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Diese 10 Fragen solltet ihr im Bewerbungsgespräch den Personaler*innen stellen

Sorgfältig überlegte Rückfragen lassen ein Bewerbungsgespräch erst richtig gut werden und steigern die Chancen, den Job zu ergattern. Worauf es ankommt, erklären wir euch hier.

Eure Möglichkeit, das Unternehmen besser kennenzulernen

Gute Bewerber*innen erkennen Personaler*innen nicht nur daran, wie souverän und kompetent sie die Fragen beantworten, die ihnen gestellt werden. Sie erkennen sie auch an den Fragen, die sie ihnen stellen. Business Insider fasst die wichtigsten zusammen.

Erst durch tiefergehende Rückfragen entsteht ein richtiges Gespräch, sagt zum Beispiel Siemens-Chef-Recruiter Markus Kumpf. Es geht jedoch nicht nur darum, Interesse zu zeigen — Rückfragen sind auch eure Chance, mehr über euren potentiellen zukünftigen Arbeitgeber oder eure Arbeitgeberin zu erfahren.

Ein Grundgerüst mit den wichtigsten Fragen, die ihr bei der Bewerbung stellen solltet, haben Michael Heck und Daniel Eichsteller auf dem Absolventenkongress in Köln vorgestellt. Heck ist Manager bei Cofinpro, einer Management-, Fach- und Technologieberatung für Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften, Eichsteller ist Senior Consultant. Gemeinsam haben sie zehn Fragen aufgeführt, die sie jede*r Bewerber*in empfehlen würden.

Da allen Jobsuchenden etwas anderes wichtig ist, dienen diese Fragen nur zur Orientierung und sollten individuell nach euren Bedürfnissen, Wünschen und Vorlieben umgestaltet und angepasst werden. Behaltet im Hinterkopf, dass es auf Standardfragen meist auch nur Standardantworten geben wird — je individueller die Frage, desto relevanter die Antwort.

1. „Warum arbeiten Sie in diesem Unternehmen?“

Bei dieser Frage solltet ihr unbedingt auf euren Tonfall achten. Falsch betont kann sie im Bewerbungsgespräch schnell frech oder herausfordernd wirken — versucht also, aufrichtig interessiert und freundlich zu klingen. Eine etwas harmlosere Alternative könnte „Was mögen Sie am liebsten an Ihrer Arbeit in diesem Unternehmen?“ sein.

Mit der Frage danach, welchen Mehrwert der*die Personaler*in in der Firma sieht, bekommt ihr einen tieferen Einblick in die Unternehmenskultur und könnt euch ein besseres Bild davon machen, ob die Firma für euch in Frage kommt. Zudem lenkt ihr das Gespräch in eine persönlichere Richtung, schließlich ist eure Gesprächspartner*innen auch nur ein Mensch, der gerne über die Dinge spricht, die ihm gefallen.

2. „Was macht Ihr Unternehmen besonders?“

Die Frage, was die Firma besonders macht, kostet Überwindung, schließlich geht der*die Personaler*in davon aus, dass sich der*die Bewerber*in vorher umfassend über die Firma informiert hat (was auch der Fall sein sollte!).

Laut Heck verleitet sie aber auch Personaler*innen dazu, sich mit der Konkurrenz zu vergleichen und zu verraten, was das Unternehmen kann, das andere nicht können — was für euch natürlich interessant ist.

3. „Wie kann ich mich bei Ihnen weiterbilden?“

Ist diese Stelle ein Sprungbrett oder eine Sackgasse? Das findet ihr heraus, indem ihr nach den Weiterbildungsmöglichkeiten fragt.

Um einen persönlichen Faktor einzubringen, könnt ihr laut Eichsteller auch nachhaken, welche Fortbildungsmöglichkeiten der*die Personaler*in im Unternehmen zuletzt genutzt hat — dazu gehört allerdings ein gewisses Feingefühl.

4. „Welche Erwartungen hat das Unternehmen an mich?“

„Wenn ich schon das Wort ‚Probezeit‘ sage, fangen sofort alle an zu bibbern“, sagt Heck aus persönlicher Erfahrung. „Deswegen ist es vorher gut zu erfahren, woran man in diesen sechs Monaten gemessen wird.“

Zudem könnt ihr bereits im Bewerbungsgespräch die Gelegenheit nutzen, zu fragen, in welche Prozesse, Technologien oder Werkzeuge ihr euch in den kommenden Monaten einarbeiten müsstet, solltet ihr eingestellt werden. Je mehr Informationen ihr darüber sammelt, was auf euch zukommt, umso mehr könnt ihr während der Probezeit punkten.

5. „Finden Beförderungen im Unternehmen statt? Was muss ich konkret tun, um befördert zu werden?“

Über diese Frage lässt sich streiten. Obwohl manch Ratgeber besagt, dass Fragen rund um das Thema Beförderung bei der Bewerbung nichts zu suchen haben, weil ihr ja noch nicht einmal eingestellt seid, rät Eichsteller zu der Frage nach der Karriereleiter.

Es sei nützlich, herauszufinden, ob da jemand vor euch sitzt, der schon seit 40 Jahren in seinem Chef*innensessel sitzt. Gönnt er*sie niemandem den beruflichen Aufstieg und entscheidet völlig willkürlich, wer eine Stufe weiter kommt? Oder habt ihr ein Mitspracherecht?

Alternativ könntet ihr fragen, was ehemalige Mitarbeiter*innen getan haben, um in dieser Position erfolgreich zu sein. Das ist weniger direkt und bringt Arbeitgeber*innen dazu, zu zeigen, wie sie Erfolg messen.

6. „Was habe ich davon, wenn das Unternehmen erfolgreich ist?“

Heck zufolge ist es interessant für euch, zu erfahren, wer davon profitiert, wenn das Unternehmen ein gutes Jahr hatte. „Wie profitieren die Mitarbeiter*innen davon?“ Oder profitieren beispielsweise bei einer Aktiengesellschaft nur die Aktionär*innen von einem erfolgreichen Jahr?

7. „Wofür muss ich in der Firma um Erlaubnis fragen und wofür nicht?“

Genau so formulieren müsst ihr es natürlich nicht — Heck und Eichsteller wollen mit diesem Punkt lediglich deutlich machen, dass es wichtig ist, herauszufinden, wie und wie schnell ihr Verantwortung im Unternehmen übernehmen könnt.

„Das ist eine schöne Frage, die ein bisschen auf die Hierarchie und auf die Entscheidungsfindung abzielt und mit der ich erfahre, wie viel Selbstverantwortung mir am Ende tatsächlich gegeben wird“, so Eichsteller. Da es keine alltägliche Frage sei, sei es interessant zu beobachten, wie die Recruiter*innen reagieren.

Für diejenigen, die bei der Bewerbung mit so einer direkten Frage nicht vor den Kopf stoßen wollen, gibt es eine Alternative. In ihrem Buch „301 Smart Answers To Tough Interview Questions“ rät Karrierecoach und Autorin Vicky Oliver zur Frage: „Wem würde ich berichten?“

8. „Was würden Sie konkret in Ihrem Unternehmen verbessern?“

„Kein Unternehmen ist perfekt und ein Unternehmen, das es von sich behauptet, hat vielleicht genau das als Schwäche“, sagt Heck. Die Frage, wo der Personaler Verbesserungspotential sieht, ist eine respektvolle Art zu fragen, ob es Defizite gibt. Diese Defizite könnten darüber entscheiden, ob ihr diesen Job wirklich wollt. Zudem zeigt es euer Interesse, das Unternehmen in Zukunft mitzugestalten.

9. „Wie viel Spaß hat man bei Ihnen?“

Das müsst ihr natürlich nicht wortwörtlich so fragen, dennoch könnte es interessant für euch sein, zu erfahren, wie viel Wert im Unternehmen auf Spaß und Zufriedenheit gelegt wird. Gibt es Events? Teambuilding? Machen die Kolleg*innen auch mal etwas gemeinsam nach der Arbeit?

Eine Möglichkeit, das herauszufinden, ist zum Beispiel die Frage: „Wie würden Sie die Kultur des Unternehmens beschreiben?“

10. „Konnte ich Ihre Fragen alle beantworten oder ist noch etwas offen geblieben?“

Damit am Ende des Bewerbungsgesprächs keine Punkte offen bleiben, solltet ihr unbedingt nachfragen, ob der*die Personaler*in noch Fragen an euch hat. Damit zeigt ihr nicht nur Engagement, sondern auch, dass ihr erfolgreich Gespräche führen könnt.

Alternativ könnt ihr diese Frage auch schon zu einem früherem Zeitpunkt stellen, nämlich bevor ihr mit euren Fragen loslegt. Das kann beispielsweise so aussehen:

Personaler*in: „Haben Sie noch offene Fragen?“

Bewerber*in: „Ja, ich habe noch ein paar Fragen an Sie, aber vorher will ich Sie fragen, ob ich all Ihre Fragen ausreichend beantwortet habe. Gibt es Punkte, auf die ich nochmal genauer eingehen sollte?“

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