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Männer an der Seite erfolgreicher Frauen – Geschichten von Paaren auf Augenhöhe

Männer, die ihrer Frau zur Seite stehen, wenn sie Karriere machen möchte – so sieht das idealerweise aus. Das Buch „Männer an der Seite erfolgreicher Frauen“ erzählt Geschichten von Partnerschaften, in denen der Mann sich nicht in seinem Ego gekränkt fühlt, wenn die Frau mehr verdient.

Karriere nicht im Alleingang

Es könnte so einfach sein: Männer, deren Frauen mehr verdienen als sie, geben sich damit zufrieden und führen eine gleichberechtigte Beziehung. Die Realität sieht oft noch anders aus. Gedankliche Barrieren und patriarchalisches Denken kommen in die Quere. Die höhere Summe auf der Gehaltsabrechnung der Partnerin kränkt das Ego einiger Männer, die sich in ihrer Versorgerrolle angegriffen fühlen. Warum es in modernen Beziehungen jedoch nicht darum gehen muss, wer mehr verdient, zeigt das Buch „Männer an der Seite erfolgreicher Frauen“. In dem Werk sammeln sich Geschichten von Paaren, die sich gegenseitig auf dem Weg ihrer Karrieren unterstützen. Wir haben in das Buch reingelesen:

Christel Röttinger: Nur Mut!

Wie sich Erfolgsfrauen positionieren und wie (deren) Männer damit umgehen, ist eine ebenso spannende wie aktuelle Frage. Man kann dieses Thema als zu vernachlässigendes Luxusproblem einer privilegierten Minderheit abtun. Doch für Frauen, die es betrifft, ist es sehr real ‒ und konfliktträchtig obendrein. Denn was Wissenschaftler bislang über männliche Einstellungen herausgefunden haben, ist aus Frauensicht ernüchternd: Nur jeder fünfte Mann ist der Meinung, dass sich beide zu gleichen Teilen um Haushalt und Kindererziehung kümmern sollten und dass die Partnerin beruflich Karriere machen sollte.

Ist die Frau noch dazu die Topverdienerin in der Partnerschaft, führt dies bei den Männern meist zur Krise: ihr Selbstwertgefühl ist vermindert, ihre Selbstzweifel steigen ebenso wie Existenz- und Versagensängste. Sind Männer also völlig ungeeignet für einen Platz in der zweiten Reihe? Nein. Aber um es dort auszuhalten, müssen sie ‒ übrigens genauso wie wir Frauen ‒ gegen ein altes Erbe ankämpfen: Seit Jahrtausenden ist in unseren Genen hinterlegt, dass der Mann der Ernährer ist, nicht die Frau. Wir sind in der Regel mit klassischen Rollenverteilungen aufgewachsen, unsere Gesellschaft löst sich nur langsam von alten Überzeugungen. Es erfordert ein klares Bewusstsein und Offenheit, um „Side by Side“ zu leben statt „Bottom to Top“

Side by Side: für viele keine Selbstverständlichkeit

Mir war früh klar, dass ich nicht in Abhängigkeit leben will. Als ich meinen Mann mit 43 Jahren kennenlernte, lebten wir am selben Ort und waren beruflich quasi auf Augenhöhe: mein Mann als Generalintendant zweier Staatsorchester, ich als gerade durchgestartete Unternehmerin. Er wechselte an ein Theater ins Ruhrgebiet. Plötzlich waren wir fast 300 Kilometer voneinander entfernt ‒ eine Fernbeziehung, die uns beiden schnell zu schaffen machte. Nach weniger als zwei Jahren kündigte mein Mann diese von ihm sehr geschätzte Position zugunsten unserer Beziehung und wechselte in eine deutlich geringer dotierte Position an ein Theater in der Nähe unseres Wohnortes. Die Gehaltswaage hatte sich damit endgültig und sehr deutlich zu meiner Seite geneigt. Seither profitieren wir gemeinsam von dem Geld, da ich als Unternehmerin mehr verdiene als er.

Mein Einkommen sichert uns einen sehr angenehmen Lebensstandard. Und ich profitiere vor allem von den immateriellen, geistig-kulturellen Schätzen, die mir dank des Berufs meines Mannes zugänglich sind ‒ seien es der Gedankenaustausch mit Künstlern oder der regelmäßige Besuch wunderbarer Opern und Schauspielaufführungen. Wir sind stolz aufeinander. Die Frage der Einkommensverteilung spielt für uns überhaupt keine Rolle.

Dieses Miteinander auf Augenhöhe ist für viele keine Selbstverständlichkeit.

Das habe ich oft genug selbst erfahren. Es mangelt an gelebter Gleichberechtigung. Viele Menschen, Männer wie Frauen, streben in der Familienphase zurück in die tradierten Rollen. Wie sehr diese eine Beziehung prägen, darüber wird geschwiegen. Ein weitverbreitetes Tabuthema. Mit der Reife ‒ dieser schwer zu definierenden Mischung aus steigendem Lebensalter und -erfahrung ‒ entwickeln sich andere Werte und Einstellungen. C. G. Jung hat einst gesagt: „Mit 40 fängt die Nachtfahrt an.“ Für den Schweizer Psychiater ist die Nachtfahrt eine Chiffre dafür, den bisherigen Lebensweg infrage zustellen. Frauen fangen an, sich gegen althergebrachte Rollenzuweisungen zu wehren und für ihr Leben neue Ziele zu setzen. Männer sehen sich damit neuen Ansprüchen gegenüber.

Wenn es Männern zu gefährlich wird

Vor meiner Selbstständigkeit war ich lange in Großkonzernen tätig. Solange ich nicht eine Position anstrebte, auf die auch ein männlicher Kollege ein Auge geworfen hatte, gab es keine Probleme. Doch meistens war es anders: Männer fühlten sich zur Führungsposition berufen, wir Frauen hingegen, egal wie hochqualifiziert, hatten das Nachsehen. Der Psychologe Werner Dopfer sagt: „Eine grundlegende Angst bei Männern ist, an Bedeutung zuverlieren. Außerdem haben viele Angst vor dem Verlust der Leistungsfähigkeit und vor der weiblichen Emotionalität. An diesen zentralen Ängsten wird gerüttelt, wenn eine Frau den Ton angibt. Männer sind es einfach nicht gewöhnt, Macht mit Frauen zu teilen.“

Diese Ängste führen, so Dopfer, zur Abwehr, entweder durch fachliche oder persönliche Abwertung der Frau, oder ‒ wesentlich häufiger ‒ zu unbewussten Mechanismen, das heißt, Männer gehen in den Widerstand und verweigern sich der Zusammenarbeit. Meine Selbstständigkeit ist das Resultat einer solchen Situation: Ich hatte bereits eine für Frauen zum damaligen Zeitpunkt ungewöhnlich hohe Vertriebsposition erreicht, als eine männlich dominierte Umstrukturierung meine Konzernkarriere zu blockieren drohte. Ich wurde in meiner Handlungs- und Entscheidungskompetenz massiv beschnitten. Nach einem halben Jahr des Widerstands zog ich die Konsequenzen: Ich entschied mich für die Neuorientierung und kaufte mich mit 40 Jahren in meine erste Firma ein.

Der Wille zur Karriere entsteht im Innersten, egal ob Mann oder Frau. „Side by Side“ kann nur entstehen, wenn Frauen ihren Willen, vorwärts zu kommen und finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen, auch umsetzen. Dabei sollten sie sich Menschen im Umfeld suchen, die sie unterstützen und auf ihrem Weg begleiten. Nur weil es dem einen oder anderen Mann zu gefährlich erscheint, muss das weibliche Erfolgsstreben nicht abgewürgt werden. Und nur, weil mancher Mann Probleme damit hat, dass sie viel, mitunter sogarmehr als er verdient, dürfen Frauen ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen. Ich erlebe immer wieder gestandene Geschäftsfrauen, die angesichts ihres eigenen hohen Verdienstes um den Frieden in der Partnerschaft bangen und mir leise gestehen: „Ich darf nicht mehr verdienen als mein Mann. Das könnte er nicht ertragen!“ Wenn Männer hinter Frauen zurückstehen müssen, aus welchen Gründen auch immer, fühlen sie sich nicht gut. Denn dann beginnt der innere Kampf gegen das in den Genen gespeicherte kollektive Wissen um die Geschlechterhierarchie.

Es gibt nur wenige Männer, die wirklich gut mit den „vertauschten“ Rollen klarkommen. Männer, denen dies gelingt, sind in ihrer Mitte und können dadurch das vorherrschende Rollenverständnis hinter sich lassen. Sie fühlen sich nicht erniedrigt. In meinem Umfeld haben solche Männer bereits etwas in ihrem Leben erreicht, was es ihnen leicht macht, einen Schritt hinter die Frau zurückzutreten. Sie nehmen sich nun Zeit für ihre Interessen oder suchen sich eine Aufgabe, die für sie sinnstiftend ist. In diesen Paarbeziehungen funktioniert die Kommunikation meistens gut; es gibt keinen Machtkampf. Wenn der Mann beruflich beispielsweise zugunsten der Erziehung eigener Kinder zurücksteckt, ist dies eine ganz besondere Herausforderung ‒ und zwar für beide! Für ihn, wenn er auf keine beruflichen Erfolge zurückblicken kann. Undfür sie, wenn es ihr nicht gelingt, ihn weiter als gleichberechtigten Partner anzusehen. Was es mindestens braucht, um mit dieser schwierigen Konstellation umzugehen, ist eine besondere innere Reife ‒ auf beiden Seiten.

aus: Männer an der Seite erfolgreicher Frauen von Angelika Weinländer-Mölders, Martina Lackner und Vanessa Conin-Ohnsorge; Haufe; 1. Auflage 2018; 198 Seiten; 29,95 Euro

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  1. Weiss nicht mehr wie ich auf Euch gstossen bin.
    Als Hetero bin ich in dieser Thematik kräftig eingebunden.
    Frau ist immer, ja immer, die richtige Wahl.
    Frau ist klarer, deutlicher, vertrauenswürdiger als jeder Mann.
    Mann kann, darf vielleicht daran teilnehmen.
    Lebe mit einer Power-Frau zusammen. Strengstens verheiratet.
    Seit sieben Jahren. Fazit: „Wow!“
    Glück gehabt, danke!

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