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Gemeinsam Eltern bleiben: 7 Tipps für das Gespräch mit den Kindern nach der Trennung

Wenn Eltern sich trennen oder scheiden lassen, bedeutet dies für die Familie einen emotionalen Umbruch. Und steht die Frage im Raum: Wie sagen wir es den Kindern? Wie vermitteln wir ihnen Kontinuität und Geborgenheit trotz Trennung? Mediatorin Dr. Isabell Lütkehaus erklärt, wie man Trennungsgespräche am besten vorbereitet und durchführt.

Wenn Eltern sich trennen oder scheiden lassen, bedeutet dies für die Familie einen emotionalen Umbruch. Und steht die Frage im Raum: Wie sagen wir es den Kindern? Wie vermitteln wir ihnen Kontinuität und Geborgenheit trotz Trennung? Mediatorin Dr. Isabell Lütkehaus erklärt, wie man Trennungsgespräche am besten vorbereitet und durchführt.

Wie sagen wir es den Kindern?

Auch nach einer Trennung können Paare mit Kindern gemeinsam Familie bleiben, in einer neuen Form. Grundlage hierfür ist ein passendes Umgangsmodell. Das Gespräch mit den Kinder über die Trennung und den zukünftigen Umgang läuten den Umwandlungsprozess ein.  Für Kinder ist die Trennung der Eltern ein einschneidendes Erlebnis, es muss aber kein traumatisches sein, wenn ihre zentralen Grundbedürfnisse weiterhin erfüllt werden. Hierzu gehört das Gefühl der Geborgenheit , das durch kontinuierliche liebevolle Beziehungen bestehen bleibt. Ein gutes Umgangsmodell gewährleistet Raum für gemeinsame Erlebnisse, miteinander verbrachte Zeit; jedes Elternteils mit einem oder mehreren Kindern und, falls möglich, gelegentlich die gesamten Familie gemeinsam. Idealerweise finden die Eltern ein Umgangsmodell, bei dem sich so wenig wie möglich ändert, im Vergleich zum Zusammenleben als Familie vor der Trennung. Regelmäßige Familientermine, beispielsweise das sonntägliche Pizzaessen gehen, bleiben nach Möglichkeit erhalten, und lieb gewonnene Rituale, zum Beispiel beim ins Bett gehen, werden fortgeführt.

Ein gutes Umgangsmodell passt zum Alltag aller Beteiligten und ist von beiden Eltern gut zu bewältigen, ggf. mit weiteren Unterstützern wie Großeltern , Kita/Hort und Babysitter*innen. Das Grundmodell ist so regelmäßig, dass Verlässlichkeit entstehen kann, eine Voraussetzung für Geborgenheit, und gleichzeitig so flexibel, dass es im Alltag angepasst werden kann, wenn Geschäftstermine, Schließzeiten oder Krankheiten dazwischen kommen. Eine gute Kommunikation und Kooperation zwischen den Eltern ist für das Gelingen eines guten Umgangsmodells außerdem sehr hilfreich.

Was Kindern eine Trennung erleichtern kann

Die konkrete Zukunft als Familie nach der Trennung wird ganz wesentlich durch das Umgangsmodell geformt. Und dieses erläutern die Eltern den Kindern im Trennungsgespräch. Hierdurch beginnt für die Kinder die Trennung. Auch wenn sie vorher bereits bemerkt haben sollten, dass ihre Eltern nicht mehr glücklich miteinander sind, so gehen die meisten Kinder dennoch davon aus, dass die Eltern zunächst und vermutlich für immer zusammenbleiben. Die Information darüber, dass dies nun anders werden wird, verändert für Kinder vieles; und bereits die Art und Weise, wie dieses Gespräch stattfindet, kann einleiten, ob die Trennungszeit und die Jahre danach als Familie gut verlaufen. Kinder lieben in aller Regel beide Eltern und wünschen sich, dass diese zusammenbleiben, daher kann es sehr belastend sein, keine Gewissheit zu haben, und machtlos negativen Veränderungen gegenüber zu stehen.

Sobald die Trennung entschieden ist und deutliche Anzeichen erkennbar sind, dass die Eltern als Paar nicht mehr zusammen bleiben werden – wenn beispielsweise Papa über einen längeren Zeitraum auf dem Gästesofa schläft – wird das Thema angesprochen. Und, wenn bereits andere im Umfeld davon wissen, Familienangehörige, enge Freund*innen, Erzieher*innen und Nachbar*innen. Kinder sollten die Trennung direkt von ihren Eltern erfahren und nicht gerüchteweise über Dritte.

Ein guter Zeitpunkt für ein Trennungsgespräch ist gekommen, wenn der Auszug/Umzug eines Elternteils ansteht. Insbesondere für kleinere Kinder ist die Information zu abstrakt und somit beängstigend, dass die Eltern sich getrennt haben und einer von beiden irgendwann irgendwo hinziehen wird. Wird das Kind allerdings in den Umzug einbezogen, nimmt dies teilweise den Schrecken vor dem Verlust eines Elternteils, und mildert das Gefühl der Ohnmacht, wenn es mitentscheiden darf, wie die zukünftige Zweitwohnung eingerichtet wird. Sieht das Kind sobald wie möglich die neue Wohnung und wo dort sein Platz sein wird, kann es sich konkret ein Leben nach der Trennung vorstellen und erkennt, dass die Beziehung zum ausziehenden Elternteil zwar anders wird, aber konkret und verlässlich erhalten bleibt.

Idealerweise erfolgt das Trennungsgespräch gemeinsam mit beiden Eltern und, je nach Alter der Kinder mit allen zusammen oder bei großem Altersunterschied besser individuell, zuerst mit den älteren Kindern.

Checkliste für ein Trennungsgespräch

  1. idealerweise gemeinsam
  2. inhaltlich und situativ gut vorbereiten
  3. mit jedem Kind, egal welchen Alters; bei großem Altersunterschied separat, beginnend mit den älteren Kindern
  4. guten Zeitpunkt finden: frühzeitig, wenn deutliche Anzeichen, wenn andere bereits Bescheid wissen, wenn räumliche Veränderung bald ansteht, Alter der Kinder berücksichtigen (Zeitgefühl), ruhiger Moment (z.B. Wochenende)
  5. Redeanteile und -parts überlegen
  6. strittige Punkte weglassen
  7. Loyalitätskonflikte vermeiden
  8. Was Kinder wissen müssen und was nicht

Im Trennungsgespräch sprechen Eltern die Trennung direkt und ohne Umwege an, unabhängig vom Kindesalter. Die konkreten Gründe für die Trennung gehen das Kind nichts an, das ist die Angelegenheit der Erwachsenen. Je nach Alter kann dem Kind gesagt werden, dass die Eltern nicht mehr glücklich miteinander sind und daher ihre Lebenssituation verändern werden. Auch Babys sollten über die Trennung informiert werden, um ihnen die gefühlte Machtlosigkeit zu nehmen. Wichtig dabei ist, dass angesprochen wird, dass die Trennung ausschließlich Gründe zwischen den Eltern hat und das Kind keinerlei Schuld daran trägt.

Trotz vorhandener Streits liegt der Schwerpunkt gegenüber den Kindern auf dem Verbindenden, dem Erhalt der Familie . Regelungen wie Umgang sollten vorher feststehen und Teil des Gesprächs sein, da sie eine konkrete Perspektive für die Zukunft geben. Kinder werden, altersgerecht, nach ihren Wünschen und ihrer Meinung gefragt und auch konkret einbezogen, in Planung und Umsetzung der Zukunft als Familie. Das kann auch schon im Trennungsgespräch angesprochen werden und mildert das Gefühl der Ohnmacht bei Kindern, die ja nicht gefragt wurden, ob sie eine Trennung überhaupt wollen.

Ideal für ein Trennungsgespräch ist ein Wochenende, an dem wenige Termine anstehen und viel Ruhe und Zeit vorhanden sind.Nach dem Gespräch sollten beide Eltern Zuhause sein, für etwaige Rückfragen zur Verfügung stehen, traurige oder wütende Gefühle auffangen und einfach mit den Kindern Zeit verbringen können. Idealerweise planen beide Eltern auch für die Tage nach der Trennung viel Zeit zuhause ein, um bei Bedarf persönlich erreichbar zu sein. Eine Abreise, und sei es nur zu einer Geschäftsreise, oder ein Weggang zum neuen Partner/zur neuen Partnerin könnten die Ängste der Kinder, diesen Elternteil zu verlieren, unnötig schüren.

Hinweis der Redaktion

Weitere Informationen zum Trennungsgespräch und Umgang nach Trennungen und Scheidungen haben Isabell Lütkehaus und Thomas Matthäus im neuen dtv Beck-Rechtsberater „Guter Umgang für Eltern und Kinder – Ein Ratgeber bei Trennung und Scheidung“ zusammengetragen.   Die nächste Lesung und Diskussion zum Buch „Guter Umgang“ mit beiden Autor*innen findet am Donnerstag, den 22. November um 20 Uhr in der Tucholsky Buchhandung in Berlin Mitte statt.

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