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Väter und Elternzeit: Die wollen einfach nicht!

Väter und Elternzeit – oder besser: keine Elternzeit: Seit am Mittwoch eine neue Studie mit neuen Zahlen des Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) veröffentlicht wurde, können wir wieder fleißig diskutieren. Und tun das auch – und kommen irgendwie doch nicht weiter.

Zwei Monate müssen reichen!

Kurz zu den Zahlen: Das DIW wollte der Frage nachgehen, die so viele von uns umtreibt: Warum Väter weniger Elternzeit nehmen als Mütter. Die immer noch traurigen Fakten: Weniger als vier von zehn Vätern (37 Prozent) gehen überhaupt in Elternzeit. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 63 Prozent aller Männer, die ein Baby bekommen haben, verzichten auf die Möglichkeit, bezahlt einige Monate zu Hause zu bleiben. Und, ihr wisst eh schon, was jetzt kommt: Von diesen 37 Prozent der Väter, die überhaupt Elternzeit beantragen, nimmt eine überwältigende Mehrheit nur die zwei so genannten „Partnermonate“. Die maximale Dauer von 14 Monaten ist nämlich nur dann möglich, wenn eine*r von beiden Partner*innen mindestens zwei Monate beantragt.  72 Prozent der Väter, die 2018 Elterngeld einreichten, beließen es bei diesen zwei mittlerweile so getauften „Vätermonaten“, während die Partnerin zwölf Monate zu Hause blieb. Das wirkt fast so, als wären diese zwei Monate für Väter von Gott und dem Patriarchat so festgeschrieben.

Und warum?

So weit die Zahlen, die spannende Frage nach den Gründen für die mickrigen Zahlen beantwortete eine Mehrheit der Väter mit der Angst vor finanziellen Einbußen und der Angst davor, berufliche Nachteile zu erleiden. Die Autor*innen der Studie schreiben: „Die Mehrheit der Väter nennt (…) finanzielle Gründe als Motiv, nicht oder nicht länger Elternzeit zu nehmen. In Ostdeutschland trifft das unter den Vätern, die nicht länger als zwei Monate Elterngeld bezogen, auf zwei Drittel zu und damit auf deutlich mehr als in Westdeutschland (49 Prozent). Das könnte darauf hindeuten, dass nicht so sehr die ungleiche Aufteilung der Erwerbseinkommen zwischen Müttern und Vätern vor der Geburt des Kindes (die im Westen stärker ausgeprägt ist als im Osten) eine Rolle spielt, als vielmehr die absolute Höhe des Haushaltseinkommens. Dieses ist in den ostdeutschen Bundesländern im Durchschnitt deutlich geringer.“ Besonders in Ostdeutschland gebe es  für viele Familien anscheinend „keinen Spielraum, zwei Monate oder länger auf bis zu 35 Prozent des Einkommens des Vaters zu verzichten“, sagt Katharina Wrohlich vom DIW Berlin.

Und hier wird es wirklich spannend: Erstmal müssen Frauen hier wahrscheinlich heiser lachen, denn finanzielle und berufliche Einbußen nimmt jede Frau, die länger in Elternzeit, ja ganz offensichtlich ebenfalls in Kauf. Dass Frauen nach der Rückkehr in den Job nach der Elternzeit schlechter bezahlt werden, ist ein alter Hut. Das DIW jedenfalls brachte als Lösungsvorschlag ins Spiel, die Lohnersatzrate bei niedrigeren Einkommen zu erhöhen, um Vätern eine längere Elternzeit zu ermöglichen.

Für die befürchteten beruflichen Nachteile, betonen auch die Autor*innen der neuen Studie, gebe es bisher noch keine wissenschaftlichen Belege. Die Forschung dazu stehe aber auch noch am Anfang, weil Elternzeitväter ein relativ neues Phänomen seien. Die Erforschung  der exotischen neuen Erscheinung namens „Elternzeitväter“ will ich an dieser Stelle nochmal ganz ganz dringend erbitten. Das könnte nämlich helfen, das ganze Chaos ein bisschen zu sortieren und wegzukommen von der anekdotischen Evidenz der eigenen Filterblase.

Die neue Studie weckt in mir vor allem schon wieder das große Bedürfnis, das ganze Schlamassel ein bisschen zu sortieren. Das Komplizierte ist ja, dass es außerhalb der eigenen Blase derart viele Konstellationen und individuelle Gemengelagen gibt, dass es wahnsinnig schwerfällt, Lösungen zu finden. Also: Es gibt jede Menge Partnerschaften, in denen der Mann deutlich mehr verdient als die Frau. Hier ist akut festzustellen, dass finanzielle Einbußen tatsächlich ein echtes Hindernis für den Mann sein können, in Elternzeit zu gehen. Zumindest, wenn es sich um keinen Großverdiener handelt. Bei diesen weniger verdienenden Familien könnte tatsächlich eine höhere Ersatzrate ein Anreiz für mehr Elternzeit sein. Hier wiederum kann man aber auch den Gedanken von Jochen König ins Spiel bringen, der eine rabiatere Sicht auf das Thema hat und genervt fragt, warum Väter ständig Anreize kriegen sollen, um für ihre Familie zu sorgen.

Wie sollen wir mit 1800 Euro netto bloß überleben?

Das Argument von sehr gut Verdienenden, sie könnten es sich nicht leisten, mehrere Monate auf den Höchstsatz von 1800 Euro netto zu sinken, ist für mich schwer nachvollziehbar. Wer so viel verdient, kann womöglich auch etwas zurücklegen. Ein Baby steht ja nicht von heute auf morgen vor der Tür. Und wer ein Baby neu zu Hause hat, spart eh ein paar Hundert Euro pro Monat, weil er nicht mehr ausgehen kann. So.

Und hier ist wichtig: Wenn typische „Frauenberufe“ nicht so schlecht bezahlt wären und auch das Thema Gender Pay Gap gelöst wäre, dann wäre auch diese Baustelle zumindest etwas kleiner.

Nicht umsonst können viele Frauen den Satz „Ich bin erst wirklich zur Feministin geworden, als ich Mutter wurde“ unterschreiben – denn, und das kennen sicher viele aus ihrer eigenen Blase: Vor der Mutterschaft verdienen sehr, sehr viele gut ausgebildete Frauen mittlerweile in etwa genau so viel wie ihr Partner. Und trotzdem teilen sich nur ein Bruchteil dieser Paare ihre Elternzeit einigermaßen gleich auf. Und hier kommen sehr viele Fragen und unterbewusste gesellschaftliche Prägungen ins Spiel: Männer behaupten, sie hätten ja gern länger gemacht, aber ihre Frauen hätten sie „nicht gelassen“, weil sie selber gern das ganze Jahr zu Hause bleiben wollten. Und, anekdotische Evidenz, aber so gehäuft, dass etwas dran sein muss: Warum ist das so: Warum wollen wirklich so viele dieser Frauen gerne so lange zu Hause bleiben, warum wollen sie das und die Männer nicht? Natürlich liegt das an der fehlenden Wertschätzung von Care-Arbeit, die Frauen weiterhin relativ klaglos übernehmen, es liegt an patriarchalen Strukturen und der Tatsache, dass es für die wenigsten Männer, egal wie modern und feministisch sie sich geben, eine geile Vorstellung ist, sich ein halbes Jahr oder womöglich noch länger vornehmlich mit vollgeschissenen Windeln und Breikochen und Spielplatzgelaber zu beschäftigen, während im Office ohne sie die Post abgeht. Da müsste man nämlich seine Komfortzone verlassen. Der berüchtigte Satz „Ich hätte ja gern Elternzeit genommen, aber das wär in meiner Firma echt nicht gegangen“ – ich bin immer wieder fasziniert, wie leicht und unbedarft Männern dieses armselige Sätzchen über die Lippen kommt.

Warum traut sich keiner?

Der Klassiker, den wir schon so unendlich oft diskutiert habe: Wenn keiner sich traut, dann wird sich in der Unternehmenskulturen nichts ändern. Wirklich familienfreundliche Unternehmen, die ihre männlichen Mitarbeiter zu längeren Elternzeiten animieren, sind immer noch eine absolute Ausnahme.

Was wäre die Lösung? Die Elternzeit verpflichtend auf sieben Monate für beide Elternteile aufzuteilen, also nur noch 14 Monate zahlen, wenn beide Partner*innen sieben Monate nehmen, wie es Robert Franken mal vorgeschlagen hatte? Jochen König und Robert Franken hatten dazu schon vor knapp drei Jahren eine Diskussion. Königs Argumentation: Damit werden am Ende der Frau fünf Monate bezahlte Elternzeit weggenommen, denn am Ende müsse man befürchten, dass die Elternzeit dann eben insgesamt kürzer ausfällt.

Was natürlich auch klar sein muss: Alles an der Elternzeit aufzuhängen, macht auch keinen Sinn: Entscheidend ist die Langstecke, also ob es Paaren gelingt, nach der Elternzeit, wenn beide wieder im Alltag angekommen sind, eine gute Aufteilung von Lohn- und Care-Arbeit zu finden. Darauf wirkt sich die Elternzeit Studien zufolge aber positiv aus.

Die Debatte um Vaterschaft

Grundsätzlich: All diese individuellen Entscheidungen werden gefällt innerhalb von Rahmenbedingungen, die der Staat und die Gesellschaft geformt haben. Und diese Rahmenbedingungen begünstigen Entscheidungen, die stereotypen, tradierten Rollenmustern entsprechen.

Eine weitere Debatte, die wir in diesem Kontext führen müssen, ist die um das Thema Vaterschaft. Denn wenn selbst scheinbar aufgeklärte und an Gleichberechtigung interessierte Väter es nicht für attraktiv halten, in ihrem Laden, egal wie geil es im Job läuft, weniger da zu sein, um für ihr Kind zu sorgen, es zu begleiten, dann sind wir auch wieder bei der nicht vorhandenen Wertschätzung von Sorgearbeit. Ich glaube, am Ende ist das neben der überfälligen Änderung von Firmenkulturen der wichtigste Punkt, an dem wir ansetzen müssen. Oh, das fällt mir ein: Ich hab ja schon mal eine einfache Anleitung für Väter geschrieben, wie das mit der Elternzeit klappt. Bitte alle nochmal lesen.

Wir haben eine eigene Facebook-Gruppe rund um das Thema Familie. Wir wollen uns mit allen austauschen und vernetzen, die sich für das Leben mit Kindern interessieren – egal ob ihr selbst Eltern seid oder nicht. Schaut doch mal vorbei

  1. Schlechter Artikel. Kernaussage „Die wollen nicht“ grundfalsch. Meine Gegenbehauptung: Die ersten 14 Lebensmonate sind zu früh. Da ist noch eine enge Bindung zur Mutter vorhanden, da kann Vatti ruhig arbeiten gehen, um ggf. Rücklagen zu bilden.Auch auf die Gefahr gesteinigt zu werden: Männer können nicht stillen. Denn bis zum 8. Lebensjahr darf Mann ElternZEIT nehmen & genießt Kündigungsschutz. Und um die Einschulung herum oder zur Eingewöhnung bei der Kita „off work“ zu sein, ist der Familie auch zuträglich und mindestens genau so wichtig, wie das Wickeln, vor dem sich die Herren laut Autorin Lisa Seeliga drücken. Was ein Unsinn mit der „Komfortzone“. Was meistens im System Familie entscheidet, sind Finanzen und nicht derartige Petitessen. Da nützt auch kein „Zwang 50/50“. Hilfreich wäre es, die Segnung des ElternGELDES auf einen längeren Zeitraum als die ersten 14 LM zu strecken. Hilfreich wäre auch eine 35h-Woche für alle, so dass Familie und Arbeit generell läuft. Hilfreich wäre auch eine Abschaffung des Ehegattensplittings, wenn hier schon von Strukturen geredet wird. Oder eine Kindergrundsicherung. Aber das sind ja bloß so ein paar olle linke Forderungen, mit denen man sich dann einmal vertieft auseinandersetzen müsste. Dann lieber so einen wachsweich argumentierten Lifestyle-Artikel raushauen, anstelle mal einen politischen Diskus über Hintergründe anzustoßen. Setzen 6.

    1. Bin auch nicht so begeistert von dem Artikel.
      Er ging gut an mit Studien und Untersuchungen und endete mit einem Satz „Ich glaube…“ das hilft nicht wirklich weiter.

      Da ich schon dreimal innerhalb der ersten 12 Lebensmonate Elzernzeit genommen habe, kann ich noch ein paar Infos einbringen im die kühle Diskussion um Fakten:
      Die empfohlene Stillzeit ist 6 Monate Minimum bis ca 2 Jahre (Allergievorbeugung sagt man).
      Mir hat es beim ersten Kind und beim zweiten geholfen, dass mein Mann 2 Monate Elternzeit zu Beginn genommen hat. So konnte er meinen Schlafentzug durch das Stillen abpuffern und abmildern. Beim dritten Kind waren die beiden großen schol im der Kita und dann würde ich auch meinen Vorkommentatoren zustimmen, dass Elternzeit für den Mann sinnvoll ist, wenn das Baby abgestillt ist und Sie was unternehmen können (Babyschwimmen, Krabbbelgruppe oä.). Bis zu zwei/ drei Jahren wird ein Kind manchmal noch gewickelt, also noch genügend Gelegenheit an dieser Stelle für die Herren… 😉

      Bezüglich dem Finanziellen… ich kenne es so oder so, aber immer ist der/diejenige Partner/in mit mehr Gehalt kürzer in Elternzeit gegangen… das sind aber nur Fallbeispiele und keine Studien auf die ich mich berufen könnte.
      Bei uns ist es so, dass man sich eben vor dem Kind dem Einkommen (gleich wie es verteilt wurde) eingerichtet hat… damit meine ich die monatliche Miete und nicht unbedingt teure Veranstaltungen in der Freizeit. Da fällt es schon ins Gewicht, wenn man dann nicht mehr so viel zur Verfügung hat an Geld im Monat und trotzdem ganz viele Ausgaben für das Baby hat (Erstausstattung und Verbrauchsmaterial) oder eben eine höhere Miete in einer Wohnung mit einem Zimmer mehr

      1. Wir haben 2 Monate gemeinsam Vollzeit-Elternzeit gemacht, jetzt mache ich 7 Monate und anschließend mein Freund 6 Monate. Der jeweils andere arbeitet 30 Stunden. Das funktioniert finanziell, weil wir ähnlich verdienen, faire Arbeitgeber haben und auch weil uns von vorn herein klar war, dass wir zugunsten der Zeit für die Familie auf Geld verzichten werden. Nein, wir sind nicht reich, sondern Durchschnittsverdiener. Das Kind bekommt viele Dinge gebraucht gekauft, aber dafür Zeit von beiden Eltern.
        Interessanterweise werden dazu stets von den gleichen Personengruppen die gleichen Meinungen vertreten. Väter, die bereits viel Elternzeit genommen haben, Mütter die früh wieder arbeiten gingen und Kinderlose sehen keine Probleme. Aber Mütter, die selbst lang zu Hause geblieben sind, prophezeien quasi den Zusammenbruch auf allen Ebenen. Damit mehr Väter in Elternzeit gehen, müssen sich auch Frauen von alten Rollenbildern und Ressentiments freimachen.

    2. Irgendwann ist jedes Kind einmal abgestillt, dann müssten danach ja alle Elternpaare auf einmal 50/50 arbeiten, wenn es nur biologische Gründe waren, weswegen sich der Vater auf den Job konzentriert. Ich kenne ausschließlich Paare, bei denen der Mann Vollzeit arbeitet und die Frau Teilzeit.

      Mein Mann und ich machen es so, dass wir beide nach der Elternzeit dieselbe Stundenzahl arbeiten und diese sukzessive erhöhen und wirklich alle, denen ich das erzähle, sind total erstaunt. „Toll, dass das bei euch geht“. Ähm, es ist in Deutschland verboten, jemanden aufgrund seines Geschlechts zu diskriminieren. Männer haben daher dasselbe Recht auf Teilzeit wie Frauen (und auf Elternzeit auch). Da ist „Wollen“ mit Sicherheit auch ein Thema. Wir verdienen übrigens nicht gleich viel, ich verdiene mehr als doppelt so viel wie er. Man kann auch finanzielle Einbußen in Kauf nehmen, um mehr Zeit für das eigene Kind zu haben. Auch das hat was mit Wollen zu tun.

      Die politischen Forderungen sind alle absolut gerechtfertigt. Nur wer, der sich an das Ehegattensplitting gewöhnt hat, wählt freiwillig eine Partei, die die eigene Steuer erhöht?

    3. Hallo Matthias, ich bin davon überzeugt Väter können nicht ansatzweise die enge Beziehung zum Kind aufbauen, wenn sie 14 Monate auf ein intensives Kennenlernen wartet. Die Beziehung zur Mutter in den ersten 14 Monaten überzubewerten, macht es (1.) für das Kind umso schwerer andere Bezugspersonen zu entwickeln, (2.) für die Mutter umso schwerer zum Individuum zurück zu finden, und (3.) für den Vater umso frustrierender sich als Bezugsperson zu etablieren.

    4. Yes! Warum geht es immer nur um die ersten 14 Lebensmonate des Kindes? Als wären die Kleinen mit 15 Monaten plötzlich selbstständig und ohne Probleme 9 Stunden täglich in einer Betreuungseinrichtung verstaut. Ich glaube auch, das „Vaterzeit“ später viel sinnvoller wäre. Dann muss Mann aber leider voll auf sein Gehalt verzichten und das tut dann wirklich weh. Für seine Familie sorgen kann man übrigens auch finanziell.

  2. @Matthias:
    Endlich mal einer, der Elterngeld und Elternzeit voneinander unterscheiden kann.
    Ansonsten bin ich anderer Meinung. Stillen reicht bis zum Ende des Mutterschutzes (8 Wochen). Danach können beide Elternzeit mit 50% Weiterbeschäftigung machen (Rechtsanspruch bei Arbeitgebern mit min. 15 Beschäftigten). Tageweise um das Kind bzw. um den Job kümmern.
    Haben meine Partnerin und ich so gemacht und siehe da: meinem Kind ist es egal, ob mal einer für eine Woche auf Dienstreise ist, der andere Elternteil ist ja da…

    1. Wie lange gestillt wird entscheidet ja wohl die Mutter. Und wenn diese länger als 8 Wochen stillen möchte was sehr zu befürworten ist weil positiv für Kind, dann kann Mutter nicht einfach so arbeiten gehen…

  3. Ganz klar: Die finanziellen Einbußen sind einfach zu gravierend. Wer vom Gehalt die ganze Familie finanziert kann halt nicht mal eben auf ein paar tausend Euro verzichten (klingt nach Luxusproblem, ist es aber nicht!). Nach Abzug der Kreditraten fürs Haus bleibt beim Elterngeld nicht mal genug für Essen und Trinken – das kann man nicht einfach kompensieren. Und die Frau kann auch nicht ersatzweise in einen entsprechenden Job mit vergleichbarem Gehalt einsteigen. Schade eigentlich…

    1. Aaaaaach, die armen privilegierten Paare, die im Eigentum wohnen, und plötzlich den Hungertod fürchten müssen, weil sie sich die Fürsorge-Arbeit paritätisch teilen. Hast du dich schon mal gefragt, wie das Paare hinbekommen, die auf beide Gehälter angewiesen sind?

  4. @Matthias,
    ja. eine enge Vindung zur Mutter, stimmt.
    Aber warum?
    Vielleicht, weil die Herren so selten da sind? schiebt es nicht immer aufs Stillen. Nach ca. 6 Monaten wird längst nicht mehr soviel gestillt. Und auch vorher nicht permanent.

    Und, ihr Herren: Hört doch mal auf zu fordern!
    Macht doch mal einfach!
    Setzt eure Prioritäten da, wo sie hingehören!

    Es sei denn, ich wollt tatsächlich nicht….. was ich, ganz persönlich, auch vermute.

  5. „Damit werden am Ende der Frau fünf Monate bezahlte Elternzeit weggenommen, denn am Ende müsse man befürchten, dass die Elternzeit dann eben insgesamt kürzer ausfällt.“

    Nein es fallen keine 5 bezahlten Monate der „Frau“ weg. Diese sind wie zuvor wiederholt von der Autorin dem Mann zugeschlagen worden. Nach 7 Monaten gehen beide wieder arbeiten und teilen sich die lohn- und care-Arbeit. Soweit so gleichberechtigt. Diese Monate als wegfall für die Frau zu verstehen zeigt nur wie sehr die 12 Monate elternzeit der Frau in ihrem Kopf das gute Recht der Frau sind.

    Weiterer Punkt: teilen sich Mutter und Vater die Elternzeit zu gleichen Teilen, bekommt automatisch die Frau die rentenansprüche zugeschlagen, Umverteilung nur auf Anfrage, schöne Gleichberechtigung.

    Es gibt viele weitere Faktoren, so habe ich beispielsweise einen befristeten Arbeitsvertrag, meine Frau ist unbefristet. Da ist schon direkt klar bei wem größere Konsequenzen zu befürchten sind.

    Letzter Punkt: Ja, Männer haben es in vielen Unternehmen schwerer lange in elternzeit zu gehen, da die erwartungshaltung der Chefetage an die Männer eben eine andere ist als an Frauen die Mutter werden. Ein Modell wie in Finnland, elternzeit nur für beide, je 8 Monate bei 80% netto, würde diese Kultur aushebeln, und nebenbei nicht nur Väter sondern auch Mütter finanziell Besser stellen.

    Aber ich denke mal konstruktive Ansätze erzeugen nicht so gute klickzahlen wie feministische klickbaits, also immer schön weiter in der von ihnen viel bemühten eigenen Blase bleiben.

  6. Ja. Väter sollten sich mehr in der Familie engagieren. Ja, Frauen und Männer sollten für gleiche Leistung gleiches Geld erhalten. Ja, ja, ja. Natürlich. Ist aber nicht so.

    Ich bin Mutter und weder will ich mein Kind unter drei fremdbetreuen lassen noch mit sieben Monaten die Betreuung meinem Mann überlassen – schon alleine, weil ich mein Kind – WHO konform – auch über den 6. Monat hinaus stillen wollte (total die Glucke).
    Ich habe mich sehr bewusst für ein Kind – recht spät – entschieden.

    Ich bin somit sehr bewusst einem Karriereknick eingegangen (ja, das sollte so nicht sein, ist aber so – schon alleine die Tatsache, dass ich als Frau ja irgendwann ein Kind bekommen könnte, reicht doch als Karrierehemmer). Ich WOLLTE/WILL 3 Jahre Windeln, Brei und Kinderspielplatz – und ich empfinde das weder als erniedrigend oder stupide – im Gegenteil: nie hat sich mein Leben so sinnvoll angefühlt.

    Deswegen habe ich ein Kind bekommen. Und nicht, um möglichst fix Fremde zu bezahlen, dass mein Leben wieder so wird wie vorher. Was es niemals wird, denn trotz im Zweifel 10 Stunden Kita ist ein Kind eben nicht einfach komplett „outzusourcen“. Statt Überstunden und Dienstreise wären nun pünktlich Feierabend und das Hetzen durch den Feierabendverkehr angesagt – inklusive des Stopps jeder Beförderung, weil man ja nicht mehr 200 Prozent da ist – Statistiken gibts dazu genug. Jeder weiß, dass zudem Kita auch das ständige Einschleppen von Seuchen bedeutet. Einer muss dann Zuhause bleiben… Dann Schliesszeiten, schlechter Personalschlüssel, Streik – ach und vielleicht ist man selbst dann auch mal krank – Kitakeime.

    Das ist es dann? Das hat die Emanzipation tatsächlich erreichen wollen – die Loose-Loose-Situation für Frauen: die sich zwischen Arbeit, in der sie nicht mehr voran kommen und schlechter bezahlt, Kita, Haushalt, Kind, Ehe und dem eigenen Verwirklichen aufreiben. Ach und Kindererziehung ist nach dem 3. Lebensjahr übrigens Privatvergnügen: denn wirtschaftlich muss die Frau im Falle einer Trennung eigenständig sein.

    Das soll nun der Mann ganz freiwillig auch auf sich nehmen? Ernsthaft? Wie blöd soll der denn sein? Wenn ich schon als Frau per se ein höheres (Alters-)Armutsrisiko habe, das mit einem Kind noch potenziere (Fakt), danach schlechter bezahlt werde – was weder Elterngeld noch Kita verhindern – sollte dann nicht wenigstens der andere im Team wirtschaftlich sicher sein? Es ist doch nicht lustig, wenn beide die Karriere in die Tonne treten. Auch wenn wir uns eine ideale Welt wünschen: nur weil wir gerne auf dem Ponyhof leben wollen, zahlen sich Gehälter nicht von alleine, Miete, Kleidung, Essen, Altersvorsorge, Versicherungen, Kredite, Ausbildung, ist teuer.

    Was wäre eine tatsächliche Lösung für dieses Dilemma? Eine tatsächliche Anerkennung von Care-Arbeit – ob für Kinder oder sonstige Verwandte – und deren anständige Bezahlung. Die Aufwertung dieser Leistung nicht als Pause vom Beruf und Lücke im Lebenslauf sondern als weitere Station im Lebenslauf, als qualifizierte Arbeit mit Gehalt. Denn nur so hat eine Mutter oder der Vater eine Wahl und ist emanzipiert. Alles andere ist weltfremdes, akademisches Geschwurbel und macht Frauen in Wahrheit abhängiger denn je.

  7. Ihre „Debatte“ ist so unsinnig wie das zzt umgehende Märchen der Angst vor dem „Karriere-Knick“.
    Wer glaubt dass ein Straßenbauer/Bäcker/Dachdecker/Krankenpfleger/Lkw-Fahrer etc etc einen Karriereknick fürchtet? Oder statt einem Klecks Stuhlgang in der Pampers vom eigenen Kind nicht lieber weg machen würde als Tag für Tag malochen zu gehen? Sagen Sie mal im Klein-/Mittelständigen Betrieb (ohne tarifliche Bindung) dass sie Elternzeit >2 Monate nehmen wollen;da dürfen Sie grad anschließend komplett daheim bleiben.
    Und ja,noch immer verdienen Väter i.d. Regel aufgrund allein Ihres höheren Alters mehr Geld. Warum wird Familien das Recht angesprochen „trotz“ Nachwuchs keine finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen? Weil es „nun mal so ist“??
    Und zum Abschluß an die Autorin persönlich: Ich als Vater bin in Elternzeit plus,für 1 1/2 Jahre…mit aller Freude und Liebe für meine Zwillinge. Ich herrsche über Fläschen,Brei,Windeln und den gesamten Haushalt. Und es ist super!!! Meine Frau ist nach dem Mutterschutz wieder 100% arbeiten gegangen. Gerne dürfen Sie ganz persönlich mal mit meiner Frau zur Arbeit gehen;und sich die Beleidigungen bezügl „du gehst schon wieder arbeiten?? Aber deine armen Kinder!!!“ anhören.
    Ich bin sicher dass Sie da ganz viele (99%) Ihrer Feministinnen treffen.

  8. „Die“ wollen einfach nicht? Wer ist „die“? Ich kann es ihnen verraten: „Die“ sind die Ehefrauen und Partnerinnen, die keinesfalls vom gewohnten Lebensstil Abstriche machen wollen und zudem auch meist nicht bereit sind, auch nur einen Tag von ihrem Anspruch auf Elternzeit abzugeben.

    Bei meinem Arbeitgeber ist es überhaupt kein Problem, als Mann Elternzeit zu nehmen (machen auch Führungskräfte). Aber wir hatten in diesem Jahr schon zwei Problemfälle. Bei einem wollte der Mann unbedingt mehr als zwei Monate nehmen, was ihm die Frau verweigert hat. Der andere durfte gar nicht aus finanziellen Gründen und so saß das gesamte Team zusammen, um dem armen Kerl wenigstens ein paar Wochen mit seinem Kind zu ermöglichen. Der (kinderlose) Chef hat sogar noch eine Ausnahmegenehmigung erwirkt, so dass der junge Papa sein Zeitkonto überziehen durfte.

  9. Eine als Studie getarnte Frechheit, die Männer an den Pranger stellt, die oftmals selbst nicht mit der Situation zufrieden sind.

    Oftmals gibt es nunmal aus finanziellen oder organisatorischen Gründen keine andere Möglichkeit.
    Die Situationen der Familien sind so individuell, dass ich mit von dieser Pauschalierung deutlich distanziere!
    Was bringt mir die Wahrnehmung, Sorgearbeit als Pflicht mit zu tragen und am Ende des Monats nicht mal die zu wechselnden Windeln bezahlen zu können. „Nutzt Stoffwindeln“ lasse ich nicht gelten!

    Frauen werden in der Gesellschaft aufgrund der biologischen Fähigkeit zur Schwangerschaft benachteiligt! Das ist ein Skandal, den es auszuhebeln gilt!
    Aber ich lasse mich als Individuum sicherlich nicht dazu instrumentalisieren, diesen Zustand zu fördern, indem ich mich zu mehr Wohlstand entscheide, den ich sowohl mit Frau und Kind teile!

    Das ist nämlich Sorgearbeit auf die andere Art

  10. Aus eigener Erfahrung ist es in einem kleinen oder mittelständischen Betrieb nicht möglich Elternzeit zu beantragen als Vater. Klar steht man offiziell unter Kündigungsschutz, aber erst wenn der Wisch durch ist und davor nicht.
    Die jeder arbeitet einfach 50% (oder beide Teiluzeit) nach der Elternzeit Regelung klappt gewiss bei manchen, aber nicht wenn sich die Arbeitszeiten der Eltern überschneiden. Dann wäre niemand mehr für das Kind da und fremd betreuen kostet meist Geld. Ergo Frau hat jetzt die Wahl zuhause zu sitzen mit Kind und nichts zu verdienen, oder zur Arbeit zu gehen, Kind in Kita und ihr Geld dafür ausgeben das das Kind betreut wird. Hm…warum wohl viele daheim bleiben? Ja das könnte natürlich auch der Mann tuen, aber der verdient statistisch gesehen mehr als Frau. Zuhause bleibt am Ende oft wer weniger verdient mit genau dieser begründung.
    Manche klassischen Frauenberufe (insbesondere Pflege) sind auch nicht grad Familienfreundlich von der arbeitszeit, bzw haben wechselnde Arbeitszeiten. Da kann der Partner schon kaum irgendwie arbeiten gehen, wenn noch jemand für das Kind da sein soll.
    Noch dazu der Stress und belastung nach der arbeit für ein Baby oder Kleinkind da zu sein ist nicht unerheblich, weshalb es selbst mit gekürzten Stunden schwer ist. Der Haushalt steht dann ebenfalls noch an, den kann man nicht immer nebenher zum Kind betreuen machen.
    Mal abgesehen von den Problemen als Elternteil einen Job zu finden / behalten wenn man entsprechend eingeschränkte Arbeitszeiten vorgibt. Finanzielle Nachteile sind bei mittlerem Einkommen auch noch ein Grund, nicht in Elternzeit zu gehen (oder nur kurz).
    Ich finde es anmaßend aufgrund einer Statistik eine so monokausale Erklärung über die “nicht wollenden Väter“ herauszubringen. Da stecken oft individuell nachvollziehbare und vielfältige Gründe hinter und nicht “er will nicht das Kind wickeln“.

  11. Wahrscheinlich kann man sich als freie Journalistin wirklich nicht vorstellen, wie man mit 1.800€ im Monat überleben soll. Es gibt aber eine ganze Reihe von Familien (insbesondere beim zweiten Kind) bei denen bereits die Baufi-Rate zusammen mit den Wohnnebenkosten und der privaten Krankenversicherung weit mehr als die 1.800€ verschlingt. Bei diesen Leuten steckt zusätzlich der Großteil des Eigenkapitals im Haus. 1-2 Monate durch die USA Touren oder Urlaub auf den Kanaren ist dann noch drin, aber ewig aussetzen können sich die wenigsten dann noch leisten.

    Die Alternative heißt unter den jetzigen Rahmenbedingungen, dass sich beide im Alter fragen, wovon sie eigentlich Ihre Miete bezahlen sollen. Da ist eine sehr gute Idee.

  12. Deine Vita neben dem Text sagt, „freie Autorin für Magazine, Zeitungen und Online, Buchautorin, seit November 2014 Redakteurin bei EDITION F“.

    Vielleicht war der Einstieg daher zu pointiert, ändert aber nichts an der Aussage, dass es Menschen gibt, die sich nicht vorstellen können, wie man mit 1.800€ netto im Monat nicht hinkommt. Dabei ist das im „Mittelstand“ durchaus normal.

  13. Liebe Frau Selig,
    mir scheint die Schuldzuweisung an die Männer und Väter von vornherein festzustehen, anders kann ich mir den Ton und die einseitige Darstellung nicht erklären:
    Für Männer/Väter ist es Elternzeit/Auszeit mit einer höheren beruflichen Ächtung verbunden als für Frauen/Mütter (Stichwort: ideal worker Anspruch, Weisshaar (2018), https://doi.org/10.1177/0003122417752355). Daher ist es zwar wohlfeil, Männern fehlenden Mut, schlicht Bequemlichkeit oder grundsätzliche Karriereorientierung (ein ganz beliebter Stereotyp) vorzuwerfen und Ihnen eine Anleitung „wie es mit der Elternzeit klappt“ anzubieten, wird aber berechtigterweise nur Kopfschütteln hervorrufen.
    Noch betrüblicher ist, dass sie die „anekdotische Evidenz“ über Paarkonflikte bzgl. der Elternzeit nicht weiter vertiefen. Wenn Sie mit „anekdotisch“ andeuten wollen, dass diese speziellen Paarkonflikte nur vom Hörensagen bekannt seien, ist dies nicht zutreffend. Das Phänomen des „maternal gatekeeping“ oder genauer „restrictive maternal gatekeeping“ ist sehr virulent und daher breit erforscht (Allen&Hawkins (1999), https://doi.org/10.2307/353894; Austin (2018), https://doi.org/10.1080/10502556.2018.1454202 und auf deutsch die Soziologin und Feministin Almut Peukert Uni Hamburg).
    Es geht ja gerade nicht darum, dass die Mütter zu Hause bleiben wollen „und die Männer nicht“, sondern darum, dass beide zu Hause bleiben wollen und die Männer im Zweifelsfall den kürzeren ziehen und zum Geldverdienen aus dem Haus geschickt werden.
    Sie schreiben viel von einer „Blase“, in der man sich befinde. Gelegenheit aus einer solchen auszubrechen bietet in meinen Augen ein sehr gutes Seminar zum Thema „Männer in Sorge und Pflege – Geschlechterrollen von Männern und Frauen im Wandel“, das Ende Januar in Berlin stattfinden wird. Ab Ende September online: http://www.maenner-in-sorge.de

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