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Die Vagina ist großartig! Also lasst uns endlich unverkrampft über sie reden

Huch, hat sie Vagina gesagt? Ja, hat sie, und wird es in diesem Text noch häufiger. Schüttelt das komisch berührte Gefühl ab und lest, warum wir endlich ein vernünftiges Verhältnis zur Vagina entwickeln müssen.

Mein Körper und ich, oder: die große Unwissenheit

Ich musste über 30 werden, um meinen Körper wirklich kennenzulernen und anzunehmen – danke gescheiterte Aufklärung, danke Gesellschaft!

Aber von vorne: Wie so viele Frauen über 30 hatte ich schlichtweg genug davon , meinen Körper mit der Pille zu belasten, und habe angefangen mich mit alternativen, natürlichen Verhütungsmethoden zu beschäftigen. Dabei bin ich auf die symptothermale Methode gestoßen, die einen Pearl-Index vergleichbar mit der Pille hat – wenn man sie denn vernünftig anwendet. Dabei misst man jeden Morgen nach dem Aufwachen seine Körpertemperatur, und zusätzlich dazu bestimmt man die Konsistenz des Mucus, oder/und die Lage und Konsistenz des Gebärmutterhalses.

Unfassbarerweise musste ich also über 30 werden um zu lernen, dass sich nicht nur die Körpertemperatur während eines Zyklus ändert, sondern auch die Konsistenz des Mucus sich extrem wandelt (von weißlich und wenig zu glasig, dehnbar und recht viel kurz vor dem Eisprung), und der Gebärmutterhals mal höher, mal tiefer in der Vagina sitzt und mal härter, mal weicher ist. Und ich habe sogar Biologie studiert, verdammte Axt!

Wieso werden wir nicht richtig aufgeklärt?

Wie kann das sein? Warum wurde mir so essentielles Wissen eigentlich nicht vermittelt, von meiner Mutter, meiner Frauenärztin, in der Schule? Nein, wie für so viele Frauen aus meinem Bekanntenkreis auch war es gar keine Frage, was es zur Verhütung gab – die Pille wurde einem ohne große Aufklärung verschrieben. Was es für andere Möglichkeiten gibt, das war kaum Thema – klar, Kondome, Spirale und alles andere, was sich irgendwie verkaufen lässt kennt man, aber dass man auch einfach seinen eigenen Körper kennenlernen kann und sollte, das wurde nicht erwähnt.

Ich bin stocksauer. Nicht nur darüber, dass Frauen anscheinend systematisch Wissen über ihren eigenen Körper vorenthalten wird, mit dem es sich viel besser und selbstbewusster leben lässt, sondern auch, weil die Reaktion der Menschen, mit denen ich bisher über die symptothermale Methode gesprochen habe, wirklich vieles über das gesellschaftliche Verhältnis zu weiblichen Geschlechtsteilen verrät.

Igitt, sie hat Vagina gesagt!

Man erwähne mal den Begriff Gebärmutterschleim und sehe wie sich die Mimik des Gegenübers mindestens irritiert, oft auch etwas angeekelt verzieht. Und das sowohl bei Männern wie Frauen – so ist meine Erfahrung. Generell scheint alles was mit dem Thema Vagina zu tun hat entweder peinlich oder eklig besetzt zu sein. Das fängt nicht erst beim Period-Shaming an – und das mache bei weitem nicht nur Männer! Ich kann gar nicht zählen wie viele Frauen meinten, dass für sie Menstruationstassen nicht in Frage kommen, weil sie da zuviel Kontakt mit sich selbst hätten. In England und USA gibt es Tampons nur mit Applikator, damit man möglichst weit von der Vagina entfernt bleiben kann. Geht’s noch?

Warum finden wir unsere eigenen Geschlechtsteile, die verdammt noch mal echt faszinierend, aufschlussreich und spaßig sind, denn selbst eklig, während man(n) mit Penissen durchaus auch mal angeben darf? Ich habe selten einen Mann erlebt, der Gespräche über Penisse schlimm fände: ganz im Gegenteil. Sicher abhängig vom Grad der Infantilität wird gerne mal über den eigenen Penis eher hochachtungsvoll gesprochen – der Penis scheint generell als ein Statussymbol zu dienen. Gerne werden auch spaßeshalber Penisbildchen irgendwo hingekritzelt, Hecken in Penisform beschnitten, aus Gemüse Penisse nachgebastelt. Penisse sind in der Gesellschaft angekommen und angenommen.

Die Vagina muss positiv besetzt werden

Weibliche Geschlechtsteile hingegen – da fängt es ja schon bei der Bezeichnung an. Wie nennt man das Teil denn, ohne dass es irgendwie komisch wird? Viele Begriffe werden gern als schlimmste Schimpfwörter eingesetzt, und ich bringe es nicht mal über mich, sie niederzuschreiben, geschweige denn auszusprechen, weil sie so abfällig besetzt sind. Andere sind eher belustigend, aber irgendwie auch nicht ernstzunehmen. Vagina hingegen ist irgendwie klinisch.

Worauf ich hinaus will: irgendwie ist es ja schon immer die Wortwahl eher negativ besetzt, während das Wort Penis durchaus im Alltag angekommen ist und nicht zu völlig verstörten Reaktionen beim Gegenüber führt.

Körperwahrnehmung: Da muss sich was ändern!

Liebe Frauen, lernt euren Körper kennen, er ist faszinierend und wunderbar! Unterhaltet euch mit anderen Frauen darüber, ihr werdet verdammt viel lernen! Klärt eure Kinder, Mädels wie Jungs, darüber auf! Und bitte, redet auch mit den Männern darüber, klärt sie auf, was bei uns wo und wann so abgeht – und wenn sie irritiert sind, stellt klar, dass die Vorgänge in unserem Körper was Tolles, und nichts Ekliges sind. Es ist nicht von Vorteil für sie selbst, uns das Gefühl zu geben wir wären irgendwie abartig. Ihr glaubt gar nicht wie schuldbewusst sie sich verhalten, wenn man ihnen da mal die Leviten liest. Aber hey, wir müssen uns wohl alle erstmal mit den Vorgängen der Vagina als das Normalste der Welt anfreunden – schließlich war das bisher einfach nicht Thema, und wenn, ein negativ behaftetes.

Also, Frauen wie Männer,  lernt sie kennen, sprecht drüber, helft mit dass Vagina-Shaming nicht mehr Teil unserer Gesellschaft ist, und dass sich Frauen endlich vollkommen annehmen können!

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