Foto: Julia Bartelt

Linda-Marlen Leinweber: „Dankbarkeit hat eine starke Auswirkung auf deine Selbstakzeptanz“

Kund*in
The Body Shop
Autor*in
EDITION F studio
Gesponsert

Die Psychologin Linda-Marlen Leinweber arbeitet online und auf Augenhöhe mit ihren Klient*innen. Wir sprachen mit der Botschafterin des #SelfloveUprisingMovements von The Body Shop über Selbstakzeptanz und mögliche Wege aus der Krise.

The Body Shop möchte dabei helfen, das Thema mentale Gesundheit zu enttabuisieren. In einer gemeinsamen Studie mit dem Marktforschungsunternehmen Ipsos wurden 22.000 Menschen aus 21 Ländern dazu befragt, wie hoch sie ihren Selbstwert einschätzen (Stand November/Dezember 2020). Dabei kam heraus, dass 42 Prozent der Unter-35-Jährigen in Deutschland von starken Ängsten geplagt werden. Ein Gefühl, das Linda-Marlen Leinweber nur zu gut kennt. Sie selbst litt eine Zeit lang unter Panikattacken und kann sich daher besonders gut in ihre Patient*innen hineinfühlen.

In einem deiner Videos auf Instagram sagst du, Selbstliebe sei die Basis für unsere psychische Gesundheit. Was passiert, wenn wir uns nicht selbst lieben?

„Für mich bedeutet Selbstliebe, mich ernst zu nehmen und mich anzunehmen – auch mit meinen vermeintlichen Schwächen und Fehlern, mit dem, was mich ausmacht. Mit dem, was ich mag und nicht mag, mit meinen Bedürfnissen, mit meinen Wünschen und Zielen und natürlich auch mit meinem Körper. Gelingt mir das nicht, fange ich an, eine Rolle zu spielen.
Wenn du zum Beispiel einem Job nachgehst, der gar nicht zu dir passt. Wenn du nicht deine Ziele verfolgst, sondern die deiner Eltern oder Freunde, dann wird es dir deine Psyche irgendwann sagen.

Vielleicht merkst du es am Anfang daran, dass du nicht mehr schlafen kannst. Unterdrückst du dieses Warnsignal, wirst du immer trauriger, was wiederum zu einer Depression führen kann. Selbstliebe ist daher die Basis für ein glückliches und erfülltes Leben.“

Du sprichst offen über deine eigenen Panikattacken. Inwiefern helfen dir deine eigenen Erfahrungen heute bei der Arbeit mit anderen?

„Rückblickend bin ich sehr dankbar für diese Krise in meinem Leben, weil ich dadurch mit einer anderen Empathie mit meinen Klient*innen und Patient*innen arbeiten kann. Es ist einfach etwas anderes, so etwas mal gespürt zu haben, als darüber geforscht zu haben oder Theoretisches darüber zu wissen. Ich kenne die Gedanken, ich kenne die Gefühle und Symptome. Ich weiß aber auch, was mir geholfen hat, da wieder rauszukommen. Natürlich sind Ängste hoch individuell, aber meine Panikattacken haben mich ein Stück weit näher an meine Arbeit gebracht. Von daher bin ich dankbar, dass ich das durchlebt und überlebt habe.“

„Meine Panikattacken haben mich ein Stück weit näher an meine Arbeit gebracht.“ Foto: Linda Leinweber

Neben Workshops zum Thema Mental Health, bietest du auf Instagram und Tik Tok Tipps und Beratung an. Wie wird dein Angebot auf Social Media angenommen?

„Ich bekomme sehr positives Feedback. Die Menschen, die mir folgen und sich an mich wenden, sind zwischen 19 und 50 Jahre alt. Sie alle haben ihre ganz eigenen Anliegen und ich bin dankbar, dass ich so viele verschiedene Menschen und Lebenswege kennenlernen darf.
Was mir an der Arbeit mit den sozialen Medien gefällt, ist die Tatsache, dass wir uns hier einander auf Augenhöhe begegnen. Meine Follower*innen sind dankbar dafür, dass sie mich auf meinem Kanal und in meinen Stories auch ein bisschen kennenlernen und sehen, wie ich meinen eigenen Stress bewältige. So zeige ich ihnen, dass ich auch nur ein Mensch bin.“

Wieso hast du dich dafür entschieden, ausschließlich online zu arbeiten?

„Der Grund, weshalb ich online so aktiv bin, rührt aus meinem Wunsch, die Enttabuisierung und Entstigmatisierung psychischer Gesundheit zu fördern. Bevor ich mich mit meiner Online-Beratung startete, habe ich Businesscoachings und Workshops in Unternehmen gegeben, um zu zeigen, wie man psychische Gesundheit als lebendigen Wert in die Arbeitswelt integrieren kann. Dabei kam immer wieder das Thema Scham auf. Wenn ein*e Manager*in Stress hatte oder sogar ein Burnout erlitt, konnte dies nicht ohne weiteres kommuniziert werden.

Ich finde, es kann nicht sein, dass in der Zeit, in der wir leben, psychische Probleme noch immer mit Schwäche gleichgesetzt werden und einem eingeredet wird, man solle sich nur zusammenreißen. Wenn ich einen gebrochenen Arm habe, dann gehe ich zum*r Ärzt*in. Aber wenn ich eine gebrochene Psyche habe, dann darf ich mir keine Unterstützung holen?

Nach diesen Erfahrungen habe ich mich gefragt, was ich tun kann, um das Thema mentale Gesundheit transparenter zu machen. Auf Tik Tok und Instagram bin ich nah an den Menschen dran, spreche eine Sprache, die jeder versteht und kann das Thema Mental Health allgemein zugänglicher machen. Zugleich zeige ich: Therapie ist kein Hexenwerk. Es gibt einfache Methoden, die du für dich im Alltag ausprobieren kannst und mit denen du deine Resilienz steigern kannst.“

Gerade in dieser Zeit, in der wir von Freund*innen/Familie getrennt sind, fällt es nicht immer leicht, sich selbst zu lieben. Es gibt weniger Möglichkeiten, sich abzulenken und fit zu halten. Welche Tricks und Rituale gibt es, die helfen können, sich selbst aufzufangen?

„Sich selbst neue Rituale zu schaffen, das ist derzeit für viele eine große Herausforderung, denn es erfordert sehr viel Selbstdisziplin. Was vielleicht an der Stelle hilft, ist zu wissen, dass die Motivation immer der Aktion folgt. Wir sollten auf jeden Fall nicht auf den Tag warten, an dem wir super motiviert aufwachen und Lust auf ein Workout haben. Wenn du es aber einmal geschafft hast, ist es leichter, dranzubleiben. Leg eine Tagesstruktur fest, wähle ähnliche Schlafens- und Aufstehzeiten, die deinen Biorhythmus unterstützen und halte produktive Zeiten genauso ein wie regelmäßige Pausen. Schaffe dir Highlights für den Tag und versuche auf deinen Einflussbereich zu achten.

Um Ideen zu sammeln, finde ich es immer schön, das aktuelle Problem in ein Ziel zu verwandeln. Wenn du zum Beispiel antriebslos und schlapp bist, ein wenig zugenommen hast und dich einfach momentan unwohl fühlst, lautet dein Ziel: mehr Sport machen, die tägliche Aktivität steigern, bewusster ernähren. Überlege dir dann, was dir früher Spaß gemacht hat. In der Psychotherapie nennt man das Ressourcenaktivierung.

Was war vorher da, als du dich noch motivieren konntest? Vielleicht hattest du einen regelmäßigen Fitnesskurs oder ein*e Freund*in, mit der du zusammen Sport gemacht hast? Dann such dir nun wieder eine*n Sport-Buddy und verabredet euch, digital zusammen Sport zu machen. Vielleicht gibt es den Kurs aus deinem Fitnessstudio auch irgendwo online? Plane dir deine Aktivitäten fest ein und orientiere dich an dem, was dir früher Spaß gemacht hat.“

„Der Körper kann als Spiegel des psychischen Wohlbefindens betrachtet werden.“ Foto: Julia Bartelt

In seiner Studie fand The Body Shop heraus, dass 64 Prozent der befragten Social-Media-Nutzer*innen sich oft wünschen, ihr Körper wäre anders. Wie wichtig ist ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper für die psychische Gesundheit?

„Der Körper kann als Spiegel des psychischen Wohlbefindens betrachtet werden. Zugleich ist er auch das Erste, was wir selbst an uns wahrnehmen. Wenn ich also beispielsweise unzufrieden bin, aber nicht genau weiß, woran es liegt und dann an meinem Körper hinabsehe und dort etwas entdecke, das sich verändert hat, ist es leicht, sauer auf meinen Körper zu sein, anstatt den wahren Grund für meine Unzufriedenheit zu finden – oder zu verstehen: Was möchte ich denn mit Essen kompensieren?

Oft werden schwierige Gefühle wie Einsamkeit, Trauer oder Wut mit Essen kompensiert, was sich dann in deiner Körperform niederschlägt. Das ist aber natürlich sehr individuell. Ein Grund, weshalb viele Menschen mit ihrem Körper unzufrieden sind, ist der wachsende Druck, der auf ihnen lastet. Was wird uns in den sozialen Medien vorgelebt, wie ein Körper sein muss? Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, um uns am Tag mit anderen zu vergleichen – mit Menschen, die auf irgendeine Weise besser sind. Du gehst in den aufwärtsgerichteten Vergleich, was zur Folge hat, dass du dich abwertest. Der soziale Perfektionismus ist in den letzten Jahren extrem gestiegen, auch wenn die meisten von uns wissen, dass die Vergleiche mit anderen oft absurd sind Schönheitsideale sich permanent verändern und kulturabhängig sind.“

Wer die sozialen Medien mehr als zwei Stunden am Tag nutzt, ist eher der Meinung, dass Schönheit mit Größe und Form zusammenhängt, heißt es in der Studie von The Body Shop (50 Prozent im Vergleich zu 20 Prozent der Nicht-Nutzer*innen). Worauf sollten wir achten, wenn wir online sind?

„Social Media ist nicht per se gut oder böse. Wichtig ist ein achtsamer Umgang, bei dem du dich fragst, welcher Content dir guttut und welcher nicht. Zu welcher Tageszeit schaust du dir die Bilder anderer an? Gerade abends vorm Einschlafen, wenn die Emotionen eh schon hochkochen ist es vielleicht keine so gute Idee, dich dem Vergleich auszusetzen. Finde hier ein gesundes Maß, das zu dir und deinen Bedürfnissen passt. Und ganz wichtig: Habe Geduld mit dir.

Selbstliebe ist ein dauerhafter Reflexionsprozess. Unser Leben ist dynamisch und genauso dynamisch ist ein Selbstliebeprozess.“

Wie können wir deiner Meinung nach alle mehr Self Love in die Welt tragen, um andere zu empowern?

„Wir können teilen, was uns guttut und was uns hilft, den eigenen Akku aufzuladen. Viele haben beim Wort Selbstliebe direkt Räucherstäbchen im Kopf, aber die Wege, um sich gut zu fühlen und achtsam in sich hineinzuspüren sind vielfältig. Es muss nicht das Tagebuchschreiben oder die Meditation sein. Wenn wir alle mehr anfangen, unsere individuellen Wege zu teilen, dann würde es sicher noch mehr Menschen leichter fallen, eine Self-Love-Praxis in ihren Alltag zu integrieren.“

Was würdest du Menschen raten, die nicht so extrovertiert sind und ihre Körper oder mentalen Zweifel vor anderen offen sichtbar machen können oder wollen? Wie können sie sich Unterstützung suchen?

„Unterstützungsangebote gibt es viele, on- und offline. Es gibt Coachings und Therapien, aber auch schon die Selbstreflektion und bewusste Dankbarkeitsübungen können helfen, Selbstliebe zu praktizieren. Frag dich selbst oder deine*n Partner*in oder Freund*innen einfach mal am Abend, was schön am Tag war. Wir haben oft eine Tendenz, uns das zu erzählen, was stressig ist und wo wir Probleme haben – was auch in Ordnung ist. Aber dadurch geht manchmal der positive Fokus verloren und den wiederzufinden, kann man wunderbar für sich üben. Dankbarkeit hat eine wirklich starke Auswirkung auf deine Zufriedenheit und Selbstakzeptanz.“

„Dankbarkeit hat eine wirklich starke Auswirkung auf deine Zufriedenheit.“ Foto: Julia Bartelt

Wir haben unsere Edition F- Community gefragt, was sie gerne zum Thema Selbstliebe von dir wissen möchten.

In dem Wahn der Selbstoptimierung, wie finde ich da eine gute Balance?

„Selbstoptimierung ist mit viel Druck verbunden, wohingegen Self-Love bedeutet, dass man sich keine Schablone auflegt. Um also herauszufinden, warum du etwas tust, solltest du dich immer fragen: Versuche ich einer Schablone (also zum Beispiel bestimmten Körpermaßen) zu entsprechen oder mache ich etwas, weil es mir guttut? Mache ich Sport, weil ich mich dadurch frei, lebendig und gesund fühle oder mache ich Sport, damit ich die 90er-Hüfte habe? Wenn die Motivation nicht mehr das ist und du dich wieder unter Druck setzt, dann ist das in meinen Augen keine echte Selbstliebe. Bei der Selbstliebe setzt du dir dein eigenes Maß, bei der Selbstoptimierung hast du ein vorgegebenes Maß.“

Ich gebe bei Stress noch mehr (weniger Pausen), um mir bewusst nichts Gutes zu tun? Wie kann ich das ändern?

„Wenn wir im Stressmodus sind, dann ist unser Gehirn im sogenannten Fight-Flight-Freeze-Modus. Es unterscheidet nicht, ob gerade ein Säbelzahntiger hinter uns her ist oder ein großer Workload, den wir abarbeiten müssen. Du bist dann nur noch im Stammhirn aktiv und arbeitest alles wie im Tunnel ab. Viele Menschen vergessen daher Pausen zu machen und zum Beispiel etwas zu essen, weil in diesen Situationen das gesamte vegetative Nervensystem anders funktioniert. Das Beste, was du machen kannst, ist dich aktiv an Pausen zu erinnern, indem du dir während der Arbeit Timer setzt. Das sind die akuten, oberflächlichen Dinge, die du tun kannst.

Die viel spannendere Frage ist allerdings: Warum hat Leistung einen so hohen Stellenwert in deinem Leben? Warum glaubst du vielleicht, dass du nur dann ein wertvoller Mensch bist, wenn du dauerhaft performst? Woher kommt dieser Glaubenssatz in dir? Das wäre dann etwas, dem ich in einem Eins-zu-eins-Gespräch nachgehen würde. Wenn man versteht, warum dieser enorme Leistungsanspruch an einen selbst entstanden ist, fällt es auch leichter, ihn aufzulösen.“

Wie funktioniert Selbstliebe, wenn ich in einer depressiven Phase stecke?

„Sobald es pathologisch wird, braucht es andere Mechanismen. Selbstliebe ist für alle Menschen gut, aber wenn ich in eine psychische Krankheit gerutscht bin, würde ich niemandem sagen, dass er oder sie sich einfach selbst lieben soll. Da braucht es dann eine tiefere Begleitung wie eine Therapie.

Nichtsdestotrotz braucht es auch hierfür Achtsamkeit. Mach dir klar, was du heute geschafft hast. Hast du es geschafft, dich anzuziehen? Hast du es geschafft, dir etwas zu essen zu machen? Es geht darum, Kleinigkeiten wertzuschätzen. Dinge wie Meditationen und kleine Spaziergänge können auch in einer depressiven Phase sehr guttun. Aber auch hier solltest du dich fragen: Was ist dein Maß? Und welche Momente gibt es innerhalb dieses eigenen Maßes, in denen du dir auf die Schulter klopfen kannst?“

Impostor Syndrom und Selbstliebe: Wie lässt sich das vereinen? 

„Das Impostor Syndrom beschreibt ein Phänomen, bei dem ich selbst eine ganz verzerrte Wahrnehmung gegenüber meinen Leistungen habe. Ich liefere zwar eine Top-Qualität ab, habe aber dennoch immer das Gefühl, dass ich eigentlich ein Loser bin. Das ist dann tatsächlich pathologisch und insofern ähnlich wie bei der Depression: Sobald es in eine krankhafte Richtung geht, ist Selbstliebe ein toller Begleiter, wird allein aber nicht reichen. Denn auch hier lautet die große Frage: Woher kommt der Gedanke, dass das, was ich leiste, nicht gut genug ist? Wo liegt der Ursprung? Wir kommen schließlich nicht auf die Welt und denken uns als Babys: So wie wir hier durch die Welt krabbeln, ist es nicht gut genug. Diese Einstellung entsteht im Laufe unseres Lebens. Daher müssen wir herausfinden, wie sie sich entwickelt hat. Selbstliebe ist hier also nicht der Einstieg, sondern vielmehr das Ziel. Und allein die Erkenntnis, dass der eigene Selbstzweifel überzogen ist, ist schon ein Schritt in die richtige Richtung, in die Bewusstwerdung.“

Was möchtest du uns zum Schluss noch auf unserer Self-Love-Journey mitgeben?

„Selbstliebe ist ein Prozess. Wie bei einer Zwiebel, bei der man Schicht für Schicht abpellt, kommt man mit der Zeit immer näher an ihren Kern heran. Es wird immer mal wieder neue Aspekte im Leben geben, bei denen es zu lernen gilt, sich selbst ernst zu nehmen. Es ist nicht damit getan, dass man sich nur ein Thema anschaut.

Die Bedürfnisse in deinem Leben ändern sich immer wieder. Mit Anfang 20 hat man andere Bedürfnisse als mit Anfang 30. Und auch mit 40 oder 50 wird es wieder anders sein. Das Schöne ist: Die Selbstliebe wächst mit. All die Erfahrungen, die du schon machen durftest, kommen mit in deine Selbstliebe-Tool-Box, die immer voller und voller wird.“

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