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Wie Care-Arbeit jetzt aufgewertet werden muss

Unsere Chefredakteurin fordert politische Maßnahmen, um Fürsorgearbeit aufzuwerten und umzuverteilen. Eine Videokolumne.

Hi! Ich bin Mareice und ich habe eine Meinung. Zum Beispiel zu Care-Arbeit. Sollte, nein, MUSS sie aufgewertet werden? Ja, natürlich! Aber wie eigentlich? Darum geht es hier.

Mal vorne angefangen: Sich um Kinder kümmern, putzen, pflegen, kochen, einkaufen. Das alles ist Care-Arbeit. Sie wird mehrheitlich von Frauen gemacht, meistens unbezahlt, fast immer schlecht bezahlt.

Auf Care-Arbeit basiert unser Zusammenleben, unsere ganze Gesellschaft. Stellt euch vor, ihr kocht nicht mehr. Ihr geht nicht mehr einkaufen. Ihr putzt nicht mehr. Das komplette Familienleben würde nicht mehr funktionieren. Von Care-Arbeit profitieren jeweils auch andere Menschen. Zum Beispiel die, die keine oder wenig Care-Arbeit leisten. Sie können einer Erwerbsarbeit nachgehen, Geld verdienen und Rentenpunkte sammeln. Die Menschen, die ihr Leben lang Care-Arbeit geleistet haben, landen hingegen oft in der Altersarmut.

„Auf Care-Arbeit basiert unser Zusammenleben, unsere ganze Gesellschaft.“

Es braucht politische Vorgaben

Also was tun? Einfach alles stehen und liegen lassen, das funktioniert nicht. Erst recht nicht für Alleinerziehende.

Es braucht also politische Ideen und ihre Umsetzung. Care-Arbeit muss aufgewertet werden. Finanziell und ideell. Beides geht nur zusammen. Und es braucht Strukturen, damit sich etwas ändert. Das sehen wir am Elterngeld. Es wurde im Jahr 2007 eingeführt, ein Jahr später machten 21 Prozent der Väter davon Gebrauch. Heute geht jeder dritte Vater in Elternzeit – allerdings noch immer kürzer als Mütter. Aber wir sehen daran: Es braucht politische Vorgaben, damit sich etwas ändert.

Also: Pflegezeiten müssen auch in die Rente einzahlen. 14 Tage Elternschaftszeit nach der Geburt für den zweiten Elternteil ist ein Witz. Damit sich Partner*innen die Care-Arbeit wirklich gerecht aufteilen können, brauchen beide Elternzeit. Wir brauchen Kitas und Schulen, in denen Kinder gut aufgehoben sind, in denen das Personal gut bezahlt wird und die flexible Betreuungszeiten haben – damit Eltern flexibel erwerbsarbeiten können, wenn sie das wollen.

Wir brauchen endlich eine Vereinbarkeit, die das Wort auch verdient. Alleinerziehende können nicht in Vollzeit arbeiten, als wären sie ein kinderloser Mann, für den zu Hause die Mama oder Ehefrau kocht und putzt. Heißt konkret: Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn und flexible Arbeitszeiten, wo immer es geht.

Fürsorgearbeit ist die Grundlage unserer menschlichen Existenz

Und: Care-Arbeit muss umverteilt werden. Sie muss von allen Geschlechtern übernommen werden. Fair verteilt, fair entlohnt. All den politischen Rahmenbedingungen muss ein Gedanke zugrunde liegen: Kinder sind unsere Zukunft. Kinder haben, Fürsorgearbeiten für Kinder, Angehörige und Pflegebedürftige leisten, das ist wichtig und die Grundlage unserer menschlichen Existenz.

Menschen, die Care-Arbeit leisten, dürfen nicht länger bestraft werden. Sie müssen wertgeschätzt werden. Nicht mit müdem Klatschen auf Balkonen, sondern mit Tarifverträgen, Rentenpunkten und Mindestlohn. Mindestens.

Sonst sollten wir alle zusammen vielleicht doch mal damit aufhören mit dieser Care-Arbeit. Und schauen, wie unser Zusammenleben dann funktioniert. Was würde passieren, wenn du deine Care-Arbeit bestreiken würdest?

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Mareice Kaiser setzt sich für einen Journalismus ein, an dem alle teilhaben können, an dem alle beteiligt sind und in dem alle vorkommen – seit März 2020 als Chefredakteurin bei EDITION F. Ihre Themen: Inklusion, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, Chancengerechtigkeit.

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