Foto: Tiko Giorgadze | Unsplash

Solange Gleichberechtigung nicht wirklich existiert, bleibe ich Single

Ich bin Single – und verdammt froh darüber.

 

Singles sind unglücklich? Bullshit!

Die 3 G’s treffen bei mir, wenn es um meinen Singlestatus geht, voll ins Schwarze: Glücklich. Gewollt. Gewünscht. Nicht jeder ist offen für die Liebe und eine Beziehung und hat trotzdem, oder gerade deswegen ein ganz tolles Leben. Vor allem mag ich nicht immer wieder rechtfertigen müssen, warum das wirklich so ist.

Hat Peter Pan eigentlich eine Freundin? Nein, hat er nicht. Gut, er hat Wendy, aber Wendy ist seine mütterliche Ratgeberin. Und ja, väterliche Ratgeber finde ich auch ganz toll. Ich höre und verlasse mich – nach intensiver Prüfung und Abwägung äußerst gern auf Erfahrungswerte und die Lebenserfahrung deutlich Älterer. Ich mag und bewundere ruhige Gelassenheit, Abgeklärtheit, Weisheit, Reife und Klugheit. Und auch im Alltag freue ich mich über männliche Mentoren, männliche Kollegen, platonischen Freunde. Aber darüber hinaus? Kann ich gerade gut darauf verzichten. 

Der ewige Monolog

Meiner besten Freundin bin ich dankbar dafür, dass wir – seit märchenhaften dreizehn Jahren – (fast) immer andere Gesprächsthemen finden, als die Suche nach dem perfekten Mann, Heiraten oder Hausfrauendasein

Mit anderen Mädels war das schon oft anders: „Wäre der nichts für dich?”, „Du brauchst doch mal wieder einen Freund!”, „Willst du keinen Mann?”, „Jetzt bist du schon wieder X Jahre Single.”, „Der YZ meiner XY könnte dir gefallen.”, „Du hast viel zu hohe Ansprüche.”, „Willst du dich nicht verlieben?”, „Datest du etwa gerade nicht mal?” … 
„Nein und danke. Können wir bitte über etwas anderes reden: Job, Perspektiven, Politik, Kultur, Mode, Kunst, Sport und Freizeitplanung – alles ohne Mann?“

„Willst du dich nicht verlieben?” – als wäre die Liebe ein Wunschkonzert, ein Schokoladen-Tante-Emma-Laden, eine Eisdiele, in der wir uns die leckerste Sorte aussuchen und vernaschen, ein Milch-und-Honig-Schlaraffenland. Manche Frauen sind einfach zu gerne Single und frei.

Ich hab nichts gegen die Liebe 

Ja, natürlich, ich war durchaus schon verliebt und werde es bestimmt auch immer mal wieder sein. Vielleicht auch nur noch ein einziges wunderbares Mal? Aber ich warte nicht darauf und zerrede es nicht. Und ja, natürlich stehe ich dazu, dass ich bestimmte Ansprüche habe. Aber die hat doch jeder, oder?

Ich bin eigentlich in allen Lebensbereichen gleich: Klamotten, Ausgehen, Urlaube und Liebe. Schon immer leiste ich mir quantitativ wenig. Dafür aber stets Dinge, bei denen mein Herz dann jeweils begeistert Purzelbäume schlägt.

Mit viel Liebe sowie großer Sorgfalt und Wertschätzung behandle ich jedes einzelne Stück, das ich besitze – was nicht viel ist. Selten finden sich in meine Schrank mehr als drei Jeans und zehn Paar Schuhe (für jedes Paar das ich weggebe, darf ein neues Paar bei mir einziehen).  Und ich habe schon öfter bis zu vier Jahre gänzlich ohne Urlaub verbracht – und ohne Mann.
Das bin ich und so zu leben macht mich sehr glücklich. Ich habe lieber wenig, aber dafür qualitativ hochwertige Dinge, die meinen Ansprüchen gerecht werden. Und darauf will ich eben auch in einer Beziehung nicht verzichten. 

Die Sache mit den Ansprüchen 

Sich Ansprüche „leisten können” klingt immer etwas arrogant, aber es bringt meine Perspektive in dieser Sache eben genau auf den Punkt. Und, ich glaube, die vieler anderer Frauen auch: Mit Mitte 20 habe ich realisiert, dass Karriere, berufliche Vielseitigkeit und Selbstverwirklichung mir wichtiger sind und das wohl auch immer bleiben werden. Ich verspüre keinen Kinderwunsch, kann gut und gerne allein sein und finde das Leben ist aufregend, bunt und spannend genug – so what?!

Ich liebe und zelebriere mein Leben als Single fast immer. Jahrelang habe ich dafür zum Beispiel keine einzige berufliche Herausforderung, inklusive Ortswechseln in In- und Ausland, ausgelassen. Denn was mich antreibt ist leben, lernen, die Welt als Abenteuer und das Erleben an sich, in seiner ganzen bunten Vielfalt zu entdecken. Gerne auch mit Mann, aber mindestens genau so gern, und meistens sehr viel lieber ohne. Was mich nicht antreibt und niemals antreiben wird, sind die Biologische Uhr, „flache Geschichten” oder Mainstream-Paar-Gedanken.

Nicht alles ist eben möglich 

In Job und beim Sport laufe ich liebend gerne zu kameradschaftlicher Höchstform auf, aber für mein Privatleben sind meine Vorstellungen andere. Und damit bin ich nicht allein. So viele Frauen sind gerne, überzeugte, eingefleischte, situationsbedingte, liebeskummergeplagte, karriereorientierte oder freiheitsliebende Singles. Eine Beziehung mit einem Mann oder einer Frau wird auf später verschoben oder überhaupt nicht anvisiert 

Ich bin eine sanftmütige, zarte Feministin, manchmal aber auch aufgeweckte Realistin. Das bringt mich zu folgender Erkenntnis: Solange nicht die totale Gleichberechtigung stattfinden kann, sind es eben tatsächlich die Frauen, die auf der Strecke bleiben, wenn sie sich für Familie und Kinder entscheiden und in Hausarbeit und Kindererziehung nicht vollkommen erfüllt aufgehen. Auch wenn der Partner sich ebenfalls zeitintensiv einbringt.

Kinder sind toll und ich verstehe jede Frau, die sich dafür entscheidet aus vollem Herzen und hinterfrage ihre Entscheidung niemals. Aber was meine Lebensvorstellung angeht, bremst eine Beziehung, ein Mann an meiner Seite mich einfach aus, zumindest war es bislang so. „Ich möchte eigentlich nicht, dass du noch mal ins Ausland gehst!”, „Ich finde deinen Beruf / deinen Sport zu gefährlich für eine Frau”, „Willst du mich heiraten?”. Die Konsequenz: Tschüss Beziehung, hallo Ausland! Und, was ich von Freundinnen und Freunden erwarte ist, dass sie mein Lebensmodell auch nicht immer wieder aufs Neue hinterfragen. Meine Beständigkeit in manchen Bereichen sollte nämlich faszinierend sein.

Wenn´s passt, passt´s 

Ich mag Männer sehr gerne, arbeite mit großer Freude in einer völligen Männerdomäne. Wie andere Singlefrauen auch, schätze ich Männer als Menschen, als verlässliche und humorvolle Kollegen, als richtig gute Gesprächspartner. Und manchmal liebe ich einen Mann auch mal als Mann. 

Meine beste Freundin zum Beispiel hat jemanden gefunden, mit dem sie mittlerweile ein ganz großartiges kleines Kind hat. Allerdings war ihr Lebensplan auch ein anderer. Und trotzdem toleriert und versteht sie meinen uneingeschränkt. Allein, dass ich das hier erwähnen muss, zeigt, dass das leider nicht die Regel ist.

Wer nicht liebt und nicht vergeben ist, könnte sich jeden Tag verlieben. Und das ist schön! Verliebt sein ist ein so buntes Gefühl, der Bauch voller Brausestäbchen, der Kopf steht Kopf und das Herz läuft über. Alles ist toll und flamingopink. Alles neu, unbekannt, reizvoll und seine Küsse schmecken nach Vanilleeis. Wunderbar! Genau meine Welt! Und sind wir verliebt nicht alle so? Dann nämlich steht die Welt Kopf, wir platzen fast vor Glück und mit wem könnten wir besser darüber quatschen als mit der besten Freundin? Dann sind Männer Gesprächsthema Nummer Eins. Und daraus kann sich auch durchaus etwas entwickeln. So es passt, so lange es passt.

Einen Mann für die „Zeit meines Lebens”, nicht „für mein Leben”

Aber ich möchte und brauche niemanden (mehr), der mich nach einem anstrengenden Arbeitstag mit Überstunden, in der gemeinsamen Wohnung mit den Worten empfängt: „Wir müssen über unsere Beziehung reden”. Und das am Besten kurz vor Mitternacht. Die einzig vernünftige Antwort darauf könnte meiner Meinung nach lauten: „Mein lieber Schatz, ich habe einen zwölf Stunden Tag hinter mir, bin hundewelpenmüde und schlafe jetzt friedlich und ganz wundervoll im Hotel. Gute Nacht.”

Oder, wenn du dir schöne Abende im Kreis deiner Freundinnen oder Freunde machst und dein „Liebling”, immer wieder „zufälligerweise” in genau derselben Bar auftaucht. Darüber könnte ich Geschichten erzählen, von den Erfahrungen meiner Freundinnen und Kolleginnen – die das allerdings in Kauf nehmen. Ich nehme das nicht in Kauf. Ich möchte niemals einen Mann brauchen müssen, sondern einfach nur völlig verrückt und in tiefer Liebe und Vertrauen verbunden mit ihm sein. Tja, da spricht dann doch die große Romantikerin aus mir.

Ich will frei sein 

Bei dem Gedanken an einen gemeinsamen Hauskauf mit einem Partner schnürt es mir den Magen zu und der Gedanke beruflich Kompromisse eingehen zu müssen, damit das Privatleben Priorität Nummer Eins sein kann, macht mich traurig, wütend, unglücklich. Ich will einfach nur mein Leben leben, meine Träume verfolgen, arbeiten, Karriere machen, Jobs annehmen, Jobs kündigen, Städte wechseln, Inland und Ausland, Fortbildungen besuchen, Sprachen lernen und vielleicht Kühlschrank, Bad, Bett für mich alleine haben.

Und Kinder? Die haben Frauen wie ich als Patenkinder, als Kids von lieben Freundinnen, wir kümmern uns ehrenamtlich und vielleicht haben wir irgendwann einmal ein Pflegekind oder doch einen Partner mit Kindern aus seiner vorherigen Beziehung. Das Leben ist kein Ponyhof, aber die Möglichkeiten auf unterschiedlichste Art und Weise Glück zu finden und einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, sind da.

Mein Leben, meine Entscheidungen, mein Weg

So motiviert, zielstrebig, kompromissbereit und beständig ich also im Beruf und Alltag bin, in Beziehungen brauche ich die ganz lange Leine. Mein Ausflug nach Neverland kann lange dauern. Da bin ich nunmal gern. Allein. Für mich gibt es – und das ist mein voller Ernst – nichts Schöneres, als nach meinem Tag nach Hause zu kommen, die Wohnungstüre hinter mir zu schließen und keiner ist da, der auf mich wartet. Introvertiert eben. Ruhe und Alleinsein sind gleichzeitig Auftanken und pures Wohlfühlen.

Ich will nicht ausgebremst werden. Ich will keine Diskussionen führen müssen, keine Kompromisse schließen, kein anderes Leben leben. Ich bin gerne frei. Diesen Artikel habe ich in erster Linie für alle Frauen geschrieben, die so ähnlich fühlen, denken und leben und die sich hier in so vielem wiederfinden können.

In zweiter Linie ist dieser Artikel für alle, die Freundinnen und Kolleginnen haben, die sie vielleicht immer wieder versuchen zu bekehren und den eigenen Stempel aufdrücken wollen, weil sie sich in deren Andersartigkeit nicht hinein denken möchten. „Nicht nur beim Single-Thema, ich finde Toleranz eine ganz bedeutende und wichtige Eigenschaft. Jeden Menschen einfach so zu nehmen, wie er ist und zu akzeptieren, wie er lebt, denkt und träumt. Das kann wunderbar inspirierend für beide Seiten sein – und damit die Basis für eine lange tiefe Freundschaft oder sogar eine Beziehung. 

Dieser Beitrag ist bereits auf Jojannas Blog erschienen. Wir freuen uns, dass sie ihn auch hier veröffentlicht. 

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