Foto: Braden Collum | Unsplash

Väter, nutzt eure Chance!

„Neue“ Väter? Nach wie vor sind meistens Mütter die Bezugspersonen ihrer Kinder. Dabei haben Väter heute die besten Chancen, alles besser zu machen. Ein Kommentar von Mareice Kaiser.

Wenn der eigene Vater deinen Geburtstag nicht kennt

„Being a dad is not easy“, so beginnt der US-amerikanische Talkshowmoderator Jimmy Kimmel einen Beitrag in seiner Show zum Vatertag. Im Video sind Väter mit ihren Kindern bei einer Straßenumfrage zu sehen. Die Väter erklären sich bereit, einfache Fragen zu ihren Kindern zu beantworten. Wann hat das Kind Geburtstag? Welche Augenfarbe hat das Kind? Wie heißen die besten Freund*innen? Ein Vater winkt gleich ab und probiert nicht mal zu antworten, die anderen scheitern kläglich. Wie bei einer Comedyshow üblich, ist die Reaktion auf das Video: Lachen. Mir war eher zum Heulen zumute.

Wie es sich anfühlen muss, wenn der eigene Vater neben dir steht und deinen Geburtstag nicht weiß, kann ich nur ahnen. Die Gesichter der Kinder zeigen ihre Enttäuschung. Während viel von Gleichberechtigung und fairer Aufteilung von Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern gesprochen wird, zeigt dieses Video: Wir sind noch sehr weit entfernt von einer gleichberechtigten heterosexuellen Elternschaft.

Klar, das Video ist keine repräsentative Studie. Allerdings zeigt es, was Studien bestätigen: Noch immer sind es die Mütter, die sich den Großteil der Zeit um die Kinder kümmern. Sie begleiten ihre Kinder zu medizinischen Terminen, besprechen Probleme in der Schule, kennen die Freund*innen ihrer Kinder und die Themen, die sie umtreiben.

Der Gleichstellungsbericht der Bundesregierung zeigt die Schieflage: In Paarhaushalten mit Kindern verrichten Mütter täglich zwei Stunden und 30 Minuten mehr Fürsorgearbeiten als Väter. Über 80 Prozent der Väter finden selbst, dass sie nicht ausreichend Zeit mit den Kindern verbringen. Wenn Kinder geboren werden, nehmen zwar immer mehr Väter Elternzeit – nach wie vor sind es aber hauptsächlich Mütter, die nach der Elternzeit ihre Arbeitszeit wesentlich und oft dauerhaft reduzieren. Sie sind die Bezugspersonen ihrer Kinder.

Ze.tt-Leserin: „Mein Vater, der Fremde“

Bei ze.tt haben wir unsere Leser*innen nach dem Verhältnis zu ihrem Vater gefragt. Die Resonanz, vor allem an negativen Zuschriften, war groß. „Mein Vater, der Fremde“, lautete eine Antwort. Eine andere: „Nicht vorhanden, da er in meiner Kindheit und Jugend mehr in der Arbeit als zu Hause war, und wir uns deshalb quasi nie gesehen haben und wir uns jetzt als Erwachsene nichts zu sagen haben.“ Nur wenige Antworten waren so positiv wie diese: „Mein Papa ist einer der wichtigsten Menschen für mich, denn er unterstützt mich immer und ohne Einschränkungen, er gibt mir das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit und ich weiß, dass er stolz auf mich ist – ich habe ihn sehr lieb.“

„Je früher Väter Verantwortung in der Betreuung und Erziehung von Kindern übernehmen, desto eher werden sie auf Dauer zu aktiven Vätern und desto nachhaltiger befördert dies die Gleichstellung“, heißt es im Gleichstellungsbericht. Der Weg zur Gleichberechtigung ermöglicht es Müttern also, dass sie alles haben können, was sie wollen, und ein Leben, wie sie es wollen. Überraschung: Für Väter gilt das gleiche! Deshalb, liebe Väter, nutzt eure Chance!

Seid, verdammt nochmal, einfach da

Nehmt Elternzeit (und zwar nicht nur zwei Monate), bringt euer Kind zur Kitaund in die Schule, schmiert Schulbrote und tragt euer Kind auf euren Schultern (nicht nur für ein Instagram-Foto, sondern auch, wenn es sich gerade eingekackt hat und nicht mehr laufen mag). Wiegt euer Kind im Arm, lest ihm vor, erzählt euch gegenseitig Witze. Sprecht mit eurem Kind, beantwortet seine Fragen, so gut es geht. Seid cool und uncool, seid lustig oder auch mal traurig. Seid, verdammt nochmal, einfach da. Es war nie so leicht wie heute.

Der Originaltext von Mareice Kaiser ist bei unserem Kooperationspartner ze.tt erschienen. Hier könnt ihr ze.tt auf Facebook folgen.

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