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Hilferuf vom eigenen Körper – was passiert bei einer Panikattacke und wie kannst du reagieren?

Manchmal wird uns einfach alles zu viel. Job, Partnerschaft, Termine, Pläne. Doch bevor wir realisieren, dass unser persönliches Limit schon längst überschritten wurde, kommt unser Körper uns zuvor. Der Puls rast, der Atem wird schwer, denn die Luft ist auf einmal weg. Unsere Hände werden taub und der Druck auf der Brust wird immer stärker. Panik!

Generation Panikattacke

Es gibt inzwischen so viele Bezeichnungen für die Generation heutiger Mittzwanziger! Genration Y, Generation Praktikum, Generation beziehungsunfähig. Ein weiterer Titel, der sich noch nicht etabliert hat, aber dennoch bezeichnend ist, ist die Generation Panikattacke. Immer mehr von uns leiden in ihrem Alltag unter plötzlichem Herzrasen, Angstausbrüchen und Beklemmungsgefühlen. Woran liegt das? Und wie kann man im Falle einer Attacke am besten reagieren?

Der Druck im Inneren steigt für viele junge Menschen in Anbetracht belastender Umstände im Job (ist dies der Richtige?) und Privatleben (ist dies der Richtige?), bis er in einigen Fällen seinen Ausbruch in panischen Angstattacken findet. Schuld am Druck ist aber nicht allein der ständige Vergleich mit all denen, die bereits Erfolg haben. Beachtlich ist auch das das enorme Tempo, in dem heute gelebt wird.

Die Schulzeit endet bereits nach zwölf Jahren, das Studium sollte in der Regel nicht länger als fünf Jahre dauern und am besten hat man in dieser Zeit mindestens drei Praktika absolviert und kann mit 25 direkt in den ersten Job starten. Reisen werden per Last Minute-Flug in den Alltag integriert oder sind Teil von Studium oder Praktikum. Das Nichtstun im Sinne von wirklich nichts tun, ist zum Mythos einer vergangenen Generation erstarrt, von der im besten Fall die trashigen Klamotten in der heutigen Generation ihr Comeback feiern.

Schnell, schneller, Herzrasen!

In einer Gesellschaft, in der man bemüht ist alles zu beschleunigen, kommen unsere Körper also nie wirklich zur Ruhe. Daran kann auch die hundertste Entschleunigungs-App auf dem Smartphone nichts ändern. Eine Panikattacke ist bei all der Hektik dann letztlich als Hilfeschrei des eigenen Körpers zu verstehen. Atemnot, Taubheitsgefühle, Herzrasen, Druck auf der Brust: Bis der Geist versteht, dass es eine Überstunde, eine Party, ein unbezahltes Praktikum und eine gescheiterte Beziehung zu viel waren, müssen erst einmal alle physischen Register gezogen werden.

Ganz so einfach lassen sich die Symptome von den Betroffenen dann häufig aber zunächst nicht einordnen. Bei körperlichen Krankheitssymptomen, wie Schwindel und Atemnot, wird die Ursache in der Regel (verständlicherweise) als erstes auf einer rein organischen Ebene gesucht. Wenn der Arzt seinen Patienten dann allerdings erklärt, dass diesen absolut nichts fehlt, obwohl eindeutige Schmerzen verspürt werden, sind die Konsequenzen häufig bloß wieder neue Selbstzweifel und Attacken.

Wo schnelle Lösungen bevorzugt sind, will man sich aber nicht auch noch mit dem Mysterium des eigenen Körpers beschäftigen – man will funktionieren. Diesen Anspruch haben wir sowohl an uns selbst, als auch an das MacBook vor unserer Nase. Das Internet kennt schließlich, im besten Falle, auch kein Limit, sprich: keinen Feierabend. Selbst dann, wenn wir Mutterseelen allein mit verhunzter Frisur im Bett liegen, kommt das Internet durch jede Wand und präsentiert die Urlaubsfotos vom Exfreund mit der neuen (schlanken) Freundin. Es bestehen natürlich keine Zweifel daran, dass eine solche Praxis die reinste Selbsttortur ist, doch wer offline bleibt, könnte wohlmöglich etwas verpassen.

#instamood #tired #me

Das Irrwitzige an einer Panikattacke ist die Tatsache, dass es sich für die betroffene Person in ihrem Inneren so anfühlt, als stünde der eigene Körper kurz vor der Explosion, während sich vor den Augen Außenstehender das komplette Gegenteil abspielt. Wer unter eine Panikattacke leidet, wirkt äußerst ruhig und konzentriert, so als sei der oder diejenige ganz in sich selbst versunken (was aber unter anderem daran liegt, dass die volle Konzentration genutzt wird, um sich auf den Moment vorzubereiten, da der Körper das Atmen vergisst). Eine solche Situation lässt sich daher gut mit der Szene eines Geisterfilms vergleichen. Die Person, die dem Geist begegnet, plagt fortan eine gewaltige Angst, mit der sie jedoch alleine da steht. Wer den Geist nicht mit eigenen Augen sieht, zweifelt an seiner realen Existenz.

Von ihrem Umfeld nicht ernstgenommen oder missverstanden, halten es viele Betroffene, die unter einer Angststörung leiden, daher für besser, nichts vom ihren Kampf im Inneren preis zu geben. Durch den Rückzug ins Private steigert sich jedoch das Gefühl der Hilflosigkeit und Einsamkeit, was wieder weitere Attacken zur Folge hat. Und selbst dann, wenn es einem gerade einmal gut geht und eigentlich kein Grund zur Panik besteht, lauert der Geist an scheinbar jeder Ecke. Wer mehr als einmal eine Panikattacke durchgemacht hat, leidet letztlich nämlich irgendwann unter der sogenannten „Angst vor der Angst“.

Was tun, wenn die Panik kommt?

Mit dem eigenen Zugeständnis zur inneren Angst ist schon einmal ein wichtiger Schritt getan. Doch auch dann, wenn man bereit ist, von anderen Hilfe anzunehmen und sich eventuell in therapeutische und medikamentöse Behandlung zu begeben, bedeutet dies in den wenigsten Fällen, dass eine rasche Besserung einkehrt. Wichtig ist daher, Geduld für sich selbst aufzubringen – was in Anbetracht der bereits erläuterten Alltags-Geschwindigkeit keine leichte Übung darstellt. Folgende Tipps von selbst Betroffenen können daher eventuell von Nutzen sein, wenn der heimtückische Zeitgeist seinen nächsten Überfall plant:

Panikattacke? Diese fünf Dinge können helfen

1. Niemand ist bisher an einer Panikattacke gestorben. Die Attacke selbst ist vielmehr ein innerer Alarm, damit man noch rechtzeitig reagieren und zur Ruhe kommen kann.

2. Iss etwas, zum Beispiel einen Apfel. Und dann noch einen und noch einen. So lange bis du langsam ruhiger wirst. Generell ist Essen besser, als nur dazuliegen und darauf zu warten, dass man stirbt.

3. Lange Spaziergänge, Sport oder schnelles „in die Luft Boxen“ helfen dem Körper sich abzulenken und die Kontrolle über die Situation zurückzuerlangen.

4. Yoga und Autogenes Training können dabei helfen, Stress im Inneren zu reduzieren und ein besseres Gespür für sich und seine Bedürfnisse zu entwickeln (wichtig ist jedoch dies ohne das Smartphone vor der Nase zu versuchen).

5. Kommunikation mit anderen ist sicherlich nicht verkehrt. Natürlich muss nicht jeder in der Arbeit oder an der Uni wissen, dass es dir nicht so gut geht, wie du behauptest. Doch dem einen guten Freund oder der eigenen Schwester kannst du dein Geheimnis anvertrauen, ohne dass er oder sie dich verständnislos ansehen wird.

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