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Liebe Mütter, fangt endlich an, auch für euch selbst zu sorgen!

Gerade in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder wollen Mütter alles perfekt machen und vernachlässigen ihre eigenen Bedürfnisse. Warum es so wichtig ist, das zu ändern.

Mütter konkurrieren, statt sich zu unterstützen

Irgendwie ist es so ein (deutsches) Mütterphänomen, dass wir alles immer durchdenken müssen, hohe Ideale haben, die sich aber meistens immer nur auf das Kind beziehen.

Und in diesen Idealen konkurrieren wir als Mütter untereinander auch noch, statt uns zu unterstützen und uns gegenseitig zu akzeptieren. Á la: Ist windelfrei nicht besser? Drei Jahre stillen? Nur tragen? Das Kind darf nicht im eigenen Bettchen schlafen? Nicht impfen, vegan ernähren, unbedingt schnullerfrei, nur Ökoklamotten, kein Zucker, lieber freie Schule…und so weiter und so fort.

Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Ich habe in den letzten Jahren gemerkt, dass es fast nur darum geht, es für das Kind so richtig und gut wie möglich zu machen. Und es damit für uns selbst als Mütter scheinbar so richtig und gut wie möglich zu machen. In Form von Gewissensberuhigung. Dem Gefühl, zu genügen, mithalten zu können. Uns etwas zu beweisen.

Die Kinder kommen ganz bestimmt nicht zu kurz

Wir reagieren ja so respektvoll auf die Bedürfnisse unserer Kinder, wir lassen ja keine physischen und psychischen Schäden entstehen, denn das Kind schläft ja bei uns, darf immer an die Brust, wird getragen, wann immer es möchte, wird nicht alleingelassen, kriegt nur das Beste vom Guten in Form von Bionahrung und -klamotten, der Kindergarten wird sorgfältig ausgewählt, die Schule auch… Und bei all dem kommt einer bestimmt nicht zu kurz: Unser(e) Kind(er). Und einer kommt bestimmt immer zu kurz: das sind wir selbst.

Wir durchdenken und rattern, rödeln, machen und tun, besorgen dies, organisieren das, hüpfen hier, wiegen dort, stillen, wickeln, tragen, meinen alles immer nur gut … aber natürlich geht es dabei immer nur um das Kind.

Was ist mit den Bedürfnissen der Mütter?

Wann kommen wir dran? Wann tun wir all das auch für uns? Unser Denken ist gerade in den ersten Lebensjahren unseres Kindes nur von diesem bestimmt. Selten kümmern wir uns um uns, gucken, was wir selbst brauchen, um Ressourcen zu stärken und aufrechtzuerhalten. Es geht, wenn die Selbstfürsorge nicht vorher schon im Keller war, bergab mit uns, während es für das Baby bergauf gehen soll.

Wie soll es bergauf mit unseren Kindern gehen, was deren Selbstwertgefühl, Selbstbestimmtheit und Selbstfürsorge angeht, wenn wir damit selbst im Keller hausen? Wenn wir immer versuchen, alles richtig zu machen, hundertmal abwägen, ob es denn wirklich nicht schlimm ist, die Flasche zu geben, einen Schnuller zu benutzen oder das Kind mit einem Jahr in die Kita zu geben? Statt darauf zu achten: Was brauche ich jetzt? Wie kann es mir gutgehen? Wie kann das funktionieren: mich nicht zu verlieren und gleichzeitig dem Kind das zu schenken, was es achtsam und gesund gedeihen lässt?

Kein Gefühl für Selbstfürsorge und Selbstliebe

Wie kommt es, dass wir so ein starkes und exaktes Idealbild haben von unseren Kindern und von uns als Mutter? Und überhaupt kein Gefühl für uns selbst, für eine gesunde Selbstfürsorge und Selbstliebe? Warum machen so viele von uns Müttern (mich eingeschlossen!) ihr Eigenmaß der Selbstfürsorge und der Selbstliebe von ihrem „Status“ als Mutter und/oder (Ehe)-Partnerin abhängig?

Ich schreibe nicht nur von mir, weil ich einige Mütter kenne, denen es genauso geht. Und ich glaube, es sind die meisten der Mütter, die in dem Moment der Geburt ihres Kindes in diese selbstdestruktive Rolle (ver-)fallen.

Im Verstand ist es drin: das Wissen, wie wichtig Selbstfürsorge ist, wie wichtig es ist, sich um sich zu sorgen, um Hilfe zu bitten und diese nicht erst anzunehmen, wenn es nicht mehr geht. Und kaum einer tut das. Oder erst, wenn es schon fast zu spät ist.

Keine Generation hat Selbstfürsorge vorgelebt

Die Gründe jedes Einzelnen mögen vielfältig sein, ein großes Gefüge aus übernommenen Mustern und der Erziehung der eigenen Eltern, der Umwelt, der Gesellschaft, in die man hineingeboren wurde … aber es hat auch damit zu tun, was man selbst mitgebracht hat, was einfach im Wesen eines jeden drin ist. Und gerade wenn die Fähigkeit zur Selbstfürsorge und Selbstliebe in einem drin aufgrund des eigenen Charakters so sensibel ist, bedarf es mehr Unterstützung in der Kindheit und Jugend, diese auf- und auszubauen.

Ich denke, das ist bisher in keiner Generation passiert. Weil es noch nicht vorgelebt wurde. Und ich wünsche mir, dass wir aufhören, unsere Ideale immer höher zu stecken, zu wetteifern. Was bringt es einem Kind, wenn es über das Waschbecken gehalten wird, damit es ja keinen Eigenurin am Hintern hat, wenn es bis zu unserem eigenen Umfallen gestillt und getragen wird, wenn es an unserem Finger nuckeln darf (bloß kein Schnuller!) und wir uns so nicht eine Sekunde allein beschäftigen können … wenn wir als Mütter dabei draufgehen?

Wenn wir kreischen könnten vor Erschöpfung, wenn wir innere Wut entwickeln, weil wir uns so alleingelassen fühlen, im schlimmsten Fall Wut gegen das eigene Kind entwickeln, weil es sich in unser Verhalten einfügt und natürlich dann auch fordert, fordert, fordert, wenn es immer die Erfahrung gemacht hat, dass sich bedingungslos als Erstes um es gekümmert wird.

Was bringt all das unseren Kindern? Am Ende leider nichts. Alles ist gut gemeint. Und am Ende eben nicht gut gemacht. So wie wir es doch so gerne wollten. Am Ende sehen unsere Kinder frustrierte, erschöpfte, kranke, gestresste Mütter, die alles für andere gegeben haben. Nur nicht für sich selbst.

Fangen wir endlich an!

Fangen wir an, abzumpumpen und mal ins Kino zu gehen, wenn das Baby ein paar Monate alt ist. Fangen wir an, unser Kind mit zum Brunch der Freunde zu nehmen. Fangen wir an, das Kind auch mal ins eigene Bettchen zu legen und die Nacht an den/die Partner/in abzugeben, wenn wir nicht mehr können. Fangen wir an, einen Schnuller zu geben, wenn es saugen und sich damit selbst beruhigen möchte. Fangen wir an, nicht stoisch windelfrei zu praktizieren oder Stoffwindeln zu benutzen, wenn es (wenn wir ehrlich sind) doch insgeheim innerlich mehr Stress als Freude und Entlastung bereitet. Holen wir uns Babysitter für einen Abend zu zweit.

Fangen wir an, auch mal den Nicht-Biobrei zu kaufen, weil es sich gerade nicht anders machen lässt. Geben wir dem Kind mal Schokolade. Lassen wir den Kinderwagen jemand anderes schieben, damit wir auf der Wiese entspannen können.

Fangen wir an, (wieder) zu arbeiten, unseren Interessen nachzugehen, wann wir es wollen und brauchen.

Fangen wir an, unsere Gefühle rauszulassen, zu weinen, zu frusten und ehrlich zu uns und anderen zu sein … statt eine „Alles-ist-“-Miene aufzusetzen.

Fangen wir an, all dies ab und zu zu tun und dabei lächeln und lieben zu können. Sowohl das Kind als auch uns selbst. Dabei unserem Kind warmherzig und offen zu begegnen, weil es uns innerhalb der Selbstfürsorge und Selbstwahrheit möglich geworden ist.

Wir selbst sind die größte Herausforderung

Wir lieben unsere Kinder. Wir tun alles für sie. Wir wollen nur das Beste. Und das ist auch gut so. Wir müssen nur ein klitzekleines Bisschen abzwacken. Für uns. Zurückrudern. Fünfe grade sein lassen. Um uns selbst zu spüren und nicht zu verlieren, auch wenn das Zurückrudern, das Ablegen unserer Ideale nur minimal ist. Ein kleines Bisschen ist besser als nichts. Und fangen wir einmal damit an, ist es auch leichter, das auszubauen. Bis es irgendwann mal fifty-fifty ist.

Ich möchte damit endlich ehrlich und wirklich beginnen. Und vielleicht werden die 50:50 in meiner Familie dann in übernächster Generation, wenn mein Sohn Opa ist, erreicht. Weil ich damit begonnen habe.

Nicht das Kind ist die größte Herausforderung ab dem Tag seiner Geburt, sondern wir selbst sind es.

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