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Bei dieser Art von Unternehmen wollen 30-jährige Frauen arbeiten

Führungskräfte schätzen die Gründe dafür, wenn junge Talente ihr Unternehmen verlassen, oft falsch ein. Eine aktuelle Studie gibt Personalverantwortlichen nun konkrete Ideen an die Hand, wie insbesondere junge Frauen langfristig im Unternehmen bleiben und dort aufsteigen können.

 

Was Personalentwicklung jetzt leisten muss

Im Jahr 2025 werden die so genannten Millennials weltweit etwa 75 Prozent der Arbeitnehmerschaft ausmachen – davon wird mindestens die Hälfte weiblich sein. Mit der schrumpfenden Bevölkerung werden die Fachkräfte rar und Arbeitgeber treten in einen echten Wettbewerb um sie. Für jedes Unternehmen ist es daher bereits jetzt eine der Herausforderungen in der Personalentwicklung, sich diese drei Fragen zu stellen:

– Wie werden wir für die nächste Generation weiblicher Top-Talente attraktiv?

– Wie schaffen wir es, die Talente im Unternehmen zu halten?

– Wie schaffen wir es, ihnen die Karrieren zu ermöglichen, die sie anstreben?

Das International Consortium for Executive Development Research (ICEDR) hat versucht diese Fragen in einer Studie zu beantworten und befragte dafür Führungskräfte, weibliche Nachwuchstalente und andere Millennials in unterschiedlichen Unternehmen. Das Projekt fokussierte sich bei der Antwortsuche auf diejenigen Millenial-Frauen, deren Hochschulabschluss fünf bis zehn Jahre zurückliegt. Lauren Noël, Co-Autorin der Studie stellt jedoch klar: „Wir haben uns darauf konzentriert, welche Dinge junge Frauen in Unternehmen schätzen. Unsere Ergebnisse sind jedoch ohne Frage auch auf Männer der Millennial-Generation übertragbar.“

Millennials geht es nicht an erster Stelle um Vereinbarkeit

Was macht also ein Unternehmen aus, in dem Millenial-Frauen gern arbeiten. Das sind die überraschenden Erkenntnisse:

Frauen um die 30 nennen Gehalt, zu wenige Möglichkeiten dazu zu lernen und zu wenig bedeutsame Arbeit als die wichtigsten Gründe, warum sie ein Unternehmen verlassen. Dieses Ergebnis steht im Kontrast zu der Annahme, dass Frauen vor allem dann kündigen, wenn ein Unternehmen ihnen zu wenige Möglichkeiten bietet, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren und nicht flexibel genug ist. Die Forscherinnen konnten anhand ihrer Umfrageergebnisse sehen, dass die aktuelle Generation von Führungskräften diese Priorisierung falsch einschätzt. Denn sie nannten als Gründe, warum sie weibliche Talente verlieren, vor allem Familiengründung und Vereinbarkeitskonflikte. Millennial-Frauen selbst sagten jedoch, dass eine bessere Bezahlung, die Chance Neues zu lernen und interessante Arbeit und solche, aus der sie einen Sinn ziehen, die Hauptgründe sind, um den Job zu wechseln.

Damit unterscheiden sich die Gründe, aus denen Frauen Unternehmen verlassen, kaum von denen ihrer männlichen Kollegen. Auch verändern sich die Gründe nicht, wenn Frauen älter werden. Das Forschungsteam verglich die Gründe, die Frauen in ihren 20ern und ihren 30ern angeben und stellte auch hier fest, dass Gehalt, Chancen sich weiterzuentwicklen und interessante Arbeit auch für Frauen um die 30 die Top-Gründe bleiben, ein Unternehmen hinter sich zu lassen. Flexibilität und mehr Zeit mit der Familie folgen erst später im Ranking.

Was können Unternehmen tun, um junge Frauen zu halten?

Das Learning für Unternehmen aus den Kündigungsgründen ist also: Sie müssen Frauen fair bezahlen, sie fordern, indem sie mit interessanten Aufgaben dazu lernen können sowie ihnen ermöglichen, zum Erfolg der Organisation beizutragen.

Das Forschungsteam schaute sich die Millennial-Frauen im nächsten Schritt ganzheitlich an und suchte nach den wichtigsten Faktoren, die dazu beitragen, dass Frauen sich Organisationen anschließen, sich dort engagieren und langfristig bleiben. Das sind die Top Fünf der Dinge, die ein Unternehmen für junge Frauen sehr attraktiv machen:

– 100 Prozent der Frauen stimmten der Aussage zu: Es ist mir wichtig, dass ich in einem Unternehmen meine Fähigkeiten weiterentwickeln kann.

– 94 Prozent ist es wichtig, dass das Unternehmen einen Zweck hat, der sie inspiriert.

– Ebenfalls 94 Prozent erwarten, dass ihre Vorgesetzten verstehen, dass sie eine ganze Person sind – nicht nur eine Mitarbeiterin.

– 87 Prozent erwarten, dass die Firma sie in eine Gemeinschaft toller Kolleginnen und Kollegen integriert.

– 79 Prozent möchten außerdem, dass ihr Unternehmen sie dabei unterstützt ihr Potential zu entfalten, um zu führen und Projekte zu leiten.

Die Forscherinnen übersetzten diese Wünsche in ein Modell für Unternehmen und Führungskräften dabei helfen soll, ihre Talente für das Unternehmen zu begeistern und so zu unterstützen, dass sie dazu lernen, Spaß an der Arbeit haben und sich an das Unternehmen binden.

Das Millennial-Women-Advancement-Modell

Die fünf Schritte des Modells lauten:

– Know me (Kenne mich)

– Challenge me (Fordere mich heraus)

– Connect me (Vernetze mich)

– Inspire me (Inspiriere mich)

– Unleash me (Setze meine Potentiale frei)

Was bedeutet das für Unternehmen konkret?

Know me

„Kenne mich“ bedeutet unter anderem individuell auf die Bedürfnisse der verschiedenen Mitarbeiterinnen einzugehen und das mit flexiblen Arbeitsmodellen zu ermöglichen. Millennial-Frauen erwarten, dass ihre Ergebnisse honoriert werden, nicht die Zeit, die sie im Büro verbringen. Als eine gute Strategie hat sich dabei unter anderem erwiesen, dass es wichtig ist, wenn Führungskräfte diese Flexibilität vorleben. Der „Kenne mich“-Aspekt beinhaltet auch, dass anerkannt wird, dass Angestellte sich erholen wollen und müssen. Mehr noch als das in den Arbeitsalltag zu integrieren, ist eine langfristige Strategie, wie zum Beispiel in Entwicklungsgesprächen Sabbaticals mitzudenken.

Challenge me

„Fordere mich heraus“ gilt nicht nur für ehrgeizige Menschen. Es ist eine Grundhaltung der Millennial-Generation. Sie stellt sich die Frage: Lerne ich jeden Tag etwas dazu? Junge Frauen erwarten dabei von ihren Unternehmen nicht nur, dass sie ihre Fähigkeiten verbessern können, die konkreten Jobbezug haben. Sie wollen auch wichtige Soft-Skills weiterentwickeln, wie zum Beispiel gut verhandeln zu können, sie wollen ihre persönliche „Marke“ weiterentwickeln, Zugang zu Netzwerken und Führungsqualitäten entwickeln. Unternehmen müssen über Millennials wissen, dass sie erwarten schnell aufzusteigen – was in einem Unternehmen kaum für alle machbar ist. Neue Herausforderungen, die den Bedürfnissen von jungen Frauen entsprechen, können deswegen auch Karriereschritte in neue Bereiche sein – statt geradlinig nach oben. In anderen Teams des Unternehmens lässt sich ebenfalls dazu lernen – oder auch auf einem Posten im Ausland.

Connect me

Unternehmen müssen neu lernen, dass Netzwerke innerhalb ihrer Unternehmen für junge Mitarbeiterinnen wichtig sind. Sie suchen nicht nur nach Mentoren, sondern ebenfalls nach Gleichaltrigen um sich gezielt auszutauschen. Das sollte nicht dem Zufall überlassen werden, sondern von Unternehmen gestützt werden – sowie auch der Zugang zu Netzwerken außerhalb des Unternehmens. Eine Mitarbeiterin, die nur innerhalb des Unternehmens lernen darf, wird bald gehen. Es empfiehlt sich daher, Frauen die Möglichkeit zu geben, ihr Wissen auch außerhalb der Organisation unter Beweis stellen zu können, wie etwa auf Konferenzen.

Inspire me

Inspiriere mich. Junge Frauen sind auch auf der Suche nach Sinn. Da sie ganzheitlich denken, schließt das ihren Arbeitsort ein. Sie wollen etwas Bedeutsames tun. Eine Millennial-Frau wird daher kaum mit einem höheren Gehalt zu halten sein, wenn sie ein Jobangebot von einer Organisation bekommt, in der sie die Chance hat, die Welt zu verändern. Das bedeutet nicht, dass junge Frauen nur noch in NGOs arbeiten wollen. Es lohnt sich besonders, sie in Projekte einzubinden, die in ihrer Branche etwas Bahnbrechendes ändern werden – und das ist in nahezu jeder Branche möglich, sei es in Tech, in der Medizin oder im Bildungssystem. Die Forscherinnen der Studie erklären zum „Inspire me“-Aspekt ihres Modells außerdem, dass Inklusion und Diversity als Teil der Unternehmenskultur etwas ist, dass junge Frauen inspiriert. Sie erwarten, dass Werte, die sich wichtig finden, auch in ihrer Organisation gelebt werden.

Unleash me

Setze meine Potentiale frei. Junge Frauen haben viele Talente, doch welches sollen Unternehmen besonders unterstützen? „Die Millennial-Generation ist eine Generation von Entrepreneuren“, so zitieren die Studien-Autorinnen eine von ihnen befragte Führungskraft. Junge Frauen erwarten also, dass ihr Gründergeist und ihre Fähigkeiten unternehmerisch zu denken besonders gefördert werden. Sie wollen kreativ arbeiten können und Innovationen verantworten. Wer junge Talente nur zuarbeiten lässt, langweilt sie. Sie brauchen Projekte, in denen sie Verantwortung übernehmen, experimentieren und auch einmal ein Risiko eingehen können – selbst wenn diese Projekte temporär sind.

Das Modell für das eigene Unternehmen nutzen

Die fünf Aspekte des Modells stellen Unternehmen vor mehrere Herausforderungen, das ist klar. Doch sie geben ihnen konkrete Orientierung an die Hand, was sie tun können, um für junge Frauen ein attraktiver Arbeitgeber zu werden. Die Ideen, die das Forscherinnen Team des ICEDR präsentiert, lassen sich hervorragend nach und nach in das eigene Unternehmen implementieren. Es liegt außerdem auf der Hand, dass diese Vorschläge die Unternehmenskultur für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiver machen – die Firma profitiert also auf ganzer Ebene. Klar ist, dass wer die weiblichen Top-Talente langfristig und für die Führungsebenen des eigenen Unternehmens gewinnen will, besser sofort damit anfängt, die Personalentwicklung und gesamte Arbeitskultur des Unternehmens zu modernisieren.


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