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Wofür stehst du? 9 Frauen berichten von ihrem Weg

Für welche Themen möchte ich beruflich stehen? Womit möchte ich in der Öffentlichkeit assoziiert werden? Wir haben neun erfolgreiche Frauen nach ihrem Weg gefragt.

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Sei authentisch, sei meinungsstark, sei du selbst – diese Tipps bekommt man häufig, wenn es darum geht, sich erfolgreich in der Öffentlichkeit zu positionieren. Doch wie findet man eigentlich heraus, wofür man stehen will?

Wir haben neun inspirierende Frauen gefragt, wie sie ihren thematischen Weg gefunden haben. Spoiler: Selten war der Weg vorgezeichnet und eine der häufigsten Antworten war: Du musst es einfach ausprobieren!

Viel Freude beim Auschecken deiner Leidenschaften und deines eigenen Wegs!

Ninia La Grande

Foto: Simona Bednarek

Ninia La Grande ist Moderatorin, Autorin und Poetry-Slammerin. Außerdem ist sie Geschäftsführerin des Büros für Popkultur GmbH & Co. KG in Hannover. 

Für welche drei Themen stehst du?

„Meine drei Hauptthemen sind sicher Inklusion, Feminismus und Mode. Alles eingebettet in einen politischen und aktivistischen Kontext.“

Wann und wodurch wurde dir klar, dass es diese drei Themen sind?

„Das hat sich über Jahre entwickelt. Spätestens als ich mich vor fünf Jahren als Moderatorin und Autorin selbstständig gemacht habe, wurde mir klar, dass ich mein Profil schärfe, wenn ich mich auf ausgewählte Bereiche konzentriere – und hier Zeit investiere, um immer auf dem Laufenden zu bleiben. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch gerne in anderen Themenbereichen arbeite.“

Wie findet man heraus, wofür man stehen will – hast du einen Tipp?

„Sich selbst zuhören: Was lese ich und fühle mich gut dabei oder intellektuell angeregt? Was interessiert mich? In welche Richtung gehen meine Hobbys? Und welche Schnittstelle lässt sich in allem, was ich gerne tue, finden? Das muss nichts sein, was ,alle‘ machen. Oder was gerade besonders hip ist. Es hat keinen Sinn, sich nach Trends zu richten, wenn man selbst vielleicht Bock auf was ganz anderes hat. Schaffe dein eigenes Trendthema!“

Miriam Jacks

Foto: Miriam Jacks | Instagram

Miriam Jacks arbeitet als Make-up Artist, Beauty Expertin und Gründerin des Unternehmens „JACKS beauty line“, welches sich auf Make-up Pinsel spezialisiert hat.

Für welche drei Themen stehst du?

„Ich stehe für Beauty, Interior Design und Entrepreneurship bzw. Lifestyle.“

Wann und wodurch wurde dir klar, dass es diese drei Themen sind?

„Mit meinem Beruf als Make-up Artist war Thema eins schnell klar. Interior Design ist eine riesengroße Leidenschaft von mir. Und ins Thema Entrepreneurship bin ich mit meinen Unternehmenungen hineingewachsen. Ich habe mich bereits mit 19 Jahren selbstständig gemacht, mit 25 Jahren meinen ersten Concept Store eröffnet und bin nun seit vier Jahren erfolgreiche Working Mom mit JACKS beauty GmbH.“

Wie findet man heraus, wofür man stehen will – hast du einen Tipp?

„Ich denke, es geht in erster Linie um die Leidenschaft, die man für ein Gebiet mitbringt, oder auch mehrere. Ich bin zum Beispiel ausgebildete Make-up Artistin, habe aber niemals BWL studiert, um einen Laden zu führen oder mein eigenes Beauty Label aufzubauen. Ich bin auch keine Interior Designerin, aber trotzdem bekomme ich sehr viele Anfragen in dem Bereich, einfach weil ich mich für das Thema begeistere. Ich wollte schon immer nicht nur eine Sache machen. Ich finde es wird erst richtig spannend, wenn man seine Fühle für diverse Gebiete ausstreckt, denn so kann man immer noch in Zeiten wie jetzt von Corona leicht wechseln und hat nicht nur ein Standbein.“

Kati Ernst und Kristine Zeller

Foto: Rok Trzan

Kati Ernst und Kristine Zeller sind die Gründerinnen des Unterwäschelabels „ooshi“, welches Periodenunterwäsche herstellt.

Für welche drei Themen steht ihr?

„Female Empowerment, „Anders“ Gründen, Enttabuisierung.“

Wann und wodurch wurde euch klar, dass es diese drei Themen sind?

„Schon bei der Entwicklung der Marke wussten wir, dass Female Empowerment am Herzen dessen was wir tun, stehen soll. Die Enttabusierung von Themen rund um die Weiblichkeit ist ein Teil davon. Das war also von Anfang an da und Teil unserer „Story“. Was über die ersten Monate des Gründens hinzukam war der Mut und der Wille es „anders“ zu machen als alle erwartet hätten – ohne Funding, und trotzdem mit großen Ambitionen einen Markt grundsätzlich zu verändern, Ende 30 mit zahlreichen Kids Zuhause, mit komplett orts- und zeitunabhängigem Arbeiten als Team, und vieles mehr.“

Wie findet man heraus, wofür man stehen will – habt ihr einen Tipp?

„Frage dich, was Themen sind, mit denen du dich gerne jeden Tag viele Stunden beschäftigen möchtest, was immer spannend bleibt/sich dynamisch entwickelt und dein Herz höher schlagen lässt. Dafür ist es sicher gut, sich möglich mit vielen Menschen divers auszutauschen und inspirieren zu lassen. Wir hören z.B. beide viele Podcasts und gehen auf Events, auch von Menschen aus ganz anderen Bereichen und mit anderen Einstellungen, um immer wieder neue Denkanstöße zu bekommen und Welten kennenzulernen.“

Alice Hasters

Foto: Katja Ruge

Alice Hasters ist Autorin, Journalistin und Podcasterin. Sie schreibt häufig über afrodeutsche Identität, Feminismus und Intersektionalität.

Für welche drei Themen stehst du?

„Gleichberechtigung, Identität und Storytelling.“

Wann und wodurch wurde dir klar, dass es diese drei Themen sind?

„Zum einen, als ich angefangen habe, unabhängig von Auftraggeber*innen zu veröffentlichen. Durch den Podcast Feuer&Brot und durch meine Kolumne von kleinerdrei.org.

Auf der anderen Seite, habe ich durch die Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule gelernt, wo meine Interessen und meine Talente sind und das entsprechende Handwerk gelernt.“

Wie findet man heraus, wofür man stehen will – hast du einen Tipp?

„Ausprobieren und auf die eigene Intuition hören. Es kann gut sein, dass man merkt, dass das, was man dachte, dass man es machen wollte, doch nicht das Richtige ist. Außerdem: Mut dazu, neue Wege zu bestreiten, die so vorher noch niemand gegangen ist. Es mag sich gerade in der Arbeitswelt zuerst nicht so anfühlen, aber es ist ein gutes Zeichen, wenn man nicht in eine Schublade passt.“ 

Laura Gehlhaar

Foto: Marko Ruhlig

Laura Gehlhaar ist Autroin, Beraterin und Speakerin. In ihrem Blog „Frau Gehlhaar“ schreibt sie über das Großstadtleben und das Rollstuhlfahren. 

Für welche drei Themen stehst du?

„Inklusion. Feminismus. Barrierefreiheit.“

Wann und wodurch wurde dir klar, dass es diese drei Themen sind?

„Wenn eine Person mit einer Behinderung lebt, scheint es für sie andere Regeln und Umgangsformen zu geben. Sie hat weniger Zugang zu Bildung, weil Inklusion an deutschen Schulen nicht konsequent umgesetzt wird. Als Folge sinkt die Chance auf höhere Bildung und einen Platz auf dem ersten Arbeitsmarkt. Als Frau mit einer Behinderung begegne ich tagtäglich einer Gesellschaft, die nicht auf Behinderung eingestellt ist. Ich habe keine Entscheidungsmacht, welches Restaurant ich besuche oder zu welcher Ärztin ich gehen möchte, da die Orte aufgrund fehlender Barrierefreiheit für mich entscheiden, ob ich sie besuchen darf. Das möchte ich ändern. Damit Menschen mit Behinderung so selbstverständlich und frei am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und es mitgestalten können, wie jede*r andere auch.“

Wie findet man heraus, wofür man stehen will – hast du einen Tipp?

„Ein ausgeprägter Sinn nach Gerechtigkeit und meine eigene Betroffenheit haben mich zum Aktivismus gebracht. Wobei letzteres Fluch und Segen zugleich bedeutet. Das, wofür ich kämpfe, erlebe ich buchstäblich am eigenen Leib. Das macht mein Auftreten und Antrieb zwar authentisch, birgt aber regelmäßig die Gefahr, daran zu zerbrechen. Man kämpft nicht nur für das Leben anderer, sondern auch für das eigene. Mein Aktivismus kennt die Regelung von einem Achtstundentag nicht. Denn meine Behinderung ist auch nach 18:00 Uhr noch da. Aktivismus kann schon im kleinen beginnen: Zuhören, sich die eigenen Privilegien bewusst machen (Achtung, kann weh tun), Vorbilder suchen und eine eigene Meinung bilden.“

Aline Abboud

Foto: Jennifer Fey

Aline Abboud arbeitet als Journalistin beim ZDF in der Nachrichtenredaktion. Außerdem wirkt sie bei Projekten wie „Triff mich!“ mit.

Für welche drei Themen stehst du?

„Das weiß ich nicht. Ich interessiere und engagiere mich für einige Themen. Aber andere projizieren auf mich und sehen sicherlich Themen wie Naher Osten, Integration und Ostdeutschland.“

Wann und wodurch wurde dir klar, dass es diese drei Themen sind?

„Unterschiedlich: der Nahe Osten bzw. arabische Welt ist schon immer ein Teil von mir, da mein Vater aus dem Libanon stammt. Studiert habe ich Arabistik. Der Rest kam erst Seitdem ich in der Arbeitswelt bin. Also nach dem Studium. Als man mir plötzlich den Stempel „mit Migrationsbiografie“ aufgedrückt hat. Ich sehe es aber positiv und versuche meine Position und Stimme zu nutzen. Um auf Defizite, aber auch Erfolge aufmerksam zu machen. Alle drei oben genannten Themen glaube ich sogar unbewusst in meinem neuen Podcast (zenith-Podcast) eingebunden zu haben.“

Wie findet man heraus, wofür man stehen will – hast du einen Tipp?

„Es ist eine Entwicklung, in die dich unter anderem familiäre Wurzeln, Erfolgserlebnisse, Schicksalsschläge aber auch andere dich schieben können. Am Ende steht immer der klassische Satz: Bleib bei allem du selbst.“

Lea-Sophie Cramer

Foto: Patrycia Lukas 

2013 gründete Lea-Sophie Cramer zusammen mit Sebastian Pollok Amorelie. Sie wurde vom Bundeswirtschaftsministerium als „Vorbild-Unternehmerin“ ausgezeichnet.

Für welche drei Themen stehst du?

„Unternehmertum, New Leadership und Persönlichkeitsentwicklung.“

Wann und wodurch wurde dir klar, dass es diese drei Themen sind?

„Genau die drei Themen sind nicht fix und werden sich noch konkretisieren und schärfen. Aber: Das Interesse an Unternehmertum kam schon während der Uni und mit Amorelie habe ich dann den Deckel für meinen Top gefunden. Anders zu führen ist erst in den letzten zwei Jahren eine große Passion von mir geworden, weshalb ich jetzt auch eine Coaching Ausbildung und andere Weiterbildungen mache, um mich immer stetig zu verbessern.“

Wie findet man heraus, wofür man stehen will – hast du einen Tipp?

„Sich zu fragen: Welche Dinge mache ich besser als andere anhand des Feedbacks, welches ich von außen bisher bekommen habe? Welche Themen bewegen mich wirklich – welche lösen große Begeisterung und starken Ärger/Trauer aus? Was bringt das der Welt? Man muss versuchen immer mehr auf die Meta-Ebene von Themen zu gehen.“

Johanna Pinkepank

Foto: Janine Oswald

Auf ihrem Blog „Pinkepank“ schreibt Johanna über ihr Leben mit Kindern, Mode und Wohnen. Mittlerweile verkauft sie auch Mode.

Für welche drei Themen stehst du?

„Meine drei Themen sind ehrliches Familienleben und Mutter sein, Gleichberechtigung und ganz klar: Farben und Muster, die sich durch meinen Kleiderschrank und die Wohnung ziehen. Wobei es mir aber durchaus schwer fällt, mich festzulegen. Ich konnte mich nie für eine „Nische“ entscheiden, die immer empfohlen wird, damit man als BloggerIn erfolgreich wird. Die Themenvielfalt und auch die Weiterentwicklung der eigenen Themen, der Blick über den Tellerrand, der dank des Austauschs auf zum Beispiel Instagram immer größer wird, gerade das finde ich so spannend am Schreiben.“

Wann und wodurch wurde dir klar, dass es diese drei Themen sind?

„Ich blogge seit 2012, nachdem ich mein Medizinstudium abgebrochen hatte brauchte ich ein kreatives Ventil. Am Anfang habe ich über DIY geschrieben, aber der Fokus hat sich ziemlich schnell verschoben und meine Themen haben mich gefunden. Ich habe einfach immer über das geschrieben, was mich beschäftigt und berührt hat. Über die Themen, zu denen die Worte und Geschichten einfach rauswollten und die sich nicht wieder zurück in die Schreibtischschublade legen lassen.“

Wie findet man heraus, wofür man stehen will – hast du einen Tipp?

„Wenn man es nicht intuitiv weiß, dann ist mein Tipp: ausprobieren. Wozu habe ich etwas zu sagen, wozu möchte ich mich mitteilen? Bei welchen Themen fällt es mir leicht, Unterthemen und immer wieder neue Aspekte zu finden? Was beschäftigt mich sowieso, auch im Privaten? Wofür möchte ich mich stark machen und bei welchen Themen fühlt es sich gut an, wenn man sie mit mir assoziiert? Es ist wahnsinnig wichtig, sich nicht auf Themen zu versteifen, von denen man denkt, dass sie ‚gut gehen‘, mit denen man aber eigentlich keine Berührungspunkte hat. Das merken auch die Menschen, die lesen, was man schreibt. Ich finde übrigens, dass sich Themenschwerpunkte auch online immer wieder verändern können, wie im echten Leben. Ausprobieren und Fehler machen ist erlaubt, auch online. Genau das ist echt, genau das macht Authentizität aus.“

Felicia Ewert

Foto: Anne Koch

Felicia Ewert ist Politikwissenschaftlerin, Autorin und Speakerin. Gerade ist die zweite Auflage ihres Buches „Trans.Frau.Sein” erschienen.

Für welche drei Themen stehst du?

„Ich stehe für Intersektionalität, für die Aufklärung über herrschende Geschlechtsverständnisse und daraus resultierende Diskriminierungen wie z.B. Transfeindlichkeit und (Trans)misogynie. Und ich stehe für radikales Empowerment von trans und non binary Personen.“

Wann und wodurch wurde dir klar, dass es diese Themen sind?

„Aufgrund meiner Existenz bleibt mir keine andere Wahl als mich grundlegend mit diesen Themen auseinanderzusetzen, diese zu analysieren, darüber aufzuklären, diese bestehenden verinnerlichten Einstellungen abzubauen und offene Feindlichkeit zu bekämpfen. Spätestens mit meinem öffentlichen outing als Frau wurde ich offen mit massiven Anfeindungen und Drohungen konfrontiert. Ab da gab es kein zurück mehr.“

Wie findet man heraus, wofür man stehen will – hast du einen Tipp?

„Es sollte hierbei keine Einschränkungen geben. Intersektional zu denken, Mehrfachbenachteiligungen zu realisieren ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Selbst von bestimmten Diskriminierungsformen betroffen zu sein, macht mich nicht über andere erhaben. Ich erlebe Transfeindlichkeit, Homofeindlichkeit und Frauenfeindlichkeit auf gesellschaftlicher, rechtlicher und medizinischer Ebene und weiß, dass ich dennoch durch z.B. meine deutsche Staatszugehörigkeit und mein Weißsein massive Privilegierungen besitze. Ich muss also für viel mehr stehen, als nur für die Themen, die mich unmittelbar betreffen. Ich kann aus persönlichem Interesse und Betroffenheiten einen bestimmten Fokus haben und muss dennoch viel weiter denken.“

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