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Warum eine Politik für Alleinerziehende gut für alle ist

Von einer Politik, die sich an Ein-Eltern-Familien ausrichtet, profitieren alle Menschen, meint unsere Chefredakteurin. Eine Videokolumne.

In ein paar Tagen findet die Bundestagswahl statt. Ich habe die Wahlprogramme der Parteien gelesen – und bin enttäuscht. Alleinerziehende kommen in einigen Wahlprogrammen gar nicht vor, in anderen schon, allerdings eher am Rand. Dabei bräuchten wir genau jetzt eine Politik, die Alleinerziehende in den Mittelpunkt stellt. Bei jeder politischen Entscheidung.

Was das bedeuten würde?

Stellt euch eine alleinerziehende Mutter von drei Kindern vor, eines davon mit erhöhtem Pflegebedarf, vielleicht mit einer Behinderung. Wie kann diese Mutter, wie kann diese Familie ein gutes Leben führen?

Wenn Politik die Rahmenbedingungen für diese Familie schafft, würden alle ein besseres Leben haben.

Konkret bedeutet das: Mütter brauchen Zeit, Geld und verlässliche und gute Betreuungsangebote für ihre Kinder. Mütter brauchen flexible Arbeitszeiten. Mütter brauchen eine Arbeitswoche von höchstens 25 Stunden pro Woche mit einem Gehalt, von dem sie leben können. Denn nur so haben sie auch mal Zeit für sich. Mütter brauchen kurze Fahrtwege, guten öffentlichen Personennahverkehr, sichere Fahrradwege für sich und ihre Kinder und, wenn möglich, Home Office (und damit meine ich nicht Kinderbetreuung und Homeoffice und Home-Everything wie während der Corona-Krise erwartet wird). Mütter brauchen saubere Luft und eine nachhaltige Klimapolitik, für sich selbst und vor allem für ihre Kinder.

Die Vorteile einer Politik, die Mütter ins Zentrum stellt

Das, was Mütter brauchen, brauchen alle anderen Menschen auch. Mütter brauchen es bloß dringender.

Die Rahmenbedingungen dafür muss die Politik jetzt gestalten. Deshalb empfehle ich euch, genau in die Wahlprogramme zu schauen. Schaut, wie und ob Mütter, Alleinerziehende und Kinderrechte darin vorkommen.

„Das, was Mütter brauchen, brauchen alle anderen Menschen auch. Mütter brauchen es bloß dringender.“

Von einer Politik, die Mütter ins Zentrum stellt, hätten übrigens auch andere Menschen etwas: die Kinder der Mütter; die Eltern der Mütter; Menschen, die Freund*innen haben und sich mit ihnen treffen möchten; Menschen mit Hobbys; alle Menschen, die mehr von ihrem Leben wollen als einen 9-to-7-Job, von dem sie gerade so leben können und noch mehr die, die mehrere Jobs haben und davon nicht leben können. Alle, die sich um Freund*innen oder Nachbar*innen kümmern möchten. Alle, die im Chor singen oder mal tanzen gehen möchten.

Genau deshalb brauchen wir eine Politik, die Alleinerziehende und ihre Bedürfnisse bei allen politischen Entscheidungen in den Mittelpunkt stellt.

Hinweis: Um das Video zu schauen, einfach im Titelbild auf den Play-Button klicken. 

Übrigens: In unserem Feminismus-Check haben wir analysiert, wie viel Feminismus eigentlich in den Programmen steckt, mit denen die Parteien zur Bundestagswahl 2021 antreten. 

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Mareice Kaiser setzt sich für einen Journalismus ein, an dem alle teilhaben können, an dem alle beteiligt sind und in dem alle vorkommen – seit März 2020 als Chefredakteurin bei EDITION F. Ihre Themen: Inklusion, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, Chancengerechtigkeit.

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