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Warum der Black History Month auch in Deutschland gefeiert wird

Jedes Jahr im Februar feiern Schwarze Menschen in verschiedenen Communitys weltweit den Black History Month, um auf die Errungenschaften Schwarzer Menschen in ihrer Gesellschaft und der Weltgeschichte aufmerksam zu machen.

Ursprung in den USA

Wie jedes Jahr stand der Februar bei vielen Schwarzen Communitys überall auf dem Globus im Zeichen des Black History Month. Ausgehend von den U.S.A und Kanada zelebrieren verschiedene Organisationen einen Monat lang Schwarze Kultur und Personen, die maßgeblich dazu beigetragen haben. Zum einen soll der Monat die Errungenschaften Schwarzer Menschen sichtbar machen, die im gesamtgesellschaftlichen Kontext gerne übersehen werden, zum anderen soll es aber auch auf Rassismuserfahrungen aufmerksam machen. Vor allem soll der Zusammenhalt innerhalb der Communitys zelebriert und gestärkt werden.

Schwarze Menschen sehen sich weltweit in der Medienlandschaft oftmals mit sehr limitierenden Stereotypen und Klischees konfrontiert. So wird von einem großen Teil der afroamerikanischen Bevölkerung seit Jahren kritisiert, dass in den Filmen und Serien, die sich mit dem Schwarzen Leben in den USA beschäftigen und die regelmäßig mit Preisen, wie den Golden Globes und den Oscars ausgezeichnet werden, Schwarze Menschen meist nur im Kontext der Sklaverei gezeigt werden. Ein weiteres Klischee, das auch gerne verbreitet wird und das unterschwellig ein gefährliches Bild vom Schwarzsein untermauert, ist das der*des armen Schwarzen Kriminellen. Dieses Narrativ porträtiert Schwarze Menschen stets als imminente Gefahr für die weiße Gesamtbevölkerung und lässt nicht viele andere Charakteristiken zu.

Auch Schwarze Geschichten, die nur erzählt werden, um eine*n weiße*n Held*in in Szene zu setzen werden lautstark kritisiert, so wie jüngst die Kontroverse um „The Green Book“, den Gewinner des besten Films bei den Oscars 2019, zeigt. Um dieses Stigma zu durchbrechen und die Vielfalt zu repräsentieren, die es in Schwarzen Communitys genauso wie in jeder anderen Bevölkerungsgruppe gibt, wurde der Black History Month ins Leben gerufen.

Black History in Deutschland

In Deutschland wurde der Monat das erste Mal in den 90er Jahren von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) gefeiert. Auch beim deutschen Ableger geht es darum Schwarzer Geschichte ein Gesicht zu geben. Hierbei werden die Errungenschaften von afrodeutschen Persönlichkeiten in den Fokus gestellt. Darunter viele wichtige Kultur- und Bildungsschaffende, wie zum Beispiel die Dichterin, Autorin und Aktivistin May Ayim, die sich bereits in den 80er Jahren mit ihren Gedichten gegen Rassismus und für eine afrodeutsche Identität aussprach oder auch den Schauspieler Theodor Wonja Michael, dessen Familiengeschichte zeigt, dass afrodeutsches Leben in Deutschland, entgegen gängiger Meinung, keine neue Entwicklung ist, sondern schon seit Jahrhunderten existiert. Auch die deutsche Kolonialgeschichte auf dem afrikanischen Kontinenten und ihre verheerenden Nachwehen, die in deutschen Geschichtsbüchern gar nicht bis wenig Aufmerksamkeit bekommen, werden im Februar noch einmal stärker ins Licht gerückt.

In Berlin schlossen sich 2019 verschiedene afrodeutsche Organisationen, wie der ISD, Each One Teach One, Generation ADEFRA und die Werksatt der Kulturen zusammen, um wichtige Communityevents auf die Beine zu stellen. Einen Monat lang wurde bei verschiedenen Programmpunkten über afrodeutsches Leben erzählt und diskutiert. Das Angebot war breit gefächert: von Vernetzungstreffen, über Perspektiven auf Schwarzes, queeres Leben in Deutschland bis hin zu Lesungen und Filmvorführungen mit prominenten Schwarzen Gästen. Alles im Zeichen des „Black Empowerment.“

Es wäre wünschenswert, wenn dieser so wichtige Monat auch im gesamtgesellschaftlichen Kontext in den nächsten Jahren in Deutschland mehr Aufmerksamkeit bekommen könnte.

„Schwarz“ wird in diesem Artikel großgeschrieben, weil es sich um eine politische Selbstbezeichnung handelt. Es geht hierbei nicht um „biologische Eigenschaften, sondern gesellschaftspolitische Zugehörigkeiten“, wie Der braune Mob.eV auf seiner Webseite erklärt.

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