Foto: Lara Freiburger

Thorina Wolf: „IT ist so viel mehr als ein stickiger Serverraum“

Kund*in
PwC Deutschland
Autor*in
Marie Krutmann für EDITION F studio
Gesponsert

Thorina Wolf ist mit Computern aufgewachsen. Als Kleinkind saß sie auf dem Schoß ihres Vaters und haute in die Tasten. Da war der Weg in die IT vorprogrammiert. Weshalb sie einen Umweg in Kauf nahm und Fehler für sie die besten Wegweiser sind, erzählt die IT-Managerin bei PwC Deutschland im Interview.

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Thorina Wolf arbeitet in der internen IT bei PwC. Das bedeutet, sie geht nicht zum Kunden, wie das klassische Berater*innen tun. Thorina kümmert sich um Angelegenheiten ihrer Kolleg*innen aus dem Bereich Finance und Controlling und betreut dort die SAP-Systeme. Wenn es dort Probleme gibt, Erklärungsbedarf besteht oder Weiterentwicklungen notwendig sind, ist sie dafür zuständig. Zudem arbeitet sie seit zwei Jahren an einer internationalen Cloud-Lösung und berät und unterstützt dabei PwC Gesellschaften aus den unterschiedlichsten Ländern. Wer eine Lösung für ein IT-Problem braucht, ist bei ihr also richtig. Sie ist täglich auf unterschiedlichen Wegen gleichzeitig mit sehr vielen Menschen in Kontakt. Umso schöner, dass sie in diesem rasanten Alltag etwas Zeit fand, um uns einige Fragen zu beantworten.

Liebe Thorina, woher kommt deine Leidenschaft für IT und wie hat sie dich zu PwC geführt?

„Ich habe das große Glück, mit Computern aufgewachsen zu sein. Mein Vater ist Informatiker und hat uns schon als kleine Kinder auf seinem Schoß vor die Maschine gesetzt. Ich konnte quasi tippen, ehe ich schreiben lernte. Tatsächlich arbeitet mein Vater genau wie ich als SAPler. Eigentlich wollte ich nach der Schule etwas anderes machen. Nach einem abgebrochenen Lehramt-Studium bin ich dann aber doch in der Wirtschaftsinformatik gelandet.

Zu PwC bin ich durch einen Zufall gekommen: Kurz nach meinem Uniabschluss konnte man ein kostenloses Bewerbungsfotoshooting bekommen, wenn man sich von einer Finanzberatung beraten ließ. Dort erzählte man mir, dass bei PwC gerade Wirtschaftsinformatikerinnen gesucht werden. Ich dachte mir: Warum nicht? Mit meinem Background hätte ich mich zwar nicht auf der Top-Kandidat*innen-Liste vermutet, aber jetzt bin ich schon seit drei Jahren bei PwC Deutschland.“

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Du hast gerade schon angedeutet, dass dein Studium nicht geradlinig verlief. Lange Zeit hieß es, Lücken und Studienabbrüche seien im Lebenslauf nicht erwünscht. Du selbst siehst vermeintliches Scheitern als großen Gewinn. Warum?

„Ich finde es hundertmal besser, sich umzuentscheiden und dann zu wissen, was man wirklich will, als aus Angst oder Gewohnheit bei dem zu bleiben, was man eigentlich nicht möchte.

Nach der Schule wollte ich etwas mit Informatik machen, gleichzeitig war ich an Kunst interessiert. Also entschied ich mich für Lehramt, da sich dort beides kombinieren ließ. Nach zweieinhalb Jahren habe ich aber gemerkt, dass Lehrpläne, starre Strukturen und all das nicht meins sind. Ich wollte flexibler sein. Also brach ich das Studium ab und wechselte in ein duales Studium der Wirtschaftsinformatik. Aus meinem vorherigen Studium konnte ich mir dort nichts anrechnen lassen, für den Lebenslauf waren diese Jahre also für die Katz. Bereut habe ich es dennoch nicht. Mit 18 wusste ich eben noch nicht genau, wohin die Reise gehen soll. Beim zweiten Anlauf hatte ich eine völlig neue Motivation: Ich wusste nun, dass ich definitiv in die IT möchte. Ich bin immer offen mit meinem Studienabbruch umgegangen, aber da ich ihn begründen kann, wurde das nie negativ aufgefasst.“

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Gemeinsam mit einer Co-Mentorin hast du eine „Fuckup Night“ an der Sommerhochschule ifbw 2021 organisiert, in der ihr über den Umgang mit Fehlern sprecht. Wie sieht die Fehlerkultur bei PwC aus?

„Fehler passieren, man kann sie nicht ungeschehen machen. Also muss man dafür sorgen, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Dabei ist es extrem wichtig, sich selbst einzugestehen, dass man etwas falsch gemacht hat und nicht zu versuchen, es unter den Teppich zu kehren. Irgendwann kommt es eh raus.

Früher wäre ich nicht so selbstbewusst gewesen, offen anzusprechen, was ich verbockt habe. Aber bei PwC gibt es regelmäßige Workshops, in denen wir über den Umgang mit unseren Fehlern sprechen. Hier wird niemand an den Pranger gestellt. Denn Fehler sind nicht dazu da, um auf andere zu zeigen, sondern um zu sagen: Okay, da ist jetzt was passiert. Wie können wir damit umgehen und dafür sorgen, dass so etwas in Zukunft nicht drei weiteren Menschen passiert?

In der IT passieren tagtäglich Fehler, die sich als Chancen entpuppen, denn letztlich zeigt jeder von ihnen, wo es noch mehr Schulungs- oder Entwicklungsbedarf braucht – sei es im System oder im eigenen Team.“

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Ein ebenso veraltetes wie auch hartnäckiges Klischee lautet, dass die IT-Branche eine Männerwelt ist. Hattest du im Laufe deiner Karriere Probleme oder Begegnungen mit diesem Vorurteil?

„Wenn man in den klassischen Serverraum geht, den die meisten Menschen beim Wort IT vermutlich vor Augen haben, dann hat man es tatsächlich noch immer beinahe ausschließlich mit Männern zu tun. Aber IT ist so viel mehr als ein stickiger Serverraum. Das geht von der Programmierung in der App-Entwicklung bis hin zu UX-Design und der Frage, wie ich dafür sorge, dass ein Programm nicht nur funktioniert, sondern die User*innen auch wissen, was sie machen müssen. Wenn man das Gesamtpaket der IT betrachtet, ist das Verhältnis von Männern und Frauen mittlerweile sehr gemischt.

Hier bei PwC ist es mir zum Glück noch nie passiert, dass ich komisch angeschaut oder nicht ernstgenommen wurde, weil ich eine Frau bin. Allerdings hatte ich vor meiner Zeit bei PwC einmal ein Bewerbungsgespräch, bei dem ich darauf hingewiesen wurde, dass es nur eine Toilette gibt. Wenn ich den Job bekäme, würde man den Kollegen aber sagen, dass sie doch bitte nicht mehr die Pissoires nutzen sollen. Was soll man dazu sagen? Der Wandel ist da, aber er ist noch nicht in jedem Unternehmen gleichermaßen angekommen.“

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Warum können die IT-Branche und Unternehmen wie PwC deiner Meinung nach von einem Zuwachs weiblicher Kolleginnen profitieren?

„Ganz einfach gesagt: Jede*r möchte doch die besten Menschen um sich haben. Wenn ich als Arbeitgeber aber von vornherein 50 Prozent der potenziellen Mitarbeitenden ausschließe, weil ich ein Arbeitsklima geschaffen habe, in dem Frauen sich nicht wohlfühlen, dann halbiere ich automatisch mein Potenzial.

Oft wundern sich Unternehmen, weshalb sie keine geeigneten Expert*innen finden. Der Grund dafür liegt aber nicht an der mangelnden Expertise der Menschen da draußen, sondern an Dingen wie Männer-Toiletten, sexistischen Witzen oder fehlenden barrierefreien Eingängen.“

Außerhalb von PwC bist du Mitglied eines Mentorinnennetzwerks für Women in Tech. Inwiefern müssen sich gesellschaftliche Strukturen ändern?

„Als mich eine ehemalige Kommilitonin fragte, ob ich Teil ihres Mentorinnennetzwerks sein möchte, war meine erste Frage: Wieso macht ihr ein reines Frauennetzwerk? Wieso kein Netzwerk, bei dem alle mitmachen können? Erst im Gespräch mit ihr habe ich so richtig verstanden, dass meine Kindheit eher die Ausnahme war. Meine Eltern haben nie einen Hehl daraus gemacht, ob ich vorm Computer sitze oder mein Bruder in der Puppenecke spielt. Vielen anderen Frauen fehlt dagegen der Zugang zu Computern. Im Gespräch mit Studentinnen, aber auch in meinem Freundinnenkreis höre ich oft, dass es ihnen an weiblichen Vorbildern fehle. IT war in ihren Köpfen lange Zeit mit ungepflegten Männern in Spruchshirts verknüpft, mit denen sie sich nicht identifizieren konnten (und wollten). IT kam für sie als Perspektive daher gar nicht erst infrage. Was schade ist, weil viele Spitzenentwicklerinnen auf diese Weise unentdeckt bleiben. Wenn man merkt, dass Computer nichts für einen sind, kann man es ja immer noch lassen. Die Chance, es herauszufinden, sollten wir jedoch alle haben.

Über unser Netzwerk geben wir Frauen die Möglichkeit, einen Einblick in die IT-Branche zu bekommen. Das ist es auch, was wir gesellschaftlich noch besser machen können: alle Möglichkeiten aufzeigen und Berührungsängste nehmen. Ein Mann kann Erzieher werden und eine Frau kann Autoingenieurin werden. Vorbilder entstehen nur, indem mehr Women in Tech arbeiten und offen darüber sprechen. Ansonsten sind wir in zehn Jahren noch immer an dem Punkt, an dem wir heute stehen und an dem mir junge Studentinnen sagen, dass IT nichts für sie ist, weil da nur Männer arbeiten oder sie Angst haben, zu wenig Vorwissen mitzubringen. Wie soll man wissen, ob etwas cool ist, wenn man es nicht probiert hat?“

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Im Joballtag nehmen manche Menschen eine Rolle ein, die sie von ihrem privaten Ich unterscheidet: Sie befolgen einen bestimmten Dresscode oder ändern ihren Ton im Umgang mit Kolleginnen oder Kundinnen. Wer bist du bei PwC?

„Ich darf bei PwC so sein, wie ich wirklich bin. Anders würde ich es auch gar nicht aushalten. Ich färbe mir die Haare bunt, trage Kapuzenpullis, mache Witze und verschicke Memes an meine Kolleg*innen. Vielleicht würden manche Menschen sagen, dass all das bei der Arbeit nichts zu suchen hat, aber wenn ich mich wohlfühle – und das tue ich – dann bin ich auch viel produktiver. Ich denke, solange man niemanden stört mit dem, was man tut, kann bei PwC jede*r so sein, wie er*sie sein möchte.“

Wer oder was inspiriert dich in deinem (Arbeits-)Alltag?

„Was mich jeden Tag inspiriert, das sind auf jeden Fall meine Kolleg*innen. Ich arbeite bei PwC mit Menschen zusammen, die zuvor alles mögliche gemacht haben, ehe sie die Idee hatten, ihren Weg in der IT weiterzugehen. Meist können gerade diese Menschen nicht nur die besten Storys erzählen, sie haben auch einen anderen Blick auf gewisse Probleme und sind dadurch wirklich tolle Kolleg*innen mit ganz eigenen Ideen.

Und auch in der Kaffeepause gibt es immer etwas zu erzählen. Da lerne ich, wie Flugsimulatoren funktionieren, wie man ein Kinderzeltlager organisiert oder Stockbrot macht. Es heißt ja, man solle Arbeit und Privatleben trennen. Aber die Wahrheit ist, dass ich mit jedem dieser Menschen gerne nach Feierabend etwas trinken gehe. Und wenn alle sich wohlfühlen, ist nicht nur das Arbeitsklima viel angenehmer, sondern das ganze Team bringt mehr Leistung“

Fünf schnelle Entweder-oder-Fragen an Thorina Wolf:

Feste Rituale oder spontane Entscheidungen?
„Spontane Entscheidungen.“

Podcast oder Buch?
„Ich lese lieber.“

Bei Zweifeln: Durchhalten und schauen, ob es besser wird oder besser gleich abbrechen?
„Durchhalten und daran arbeiten, dass es besser wird.“

Lieber überschätzt oder unterschätzt werden?
„Lieber überschätzt werden, denn oft traut man sich dadurch bestimmte Dinge erst zu und merkt, dass man sie kann.“

Lieber Teamwork oder Einzelarbeit?

„Ganz klar: Teamwork.“

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