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Wie man sein Standing im Büro ruiniert – ohne es zu merken

Klar, in aller Breite über die Chefin lästern, in der Konferenz jedem ins Wort fallen – nicht gut, weiß jeder. Aber es gibt noch ein paar verstecktere No-gos, mit denen man sich seinen Ruf im Job kaputtmachen kann.

Ein Blick auf die Außenwirkung kann nicht schaden

Schon klar: Kaum jemand unter uns bringt es fertig, alle anderen zum Schwärmen zu bringen über die eigene Zuverlässigkeit, Brillanz, Effizienz und Kreativität, das muss auch gar nicht sein. Es wird im Job immer Leute geben, mit denen man besser kann als mit anderen. Aber es gibt durchaus ein paar grundsätzliche Dinge, die man beachten kann, um nicht aus Versehen zu dem Kollegen zu werden, der andere zum genervten Augenverdrehen inspiriert.

Manche Verhaltensweisen mögen zu Hause oder unter Freunden absolut OK sein, im Büro aber, wo weniger Vetrautheit herrscht und man sich weniger nahesteht, eben nicht. Und manchmal fällt es einfach schwer, die Lage richtig einzuschätzen.

Das Problem: Bei vielen, womöglich nervenden Verhaltensweise werden sich die wenigsten die Mühe machen, den Kollegen oder die Kollegin darauf aufmerksam zu machen; sondern sich im Stillen ärgern und eine innere, negative Notiz machen.

Einzeln betrachtet würde man viele Punkte der folgenden Liste eher als Lappalie abtun, und jedem von uns ist garantiert schon das eine oder andere passiert, und das schön öfters – es geht also überhaupt nicht darum, das Büro als einzigen großen Fettnäpfchen-Spießrutenlauf zu verunglimpfen – sondern vielmehr darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass viele kleine Ärgernisse, die für sich genommen gar kein so großes Ding sind, gehäuft dazu führen können, dass man im Büro ins Abseits gerät oder einem ein Ruf vorauseilt, den man nicht unbedingt haben möchte. Hier haben wir einige Punkte gefunden, die uns bekannt vorkamen.

1. Zu Großes Mitteilungsbedürfnis

Geiles Partywochenende hinter sich, bis sieben Uhr morgens in Club xy gefeiert, weltumspannenden Streit mit der Partnerin gehabt…es lohnt sich, darüber nachzudenken, welche privaten Geschichten unterhaltsam und bürotauglich sind und welche eher nicht. Das hängt natürlich sehr vom Team und vom Unternehmen ab, bei dem man arbeitet – aber es lohnt sich, immer mal wieder darüber nachzudenken,  welche Geschichten bei wem gut aufgehoben sind und bei wem eher nicht.

2. Ständig zu spät kommen

Egal, wie gut oder charmant die Ausreden sein mögen – Kollegen, die immer wieder zu spät kommen, machen sich unbeliebt. Die Botschaft an alle anderen im Meeting: Eure Zeit ist nicht so kostbar, als dass ich sie mit meiner standardmäßigen Viertelstunden-Verspätung nicht verschwenden könnte.

3. Schlecht vorbereitet sein

Klingt selbstverständlich, ist es aber oft nicht: Sich auf Meetings vorzubereiten, hilft allen Beteiligten. Meetings können zähe Veranstaltungen sein, auf denen man Gefahr läuft, sich zu Tode zu langweiligen, wenn die Teilnehmer schlecht vorbereitet, schludrig oder desinteressiert in ihren Sesseln hängen. Natürlich kann keiner dafür verantwortlich sein, dass alle tipptopp vorbereitet sich die Bälle zuwerfen – aber dass es nicht du selbst bist, die auf dem falschen Fuß erwischt wird und offensichtlich nichts Konstruktives beizutragen hat – das kannst du verhindern.

4. Nicht auf E-Mails antworten

Wie ärgerlich das sein kann, merkt man eben dann, wenn man selbst auf eine Antwort wartet, bei der ein, zwei Sätze reichen würden, und trotzdem Tage ins Land ziehen; was, denkt man sich, kann denn bitte so schwer daran sein, eine einfache Frage zu beantworten? Das fühlt sich respektlos und nachlässig an. Umgekehrt ist es sicher jedem schon passiert, dass er eine Mail-Konversation, die für den anderen bedeutsamer war als für einen selbst, verschludert hat und tagelang nicht antwortete. In dem Wissen darum, wie sehr man sich selbst ärgert, wenn andere uns in diese Position des wartenden Bittstellers befördern: Mehr als zwei Tage sollten bis zur Beantwortung einer Mail nicht vergehen. Und wer weiß, dass er das nicht schafft, vielleicht weil eben doch erst noch ein Konzept gegengelesen werden muss oder ähnliches: Einfach kurz per Mail Bescheid geben, dass man die Nachricht bekommen hat – und bis wann man plant, sich zurückzumelden.

5. Unaufmerksamkeit

Auch hier gilt: Es fühlt sich ziemlich demütigend an, auf jemanden einzureden, der offensichtlich keinen Bock hat, sich darauf einzulassen; da kann man noch so sehr davon überzeugt sein, die Gabe zu haben, auf Durchzug schalten und trotzdem hochkonzentriert wirken zu können – stimmt nicht. Wer ständig das Gefühl hat, so tun zu müssen, als würde er das, was ihm seine Kollegen oder Geschäftspartner so erzählen, interessant finden, der sollte womöglich darüber nachdenken, ob er sich noch im richtigen Team/im richtigen Unternehmen/im richtigen Job befindet.

6. Zu viel versprechen

Wer ständig den Mund zu voll nimmt und am Ende nicht abliefern kann, was er großspurig angekündigt hat, wird bald von anderen in die Hochstapler- oder „unzuverlässig“-Schublade einsortiert werden. Das ist ärgerlich, und vor allem absolut unnötig. Mach dir vorher Gedanken, bevor du etwas versprichst, zum Beispiel eine Deadline nennst – lieber großzügig kalkulieren und dann positiven Eindruck schinden, indem du zwei Tage früher abgibst.

7. Schlampigkeit

Nicht jeder hat ein fotografisches Gedächtnis – wenn du auch keines hast, kann es sinnvoll sein, mitzuschreiben, wenn du mit Kollegen, Kunden oder Geschäftspartnern etwas besprichst; so vermeidest du, kleine, aber wichtige Details zu vergessen. Wer ständig etwas abliefert, das nicht enthält, was vorher ausführlich besprochen wurde, wird schnell als nachlässig abgestempelt.

8. Dumme Fehler

Klar, Fehler passieren, ständig und jedem; wenn sie aus Unerfahrenheit oder Unwissenheit passieren, ist das absolut OK, dafür sollte jeder Verständnis haben; ärgerlich wird es aber, wenn Leute einen Fehler wiederholen; oder wenn sie eine Aufgabe verbocken, über deren Tücken sie vorher lang und breit aufgeklärt worden waren (siehe auch Punkte 5 und 7).

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Studium der Politikwissenschaften, nach Ausbildung zur Redakteurin an der Berliner Journalisten-Schule Stationen bei NEON Online und Vanity Fair, freie Autorin für Magazine, Zeitungen und Online, Buchautorin, seit November 2014 Redakteurin bei EDITION F mit Schwerpunkt Familie und Gesellschaft, seit Januar 2020 Textchefin. Foto: Jennifer Fey

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