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Warum wir eine Kindergrundsicherung brauchen

Unsere Chefredakteurin fordert eine Kindergrundsicherung, damit alle Kinder gleiche Möglichkeiten und Chancen haben, unabhängig davon, ob die Eltern zusammenleben oder nicht, ob sie viel Geld haben oder wenig. 

Wenn ich mir für diese Kolumne Zahlen und Statistiken anschaue, bin ich oft schockiert. Aber nie war ich so schockiert wie bei diesem Thema. Es geht um: Unterhalt.

Minderjährige Kinder haben Anspruch auf Unterhalt. Das kann Pflege, Betreuung und Erziehung sein – oder auch Geld. Der Elternteil, der sich nicht um das Kind kümmert, ist er verpflichtet, als Unterhalt einen Geldbetrag zu zahlen. Tut er das nicht, kann das Kind Unterhaltsvorschuss vom Staat bekommen.

Zu geringe Unterhaltszahlungen

Klingt besser, als es in der Realität ist. 50 Prozent aller Alleinerziehenden bekommen keinen Unterhalt für ihre Kinder. Von den Unterhaltszahlungen, die fließen, sind die Hälfte zu niedrig. Heißt: Nur 25 Prozent der Unterhaltszahlungen an Alleinerziehende entsprechen dem Betrag, der ihnen für ihre Kinder zusteht.

Der Unterhaltsvorschuss, der gezahlt wird, klingt gut. Ist es in der Umsetzung aber oft nicht. Es braucht extrem viel Bürokratie, um einen Unterhaltsvorschuss zu bekommen, und zwar immer wieder. Der Bedarf wird immer wieder abgefragt. Und: Die Sätze sind zu niedrig.

„Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden ist in Deutschland viermal so hoch wie das von Paaren mit Kindern.“

Im Jahr 2018 zum Beispiel lag der Mindestunterhalt bei 399 Euro im Monat. Aber: Alleinerziehende gaben in diesem Jahr durchschnittlich 710 Euro für ein Kind in ihrem Haushalt aus, alleine 200 Euro für Wohnkosten. Die Konsequenz: Alleinerziehende zahlen die Differenz.

Eine Kindergrundsicherung

Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden ist in Deutschland viermal so hoch wie das von Paaren mit Kindern. Leidtragende sind nicht nur die Alleinerziehenden, sondern vor allem ihre Kinder. Es muss eines der wichtigsten politischen Ziele sein, Kinderarmut zu bekämpfen. Kinder müssen das bekommen, was sie brauchen, um gut und möglichst glücklich aufzuwachsen. Und dazu gehört im Kapitalismus auch Geld.

Deshalb brauchen wir dringend eine Kindergrundsicherung, die genau dafür sorgt: Gleiche Möglichkeiten für alle, unabhängig davon, ob die Eltern zusammenleben oder nicht, ob sie viel Geld haben oder wenig. Und diese Grundsicherung muss so hoch sein, dass man auch wirklich gut davon leben kann.

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Mareice Kaiser setzt sich für einen Journalismus ein, an dem alle teilhaben können, an dem alle beteiligt sind und in dem alle vorkommen – seit März 2020 als Chefredakteurin bei EDITION F. Ihre Themen: Inklusion, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, Chancengerechtigkeit.

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