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Warum wir „Political Correctness“ dringend umtaufen müssen

Die Debatte um Political Correctness ebbt nicht ab – und das ist wichtig und gut so! Warum eine sprachliche Veränderung unumgänglich für eine inklusivere Gesellschaftsform ist und wieso man trotzdem darüber nachdenken sollte, Political Correctness umzubenennen, erklärt Madeleina Moka.

„Was sollen diese vielen neuen Worte und Sternchen überhaupt bewirken?“

Vielleicht kommt einigen von euch diese Situation bekannt vor. Ich begleite eine gute Freundin zu einer Geburtstagsfeier, die wummernden Bässe sind einprägsam, die vielen unbekannten Gesichter eher weniger, und ich schlängle mich durch die vollgepackte Wohnung. Irgendwann lande ich in der Küche, in der sich längst das unvermeidliche Grüppchen von Feiernden gebildet hat, die rauchen, den Kühlschrank plündern oder sich einfach nur unterhalten wollen, ohne sich über laute Musik hinweg anzuschreien zu müssen. Es entwickelt sich schnell ein seichter Smalltalk unter uns Küchenbesetzer*innen, als mich ein Typ fragt, wo denn meine „farbige Freundin“ abgeblieben sei. Er sieht mich dabei ehrlich interessiert an, seine Augen hinter dem stylischen Brillengestell glänzend vor vermeintlicher Unschuld und Unwissenheit. Noch während ich ihm entgegne, dass seine rassistische Fremdbezeichnung alles andere als ok ist und warum (ja, ich habe noch immer die Geduld dazu), verdreht er bereits genervt die Augen.

Und wieder werde ich zur offiziellen P.C.-Abgeordneten erklärt!

„Ach, ,farbig‘ darf man jetzt auch nicht mehr sagen, oder was? Du weißt doch, was ich meine!“ Und ehe ich weiß, wie mir geschieht, starren mich alle anderen erwartungsvoll an, das Unbehagen der Gruppe wächst, vereinzelt wird der Versuch unternommen, die Situation mit Themenwechsel künstlich aufzulockern. Was alles noch krampfiger macht. Und mir wird klar: Yep, ich bin hiermit offiziell zur Political Correctness-Abgeordneten der Party erklärt – und damit bin es auch ich, die für die nun unangenehme Stimmung verantwortlich gemacht wird. Trotzdem habe ich weder Lust einen Schwarz attestierten Freifahrtschein auszustellen, um den „Du weißt doch, wie ich’s meine“-Verfechter von Rassismus-Vorwürfen freizusprechen, noch verdient Besagter diesen in irgendeiner Art und Weise. Gleichzeitig beschleicht mich das ermüdende Gefühl, wie Kräfte raubend es ist, auf diskriminierende Sprache aufmerksam zu machen und damit „Sprachpolizei“ zu spielen. Dabei ist letzteres längst als gefährliche Beleidigung etabliert, die den trügerischen Anschein erweckt, man würde sich gegen Meinungsfreiheit und für Zensur aussprechen. Niemand will sich schließlich den Mund verbieten lassen!

Political Correctness: Woher kommt das überhaupt?

Political Correctness hat längst eine negative Konnotation, doch das war nicht immer so. Seit der Entstehung des Begriffs Ende des 18. Jahrhunderts hat sich seine Bedeutung mehrfach gewandelt. Zu seiner Geburtsstunde wurde in einem Gerichtsverfahren vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten das Verhältnis zwischen Staat und Volk als „politically incorrect“ beschrieben, sofern der Staat über seinem Volk steht. Dieses anfängliche Verständnis von Political Correctness, das folglich ein Verhältnis zwischen Staat und Volk beschreibt, das frei von autoritärer Suppression ist, wurde Anfang des 20. Jahrhundert umgekehrt. Nun galt es als „politically correct“, die Richtlinien seiner politischen Partei, unabhängig von seiner eigenen moralischen Überzeugung, strikt und regeltreu zu befolgen. Diese Maxime machten sich vor allem autokrate Staatsformen, wie der Nationalsozialismus, im späteren Verlauf zu Nutze. Doch diese bisherigen Interpretationen von Political Correctness jonglieren vorrangig das Machtverhältnis zwischen Staat und Volk aus.

Endlich Raum für Schwarze Selbstbezeichnungen

Erst die Bürger*innenrechtsbewegungen in den USA nähern sich unserem heutigen Verständnis des Begriffs an. Schwarze Bürger*innen kämpften nicht nur für ihre politische, wirtschaftliche und soziale Gleichstellung, sondern wehrten sich mit dem Terminus der Political Correctness auch gegen Diskriminierung, die über Sprache, wie beispielsweise rassistische Fremdbezeichnungen transportiert wird. Die Selbstbezeichnung „Black“ und „Afroamerican“ fand erstmals Gehör außerhalb der Community. Die Emanzipation der 80er Jahre veränderte nicht nur die Geschlechterstrukturen an US-Hochschulen, sondern führte auch zu einer Forderung nach mehr weiblichen* Perspektiven sowie sogenannten „Speech Codes“, die Minderheiten inkludieren sollten. Durch die Verbreitung der Political Correctness im internationalen und kommerziellen Raum, wurde auch das Konzept immer ambivalenter betrachtet und sowohl extrem abgelehnt als auch vehement propagiert.

Ein absurder Witz: Unterdrückte Positionen bedrohen etablierte Machtstrukturen

So schwappte die Political Correctness auch nach Deutschland über. Gerade in den 90er- Jahren spann die rechte Presse die PC-Bewegung zu einem Mythos, der scheinbar „Hexenjagd auf alles politisch Inkorrekte“ machte und vor dem es die freie Meinungsgesellschaft unbedingt zu warnen galt. Diese Ansicht ist gerade deshalb so absurd, weil sie die Stimmen marginalisierter Positionen zu einer Bedrohung für viel mächtigere strukturelle Normen hochjazzt.

Rein nüchtern betrachtet versteht man heute unter dem Begriff, dass Handlungen oder Ausdrucksformen vermieden werden sollen, die Menschen auf Grund ihres Geschlechts oder Genders, ihrer Ethnie, Religion, körperlichen oder geistigen Verfassung sowie ihres sozialen Stands diskriminieren oder marginalisieren.

Obwohl es an diesem Vorsatz auf den ersten Blick nichts auszusetzen gibt, hat Political Correctness mittlerweile eine negative Konnotation. Gerade Konservative und Rechte Lager nutzen den Ausdruck als Beleidigung, um Bemühungen gegen Diffamierung lächerlich zu machen. Eine altbewährte Rechte Taktik, Begriffe die im peripheren, meist Linken Bereich ihren Ursprung finden, zu spiegeln und für ihre Interessen zu adaptieren. Auch ich bin kein Fan des Begriffs, aber aus anderen Gründen: Zum einen – seien wir mal ehrlich – klingt er einfach scheiße! Für eine breite Masse ist der Begriff null ansprechend und lässt im Kopf sofort das Bild eines*einer zugeknöpften, verkniffenen Spießbürgers*in aufpoppen, der*die am Fenster lauernd auf den nächsten sprachlich verwerflichen Unfall lauert, welcher natürlich asap gemeldet wird. Zum anderen modelliert der Begriff der „Political Correctness” den moralischen Grundsatz, Respekt vor der Würde des anderen zu zeigen, zu einem schwammigen und schwer greifbaren Konstrukt um. Die Absicht, mit Sprache niemanden verletzen zu wollen lässt sich schwerer kritisieren, als das Feindbild einer vermeintlich strategischen Kontrollinstanz, die die allgemeine Meinungsfreiheit bedroht. Jede*r darf schließlich sagen, was sie oder er will und all diejenigen, die damit ein Problem haben, sollen sich gefälligst nicht so aufregen!

Lasst uns Political Correctness umtaufen!

Doch gäbe es diese Debatte überhaupt, wenn man Political Correctness mit „Respekt“ oder „Empathie“ ersetzen würde? Wäre die künstliche Panikmache rund um Meinungsfreiheit genauso groß? Obwohl wir uns dessen oft nicht bewusst sind, ist Sprache immer auch politisch, da sie zwischenmenschliche Beziehungen definiert und daraus resultierende Machtverhältnisse festlegt. Für ein leicht zugängliches Verständnis von respektvoller und empathischer Sprachkultur, ist der Begriff der Political Correctness also viel zu aufgeladen und irreführend.

Doch noch ist P.C. in aller Munde und wir müssen uns mit der damit verbundenen Aufregung befassen. Kritiker*innen nutzen das Argument der Meinungsfreiheit, um sich unter dem Deckmantel der Demokratie gegen Political Correctness auszusprechen. Man befürchtet, als freie Gesellschaft durch Zensur mundtot gemacht zu werden und versucht doch genau das mit den Betroffenen, indem man ihren Einspruch nicht gelten lässt. Diskriminierende Sprache erhöht die einen und degradiert die anderen. Damit macht sie sich selbst des eigenen Vorwurfs schuldig, denn dies steht gegen demokratische Werte, wie Gleichheit, Menschenwürde und Unversehrtheit aller. Stattdessen soll alles so bleiben, wie es ist! Es sind doch schließlich nur Worte, oder?

Sprache schafft Realitäten – und wer profitiert davon?

Dabei wird jedoch übersehen, dass Sprache bedeutende Macht hat und Realitäten schafft. Wenn rassistische und diskriminierende Sprachmuster weitergetragen werden, verfestigen sich entsprechende Narrative und Vorurteile. Wieso sollten sich beispielsweise Frauen*, Trans*, Inter*, nicht binäre und queere Personen repräsentiert und inkludiert sehen, wenn sie sprachlich nicht sichtbar gemacht werden, weil ein generische Maskulinum als Norm dominiert; und damit als männlich gelesener Begriff alles andere als neutral ist, wie viele Kritiker*innen der gendergerechten Sprache argumentieren wollen. Zudem bestärkt gewaltvolle Sprache bestehende ungleiche Machtverhältnisse, da Minderheiten vor allem sprachlich als solche deklariert und damit ausgegrenzt werden. Und das kommt natürlich denjenigen zu Gute, die von etablierten Machtstrukturen profitieren und diese durch Veränderung gefährdet sehen. Also wird Kritik an Sprache als hysterische Empörung lächerlich gemacht und die Betroffenen gleich mit. So ist das ja auch gleich viel schwieriger mit der Veränderung.

Doch Weltbilder und Gesellschaftsstrukturen sind dynamisch und stetig im Wandel und dies lässt sich sprachlich nicht einfach ignorieren – auch wenn es dem weißen, able-bodied, gut situierten Hetero Cis-Mann gerne lieb wäre, der es sich an der Spitze der Privilegien-Pyramide, eingebettet in aktuelle Sprachnormen und Lebensrealitäten, so richtig schön bequem gemacht hat. Wenn wir uns für eine inklusivere, heterogenere und vor allem gleichberechtigtere Gemeinschaft aussprechen, müssen wir das auch klar in unserer Sprache berücksichtigen. Natürlich lösen sich Sexismus, Rassismus und Diskriminierung damit nicht in Luft auf, doch auch bewusste Sprache ist ein Akt von Widerstand gegen unterdrückende Strukturen.

Wer entscheidet, was gesagt werden darf?

Eine solche Veränderung in der Sprachpraxis berücksichtigt neue Narrative und macht diese vor allem sichtbar: Frauen*- und Bürger*innenrechtsbewegungen, Menschen mit Behinderung, die Stärkung der LGBTTQIA+ Community und Personen, die sich keinem gender, geschlechts- und sexualitätsspezifischen Label zuordnen möchten sowie die Repräsentation von race und Glaubensrichtungen. Genau diese Unterschiede wurden lange Zeit zur Diskriminierung missbraucht und daher ist es umso wichtiger, die jeweiligen Selbstbezeichnungen – und dazu zählen auch selbst gewählte Pronomen – zu respektieren. Die große Frage bleibt: Wer entscheidet denn nun darüber, was gesagt werden darf und was nicht?

Auch wenn die Perspektive der Betroffenen mir persönlich zur Sprachorientierung dient, gibt es zum Glück keine eindeutige Antwort darauf, denn das würde schnell in eine Deutungshoheit über Zensur münden – und dafür sollte Political Correctness eindeutig nicht missbraucht werden.

Zudem ist Sprache immer auch kontext- und publikumsgebunden. Je nach Erfahrung und Sozialisierung reagieren Menschen unterschiedlich auf Sprache. Das wird auch im Kontext der Übersetzung sichtbar. So ist der gesellschaftliche und politische Diskurs über race nicht einfach auf Deutschland übertragbar, da er sich auf einem völlig anderen Entwicklungslevel befindet. Daher kann race auch nicht einfach mit „Rasse“ übersetzt werden. Der im US-Sprachgebrauch geläufige Begriff race bezieht sich nicht auf biologische Merkmale und ihre Beschreibung, sondern beschreibt die soziale und künstliche Konstruktion einer Kategorie, die über den Zugang zu Ressourcen wie gesellschaftlicher, politischer, und ökonomischer Teilhabe sowie Bildung bestimmt. Verglichen dazu wird der Begriff „Rasse“ im deutschen Verständnis eng mit den Traumata des Nationalsozialismus und Holocausts verknüpft und ist daher aus dem Sprachgebrauch verbannt. Dabei wäre eine Aufarbeitung gerade in Bezug auf die deutsche Kolonialgeschichte extrem wichtig, um die tief greifende Verwobenheit von Rassismus auf institutioneller und gesellschaftlicher Ebene sichtbar zu machen.

Obwohl das Feld der Political Correctness so verworren scheint, sind genau die Verflechtungen ein möglicher Orientierungspunkt, wie es denn nun „richtig gemacht werden kann“. Denn das Eine kann nicht ohne das Andere betrachtet werden. Wenn du dich gegen Rassismus, Misogynie, Trans*- und Homophobie aussprichst, dann sollte sich diese Haltung auch in deiner Sprache widerspiegeln – ansonsten ist Ersteres zwar ein sehr ehrenwerter Vorsatz, aber wirklich konsequent ist was anderes.

Was wir tun können: zuhören!

Im Grunde handelt es sich bei der Political Correctness-Frage um eine moralische Debatte. Doch im Zweifel sollten wir uns die Fragen stellen: Wie kommt meine Wortwahl bei den Betroffenen an? Wie sehr schränke ich mich wirklich ein, wenn ich meine Sprache überdenke und dadurch Diskriminierung und Ausgrenzung von anderen Menschen vermeiden kann? Es ist absurd, dass Nicht-Betroffene eine Debatte über Sprache ausfechten wollen, die nicht sie selbst, sondern andere degradiert. Gerade Selbstbezeichnungen sind entstanden, um gegen abwertende Fremdbezeichnungen Widerstand zu leisten und der respektvolle Umgang damit markiert, ob man sich auf Augenhöhe begegnet oder nicht.

Was wir außerdem tun können? Zuhören! Nicht abwinken, nicht lächerlich machen, einfach nur zuhören und versuchen, aus der Sicht der Betroffenen zu lernen. Nur so wird Raum für einen Perspektivenwechsel geschaffen, der den Weg für eine inklusivere und respektvollere Gesellschaftsform ebnet. Wir sind längst nicht an dem Punkt angekommen, an dem man von einer neutralen Basis ausgehen kann, in welcher Machtverhältnisse und Privilegien ausgewogen verteilt sind. Aus dieser Perspektive betrachtet macht es folglich auch keinen Sinn zu behaupten, eine sprachliche Veränderung mit dem Ziel inklusiver und sensibler zu sein, sei „übertrieben“, oder „überzogen“.

Diese vermeintlich neutrale Ausgangslage ist eine Illusion, denn von einer gemäßigten demokratischen Mitte kann und konnte nie die Rede sein. Stattdessen zeigt die Diskussion um Sprachgewohnheiten auf, was sich bislang als Norm durchsetzen konnte und inwiefern diese Realitätsschreibung nun ins Wanken gerät. Denn die Stimmen, die sich nun zu Wort melden sind nicht neu, ihre Narrative wurden nur bislang nicht gehört.

Niemand braucht sprachliches Greenwashing

Wenn ich nun auf die Situation in der Partyküche zurückkomme, dann ermüden mich Political Correctness-Debatten nicht nur deshalb, weil ich von meinen Mitmenschen erwarte, dass sie ihre Sprachmuster kritisch hinterfragen. Was mich viel eher stört, ist die fehlende Bereitschaft Fehler zuzugeben und sich einzugestehen, dass die eigene Sprache als aktive Handlung Konsequenzen hat. Dabei ist es völlig irrelevant, ob man mit dem Konzept der Political Correctness vertraut ist oder nicht. Niemand benötigt einen umfangreichen Bildungsstand oder muss in woken BIPOC-, Gender- und Anti-Diskriminierungsblasen schweben, um drei Sekunden darüber zu sinnieren, ob seine oder ihre Worte das Gegenüber möglicherweise verletzen könnten.

Letztendlich ist es jedoch die Message, die mehr wiegt als Worte, denn noch schlimmer als völlig unreflektiertes Reden ist sprachliches Greenwashing. Du kannst beim Sprechen noch so viel gendern, deine Sternchen setzen, dich mit deinem inklusiven Freundeskreis brüsten und auf Anti-Rassismus und LGBTTQIA+ Demos mitlaufen – wenn die Botschaft deiner Worte diskriminierend ist, dann redest du trotzdem Bullshit!

Wir müssen aktiv verlernen

Trotzdem muss ich immer wieder schmerzlich feststellen, dass mein Vertrauensvorschuss an sprachlicher Selbstreflexion für meine Mitmenschen sich meist nicht auszahlt. Deshalb ist es umso wichtiger, sich auch mal in unagenehme Konflikte zu stürzen und in seinem Umfeld auf die Macht von Worten aufmerksam zu machen – auch und gerade dann, wenn betroffene Personen nicht anwesend sind oder sich nicht verteidigen können. Das ist nervig, ernüchternd, Kräfte zehrend und kann gerade im Freund*innen- und Familienkreis zu höchst dramatischen Konflikten führen. Und damit drängt sich auch die Frage auf:

Die richtige Sprache zu finden ist nicht immer leicht und kann verwirrend sein. Auch ich muss mich immer wieder selbst reflektieren, Kritik aushalten können, Neues lernen. Auch ich schließe Menschen immer wieder unbewusst aus, höchstwahrscheinlich auch mit diesem Text. Ich mache Fehler, immer wieder: beim gendergerechten Sprechen, bei Selbstbezeichnungen, vor allem wenn ich nervös bin und auch, weil ich noch nicht lange bewusst auf Sprachmuster von mir achte. Und wenn ich richtig fluche, müsste man meinen ungefilterten und impulsiven Redefluss wahrscheinlich durch die Bank wegpiepen.

Doch dass dieser ganze Prozess anstrengend ist, unsicher macht und bequeme Gewohnheiten ins Wanken bringt, bedeutet nicht, dass die Debatte rund um eine Veränderung in unserer Sprachkultur keine Berechtigung hat. Im Gegenteil: Sie zeigt uns auf, wie tief verwurzelt patriarchale, diskriminierende und rassistische Strukturen in unserer Sozialisation sind und dass wir aktiv Verlernen müssen, um Platz für neue Denk- und daraus resultierende Sprachmuster zu schaffen.

Übrigens: Auf dem Blog von WIRMUESSTENMALREDEN findet ihr ein sehr umfangreiches und aufschlussreiches Awareness Glossar, in dem viele Begriffe, Selbstbezeichnungen und -Ismen erklärt sind.

Lasst uns den Diskurs lebendig halten!

Eine Veränderung von Sprache steht nicht für Selbstzensur, sondern für Respekt und Empathie gegenüber allen Mitmenschen. Und sie ist längst nicht am Ende, denn es wäre genauso vermessen zu behaupten, durch Political Correctness eine sprachliche Gleichberechtigung erreicht zu haben, wie zu leugnen, dass diese längst überfällig ist. Damit steht die Bewegung für die Auseinandersetzung mit Sprache und ihrer Wirkung und fordert uns heraus, ja, traut uns sogar zu, uns selbst zu hinterfragen und den Diskurs rund um Meinungsfreiheit sowie die Würde aller lebendig zu halten. Und das fördert letztendlich die Demokratie, um die bei all der P.C.-Kritik doch so sehr gebangt wird.

Ich bin trotzdem dafür, dass wir das Mindset Political Correctness umbenennen – nur so fürs Verständnis. Und weil der Begriff einfach kacke klingt.

Begriffserklärungen

*: Die Verwendung des Asteriks (*) soll in diesem Text als lesbarer Marker und Platzhalter für Genderidentitäten, die sich jenseits von Zweigeschlechtlichkeiten bewegen, fungieren (vgl. Natasha A. Kelly: Schwarzer Feminismus. Grundlagentexte. Unrast Verlag Münster 2019, S. 13).

z.B. Bürger*innen: Mit dieser Form werden Gruppen aller Genderzugehörigkeiten beschrieben, daher wird der Asteriks (*) in diesem Text vor der Wortendung gesetzt (vgl. Natasha A. Kelly: Schwarzer Feminismus. Grundlagentexte. Unrast Verlag Münster 2019, S. 13-14).

z.B. Frauen*: Mit dieser Form wird eine Gruppe weiblich* gelesener Personen beschrieben, die trans, inter, queere und nicht binäre sowie andere femme-nahe Selbstbezeichnungen inkludiert. Daher wird der Asteriks (*) in diesem Text am Wortende gesetzt (vgl. Natasha A. Kelly: Schwarzer Feminismus. Grundlagentexte. Unrast Verlag Münster 2019, S. 13-14).

Able bodied: Menschen, die nicht körperlich oder mental beeinträchtigt sind.

BIPOC: Black Indigenous People of Color – Ein politischer und solidarischer Sammelbegriff für alle Schwarzen, indigenen und nicht-weißen Menschen, die von Rassismus betroffen sind. Manche Schwarze Menschen (die ursprünglich den POC/People of Color Begriff als Selbstbezeichnung etablierten) und indigene Menschen lehnen BIPOC als kollektive Selbstbezeichnung jedoch ab, da sich ihr soziokultureller und -ökonomischer geschichtlicher Hintergrund, der von Kolonialismus, Sklaverei sowie Rassismus geprägt ist, von dem anderer nicht-weißer Menschen bzw. POC unterscheidet.

Cis-Gender: Bezeichnet Personen, bei denen das bei der Geburt zugewiesene anatomische Geschlecht (=Hebammengeschlecht) mit dem Geschlecht übereinstimmt, das von der Person gelebt wird und mit dem sie sich selbst identifizieren (sozio-kulturelle Geschlechtsidentität), z.B. ein Cis-Mann = ein für die Außenwelt männlich gelesener Mann, der sich selbst auch so identifiziert.

Inter*, Intersex, Intergeschlechtlichkeit: Intergeschlechtliche Menschen können sowohl weiblich als auch männlich geschlechtliche Merkmale aufweisen bzw. sich in einem Spektrum dazwischen bewegen. Oder ihre Geschlechtsmerkmale, wie Chromosomen, Keimdrüsen, äußere oder innere Geschlechtsorgane sowie der Hormonhaushalt lassen sich nicht in das binäre Mann-Frau-System verorten. Auch nicht binäre Menschen können sich als Inter* bezeichnen.

LGBTTQIA+: Inklusive Bezeichung für die Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual, Transgender, Queer, Intersex, Asexual Community. Das + steht für viele weitere Formen von Sexualität und Geschlechtsidentität.

nicht binär (engl. = non binary): Ein Überbegriff für alle Menschen, die sich nicht in einem binären Geschlechtersystem von Mann und Frau verorten, sondern dazwischen, ganz ohne Geschlecht oder in einem „dritten Geschlecht”. Nicht binäre Personen können sich jedoch auch als weiblich und männlich zugleich identifizieren.

Schwarz: Schwarz wird in diesem Text groß geschrieben und beschreibt weder die reelle Hautfarbe noch biologische Eigenschaften einer Person, sondern steht für eine positiv konnotierte politische und kollektive Selbstbezeichnung. Sie grenzt sich bewusst von kolonial geprägten und rassistischen Fremdbezeichnungen ab.

Trans*: Überbegriff für alle Menschen, die sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen worden ist, nicht identifizieren können. Sie können sich als männlich, weiblich oder außerhalb des binären Geschlechtssystems verorten, daher sind in dem Begriff auch nicht binäre Menschen mit eingeschlossen.

weiß: weiß wird in diesem Text kursiv geschrieben und beschreibt weder die reelle Hautfarbe noch biologische Eigenschaften einer Person, sondern eine dominante und privilegierte Position innerhalb eines rassistischen Machtsystems. Weißsein ist ein Identitäskonzept, das meist unausgesprochen und unbenannt bleibt, da es als Norm und Zentrum von Perspektiven gilt.

Der Original-Artikel von Madeleina Moka ist bei ROSAMAG, einem Online-Lifestylemagazin, das afrodeutsche Frauen und Freund*innen informiert, inspiriert und empowert, erschienen.

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