Foto: William Fortunato | Pexels

Neuer Jobtitel: „Stay-at-home Mom“

Mit „Stay-at-home Mom“, „Stay-at-home Dad“ sowie „Stay-at-home Parent“ bietet das Karrierenetzwerk LinkedIn Eltern neue Bezeichnungen für ihre unbezahlte Arbeit.  

Wer bisher für die Familiengründung aus der Lohnarbeit ausgestiegen ist oder diese pausieren ließ, musste bei den Jobbezeichnungen im LinkedIn-Profil kreativ werden: Die Auswahl reichte von „Homemaker“ also Hausfrau oder Hausmann, oder „Chief Home Officer“ bis selbstständig oder freiberuflich. Doch all diese Jobtitel gaukelten etwas vor, was sie nicht einhalten konnten: bezahlte Arbeit. Zur Alternative stand nur eine Lücke im Lebenslauf.

Jetzt hat das Karrierenetzwerk Jobbeschreibungen für Eltern eingeführt: „Stay-at-home Mom“, „Stay-at-home Dad“ sowie „Stay-at-home Parent“ – also Eltern, die zu Hause bleiben und Care-Arbeit übernehmen. Und auch die Begriffe „Mom“, „Dad“ und „Caretaker“ beschreiben jetzt die oft übersehene Arbeit von Eltern.

Elternsein ist Arbeit

Zudem hat LinkedIn die Anforderung aufgehoben, dass jeder Lebenslaufeintrag mit einem bestimmten Unternehmen oder einem*r Arbeitgeber*in verbunden sein muss. All das könnte im besten Fall einen transparenten Dialog ebnen über Beschäftigungslücken und die Hürden beim Wiedereinstieg von Care-Arbeiter*innen in die Lohnarbeit.

Und das ist bitter nötig – lange schon, aber noch mehr, seit unzählige Menschen in der Corona-Krise aus ihren Berufen ausgeschieden sind, um sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Die weltweite Pandemie hat wie kaum etwas zuvor den Wert von Care-Arbeit gezeigt und gleichzeitig mangelnden Respekt und fehlende Bezahlung offengelegt, ohne dass sich viel verändert hat – davon betroffen sind vor allem Frauen.

Ein Vollzeitjob und mehr

Während sich die Familienarbeitszeit von Vätern in dieser Zeit täglich um 2,3 Stunden erhöht hat – auf 5,6 Stunden pro Tag, leisteten sie laut einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung immer noch deutlich weniger Care-Arbeit als Mütter. Letztere übernehmen in der Krise durchschnittlich 7,9 Stunden unbezahlte Haus- und Familienarbeit – also einen Vollzeitjob.

Dass LinkedIn nun Berufsbezeichnungen für Eltern eingeführt hat, ist gut für die Sichtbarkeit ihrer Arbeit und macht gleichzeitig die Abwertung von Care-Arbeit noch auf eine andere Weise sichtbar: Eine Lücke im Lebenslauf, und als die wird unbezahlte Arbeit ohne feste*n Arbeitgeber*in weiterhin häufig gesehen, erschwert die Wiedereinstiegs-Chancen erheblich.

Die unsägliche Lücke

Wer sich als Mutter in Deutschland entscheidet, nach der Care-Arbeit zu ihrer Lohnarbeit zurückzukehren, trifft auf unzählige Hürden. Eine Umfrage zeigt: Bei 25 Prozent wird der Arbeitsplatz dauerhaft durch eine*n andere*n Mitarbeiter*in besetzt, bei fünf Prozent sogar langfristig einfach gestrichen. Zwei Drittel müssen sich dann mit einem niedrigeren Tätigkeitsniveau, geringeren Einflussmöglichkeiten, schlechterer Bezahlung und/oder schlechteren Aufstiegschancen abfinden.

Die Einführung von neuen Jobtiteln ist angesichts dieser Zahlen nur ein kleiner Beitrag für ein Problem, das systematischer Veränderungen bedarf. Aber die Sichtbarkeit ist bitternötig und hört beim Redesign der Karriereplattform nicht bei den Lebenslauf-Lücken von Eltern auf. Übrigens: Als Teil der Neuerungen wurde auch ein Feld für LinkedIn-Nutzer*innen geschaffen, um ihre Geschlechtspronomen zu ihren Profilen hinzuzufügen.

Was bei der Suche im Drop-Down Menü zwischen den schier endlosen Jobbezeichnungen jedoch noch fehlt: Die Akzeptanz für Leere. Eine Zeit ohne Erwerbsarbeit für andere, aus vielen verschiedenen Gründen: Trauerzeit, langfristige Verletzungen oder Krankheiten, Freiwilligenarbeit, längere Reisen – oder für eine Pandemie.

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Carmen Maiwald hat Bekleidungstechnik an der HAW in Hamburg studiert, um dort zu merken, dass sie neben der Kleidung vor allem die Geschichten dahinter interessieren. Bis Januar 2020 war sie Schülerin an der Deutschen Journalistenschule. Aktuell unterstützt sie die Redaktion von Edition F als freie Redakteurin.

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