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Warum wir Gender Pay Gap aus unserer Sprache streichen sollten

Von Anfang an nicht mit gemeint: erst als Frauen anfingen, ihre Forderungen zu formulieren, bekamen sie mehr Rechte. Bestimmte Schlagworte in der heutigen Debatte, wie Gender Pay Gap, tragen aber nicht zu mehr Lohngerechtigkeit bei.

 

Es gibt viele Ungerechtigkeiten auf der Welt. So bitter das ist, historisch
gesehen hat es eine konstante Diskriminierung über alle Gesellschaftsformen
hinweg gegeben. Und zwar die Diskriminierung der Frauen.

Als in Frankreich die Revolutionäre Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit
ausriefen, als Marx sich an die Spitze der Arbeiterbewegung setzte, da waren
Frauen nicht mit gemeint. Männer richteten das Wort an Männer.

Ist es nicht großartig, dass 200 Jahre später die Deutsche Sparkasse uns Frauen
ausdrücklich mit meint? Man gebe den Geldinstituten weitere 200 Jahre Bedenkzeit und zack, sie sind soweit, um Frauen explizit zu adressieren. Im Zeitalter der Digitalisierung ginge es schneller, möchte man meinen. Doch leider lassen sich verkrustete Denkmuster nicht weg digitalisieren.

Nein, es wird uns Frauen nichts geschenkt, auch heute nicht. Doch blicke ich in die Vergangenheit und sehe, was schon erreicht wurde, wird mir warm ums Herz. Es war eine enorme, großartige Leistung, als Frauen anfingen, für ihre Rechte und gegen die Unterdrückung zu kämpfen, die jahrhundertelang als selbstverständlich galt.

Erst als Frauen artikulierten, was ihnen zustand, und ihre Forderungen in den
öffentlichen Diskurs einspeisten, begann die Emanzipation. Deswegen ist es auch heute wichtig, die Debatte um Geschlechtergerechtigkeit mit Nachdruck zu führen.

Es lohnt sich zu schauen, mit welchen Schlagworten die Diskussion heute geführt wird. Fest verankert im kollektiven Bewusstsein ist der Gender Pay Gap. Vor meinem geistigen Auge tut sich eine Kluft auf, unüberwindbar. Wie schafft man es als Frau auf die privilegierte Seite der Männer? Ratlos scheinen auch viele Politiker zu sein. Wir müssen die Lohnlücke schließen, heißt es dann. Wie
erfolgreich das ist, sehen wir an der Bekundung der Bundesregierung, die
Klimalücke schließen zu wollen. Die CO2-Emissionen verbleiben seit Jahren auf dem gleichen gefährlichen Level. Auch an den Gehältern der Frauen ändert sich wenig. Also, liebe Politik, Mut zur Lücke und weiter geht’s?

Der Gender Pay Gap ist höchstens ein Befund, aber keine Lösung. Ebenso wie die Frauenquote eine vermeintliche Lösung ist. Sicherlich ist es ein Schritt in die richtige Richtung, wenn DAX-Unternehmen jetzt in der Pflicht sind, Frauen in ihre Aufsichtsräte zu holen. Doch muss ein Instrument zur Schaffung von Gleichstellung wirklich „Frauenquote“ heißen? Warum sprechen wir nicht von einer „Geschlechterquote“? Eine Geschlechterquote vermittelt eher den Eindruck, dass wir zu einem 50/50-Anteil kommen müssen und zwar nicht nur in den Aufsichtsräten, sondern in den Vorständen und vor allem im mittleren Management.

Es ist wichtig, dass wir die Debatte um Gleichstellung nicht mit diskriminierenden und limitierenden Metaphern führen. Ich möchte nicht, dass Frauen mit ihrer Quote als Eindringlinge in den natürlichen Lebensraum der Männer verstanden werden. Ich möchte, dass es selbstverständlich ist, dass Frauen und Männer in allen Bereichen gleichermaßen vertreten sind, ob im Cockpit eines Flugzeugs oder auf dem Spielplatz.

Die Sprache suggeriert mir aber das Gegenteil. Sie formt meine Welt und diese Welt besteht aus Quoten, Führungskräften und Lohnlücken. Sie gibt mir eine
Opferperspektive, die ich als Frau von mir weise. Und doch stehe ich in dieser Debatte auf der vermeintlich falschen Seite des Grabens.

Benennen wir die Dinge beim Namen! Wir fordern Lohngerechtigkeit und Solidarität unter den Geschlechtern. 

Statt jedes Jahr am 18. März den Gender Pay Gap zu beklagen, möchte ich lesen und diskutieren, was die Bundesregierung unternommen hat, um dieser Forderung gerecht zu werden. Sie ist ganz klar in der Verantwortung, entsprechende Rahmenbedingung zu schaffen. Das wäre echtes Empowerment.

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