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Bewerbungsfrust: aufgeben oder weiterkämpfen? Ein Mutmacher-Guide

„Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiterlaufen!“ Diese und ähnliche Ermunterungen haben alle Arbeitssuchenden, die am Motivationslimit kratzen, sicher schon mehr als einmal gehört. Aber was hilft, wenn nach zu vielen Tiefschlägen alle Durchhalteparolen ihre Wirkung verlieren?

Was mache ich bloß falsch?

Einen Job zu verlieren ist kein Weltuntergang und passiert fast jedem irgendwann im Laufe seines Berufslebens. Wenn sich die Suche nach einer neuen Stelle allerdings immer weiter in die Länge zieht und eine Absage nach der anderen ins Haus flattert, kann das Selbstbewusstsein und die Motivation verständlicher Weise sehr leider. Eine Ideensammlung, um den Mut nicht zu verlieren.

Arbeitslos bedeutet nicht wertlos!

Wer seinen Beruf gerne macht und Selbstbewusstsein vor allem daraus zieht, finanziell eigenständig über die Runden zu kommen, leidet womöglich am meisten unter Arbeitslosigkeit. Allzu gern tritt zum Jobverlust dann ein gefühlter „Wertverlust“ der eigenen Person. Es geht dabei nicht (nur) ums Geld, sondern um grundlegende Werte wie Unabhängigkeit, soziale Anerkennung, ein „geordnetes“ Leben, eine selbst geschaffene Sinngebung. Wer lernt, seinen Selbstwert zumindest zeitweise und teilweise vom Vorhandensein eines Arbeitsplatzes zu entkoppeln, kann selbstbewusster auftreten, wenn sich doch neue Chancen anbahnen.

Distanz gewinnen!

Es lohnt sich, sich auch als hauptberuflicher Bewerber manchmal eine Auszeit zu nehmen und einfach das zu tun, was einem Spaß macht. Ob das nun ein ausgedehnter Stadt- und Schaufensterbummel, eine Partie Tennis oder ein Serienmarathon auf dem Sofa ist.

Sinn neu definieren!

Im Büro-, Messe- oder Produktionsalltag vergessen wir oft, dass das Leben aus mehr besteht als Arbeit. Dass es auch abseits der bekannten Wege eine Menge zu entdecken gibt und es möglich ist, seinen Lebenssinn auch anders zu definieren. Was spricht zum Beispiel dagegen, sich übergangsweise ehrenamtlich zu engagieren oder neue Ziele anzusteuern? Voraussetzung dafür: eine Menge Neugierde und natürlich die Gewissheit, dass die finanzielle Existenz nicht in Gefahr gerät. Soziales Engagement ist übrigens auch immer ein Pluspunkt im Lebenslauf.

Austausch suchen!

Mit dem bisherigen Job geht oftmals auch eine soziale Umgebung, ein berufliches „Wohlfühlnetzwerk“ verloren. Plötzlich ist man aus einer Gruppe „ausgestoßen“, mit der man vorher einen Großteil seiner Lebenszeit verbracht hat. Dass diese Isolation Gefühle der inneren Leere und Verunsicherung hervorrufen kann, erklärt sich von selbst. Kaum jemand ist gern ein Außenseiter. Es hilft nun, sich auf sein privates Netzwerk (Familie, Freunde) zu besinnen oder sich in der nun „überzähligen“ Freizeit Menschen zu suchen, die die eigenen Interessen teilen. Hilfreich ist es auch, sich mit anderen Arbeitssuchenden zu vernetzen und gemeinsam die Augen nach passenden Stellen aufzuhalten.

Eigene Ziele und Deadlines setzen!

Als Teil eines Unternehmens, eines festen Teams, kennen es vor allem Angestellte kaum anders, als Ziele und Vorgaben zu verfolgen, die bereits existieren. So kann diese „neue Freiheit“ und komplette Eigenverantwortung, die mit der eigenen Neuorientierung einhergeht, Arbeitssuchende erstmal ratlos dastehen lassen. Bildlich gesprochen: Wenn mir niemand mehr sagt, wie der Plan aussieht, was fange ich dann mit mir und meinen Ideen an? Oder: Wenn ich mit niemandem zusammen mehr unternehmerische Entscheidungen treffen kann, wie soll ich das allein schaffen? Im Umkehrschluss sind Perioden der Erwerbslosigkeit ideale Zeiträume, wieder mehr Eigeninitiative zu wagen und den inneren Kompass neu auszurichten, wenn der bisherige Kurs nicht zum Erfolg führte. Im Idealfall lässt sich die anfängliche Verunsicherung darüber, nun wieder auf sich selbst gestellt zu sein, so zu einer Ausweitung der eigenen Perspektiven und Führungsqualitäten nutzen.

„Was wäre, wenn …“

Erwerbslosigkeit kann vor allem bei bisher sehr stringenten Lebensläufen eine Atempause, eine Gelegenheit zum Innehalten bedeuten. Zeit, um sich mit scheinbar unsinnigen Fragen zu beschäftigen wie: „Was wäre, wenn ich gar kein Geld zum Leben bräuchte? Was würde ich tun?“ Manchmal bringen solche kurzen Aufenthalte in Luftschlössern überraschende Erkenntnisse – und neue Ideen, die sich dann tatsächlich im „echten Leben“ umsetzen lassen.

Ich schreibe dies nicht als Expertin und Bewerbungsratgeberin, sondern als eine von vielen Bewerberinnen, denen hin und wieder die Durchhalteparolen ausgehen. Dementsprechend gibt es diesen Punkten wahrscheinlich noch viele weitere hinzuzufügen. Ich freue mich auf einen Austausch mit euch darüber, was gegen Bewerbungsfrust hilft, wenn das „Prinzip Hoffnung“ allein nicht mehr ausreicht.

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