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Katharina: „In der Liebe suchen wir oft einfache Erklärungen für komplexe Fragen“

Wie geht das wirklich, mit der Liebe? Das haben wir Autorin und Therapeutin Katharina Middendorf gefragt. Sie erklärt, warum wir in Beziehungen immer an den gleichen Situationen scheitern und wir dennoch alle beziehungsfähig sind.

„Der Wunsch die Romantik vom Beginn zu konservieren, macht viel kaputt“

Viele von uns kennen das Gefühl, in Beziehungen immer wieder an den gleichen Situationen und Themen zu scheitern, bis man sich irgendwann fragt: Bin ich eigentlich beziehungsfähig? Oder man steckt in einer Beziehung und weiß einfach nicht, ob und wie es weitergehen soll, weil vielleicht die Erotik verloren gegangen ist oder auch das gemeinsame Gespräch.

Keine einfachen Fragen, auf die wir aber allzu oft einfache Antworten finden wollen. Genau zu diesem Thema haben Yoga-Therapeutin Katharina Middendorf und Paar- und Sexualtherapeut Ralf Sturm ein Buch mit dem Titel „Bereit für die Liebe! Wenn du denkst, es ist vorbei, fängt es eigentlich erst an“ geschrieben. Warum wir in Beziehung meist zu früh aufgeben, wir uns nicht permanent den falschen Partner aussuchen und was wir über uns lernen müssen, um eine gesunde Beziehung zu führen, darüber haben wir mit Katharina gesprochen.

Der Untertitel des Buches lautet „Wenn du denkst, es ist vorbei, fängt es eigentlich erst an“. Geben wir in Beziehungen also meist zu früh auf?

„Genau, das ist die erste Interpretation des Titels. Wir kommen ja alle mal an den Punkt, an dem uns das Gehirn sagt: ,es geht jetzt nicht mehr, es ist jetzt wirklich genug’. Und genau das ist die Stelle, an der es sich lohnen würde zu schauen, was denn eigentlich ‚genug’ ist. Ist es die Beziehung oder ist es der Zustand, in dem man sich innerhalb der Beziehung oder innerhalb der eigenen Persönlichkeitsentwicklung befindet. Deswegen kann in so einem Nullpunktempfinden eine große Chance stecken, sich wirklich aufeinander zuzubewegen. Und gleichzeitig schwingt da auch mit, dass wenn es wirklich zu Ende ist, es für uns auf einer anderen Ebene weitergeht.“

„Man muss im Prozess der Selbstentwicklung durch gewisse Nadelöhre durch.“

Viele haben das Gefühl, sich immer den falschen Partner auszusuchen bzw. erleben häufig ein ähnliches Muster in Beziehungen. Hängt das mit den Denkmustern zusammen, die ihr im Buch ansprecht?

„Ja, auf jeden Fall. Aber erstmal finde ich das schon mal eine gute Beobachtung, wenn jemand sagen kann: Ich komme immer wieder an die gleichen Punkte. Dass der Kopf daraus die Interpretation macht, dass man sich immer die falschen Partner aussucht, ist interessant. Denn das ist ja nicht die einzige Möglichkeit, die dahintersteckt, wenn man immer wieder in die gleichen Muster kommt. Aber es ist erstmal die einfachste Erklärung, weil sie das Problem nach außen verlagert. Andererseits setzt man sich damit auch herab, weil man scheinbar nicht fähig ist, den richtigen Partner zu finden.

Aber einer Gesellschaft, die sich immer mehr selbstoptimiert und große Leistungen erbringt, der nehme ich das einfach nicht ab, wenn gesagt wird: ‚Ich kann alles schaffen, aber das mit den Beziehungen bekomme ich einfach nicht auf die Reihe.’ Diese Sätze hören sich für mich immer stark nach einer Ausrede an. Hier kommt die Yoga-Philosophie zum Tragen, die ja im Buch eine Rolle spielt: Man muss im Prozess der Selbstentwicklung durch gewisse Nadelöhre durch. Da führt kein Weg dran vorbei, denn du bekommst so lange deine eigene Entwicklungsstufe unter die Nase gerieben, bis du sie eben bewältigst. Wenn man beispielsweise eine Bilanzrechnung macht, kann man ja auch nicht permanent sagen: Irgendwie bekomme ich immer falsche Ergebnisse (lacht). Irgendwann muss man vielleicht einfach schauen, ob die eigene Strategie einfach falsch ist.“

„Beziehungsunfähig? So ein Quatsch!“

Das zielt auf die „Generation beziehungsunfähig“ ab. Sind wir also einfach zu bequem, um echte Beziehungen zu führen?

„Ja, schon. Das ist wie in so einer Frauenrunde, in der man sich gegenseitig die Wunden leckt oder die Legitimation gibt, dass man an diesem Punkt ja auch nicht weitergehen muss, wenn das so schwierig ist. Aber dass wir wirklich nicht beziehungsfähig sind, ist ja totaler Quatsch. Wir zeigen ja tagtäglich wie beziehungsfähig wir sind – ob das im Job ist, mit Freunden oder mit den Kindern. Aber hier dicht zu machen, hilft uns aus einem ganz großen Problem raus, nämlich, dass wir unsere Beziehungen nicht mehr auf die Reihe bekommen müssen.“

Was meint ihr damit, dass Liebe kein Gefühl, sondern eine Haltung ist? Entromantisiert das nicht etwas, das dringend Romantik braucht?

„Ja nun, ich liebe Romantik auch und sie ist wahnsinnig wichtig zu Beginn der Beziehung, um so etwas wie einen Beziehungsmythos aufzubauen, einen Trailer. Für den brauchen wir die Bilder von den Schmetterlingen und den Wunsch, dass man in den anderen reinkriechen will. Dadurch schafft man sich ein Gefühl, an das man sich später erinnert. Nur diese Form von Romantik basiert leider auch auf verschiedenen psychologischen Herausforderungen, wie zum Beispiel dem Wunsch nach Verschmelzung. Das ist etwas, das man grundsätzlich anstrebt – ob man das mit Gott macht, früher mit der Mutter oder heute mit dem Partner. Aber wenn wir mit dem Partner verschmelzen, geht etwas ganz Wichtiges verloren: die Anziehung.

Man kennt ja den Satz: ‚Ich habe mich in der Beziehung selbst verloren.’ Ein Satz, der meistens dazu führt, dass eine Beziehung beendet wird. Diese Idee davon, dass man total mit dem anderen verbunden ist, aber auch total bei sich und frei ist, ist ein super schwerer Spagat. Ich glaube, die wahre Romantik liegt darin, das zu schaffen. Aber wir können diese Gefühl vom Anfang nicht konservieren und der Drang danach, dass das aber genauso sein soll, der macht ganz viel kaputt.“

„Wir laufen häufig vor der Tatsache weg, dass wir alleine sind.“

Woher kommt denn dieser Drang? Denn heute ist uns doch kaum etwas wichtiger als unsere persönliche Freiheit – auch wenn es diesen Wunsch nach Verschmelzung gibt.

„Das ist wirklich eine schwierige Frage, denn man könnte sie sicher sowohl psychologisch als auch philosophisch beantworten. Aber ich habe neulich etwas Schönes dazu in einer Yoga-Schrift gelesen: Es geht wahrscheinlich am Ende darum, dass wir vor der Tatsache weglaufen, dass wir alleine sind. Wir kommen alleine auf die Welt und wir sterben auch alleine, das ist einfach Fakt. Auch wenn wir im Laufe des Lebens Hilfe haben, bleibt es dabei, dass wir für uns alleine sind und auch alleine unsere Entscheidungen treffen. Das ist etwas, das sich sehr einsam anfühlen kann und deshalb suchen wir häufig nach Strategien, diesem Gefühl zu entrinnen. Das ist etwas zutiefst Menschliches, aber man sollte das auch im großen Kontext sehen.“

Das bedeutet, wir projizieren wahnsinnig viel auf unsere Partner und dadurch kommt es zu Verletzungen, die gar nicht durch unser Gegenüber entstehen, sondern durch uns selbst?

„Total. Und genau das führt auch zu einer völligen Überforderung beim Partner. Denn diesen ultimativen Menschheitswunsch, den kann er oder sie ja gar nicht auffangen. Wir merken ja auch selbst, dass wenn dieser Wunsch an uns herangetragen wird, wir damit komplett überfordert sind. Wir wollen doch einen Partner an unserer Seite, der akzeptiert, dass er oder sie alleine ist, sich trotzdem mit uns verbindet, während man aber in seiner eigenen Verantwortung bleibt.“

„Wenn unser Partner ausrastet, spiegelt er damit meistens unser eigenes Gefühl wieder.“

Da liegt ja schon wieder die Krux. Denn sich selbst objektiv zu betrachten und zu sagen: „Halt mal, das hat ja mit mir selbst zu tun!“ ist schließlich wahnsinnig schwer.

„Absolut, das ist es. Aber wir beschreiben auch im Buch, dass das Gegenüber der beste Spiegel ist, den wir haben. Denn man kann noch so viele Strategien durch Meditation oder Yoga entwickeln, um sich selbst zu beobachten, es gibt immer blinde Flecken. Man kann diese sehr gut daran erkennen, dass man sich gerade hundertprozentig sicher ist, dass man total klar ist und alles ganz objektiv betrachtet. Meist liegt genau in dieser Situation unser blinder Fleck und den zeigt uns dann der Partner, indem er dann beispielsweise ausrastet und uns so widerspiegelt, was in uns selbst passiert. Das sind Momente, in denen man sich selbst bedroht fühlt, weil der andere etwas über uns aufdeckt und uns das nackt macht. Und dafür, dass dieses Gefühl der Nacktheit nicht eintritt, hat der Kopf auch wieder ganz viele Strategien – genau deshalb bewegen wir uns in diesen Momenten nicht aufeinander zu, sondern steigern uns in den Krieg gegeneinander rein.“

Es geht also ganz viel um Fehlkommunikation. Ihr beschreibt im Buch ja auch, dass viele Gespräche häufig gar nichts lösen, sondern Probleme erst verursachen oder stärker machen.

„Natürlich geht es auch um Kommunikation, aber das ist nicht der einzige Schlüssel. Wichtig ist vor allem die vorhin angesprochene Haltung. Denn in ganzen Kommunikationstechniken kann so viel Grausamkeit stecken. Wenn ich etwa innerlich denke: ‚Du Arsch, verpiss dich!’ und ich sage stattdessen ‚Ich wünsche mir, dass du nun den Raum verlässt’, da spürt der andere sofort, dass ich eigentlich etwas ganz anderes gedacht habe. Und da kann das noch so politisch korrekt sein, es wird genauso zu Problemen führen. Mit Kommunikation alleine kommt man also nicht weiter.“

„Der Wunsch, abends um 23 Uhr noch etwas klären zu wollen, ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt.“

Trotzdem ist sie ja wichtig. Wie schafft man es also, richtig miteinander zu reden?

„Ich glaube es ist eine Kombination aus einer gewissen Stille und dem gemeinsamen Gespräch. Beispielsweise ist der Wunsch, abends um 23 Uhr noch etwas klären zu wollen, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Da würde es sich anbieten, sich erstmal selbst zu beruhigen und zunächst mit sich in den Dialog zu gehen, bevor man mit dem Partner spricht. Man sollte nicht hoffen, dass der Partner etwas sagt, dass einen wieder ein Stück weiterbringt, sondern muss diese Leistung selbst erbringen. Manchmal hofft man ja sogar, dass der Partner sagt, dass er einen nicht mehr liebt, nur damit dieser schlimme Zustand endlich vorbei ist! Aber das bringt dir überhaupt nichts, weil das nicht aus deiner eigenen Situation und Position herauskommt.“

Kommunikation kann ja auf verschiedenen Ebenen stattfinden, also auch körperlich. Ist das die Verbindung, die ihr zum Yoga zieht?

„Im Buch geht’s um die innere Haltung, nicht um die Körperhaltung. Aber uns persönlich hilft das und wir erleben auch bei unseren Schülern, dass es ihnen hilft, wieder bei sich anzukommen. Yoga ist eine Technik, aber ein Waldspaziergang kann auch eine Technik sein. Manche Paare haben auch die Technik Sexualität, die auch gut funktioniert und nicht immer nur ein Versöhnungs- oder Ignorier-Sex sein muss. Das geht, indem man den ganzen Kopfkram lässt– dann kann das eine Art Eisbrecher sein.“

„Erstmal mit sich ins Reine kommen und dann bereit für eine Beziehung sein? Das geht so nicht.“

Kann man erst ein guter Partner sein, wenn man sich selbst ein guter Partner ist?

„Ja und nein. Wir sehen da eher eine Gleichzeitigkeit, weil man ja nie fertig ist. Viele sagen: ich komme erstmal mit mir ins Reine und dann bin ich bereit für eine Beziehung. Aber so geht das nicht, denn man wird ja erst durch eine Beziehung bereit und deswegen braucht es dieses Wechselspiel zwischen dem Bezug auf sich selbst und dem Hören des anderen und wieder von vorne. Andererseits ist etwas Wahres dran, denn wenn ich gar nicht auf mich schaue, dann wird die Beziehung nicht funktionieren. Der Partner kann und soll diesen Part nicht übernehmen – tut er das, dann bleibt auf jeden Fall irgendwann die erotische Komponente auf der Strecke. Das erleben ganz viele. Die sind dann gut befreundet und haben ihr Leben auf die gemeinsame Vision ausgerichtet, aber paarmäßig bleibt da nicht mehr viel übrig.“

Erotik braucht Reibung. Andererseits schreibt ihr, dass man sich auch mal vor dem anderen zu verneigen soll, gerade wenn wir ihm auf dem Kopf springen wollen. Müssen Beziehungen nicht auch Disharmonie ertragen können?

„Ja, absolut! Das funktioniert sonst nicht. Natürlich gibt es Momente, in denen man total wütend ist und trotz allem bei seinen Prinzipien bleibt – und genau das macht dich für den anderen, auch wenn es Angst auslösen kann, weil dieses symbiotische Einvernehmen nicht mehr gilt, attraktiv. Vorausgesetzt du bleibst zugewandt. Ein Beispiel: Du sagst: ‚Ich würde gerne viele Männer und nicht nur dich haben’. Und obwohl der andere kommuniziert, dass das für ihn nicht funktioniert, beharrt man weiter darauf, dann ist das nicht attraktiv. Aber wenn man zum Beispiel sagt: ‚Ich habe Fantasien in diese oder jene Richtung, ich möchte sie nicht ausleben, aber ich will mich mitteilen’, dann macht das dem anderen vielleicht Angst, weil er damit konfrontiert wird, dass man eventuell geht, aber gleichzeitig merkt er, dass du deine eigene sexuelle Identität mit ihm teilst und das kann wiederum sehr attraktiv sein. Das funktioniert natürlich nicht immer, und dann muss man sich eben entscheiden, was einem wichtiger ist: Die Fantasien oder dass es der Beziehung gut geht. Es ist ein schmaler Grat“

„Zugeständnisse dem Partner gegenüber erfordern unheimlich viel Größe.“

Aber damit erklärt sich mir noch nicht die Idee, dass man sich vor jemandem verneigen soll, dem man eigentlich gerade den Hals umdrehen will.

„Ich habe ja vorhin schon einmal die Situation angesprochen, in der der andere mich gerade demontiert, er meinen blinden Fleck findet und in einem Streitgespräch etwa sagt: ‚Ich sehe gerade gar nicht dich, sondern deine Mutter und wie sie ihren Partner zusammenfaltet. Du sagst mir zwar, du bist klar, aber ich sehe gerade einen total unklaren Menschen.’ Dann rebelliert wahrscheinlich alles in mir und ich brülle: ‚Was? Du kennst meine Mutter überhaupt nicht, was bildest du dir eigentlich ein?’

Wenn man es schafft, diesem Moment dieses Gefecht mal sein zu lassen, sich hinzustellen und zu sagen: ‚Okay, vielleicht hast du recht’, das schafft schon wahnsinnig viel Raum. Dieser Raum für einen neuen Ausgang des Gesprächs entsteht alleine daraus, dass man zulässt, dass der andere vielleicht recht hat und man sich wirklich auf diese Option einlässt– ganz gleich, ob es wirklich so ist. Damit gibt man sich auch nicht auf, ganz im Gegenteil! Denn es erfordert eine unheimliche Größe und ein unheimliches Vertrauen, dass man durch dieses Zugeständnis nicht zum Nichts wird.“

Du hast vorhin die Fantasie angesprochen, mehrere Partner gleichzeitig zu haben. Ihr geht in eurem Buch ja auch auf das Thema Polyamorie ein und schreibt, dass das viele als spirituellen Fortschritt verkaufen, obwohl sie eigentlich nur narzisstisch sind. Also alles Humbug, weil man sich einfach nur nicht auf jemanden festlegen kann?

„Ich glaube, dass es in 90 bis 95 Prozent der Fälle so ist. Ich schließe aber nicht aus, dass es Menschen gibt, für die das richtig sein kann. Wir erleben auch in der Yoga-Szene, in der es darum geht, mit allen verbunden zu sein und alle zu lieben, dass sich viele da auch etwas vormachen. Ganz einfach, weil man so nicht den Spiegel vor sich hat, an dem man wächst. Auch die meisten Paare, die in unsere Praxis kommen, erzählen nicht euphorisch von ihren Affären, sondern davon, dass sie nicht damit zurechtkommen, dass da etwas war. Und das auch, wenn sie das nicht gemacht haben, um dem anderen wehzutun.“

Noch einmal zurück zu den Denkfehlern, die ihr ansprecht. Einer davon lautet: Ich will hier raus. Ist das aber nicht ein Gefühl, das sehr gesund ist?

„Ja, das ist es. Wenn es darum geht, aus einer Situation rauszukommen, weil man nicht will, dass das Leid sich fortsetzt. Aber wenn es bedeutet, dass man raus der Beziehung will, dann ist das eine Verknüpfung von: Weil es mit dir nicht passt oder mit uns nicht passt. Und diese Verknüpfung suggeriert eine schnelle Lösung, wo keine ist. Aber wenn es um einen konkreten, unhaltbaren Zustand geht, dann ist es wichtig frühzeitig zu sagen: So nicht! Und sich nicht ewig in der Hoffnung zu halten, dass es sich von alleine verbessert. Aber man sollte es eben nicht so weit kommen lassen, dass der Gedanke entsteht: Du nicht. Denn das ist meistens nicht korrekt.“

Wenn wir also meistens zu früh aus einer Beziehung gehen, wann wäre denn der Zeitpunkt, an dem man eine Beziehung wirklich beenden sollte? Wann habe ich denn genug bei mir und dem anderen gehorcht und geschaut?

„In der Therapie merkt man das als Therapeut ganz schnell. Wenn man sich mit einem Paar schon verschiedenstes angeschaut und probiert hat, stellt man natürlich irgendwann die Frage, wie es nun aussieht. Dann wird es meistens ziemlich ruhig und es ist klar, dass die Sache durch ist. Das fühlt sich nicht so bestimmt, klar und handlungsorientiert an wie die anderen Male, in denen man vielleicht zum anderen gesagt hat: „Ich rufe jetzt meine Freundin an, packe meine Sachen und dann ist Schluss!“ Wenn es wirklich vorbei ist, fühlt sich das anders an, irgendwie leer.

Noch ein Grund wäre, dass ich oder mein Partner bzw. Partnerin nicht bereit für die Liebe ist. Das ist ein ganz klares Ausschlusskriterium. Wenn ich die ganze Zeit versucht habe, mit dem Partner in Kontakt darüber zu treten, was für mich in der Beziehung nicht funktioniert, und er mir über einen längeren Zeitraum ausweicht, ich verändere meine Strategien und da kommt trotzdem nichts an Klärungswunsch zurück, dann muss ich mich auf jeden Fall fragen, warum ich noch in dieser Beziehung bin. Wir empfehlen auf jeden Fall, bei dieser Frage zu einem Therapeuten zu gehen, der sich das noch einmal ganz anders anschauen kann.“

„Man muss  früh damit anfangen, miteinander zu sprechen.“

Sollte man vielleicht nicht erst am Ende einer Beziehung zum Therapeuten gehen, sondern schon früher?

„Ja, das wäre natürlich gut. Am Besten man nimmt ihn schon zum zweiten Date mit (lacht). Nein, im Ernst: Man kann auch sein eigener Beobachter sein und es ist auch wichtig, zuerst mal in seinem romantischen Gefühl zu schwimmen. Aber dann sollte man sehr früh damit anfangen, miteinander zu sprechen, wenn etwas nicht passt – nur machen das die wenigsten, weil man Angst hat, die Harmonie zu gefährden. Das Blöde ist nur, genau damit gefährdet man sie wirklich.“

Puh, ein weites Feld.

„Ja, das ist es. Aber die Kernbotschaft ist: Meistens beenden wir Beziehungen zu früh. Und genau das bringt uns immer wieder an die gleichen Punkte, ganz egal, mit wem wir zusammen sind. Doch das wird unserer Intelligenz irgendwann nicht mehr gerecht. Man kann nicht im Job und allen anderen Bereichen wachsen und besser werden, aber wenn es um Beziehungen geht, behaupten, da klappt es einfach nicht. Das ist unlogisch.“

Bereit für die Liebe!: Wenn du denkst, es ist vorbei, fängt es eigentlich erst an: Katharina Middendorf und Ralf Sturm, J.Kamphausen, September 2016, 240 Seiten, 19,95 Euro.

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