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Füreinander da sein: Was wirklich hilft, wenn es Freunden schlecht geht

Wenn es uns richtig schlecht geht, brauchen wir unsere Freunde am dringendsten. Aber manchmal reagieren die nicht so, wie wir uns das wünschen. Und manchmal schaffen auch wir es nicht, in der Situation das Richtige zu tun. Warum fällt das so schwer und was hilft wirklich?

 

Warum es manchmal so schwer fällt, eine echte Freundin zu sein

Was sagt man zu einem Menschen, der jemand sehr Wichtiges verloren hat? Genau das fragte ich mich neulich, als eine Person aus meinem „Inner Circle“ in eben dieser Situation war. Was tut man, wenn man einem Verlust gegenübersteht, der wirklich weh tut? Der zerreißt und sich eingräbt, so viel tiefer, als die Wunden, die uns das Leben sowieso schon am laufenden Meter zufügt. Ich hatte tausend Worte auf der Zunge, tausend, die mir auf dem Herz brannten und raus wollten. Aber genau in dem Moment, wo sie mir aus dem Mund schlüpfen wollten, merkte ich: Es sind nicht die Richtigen. Alles, was ich jetzt sagen würde, würde der Sache nicht gerecht werden. Würde phrasenhaft erscheinen, wo ich doch echtes Mitgefühl zeigen wollte. Alles falsch. Ich, das, alles. Wieso funktionierte ich gerade jetzt nicht? Wo ich gefragt bin, als Freundin. Als echte Freundin.

Also stammelte ich vor mich hin, merkte, wie kläglich das war und merkte, dass es genauso beim Adressaten ankam. Meine zweite Reaktion: Ich muss da jetzt hin und ich muss da sein, Löwenmama spielen, beschützen. Gerade weil mir einfach verbal nicht gelingen konnte, was gelingen muss – was ich selbst von mir verlange: Trost zu spenden. Aber das ging eben so schief und wurde dankend abgelehnt. Es war nicht das Richtige für die Person, nicht in diesem Moment. Ich wusste nicht weiter. Bis ich irgendwann einfach sagte: Ich bin da. Ohne Tamtam, ohne Schnörkel, ohne dramatischen Auftritt. Und war es dann auch. Nicht im Großen, aber im Kleinen und beständig. Und das war am Ende richtig – auch wenn es mir zunächst komplett falsch vorkam.

Was tun, wenn es unseren Liebsten nicht gut geht?

Warum fiel mir so schwer, was die Basis jeder echten, tiefen Freundschaft ist? Einfach füreinander da sein, aber so richtig – und auf die richtige Weise. Tja, wahrscheinlich weil wir nun mal ganz unterschiedlich ticken und wir in extremen Situationen ganz unterschiedliche Dinge brauchen. Die einen Nähe, die anderen Abstand, die nächsten Ablenkung, und ein anderer irgendwas dazwischen. Aber wenn wir in der Situation sind, in der wir handeln müssen, dann fragen wir uns im ersten Moment vielleicht nicht: Was braucht er oder sie jetzt? Sondern reagieren so, wie wir es brauchen würden. Und das nicht, weil wir egoistisch sind oder den anderen doch nicht so gut kennen, sondern weil es menschlich ist. Wir haben das so gelernt, weil auch wir von dem Schmerz eines lieben Menschen übermannt werden, wenn wir ihm wirklich nahe stehen – und dann erst einmal auf Autopilot schalten.

Was ich gebraucht hätte, als es mir richtig schlecht ging

Ich kenne das auch von der anderen Seite, als es mir einmal so richtig schlecht ging. Und ich meine mit richtig schlecht so, dass ich dachte, ich packe das nicht. Das war’s. Aus allem Bunt war die Farbe rausgezogen und aus mir selbst jedes Quäntchen Kraft. In dieser Zeit mutete ich meinen Freunden ziemlich viel zu, wahrscheinlich ebenso viel wie mir selbst. Ob das in Ordnung war? Nun, ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich oft enttäuscht war. Warum sagt er oder sie das jetzt? Oder warum sagen sie es nicht? Warum ist gerade in diesem Moment niemand da? Das hätte man doch wissen können, müssen, sollen. Dass das jedenfalls nicht in Ordnung war, weiß ich heute. Aber wer wirklich von Schmerzen heimgesucht wird, der kann eben teilweise nicht wahrnehmen, dass andere ihn nicht fühlen – weil der Schmerz nicht nur real ist, sondern weil er die ganze Realität ist, die man gerade hat. Und wie soll jemand Außenstehendes auf so etwas perfekt reagieren? Es ist schlicht nicht möglich. Oder vielmehr eine Frage sich glücklich fügender Umstände.

Aber ich glaube, das alles ist nicht so schlimm, denn wir sind eben nicht perfekt – und auch wenn es wahnsinnig enttäuschend ist, wenn Erwartungen nicht (sofort) erfüllt werden, gerade weil man sich doch so gut kennt, und der andere es besser wissen müsste, zählt doch am Ende: Da zu sein. Irgendwie. Und merklich für den anderen. Den anderen wissen zu lassen, dass man an ihn denkt, dass man spürt, dass da gerade ein richtiger Ruck durch sein oder ihr Leben geht. Was zählt, ist sich nicht abzukehren, weil man als Außenstehender das Gefühl hat, nicht das Richtige tun oder sagen zu können, sondern im Zweifel diese Hilflosigkeit einfach anzusprechen. Sag es einfach! Denn das Ungesagte zu verstehen, kann man nun wirklich niemandem aufbürden, der gerade vom Leben überrollt wird. Der versucht mit einem Arm zu schwimmen und irgendwo wieder ans Ufer zu kommen.

Und sollte man auf der anderen Seite stehen, dann zählt – so habe ich das jedenfalls erlebt – das man einfach ein wenig in sich hineinspüren sollte, ob das Gegenüber gerade schlicht nicht empathisch ist, oder ob er es wirklich versucht – und einfach nicht kann. Und wenn Letzteres der Fall sein sollte, dann muss das reichen. Dann sollte man von seiner eigenen Erwartung Abstand nehmen – vielleicht irgendwann später sagen: Du, ich hätte etwas anderes gebraucht – aber in dem Moment einfach versuchen, sich geliebt und getragen zu fühlen, denn genau so ist es. Wenn wir das schaffen, irgendwie mit der Zeit, dann glaube ich können beide Seiten sagen: Ich war da und es wurde sich um mich gekümmert. Denn wer es wirklich aufrichtig versucht, muss sich nicht mit dem Gedanken tragen, ob man an der Aufgabe ein guter Freund zu sein, gescheitert ist. Weil man genau das war: Ein guter Freund oder eine gute Freundin.

Was sagt ihr, was hilft euch in schlimmen Situationen?

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