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Warum Mütter die besseren Mitarbeiterinnen sind – (k)eine Provokation

Die Klischees über Mütter im Job werden kaum weniger. Umso wichtiger ist der Perspektivwechsel: darauf schauen, welche besonderen Kompetenzen Eltern mit in den Beruf bringen.

Zu schwanger um zu denken

„Du bist schwanger? Dann muss man ja auch noch sehen wie fit du dann sein wirst. Und wie einsetzbar du dann noch bist. Kann ja sein, dass du uns da lange ausfällst “ Dies  war nur eine Reaktion auf meine Schwangerschaft in meinem beruflichen Umfeld. Plötzlich war ich also nicht mehr der Mensch und die Mitarbeiterin Maria. Sondern die Schwangere. Die Schwache. Die soeben von einer hochansteckenden Krankheit berichtet hat: nämlich ihrer Schwangerschaft. Dabei  war ich doch eigentlich nur ein klitzekleines bisschen hungriger und müder, aber gut. Scheinbar hatte ich seit der Verlautbarung meiner Schwangerschaft ein eingebranntes „s“ auf meiner Stirn, dass mich von einer ehemals agilen Mitarbeiterin in eine fragile Bald-Mutti verwandelte. Und das im Jahre 2018. Im ach so modernen Deutschland.

Wirklich schade und schlichtweg falsch fand ich diese Unterstellungen. Und die Praxis bestätigt mich. Denn nun bin ich tatsächlich seit sieben Monaten Mutter und mit vielen neuen Features ausgestattet, die mich zur besten Mitarbeiterversion meiner Selbst machen. Und da so gern pauschal gegen Mamas gestänkert wird, sage ich einfach mal ganz verallgemeinernd: Muttis sind die besseren Mitarbeiterinnen, weil…

… sie mehr Selbstvertrauen haben

Mein Körper hat in den vergangenen Monaten großartiges geleistet. Einen kleinen Menschen beherbergt, indem meine Gebärmutter einfach seine zwanzigfache (!!!) Größe angenommen hat – und versorgt ihn dank Muttermilch bis heute. Das ist doch der pure Wahnsinn, oder? Und auch, wenn ich es mir bis zum Zeitpunkt der Geburt nicht recht vorstellen konnte, habe ich ein kleines Wunder erschaffen. Und ja, das macht mich verdammt stolz und hat meinem Ego einen richtigen Boost verschafft. So schwebe ich heute gleich mal zwei Zentimeter über der Erde. Und da ich an ein vertrauensvolles Mitarbeiter*innen-Chef*in-Verhältnis auf Augenhöhe glaube, bin ich heute, bereiter und reifer denn je dafür.

… sie wahre Effizienz-Genies sind

Abgewaschen, geduscht, Sachen gepackt– und das alles in unschlagbaren zwölf Minuten. Während das eigene Baby schläft wird eine Frau zur schieren Effizienzmaximiererin und schafft in Lichtgeschwindigkeit so manches, was Normalsterbliche Stunden kosten würde.  Dieser Stakkato-Mechanismus ist natürlich auch im Büro-Ambiente ausführbar, vor allem, wenn dadurch das baldige Wiedersehen mit dem Nachwuchs in Form des näherrückenden Feierabends lockt –und Überstunden überflüssig macht.

… Arbeit Arbeit sein lassen können

Zähneknirschen, Rücken leiden, Burnout: Arbeit macht viele Menschen krank. Leider. Millionen Bundesbürger*innen haben jedenfalls mit obigen Leiden zu kämpfen, weil ihre Arbeit sie nicht (nur) bestätigt, sondern auch belastet. Auch ich oute mich jetzt mal als Beißschienenträgerin, die ihren Arbeitstag nachts oftmals erneut durchlebte bzw. durchbiss. Doch in Anbetracht des eigenen Kindes, der eigenen Familie relativiert sich doch so einiges. Und man erkennt, dass es auf der Arbeit „nur“ um Dinge geht, die nicht unbedingt den Lauf der Welt verändern, auch wenn dies uns oft im Hamsterrad der Arbeitswelt suggeriert wird. Und diese neugewonnene Gelassenheit tut nicht nur der eigenen Gesundheit gut, sondern auch den jeweiligen Betrieb. Denn entspannte, gesunde Mutti-Mitarbeiter*innen sehen einfach klarer.

… für Langzeitbeziehungen offen sind

Mit Kindern bekommen Heim- und -Hofplanungen eine neue Bedeutung. Jedenfalls will ich meinem Kind ein Zuhause bieten können, in dem es tollen und toben kann – ohne, dass Nachbar*innen oder Vermieter*innen Stress macht. Und in meiner Vision geht das entweder am besten innerhalb seiner eigenen geräumigen Wohnung mit Garten oder einem entsprechenden Häuschen. Um diesen Traum vom Eigenheim allerdings wirklich Leben zu können, bedarf es in der Regel eines beruflichen Partners, der sich auf lange Zeit mit einem binden will. Denn nur mit einem unbefristeten Vertrag, geben die Banken grünes Licht für einen Immobilienkredit. Insofern sind besonders Muttis darauf bedacht mit ihren Vorgesetzten etwas Langfristiges anzufangen – und dementsprechend treu.

… Improvisationskünstler*innen sind

Windeln wechseln ohne Wickeltisch? Das Kind für den*die Ärzt*in fertigmachen, obwohl es noch tief und fest schläft? Auf diese Herausforderungen muss Mutti plötzlich Antworten finden. Und das tut sie auch in der Regel, denn ein Alltag mit Baby heißt permanente Improvisation. Und für Probleme und Hindernisse werden täglich ungewöhnliche Lösungen gefunden. Denn „geht nicht gibt’s nicht“ war gestern.

… den Grundstein für mehr Gleichheit legen

Papa scheffelt die Kohle nach Hause und Mutti ist für die drei K`s zuständig (Kinder, Küche, Kirche). Genau dieses Rollenbild wollen wir der nächsten Generation doch nicht mehr weitergeben. Gut, dass unsere Kleinen also von Vorbildern und vom Vorleben lernen. Und je öfter Frauen auch die Brötchen verdienen oder als Ernährerinnen fungieren, desto selbstverständlicher wird das für kommende Generationen.

P.S. Im Enddeffekt habe ich als Schwangere dann auch tatsächlich mal zwei Tage aufgrund von Kreislaufproblemem gefehlt und damit weit weniger als meine anderen Kolleginnen und Kollegen. Und selbst wenn, wäre das auch legitim gewesen. Denn, wer sagt schon das Nicht-Schwangere nicht auch krank werden können? Aber solange so wenige Muttis in Chefinnen- und
Entscheiderinnenpositionen sind, wird wohl noch viel Wasser den Rhein lang fließen, bis „da oben“ verstanden wird, dass Mütter stark sind, aber auch mal schwach. Gesund aber auch krank. Fit oder auch mal schlapp.  Genau wie Nicht-Mütter und -Eltern auch. 

Titebild: Depositphotos

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