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Ein Burnout hat mit Lifestyle nichts zu tun – wieso leben so viele ein Leben, das darauf hinausläuft?

Mit 20 den Schritt in die Selbstständigkeit gehen, drei Jahre durch „hustlen” und dann – Burnout. War es das wirklich wert?

Alles für den beruflichen Erfolg

Gefühlt bin ich in einer Zeit großgeworden, in der es den meisten nur um das eine geht: Erfolg. Es dreht sich alles um Visionen, Ziele, Motivation und Geldmachen. Jede*r möchte über sich hinauswachsen, 110 Prozent geben, immer und alles für seine Ziele und Träume machen.

Ich finde, Instagram unterstützt diese Visionen der zumeist jungen Menschen mit motivierenden Zitaten: „Great things never come from the comfortzone“, „if you want something you’ve never had, you have to do something you’ve never done“, „work while they sleep“. Wir wollen besser als die Anderen sein, wir wollen Anerkennung bekommen und als Expert*innen auf unseren Gebieten wahrgenommen werden. „Work hard, play hard” …

Der Druck von Außen

Uns wird eingetrichtert, dass 100 Prozent nicht genügen, das ganze Leben muss sich um das eine drehen: den eigenen Traum. Ziellos durch’s leben laufen? Im Hier und Jetzt leben? Nicht bei uns, wir müssen unser Leben – am Besten schriftlich fixiert und datiert – durchgeplant haben. Und für dieses Ziel oder diesen Traum, müssen wir hart arbeiten. Ich habe das Gefühl, alle „Entrepreneurs“ predigen einen „Healthy Lifestyle“, dass der Körper unser größtes Gut ist und dass man darauf aufpassen muss.

Auf der anderen Seite prägen sie uns aber auch ein, dass man für seinen Traum auch mal Nächte durchmachen und auf Dinge verzichten muss. Freizeit, Freunde und Hobbys sind Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg, so wird es vermittelt denn „if you want to be successful you have to be willing to disappear for a while“. Schlaf wird überwertet „because if you want to be successful”, dann musst du eben auch mal ein paar Stunden länger machen.

Angestellt sein ist out. Nur begrenzt monatlich Geld haben? Sicherheit? Nein wir sollen von etwas größerem träumen. Uns wird vermittelt, dass wir alle Millionäre sein können, wir können alles sein was wir wollen, wenn wir nur hart dafür arbeiten.

Ein Burnout ist cool? Ähm, nein!

Was macht das mit uns? Stress gilt als cool. „Ich bin gerade total im Stress, ich ruf dich später an“, wird zum Standardsatz. Burnoutgefährdet zu sein, scheint erstrebenswert, weil dass heißt, dass wir 110 Prozent geben und erfolgreich werden. Und manchmal ist der Weg nach oben eben steinig und auch wenn es hart ist und du nicht mehr kannst, aufgeben ist nicht.

Aber hast du erstmal diesen Burnout, siehst du die Dinge auf einmal anders. Von heute auf Morgen kann alles zusammenbrechen. Der ganzer Hustle und das 110 Prozent-Motivation-Gelabere spielt auf einmal keine Rolle mehr, denn du kannst nicht mehr. Es geht nicht, selbst drei Club Mate helfen nicht mehr. Du bist erschöpft und ausgelaugt. Ja, da bringt dir das „I know you’re tired but you have to hustle for your dreams“-Youtube-Video auch nichts mehr! Dann ist erst einmal Schluss.

Was ist uns wirklich wichtig?

Und dann stellst du dir die Frage: Wofür der ganze Hustle? Warum wollen wir alle so erfolgreich werden und setzen damit unsere Gesundheit aufs Spiel? Wir haben nur 100 Prozent zur Verfügung, warum müssen es doch nochmal zehn Prozent mehr sein, nur um besser als andere zu sein. Geht es um Anerkennung? Geht es darum, ein tolles Auto zu fahren? Es sich selbst zu beweisen? Warum können wir nicht im Hier und Jetzt leben, einen coolen Job haben, der uns Spaß macht und nicht den Druck, immer noch mehr Geld zu verdienen?

Ich habe selbst ein Burnout gehabt und kann nur sagen, dieser Lifestyle macht uns kaputt. Manche Menschen sind vielleicht hart im Nehmen, oft nicht emphatisch, sie lassen die Dinge nicht so an sich ran. Aber viele  – so wie ich – sind nicht so. Wir können nicht einfach „Darauf scheißen“, wenn mal etwas nicht läuft, über Leichen gehen und die Ellenbogen ausfahren. Und wenn dann noch der Schlafmangel dazu kommt, Existenzängste, zwei Jahre ohne Pause „durchhustlen“, ohne Wochenende, ohne Ferien, bis auf ein paar Mal Familienbesuch.

Ich kann nur sagen, das Wichtigste auf dieser Welt sind wir und die Beziehungen ,die wir pflegen. Kein Millionenkonto, kein Lamborghini oder auch Erfolg im Job bringen uns etwas, wenn wir ausgelaugt, müde und unglücklich sind. Nein, das ist es nicht wert. Wir können ja für unseren Erfolg arbeiten, aber 80 Prozent reichen auch. Dafür dauert es vielleicht etwas länger, aber wir haben Ruhephasen, Freund*innen und Hobbies. Und darauf kommt es schließlich wirklich an.

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