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Warum meine alleinerziehende Freundin meine persönliche Superheldin ist

Du bist meine persönliche Superheldin. Du bist einzigartig. Du bist noch so jung. Und du bist alleinerziehend.

Was ich dir noch sagen wollte …

Dein Freund wollte nicht mehr, als er erfuhr, dass du, die du gerade einmal Anfang 20 bist, ein Kind erwartest. Er wollte, dass du „es wegmachst”, wie du sagst. Er wollte das alles nicht. Keine Verantwortung, kein Babygeschrei, keine Freundin, die plötzlich fett wird, weil da ein Baby in ihr drin ist.

Kurzum: Er war noch lange nicht bereit. Du warst auch nicht bereit. Und doch, du wolltest dieses Kind. Vom ersten Moment an, als du den winzigen Punkt auf dem Monitor des Ultraschallgerätes sahst, wolltest du dieses Kind. Auch ohne Vater. Und ohne Familie, die dich unterstützen kann. Du wolltest nicht auf heile Welt machen und doch würdest du bald die ganze Welt für dein Baby sein. Und dein Baby würde dir umgekehrt auch so viel bedeuten, wie niemand sonst es je getan hat und je tun wird. Du würdest durch dein Baby lernen, zu lieben, wie du noch nie in deinem Leben geliebt hast.

Deine stolze Begleiterin

Ich habe gesehen, wie dein Bauch wuchs und du in viel zu engen Shirts und Jogginghose im Supermarkt kurz vor Ladenschluss noch schnell eine Packung Tiefkühlpommes gekauft hast, weil dir danach war. Ich habe gesehen, wie du im Sozial-Kaufhaus nach Babykleidung gesucht hast. Wie du stolz deinen Kinderwagen im Laden bar bezahlt hast. Ich habe gesehen, wie du in einer Wohnung allein neu angefangen hast. Wie du mit einem Zeitungshut auf dem Kopf die hohen Wände gestrichen hast. Ich habe gesehen, wie du gelacht hast, als du das erste Mal die Tritte deines Sohnes gespürt hast. Ich habe gesehen, wie du deinen dicken Bauch immer wieder gestreichelt hast.

Ich habe auch deine Tränen gesehen, als du wieder einmal enttäuscht wurdest. Ich habe gesehen und vor allem gefühlt, wie du gelitten hast, unter dem schwindenden Geld, darunter, dass du deinem Kind keine neuen Kleider kaufen konntest, sondern immer nur gebrauchte Sachen. Darunter, dass deine Realität so viel einsamer war, als meine. Ich habe deine Angst gespürt, deine unendlich große Angst.

Und plötzlich war er da

Ich habe dich im Kreißsaal schreien hören, habe deine Hand gehalten und deine Stirn trocken getupft. Habe dich angefeuert und bin weinend an deine Schulter gesunken, als du hysterisch lachend dein Baby im Arm gehalten hast.

Ich habe gespürt, wie du dich verändert hast, habe gesehen, wie es geschah. Ich habe erlebt, wie du Mutter wurdest. Ich habe deine ersten Tage mit deinem Sohn miterlebt, habe deine Zweifel, deine Ängste und deine Liebe gefühlt.

Und heute, zehn Monate, einen Umzug, mehrere Schreianfälle, Koliken und schwierige Phasen später, sehe ich dich und sehe doch viel, viel mehr. Ich sehe meine persönliche Heldin, die sich nicht unterkriegen lässt von den Widrigkeiten des Lebens. Die mit Ämtern kämpft und gewinnt. Ich sehe eine junge Frau, die schon lange Mutter ist und ihr Kind in- und auswendig kennt. Ich sehe eine starke Frau, die für ihr Kind über sich hinaus gewachsen ist und es selbst manchmal nicht glauben kann. Ich sehe auch ein kleines Mädchen, das so gern noch ein Kind wäre. Ein Mädchen, das so gern auf dem Abschlussball tanzen würde mit dem coolsten Jungen der Schule. Ein kleines Mädchen mit Chucks und Tütü.

Mutter, Frau, Superheldin

Ich sehe auch eine junge Frau, die manchmal einfach nur weglaufen möchte, vor der Verantwortung für ihr Kind. Eine mutige Frau, die trotzdem bleibt.

Und ich danke dir. Dafür, dass ich mich neben dir so selbstsüchtig fühle und wie ein Jammerlappen. Dafür, dass du mit mir Eis direkt aus dem Pappbecher isst und darüber philosophierst, welcher Greys Anatomy Darsteller der wahre McDreamy ist. Ich danke dir dafür, dass du mir zeigst, wie man eine gute Mutter ist.

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