Foto: Diana Leib

Slow Family: Warum meine Tochter keinen Terminplan mehr hat

Familienalltag bedeutet oft vor allem eins: Stress. Das ist weder für die Kinder, noch für die Eltern gut. Wir sind deshalb zu einer sogenannten „Slow Family” geworden.

 

Entschleunigung auf die harte Tour lernen

Im letzten Jahr las ich diesen Artikel „Warum ich aufhörte „Beeil dich“ zu sagen” und fing fast an zu weinen. Genauso spielte sich unser damaliges Familienleben nämlich ab. Ich trieb mein zweijähriges Kind derart an, Sätze wie „Wir müssen weiter”, „Beeil dich” oder „Komm‘ schon, wir sind schon zu spät”, waren wirklich keine Seltenheit. Eines Tages wollte meine Tochter partout nicht zum Sportunterricht und trotzte zu Hause vor sich hin. Die Tatsache, dass wir nicht zu diesem Termin erscheinen würden, machte mich völlig fertig. „Wir gehen da jeden Montag hin und bezahlen schließlich dafür.” Am Ende gingen wir an diesem Tag nirgends hin und haben beide geheult.

Dieser – und viele weitere Tage – veränderten Einiges: Mittlerweile lassen wir es langsam angehen und meine mittlerweile Dreijährige geht zu keinem Kurs mehr, weder Sport, noch Musik. Ich bin der Meinung, dass so ein Kindergartentag schon anstrengend genug ist. Danach sollen keine Aktivitäten mehr folgen, die besonders viel Aufmerksamkeit erfordern oder viele Regeln voraussetzen. Daher gehen wir nach der Kita nur noch auf den Spielplatz, direkt nach Hause oder maximal noch ein paar Lebensmittel einkaufen.

Ich schleppe meine Kinder nach so einem Kita-Tag auch nicht mehr durchs Einkaufscenter. Das erledigen wir am Wochenende oder noch besser online. Und ohne es gemerkt zu haben, sind wir immer mehr zur „Slow Family” geworden.

Was ist eine „Slow Family”?

Im Grunde geht es darum,

  • möglichst viel stressfreie Zeit mit den Kindern zu verbringen
  • viel draußen zu sein und von der Natur zu lernen
  • den eigenen (Mutter-, Vater-, Eltern-) Instinkten wieder zu trauen
  • die Erziehung nach dem Pippi Langstrumpf-Prinzip auszurichten
  • ein bewussteres Leben in Gemeinschaft (Familie, Nachbarschaft, das „Dorf“), denn der Mensch ist nicht geboren, um allein zu sein.

Das bedeutet für uns, dass wir eben kaum noch aufeinanderfolgende Termine wahrnehmen und gerne in Kauf nehmen, dass wir auch mal zu spät kommen. Es gibt kein Programm. Die Kinder müssen nichts bestimmtes spielen und wenn sie die Regeln nicht beachten, mein Gott, davon geht die Welt nicht unter. Wir steigen einfach in das „neue Spiel” ein.

Da wir einen Garten haben, können wir viel draußen sein. Das ist unser großes Glück. Unsere Kinder sind wahnsinnig interessiert an der Natur. Da können wir Erwachsenen noch was lernen, vor allem, wenn sie uns diese fiesen Fragen stellen, auf die wir keine Antworten haben.

Wir haben unsere eigenen Regeln 

Ich lasse mir von anderen keine Vorgaben (mehr) machen, wenn sie gegen mein Bauchgefühl sprechen. Darauf zu vertrauen, ist bei dem vielen Input heutzutage nicht immer leicht. Meine Tochter ist eine richtige Pippi Langstrumpf. Sie widerspricht andauernd, ist selbstbewusst, mutig und stark. Solche Querdenker braucht meiner Meinung nach die Welt, keine angepassten Ja-Sager. Und darum versuchen wir, sie darin zu bestärken sie selbst zu sein. Auch, wenn es nicht immer leicht ist.

Und so rennen wir als Slow family eben auch nicht mehr zur nächsten Ampel. Wenn grün ist, schön. Wenn nicht, auch gut, dann warten wir. Keine grüne Ampel ist den Stress wert. Diese Gelassenheit tut uns allen gut. Und ehrlich, all das einzuhalten, ist nicht immer leicht. Natürlich verfallen auch wir immer mal in Terminstress. Aber die meiste Zeit klappt es ganz gut, denke ich. 

 Und wie geht es dir?

Hast du schon Erfahrungen mit dem Slow-Family-Konzept? Tut dir diese neue Gelassenheit auch gut? Oder stehst du noch am Anfang? Lass doch einfach einen Kommentar hier und wir kommen ins Gespräch!

Dieser Beitrag ist bereits auf Dianas Blog „zweitöchter” erschienen. Wir freuen uns, dass sie ihn auch hier veröffentlicht.

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