die jetzt Musik für Kinder macht.

„Warum habt ihr die Folge nicht einfach Porridge&Politik genannt?”, fragte die Chefredakteurin Mareice später lachend. Aus gutem Grund, denn diese Ausgabe mit Sookee wird früh am Morgen aufgenommen. Und das bedeutet: Es gibt Pasta zum Frühstück!

Gerade noch durchzog Kaffeeduft die Räume von EDITION F. Nun sind es Zwiebeln und Knoblauch. „Komm mir nicht mit einer Präzisionswage! Ich halte mich nie an die Mengenangaben“, ruft Sookee. Es macht sofort Spaß mit ihr. Das Rezept, das sie mitgebracht hat, hat keinen konkreten Namen – das gehört zur Improvisation. Nur vegan muss es sein. Der ganze Raum blüht mit Sookee irgendwie auf und Aida freut sich auf das Gespräch mit einer Frau, die als queerfeministische Rapperin fünf Alben veröffentlichte und mit zahllosen Musiker*innen zusammenarbeitete.

Vor allem auch im deutschen Rap setzte sie sich für Queerfeminismus und Antifaschismus ein. Sie ist laut auf männlich dominierten Hip-Hop-Podien, kritisiert Homophobie und Sexismus. Vor Kurzem erschien bei EDITION F ein großer Text von Sookee, in dem sie eine strukturelle Veränderung in der deutschen Rap-Szene fordert im Rahmen der Debatte über Frauenfeindlichkeit und sexualisierte Gewalt im deutschen Rap.

„Rap war für mich eine riesige Entdeckungsreise.“

Sookee

Sookee ist 1983 in der ehemaligen DDR geboren. 1986 hat ihre Familie dann „rübergemacht“ in den Westen. Sie ist in Tempelhof aufgewachsen, aber in Zehlendorf zur Schule gegangen. Aber so richtig viel Kontakt zu anderen habe sie in der Zeit nicht gehabt. „Ich hatte schon als Kind so ein Stubenhocker-Image“, erzählt Sookee. Zugleich entdeckt sie in der Grundschule den Hip-Hop für sich. Das fängt an mit Graffiti im öffentlichen Raum – „Was sollen diese großen Buchstaben an den Wänden?“ – und sie erschließt sich damit zusammenhängende Artikulationsräume. Sprache spielt von Anfang an eine große Rolle. Sookee hat viele Brieffreund*innen. Mit acht Jahren fängt sie an, Tagebuch zu schreiben. Und dann kommt die Verbindung mit der Musik dazu. „Rap war für mich eine riesige Entdeckungsreise.“

„Ich musste diesen Schritt raus machen, um das alles sehen zu können.“

Sookee

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Im vergangenen Jahr verabschiedete sich Sookee von der Bühne – zumindest, was die „erwachsene“ Rapmusik betrifft. Heute schreibt sie Kolumnen und Bücher, sitzt als Aktivistin auf Podien und in Workshops und ist fasziniert von der neuen Generation. „Ich musste diesen Schritt raus machen, um das alles sehen zu können – und diesen Raum auch herzugeben. Es gab schon dieses Gefühl, dass ich den lange Zeit sehr besetzt habe, auch als weiße Person mit akademischer Bildungsressource. Jetzt diese Bühne nicht mehr zu bespielen, sondern selber im Publikum stehen zu können, um andere zu feiern und zu sehen, wie die das machen – das ist eine großartige Erfahrung.“

Für welche Persönlichkeit möchtest du Pasta kochen?

Sookee spricht mit Aida über das Erwachsenwerden und Kindbleiben, über das Politische in der Musik, die Zählbarkeit von Musik, über ihre persönlichen Triumphmomente in einer neoliberalen Gesellschaft und darüber, warum wir ganz offen über die Themen Geld, Sex, Politik und Religion sprechen müssen, um wirklich etwas zu verändern.

Und natürlich fehlt auch diesmal nicht die Frage, die im Laufe der Staffel bereits Kult geworden ist: „Wenn du mit irgendeiner Person aus der Zeitgeschichte einen Teller Pasta essen könntest, egal ob lebendig oder tot, wer wäre es?“ – Ihr wollt die Antwort jetzt unbedingt hören? Dann schmeißt die Nudeln ins Wasser und setzt die Kopfhörer auf!

Hört euch das an!

Sookee wäre nicht Sookee, wenn sie am Ende nicht noch Menschen empfehlen würde, die tolle Musik machen und die ihr euch unbedingt näher ansehen beziehungsweise anhören müsst. Wir verlinken einige von ihnen hier für euch: Fe*Male Treasure, FaulenzA, Haszcara, Mino Riot, Nifty MC, Ebow, Sharon, Mavi Phoenix, Keke, Gazal.

Pasta&Politik – die erste Staffel

Solltet ihr die vorangegangenen sieben Folgen verpasst haben, holt das doch nach. Aida hatte in dieser ersten Staffel von Pasta&Politik großartige Gästinnen: Aline Abboud, Asal Dardan, Saskia Esken, Emilia Roig, Laura Gehlhaar, Miriam Davoudvandi und Ricarda Lang. In jedem einzelnen Gespräch begibt sich Aida auf die Suche nach dem Politischen in allem. Was sie findet? Hört selbst. Und freut euch schon mal auf das Jahr 2022…

Dreamteam Sookee und Aida – Foto: AK. Heier

Pasta á la Sukini

Sookee ist Improvisationskünstlerin beim Kochen. Für ihre Zauber-Pasta braucht ihr Folgendes (wir haben den Zutaten-Zettel einfach eins zu eins abgeschrieben, weil’s so schön ist):

1 große rote Zwiebel
2 Knobizehen
1 ordentliche Ladung brauner Zucker
1 Karotte
1 Dose gehackte Tomaten
1 Schwapps Tomatenmark
1 Hand getrocknete Tomaten (das Öl davon nehmen wir zum Braten)
1 Ladung Oregano
3 Hände frischer Basilikum 
1 kleene Packung vegane Sahne 


Als Nudel am liebsten Fusilli dazu. 

Die Nudeln al dente kochen. Zwiebel und Knobi fein hacken. Karotte in kleine Stücke schneiden. Die getrockneten Tomaten in Streifen schneiden, das Öl auffangen und in die Pfanne geben. Darin Zwiebel und Knobi glasig braten, Karotte dazugeben, 2-3 Minuten, dann Tomatenmark und getrocknete Tomaten zugeben. Nach weiteren 2 bis 3 Minuten die Dosentomaten hineingeben und alles köcheln lassen. Am Ende mit Oregano, Pfeffer, Salz abschmecken, die vegane Sahne dazugeben – „für den Geschmack und die Farbe!“, sagt Sookee. Und im Anschluss mit Basilikum verfeinern.

N’ Guten!

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Unser Partner für diese Folge von Pasta&Politik ist BookBeat. Wir wollten von unserer heutigen Gästin wissen, welches ihr liebstes Hörbuch ist. Und SOOKEE empfiehlt „Bad Feminist“ von Roxane Gay. Die liebt „leider“ Rapmusik, obwohl das Frauenbild grausam ist. Ihre Lieblingsfarbe ist „leider“ pink. Und sie liest „leider“ die Vogue.
Roxane Gay sprengt das ideologische Korsett eines guten und starren Feminismus und erklärt sich selbst ironisch zum Bad Feminist – stimmgewaltig und wahnsinnig klug analysiert sie die Gegenwart und zeigt, wie man beides sein kann: eine der bedeutendsten Feministinnen der Gegenwart und dabei definitiv nicht perfekt. 
Mit BookBeat erhältst du Zugang zu mehr als 100.000 Hörbüchern – direkt auf deinem Smartphone. Speichere deine Lieblingsbücher in der App unter „Meine Bücher“ und höre immer und überall, auch wenn du mal gerade nicht online bist. Erhalte als EDITION F-Podcast-Hörer*in einen Monat lang Bookbeat Premium Gratis unter www.bookbeat.de/pasta oder alternativ mit dem Rabattcode „pasta“.

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