Foto: mrhayata - Flickr - CC BY-SA 2.0

Warum arbeitende Mütter nerven

Machen wir uns nichts vor: Die meisten Mütter arbeiten nicht Vollzeit und selbst wenn, dann arbeiten sie irgendwie zu komischen Zeiten. Kommen quasi mitten in der Nacht ins Büro und gehen kurz nach dem Mittagessen. Seien wir ehrlich: Das nervt gewaltig!

Teilzeit-Eltern nerven

In einem Team aus Kollegen, von denen einer – oder schlimmer noch: mehrere – in Teilzeit
arbeiten
, passieren zwangsweise früher oder später eines – oder schlimmer noch: mehrere – der folgenden Dinge. Hier meine ganz persönlichen Top drei, warum Eltern-Kollegen, besonders in Teilzeit, echt nerven:

1. Das Kind ist krank!

Gerade zu dieser Jahreszeit ein Klassiker: Nicht mal im Labor des Tropeninstituts gibt es
so viele Viren und Bakterien pro Quadratmillimeter wie in einem gewöhnlichen
deutschen Kindergarten.

Aber im Büro naht der Abgabetermin für das Projekt oder die Kollegin hat Urlaub und die
Schicht ist eh schon unterbesetzt? Sicher hat die Mutter jemand anderen, der
sich um das Kind kümmern kann.

Liebe Kollegen ohne Kinder – nein. Denn was ihr im Zweifelsfall nicht wisst: Es ist
der vierte Infekt in fünf Wochen, aller Bonus bei Oma und Opa ist schon aufgebraucht, der Vater hat das letzte Mal übernommen (außerdem ist er sowieso grad auf Dienstreise) und bei Magen-Darm findet man für kein Geld der Welt einen freiwilligen Babysitter. Aber seid gewiss: Eure Kollegin wünscht sich auch gerade ins Büro – egal wie sehr wir unsere Kinder lieben: 20-Mal in acht Stunden die Betten neu zu beziehen und zum 398sten-Mal das gleiche Conni-Hörbuch zu hören, macht niemandem Spaß!

2. Das Urlaubsplanungs-Tetris

Niemand bekommt durch Kinder mehr Urlaubsanspruch. Also sollte die Urlaubsplanung für und mit Eltern ja eigentlich kein Problem sein. Was aber echt nervt, ist, dass die  Urlaubspläne von Eltern in den meisten Fällen nicht verhandelbar sind. Die kommen um die Ecke und sagen: Da und da und da brauche ich Urlaub. Punkt. Ende der Diskussion.

Ist halt doof, wenn man mehrere Eltern im Team hat oder wenn, Super-GAU, die kinderlosen
Arbeitnehmer mit Lehrern verbandelt sind und ebenfalls in den Ferienzeiten Urlaub haben wollen. Wirklich nervig.

Aber mal unter uns: Tetris haben wir doch alle gern gespielt. Und auch wenn es mit Planungs- und Organisationsaufwand verbunden ist: Es hat noch immer irgendwie geklappt. Ich bin davon überzeugt: Das wird es auch in Zukunft. Außerdem ist diese Zukunft rosig: Je größer die Kids werden, umso flexibler werden wir wieder. Versprochen.

3. Spontanität ist Mangelware

Keine Schicht, die spontan übernommen wird. Meetings um 17 Uhr werden von den Teilzeitlern meistens abgesagt. Wenn urplötzlich Mehrarbeit ansteht, dann gehen sie trotzdem zur üblichen Zeit. Super nervig. Richtig, richtig ätzend.

Meiner Erfahrung nach sagen die in Teilzeit arbeitenden Mütter und Väter allerdings
häufig: „Ich muss das klären“. Und können dann doch die Schicht/den Termin/die
zusätzliche Aufgabe mit nur etwas mehr Vorlauf übernehmen.

Denn Arbeitnehmer in Teilzeit wissen um ihren schlechten Ruf und versuchen alles, um
dem entgegenzuwirken! Ihre Loyalität ist legendär: Bevor sie wegen kranken
Kindern einen wichtigen Termin absagen, haben sie alle anderen Möglichkeiten
dreimal geprüft.

Glaubt ihr nicht? Ich habe meinen Vater mal mit nur 20 Stunden Vorwarnung 500 Kilometer quer durch die Republik gejagt, als unsere Betreuung für Kind Einhalb sich kurzfristig
zerschlug. Dabei musste ich „nur“ auf einen Kongress (Danke Papa!).

Elternzeit schafft bessere Arbeitnehmer

Das zeigt schon, es ist eigentlich nicht nur doof mit den arbeitenden Eltern. Im Gegenteil: Ich sehe es sogar vielmehr so, dass sie einem Unternehmen große Vorteile bringen. Elternzeit sollte als berufliche Weiterbildung anerkannt und steuerlich absetzbar sein. Dabei ist es völlig unerheblich, in welchem Beruf die Eltern tätig sind. In dieser Zeit lernen alle Eltern ein paar wesentliche Fähigkeiten, die universell einsetzbar sind und jeden Betrieb bereichern.

Das elterliche Organisationstalent übersteigt bei Weitem alles, was jemals in Kursen vermittelt werden kann. Wer einmal die Reisevorbereitungen einer Familie mit Kleinkind beobachtet hat, der wird nie wieder bezweifeln, dass Eltern Meister des strategischen Denkens, der Organisation und der generalstabsmäßigen Vorbereitung sind. Dabei ist es von
beindruckender Unerheblichkeit, ob es sich um einen Ausflug zum Spielplatz, einen Wochenendtrip oder den dreiwöchigen Familienurlaub handelt. Weder der Aufwand, noch die Gepäckmenge sind diesbezüglich größeren Schwankungen unterworfen.

Wenigstens ist das beim ersten Kind so. Mit steigender Kinderzahl perfektionieren die
Eltern ihre Kenntnisse der optimalen Priorisierung verschiedener Aufgaben. Das greift insbesondere, wenn die Kinder zahlenmäßig den betreuenden Erwachsenen überlegen sind. Beispiel gefällig? Stellen wir uns einfach folgende Situation vor:

Samstagmorgen, die Familie sitzt am Frühstückstisch und alle genießen es, nicht hektisch, nörgelnd und meckernd zum Zeitpunkt x an Ort y sein zu müssen. Da schmeißt der/die Kleinste seinen Trinkbecher oder besser noch Papas Becher mit heißem Kaffee um. (Dabei gilt die Gleichung: Je voller der Tisch, desto klebriger, und je kleiner das Kind, desto heißer der
Inhalt –  egal wie weit Becher und Kind voneinander entfernt waren.) Die nächstgrößeren Kinder sind bereits mit dem Frühstück fertig und beschäftigen sich allein. Das mittlere Kind malt ein Bild. Jedoch nicht auf dem dafür bereitgelegten Blatt, sondern auf der frisch gestrichenen Wand. (Hier gilt grundsätzlich: Je teurerer die Wand-, desto weniger abwaschbar die Malfarbe.) Währenddessen hat das größte Kind in der Schule von dem Mentos-Cola-Versuch gehört und von seinem Taschengeld unbemerkt die Zutaten erstanden. Jetzt ist es damit beschäftigt, einen beliebigen Bereich der Wohnung (tendenziell
eher nicht die gefliesten Räume) unwiederbringlich zu zerstören. In diesem Moment klingelt der DHL-Bote mit der Lieferung „Schuhe für Mama“ . Worum kümmert ihr euch zuerst?

Außerdem sind Eltern gute und vor allem schnelle Analytiker und Problemlöser. Maximal 30 Sekunden beträgt die Zeitspanne zwischen Tiefschlaf über Situationsanalyse bis zur richtigen Lösung, egal ob Brust/Fläschchen, Schnuller, frische Windel oder aufstehen und stundenlang mit Baby durch die Wohnung tigern.

Eltern sind knallharte Bestimmer Verhandler, sind sie doch täglich im Training. Aber sie wissen auch, wann sie verloren haben. Dann gehen Eltern ohne mit der Wimper zu zucken direkt zur pragmatischsten Lösung über und schrecken auch vor unkonventionellen Maßnahmen nicht zurück.

Eltern fördern das Betriebsklima

Je geringer die Stundenzahl, desto weniger Zeit bleibt für Kaffeeklatsch. Vielmehr arbeiten Eltern konzentriert ihre Aufgaben ab. Nehmen sie sich doch mal Zeit für ein Schwätzchen, dann leisten ihre amüsanten bis abstrusen Geschichten aus der Parallelwelt „Leben mit Kind“ einen wertvollen Beitrag zum Betriebsklima.

An regnerischen, nasskalten Herbsttagen backen viele mir bekannte Eltern mit ihrem Nachwuchs als Zeitvertreib. Allerdings kann das ganze süße Zeug natürlich nicht von den Kids verdrückt werden. Ihr wisst schon, der böse weiße Zucker und überdrehte Kinder zur Bettzeit. Mama und Papa kämpfen noch mit den letzten Pfunden der (Co-)Schwangerschaft und lehnen auch dankend ab.

Wer profitiert? Die Kollegen. Sie müssen nur den Zuckerguss in komischen Farben
abkratzen und schon können sie Muffins zum morgendlichen Kaffee genießen.

Darüber hinaus sind Mütter super Begleiterinnen auf Dienstreisen. Die übliche
Handtasche der Mutter mit Kind zwischen zwei und fünf Jahren umfasst Feuchttücher,
Desinfektionsgel, Pflaster, Taschentücher und was zu Knabbern. Häufig auch Schnuller, Windel und Spielzeug – aber ich hoffe für euch alle, dass die Kollegen hiervon keinen Gebrauch machen wollen.

Last but not least: Ich konnte neulich bei den kinderlosen Kolleginnen punkten,
indem ich sie mit aktuellen Disney-Filmen versorgte (dass unsere Töchter noch kein
Fernsehen schauen, habe ich nicht erwähnt).

Das Fazit muss also lauten: Ja, Arbeitnehmer/Kollegen in Teilzeitmit Kindern sind eine
Herausforderung, besonders für kleine Unternehmen. Aber wenn man sich darauf einlässt, können sie ebenso eine Bereicherung sein. Für das Unternehmen, für die Kollegen und – Achtung, jetzt wird‘s politisch – auch für die Gesellschaft. Denn in ihrer „freien“ Zeit kümmern sie sich um nicht weniger als die zukünftigen Steuer- und Rentenzahler.

Wer immer noch überlegt, was er am oben beschriebenen Frühstückstisch getan hätte: Die richtige Lösung lautet selbstverständlich, sich um den DHL-Boten zu kümmern. Der Kaffebecher gehörte ja eh Papa, also muss er auch aufwischen. Ob die Wand noch einen oder zwei Striche mehr abbekommt, ist jetzt auch egal. Das Mentos-Experiment kriegt ihr
eh erst mit, wenn die Cola explodiert ist. Aber beim DHL-Boten habt ihr ’ne Chance. Allerdings liegt das Zeitfenster hier nur bei etwa zehn Sekunden. Also los jetzt!

Diesen Text veröffentlichte Jette zuerst auf ihrem Blog „Halbe Sachen“. Wir freuen uns, dass er auch hier erscheint.

Titelbild: mrhayata – Flickr – CC BY-SA 2.0

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