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Warum negative Gedanken einen Platz in unserer Gefühlswelt brauchen

Negative Gedanken sind etwas, über das man – wenn überhaupt – nur mit den engsten Vertrauten spricht. Aber warum eigentlich? Wovor fürchten wir uns?

 

Es ist so, wie es ist

Akzeptanz ist ein schwieriges Thema. Das fängt allein bei der Bedeutung des Wortes an, die gleichgesetzt werden kann mit: „billigen“, „gutheißen“, „eine Person oder Sache in ihrer Eigenart annehmen“. Was so viel heißt wie: Du kannst an dieser Situation momentan nichts ändern. Lerne, damit umzugehen. Akzeptiere es. Akzeptiere deine Schwächen. Deine Fehler. Und deinen Körper

Wobei man dabei zwischen zwei Arten von Situationen differenzieren muss. Auf der einen Seite gibt es Dinge, für die du selbst verantwortlich bist. Du bist unglücklich im Job oder in deiner Beziehung? Dann ist es ganz alleine deine Aufgabe, an diesem Zustand etwas zu ändern. 

Auf der anderen Seite gibt es die Situationen, in denen du dem Schicksal ausgeliefert bist und die Verantwortlichkeiten für diese Situation außerhalb deiner Macht liegen. Stell dir beispielsweise vor, einer deiner Lieblingsmenschen trifft ein schwerer Schicksalsschlag oder verlässt unerwartet das Leben. Dass du an dieser Situation nichts ändern kannst, ist schlimmer als jeder andere Fakt, den du zuvor kanntest. Wenn da jemand mit Akzeptanz anfängt und davon, dass man doch weiterleben muss, würde man denjenigen am liebsten mit Eiern bewerfen. Wie bitte soll man, kurz nachdem das gesamte Leben auf den Kopf gestellt wurde, wieder zum Alltag zurückkehren und so weitermachen, als wenn nichts gewesen wäre?

Wir müssen!

Manchen Menschen mag es tatsächlich gelingen, rasch wieder zum Alltäglichen zurückzukehren. Zumindest wirkt es nach außen so. Denn wer sagt, dass es gerade in diesen Menschen nicht noch viel stärker brodelt und ein negatives Gefühl das nächste jagt? Und, wer nicht darüber spricht, nicht davon erzählt oder auch nicht danach fragt, weiß nicht, wie es der Person tatsächlich ergeht. 

Ablenkung mag in solchen Situationen eine erste Hilfe sein, den Prozess der Heilung treibt es allerdings nicht nachhaltig voran. Wer wirklich das Geschehene verarbeiten und zu seinem alten Ich zurückkehren will, sollte über seine Emotionen reden – mit Freunden, der Familie, mit professioneller Hilfe. Und vor allem keine Angst davor haben, offen mit seiner Gefühlswelt umzugehen. Denn manchmal braucht es einen nüchternen Blick von außen, um die Dinge wieder mit etwas mehr Abstand betrachten und sich dem Gedanken der Akzeptanz annähern zu können. 

Den Gefühlen ins Auge sehen

Laut einer Untersuchung von vier Forschern der Berkeley Universität kann sich, wie Quartz berichtet, die Wirkung der Akzeptanz erst dann entfalten, wenn sie dauerhaft in die alltägliche Gefühlswelt integriert und als natürliche Reaktion auf negative Gefühle angewandt wird. Der Effekt: Innere Zufriedenheit, weniger Ups und Downs und dafür mehr Stabilität im Leben.

Brett Ford, Psychologieprofessorin an der Universität Toronto, meint dazu gegenüber Quartz: 

„Akzeptanz bedeutet nicht, zu verändern, wie wir uns fühlen, sich jedoch uns mit unseren Gefühlen zu beschäftigen und diese als das anzusehen, was sie sind.“

Unsere Gefühle zu anerkennen, zu akzeptieren und als das hinzunehmen, was sie sind, ist ein erster wichtiger Schritt. Und wer sagt, dass wir das alles mit uns alleine ausmachen müssen? Ja, wir sind meinetwegen stark und standfest – doch auch starke Menschen kann ein unerwartetes Ereignis im Leben schnell vom Hocker reißen. Daher würde ich mir wünschen, dass wir diese negativen Gefühle von jeglicher Scham befreien und alle Menschen dazu animieren, offener darüber zu sprechen und vor allem nichts in sich hineinzufressen. Nicht das Gefühl zu haben, die Stimme senken oder die Umgebung auf bekannte Gesichter überprüfen zu müssen, sobald man im öffentlichen Raum darüber spricht. Negativität im Leben sollte so normal sein wie das Müsli am Morgen. Ohne die Angst, dass man alleine damit ist und von niemandem verstanden wird. Dem ist nämlich nicht so. 

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