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Mein Lebenskonzept? Single-Frau!

Unsere Community-Autorin ist Langzeit-Single – und sehr glücklich. Warum sie wirklich keinen Mann braucht? Uns hat sie es erzählt.

Mein Singledasein ist eine bewusste Entscheidung!

Ich habe mir das Leben als Single-Frau selbst ausgesucht. Ich warte nicht auf den Richtigen und ich habe auch nicht einfach resigniert. Ich BRAUCHE einfach keinen Mann – und habe eigentlich auch nie einen gebraucht. Und ich verwende absichtlich dieses Wort: brauchen.

Viele mögen sich denken: Wieder so eine, die sagt, dass sie keinen Mann braucht, aber sich insgeheim nach dem Traumprinzen sehnt. Manches wird euch nach dem Lesen dieses Beitrages klarer erscheinen. Ich werde nicht die hundertste Liste schreiben, warum das Leben als Single-Frau besser ist, als eine Partnerschaft zu haben. Genauso schlimm wäre es, wenn ein Elternteil darüber schreibt, dass es besser ist, einen Sohn zu haben als eine Tochter. Es geht nicht um besser oder schlechter. Es geht darum, dass das eine Lebenskonzept dem anderen gleichwertig ist. Sofern man es selbst gewählt hat und nicht darunter leidet.

Ich möchte euch einen Einblick geben, warum ich in meinem Leben nicht den einen Menschen brauche, der alle meine Bedürfnisse erfüllt, ganz einfach deshalb, weil alle meine Bedürfnisse bereits erfüllt sind.

Ich bin nicht allein mit meinem Alleinsein

Da ist Carina, die ständig damit konfrontiert wird, dass sie der Liebe davonläuft. Sinah, die nicht mehr hören will, dass sie sich endlich ein Partner suchen soll. Aleksandra, die sich fragt, warum Single-Status immer Einsamkeit bedeuten muss. Paula, der die Menschen unterstellen, das Single-Leben sei langweilig oder sogar gefährlich!

Als Single-Frau muss man sich oft rechtfertigen. Lustig, dass das Lebenskonzept „Single-Frau“ so spannend für andere Menschen ist. Weil es einfach immer noch „komisch“ ist, als Frau allein zu sein? Und bemerkenswert, dass wir Single-Frauen uns selbst so viele Gedanken über dieses Thema machen (müssen).

Mir zum Beispiel kommt manchmal vor, als würde mein Gegenüber auf die Offenbarung warten, dass ich tieftraurig bin, weil ich (noch) keinen Freund habe. Oder ich begegne Menschen, die mir versichern, dass der Richtige schon noch kommen würde. Da haben sie fast schon Tränen in den Augen aus Mitleid. Oder Männer, die fragen, warum denn eine Frau wie ich denn keinen Freund oder Mann hat. Was ist denn bitte eine „Frau wie ich“?

Single-Frauen sind nicht automatisch unglücklich!

Mein Bruder sorgte kürzlich auf einer Familienfeier für Lacher als er sagte: „Jaja, jetzt tut sie so cool. Und wie sie dann darin aufgehen würde, wenn sie für einen kochen und putzen kann.“ In solchen Situationen – auch wenn ich mitlacht, weil ich keine Spaßverderberin sein wollte – wird mir schmerzlich bewusst: Selbst nahestehende Menschen glauben, dass sie mich besser kennen als ich mich selbst. Eben, weil das Leben eben so geführt werden muss, wie es die gesellschaftliche Ordnung verlangt.

Ich möchte richtig verstanden werden. Die Entscheidung für ein Leben als Single ist eine individuelle. Damit will ich sagen, dass es nicht im Allgemeinen so ist, dass Frauen keine Männer brauchen. Geborene Familien-Frauen werden sich ein Leben ohne Mann und Kinder nicht vorstellen können. Wenn solche Frauen sich ihren Traum nicht erfüllen können, wird ihnen immer etwas fehlen. Oder sie werden sich bei Nichterfüllung gut arrangieren müssen.

Jede Frau braucht doch einen Mann. Das war schon immer so – seriously?!

Es gibt immer mehr Singles. Ich glaube aber nicht, dass sich die Menschen geändert haben, sondern eher die Umstände. Ich denke, dass es schon immer Menschen gab, die emotional keine Partnerschaft brauchten, dass es aber schlicht für die Aufzucht des Nachwuchses vonnöten war.

Wäre ich in diesen früheren Zeiten aufgewachsen, hätte ich selbstverständlich einen Partner gebraucht. Es hätte auch gar keine Diskussion darum gegeben, ob ich Mann und Kinder will. Ich wäre geschwängert worden und hätte mich schließlich dem Ganzen gefügt. Und ja, vielleicht hätte mir das Leben auch gefallen!

Heute aber habe ich die Wahl. Und will mich nicht aktiv dafür entscheiden. Für einen Partner oder Mann und auch nicht für Familie. Ich brauche natürlich, wie alle anderen Menschen auf der Welt, Liebe, Aufmerksamkeit, geistige und körperliche Nähe und Zärtlichkeiten. Aber ich brauche nicht „den einen Mann” für das alles.

Zu zweit ist alles einfach schöner?!

Für viele Menschen ist es das. Für mich nicht. Als Single-Frau werde ich oft gefragt, ob ich denn nicht viel lieber zu zweit fernsehen will. Oder ob ich nachts im Bett nicht einsam bin und mich nach jemandem sehne. Fernsehen ist so ziemlich das Allerletzte, was ich zu zweit machen will, ich genieße die Zeit alleine auf der Couch unglaublich. Wenn ich von einem anstrengenden Tag nach Hause in meine Wohnung, mein Heiligtum, mein Nest, meine Oase, komme, möchte ich einfach nur meine Ruhe. Die Vorstellung, dass jemand auf mich wartet oder nach mir nach Hause kommt und etwas von mir will, ist richtig schlimm. Und ja, das Bett. Ein Kapitel, das auch berücksichtigt werden muss.

Die Singlefrau und der Sex

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Thema: „Sex” als Singlefrau anzugehen. Die Garantie auf Sex ist jedenfalls für mich kein Grund, eine Beziehung einzugehen. Ich kenne Paare, die feiern öfter Weihnachten und Ostern im Jahr, als dass sie miteinander schlafen.

One Night Stands sind eher für die Zeit, wenn man noch jung oder viel im Nachtleben unterwegs ist, würde ich sagen. Sie funktionieren wunderbar in Verbindung mit viel Alkohol. Sie sind aber ihn den meisten Fällen nicht wirklich erfüllend. Ich bevorzuge Varianten, bei denen man sich kennenlernen und Vertrauen aufbauen kann. Freundschaft plus, Romanzen und wie sie alle heißen.

Dauersingles sind beziehungsunfähig?

Das mag sein. Ich bin der Meinung, dass man schon ein gewisser Typ Mensch sein muss, um ein „erfolgreiches“ Single-Leben führen zu können: eher einzelgängerisch. Das gilt natürlich nicht für die Allgemeinheit, aber auf mich trifft es zu. Dazu bin ich introvertiert und schüchtern. Meine Freundinnen und Freunde fallen bei diesen Aussagen wohl gerade lachend vom Stuhl. Ich lasse euch den Spaß! Ob diese Eigenschaften zu Beziehungsunfähigkeit beitragen, weiß ich nicht. Es ist mir aber auch egal. Für mich fühlt sich das Leben ohne romantische Partnerschaft gut an und platonische, auch langjährige Beziehungen, habe ich genug.

Frauen wollen keinen Partner mehr, weil sie enttäuscht worden sind?

Ich mag Männer sehr gerne und habe keine Vertrauensprobleme oder Bindungsangst, wie es einer Single-Frau oft unterstellt wird. Diesen Punkt möchte ich trotzdem nicht komplett ausschließen. Es gibt bestimmt manche Frauen, denen ein Mann so wehgetan hat, dass sie gar keinen Partner mehr wollen. Ich war von meinem sechzehnten bis zu meinem 25. Lebensjahr fast durchgehend in Beziehungen und von der großen Liebe über nett bis hin zu richtig scheiße war alles dabei. Richtig enttäuscht wurde ich nie, bis auf den ersten Liebeskummer mit 20. Klar hatte ich danach kurz genug von den Männern. Aber auch der schlimmste Liebeskummer geht vorbei.

Der Hauptgrund, warum ich irgendwann aufgehört habe, Partnerschaften einzugehen war der, dass sie mich einfach nicht erfüllten. Und dass ich mich ständig nach Freiheit sehnte, so „praktisch“ es manches Mal auch war, einen Freund zu haben.

Liebe und Nähe

Wo holt man sich denn die Liebe, wenn man keinen Partner hat? Für mich ist Liebe viel mehr als nur eine Sache zwischen zwei Partnern. Ich kann auch als Single-Frau viel Liebe empfinden. Wenn ich mit einer guten Freundin rede. Oder wenn ich mit meiner Katze kuschle. Oder daheim in meinem Elternhaus bin. Und ich bin von dieser Liebe und Kraft erfüllt, wenn ich an schönen Orten in der Natur bin. An meinem Lieblingsbach oder irgendwo, wo es ganz still und grün ist.

Liebe ist also für mich nicht etwas, was mir ein anderer Mensch gibt, indem er mir sagt, dass er mich liebt. Zu oft werden diese Worte auch achtlos ausgesprochen und kommen nicht von Herzen. Liebe ist für mich ein Gefühl und Liebe besteht nicht aus leeren Phrasen. Es ist für mich ein Zustand, in dem ich vollkommen erfüllt bin.

Die romantische Liebe

Natürlich kommt und kam es vor, dass ich mich verliebe, wenn auch ausgesprochen selten. In den letzten Jahren waren die Gefühle aber nie so stark oder der Mann besonders genug, dass ich dafür mein Single-Leben aufgegeben hätte. Es ist in etwa mit diesem Szenario vergleichbar: Stellt euch vor, ihr seid in einer glücklichen Beziehung und liebt euren Partner. Aus welchen Gründen auch immer lasst ihr euch auf eine Affäre ein. Steigt ihr dann aus eurer Hauptbeziehung aus? In meinem Fall ist meine Hauptbeziehung die Beziehung zu mir selbst. Ich bin mir treu und achte darauf, was mir gut tut und darauf, dass ich glücklich bin. Und bei all dem ist es mir auch wichtig, frei zu sein. Warum das also für ein Strohfeuer aufgeben? Die Romantik brauche ich nicht so sehr. Kuschelmusik und Heiratsanträge in der Öffentlichkeit finde ich ziemlich öde. Sonnenuntergänge genieße ich sehr gern auch alleine.

Das Thema Kinder

Menschen sind oftmals sehr betroffen, wenn sie hören, dass eine Frau keine Kinder will. Kinder sind für mich auf jeden Fall ein Argument, eine Partnerschaft einzugehen. Als Kind dachte ich, ich werde einmal Mama sein. Mit sechzehn dachte ich, dass ich mit 25 Kinder bekommen werde. Heute bin ich 33 und ich habe noch immer keinen Kinderwunsch. Ich höre auch meine innere Uhr nicht ticken. Was wäre für mich nun die Lösung? Augen zu und durch und dann hoffen, dass mich die Mutterschaft erfüllen wird? Einen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen? Das will ich nicht. Dann kämpfe ich lieber dafür, dass andere Frauen, die in der Mutterschaft aufgehen, bessere Bedingungen haben und mehr Kinder haben können, sofern sie es wollen.

Männer und flirten

Ich rede gerne mit Männern, ich bin gerne mit Männern zusammen und ich flirte auch gerne mit ihnen. Wie wohl die meisten Single-Frauen. Dafür eignen sich Single-Börsen oder Weggehen bestens. Hier ist alles drin, von ein bisschen schäkern bis hin zu tiefgründigen Gesprächen. Alle diese Formen und den Austausch mit Männern genieße ich sehr.

Eine Partnerschaft – für immer ausgeschlossen?

Ich bin immer offen für Menschen, die mein Leben bereichern. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich mich jemals für einen Menschen und eine Partnerschaft entscheiden würde, wenn er mein Leben noch schöner machen könnte. Es ist nur gerade absolut undenkbar, dass ein einziger Mensch dies längerfristig schafft und ich dafür meine Freiheiten aufgebe. Eben, weil ich im Moment alles habe, was ich will brauche und rundum sehr glücklich bin.

Ob ich im Alter dann alleine sein will?

Für viele ist es das Horrorszenario schlechthin. Ein kleines Häuschen auf dem Land, ein paar Tiere. Ein Garten. Sich nicht darum kümmern, was die Leute sagen und ein bisschen kauzig sein. Im Ruhestand im Schaukelstuhl sitzen, lesend, mit einer der Katzen auf dem Schoß. Wenn ich an dieses Bild denke, bin ich selig. Als verrückte, alte Katzenfrau enden. Meinem Lebenstraum kommt das sehr, sehr nahe.

Der Artikel erschien bereits auf Pipas Blog. Wir freuen uns sehr, dass sie ihren Beitrag auch hier veröffentlicht.

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