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Mädels, hört endlich auf euch gegenseitig kleinzumachen!

Wenn die Karriere stagniert, liegt es häufig nicht an der Qualifikation. Selbstzweifel, Mutlosigkeit und mangelnde Solidarität unter Frauen sind große Hürden auf dem Weg zum Erfolg.

Wir wollen hoch hinaus

Worüber reden fünf ambitionierte, gut ausgebildete Frauen zwischen  Mitte 20 und 30 nach Feierabend bei Bier und Wein? Schuhe?  Fehlanzeige. Männer? Ein bisschen. Karriere? Bingo!

Überraschender Konsens war, dass alle Anwesenden bei Gehaltsverhandlungen bescheiden auftreten, um nicht als „gierige Bitch” abgestempelt zu werden und weil sie befürchten, dass ihnen eine fordernde Art auf der Arbeit angekreidet werden könnte. Da war er, der Systemfehler in unseren Köpfen. Trotz einer Sozialisation, die von Gleichstellung geprägt war, gibt es für uns diese unerklärliche Schranke im Kopf: die Vorstellung, dass man als Frau Erfolg durch Fleiß, Korrektheit und Bescheidenheit erlangen würde. Risikobereitschaft und verbale Angriffslust werden nicht in Situationen ausgelebt, in denen viel auf dem Spiel steht, der eigene Ruf zum Beispiel. Sich von dem Stempel der hysterischen Zicke zu rehabilitieren, dauert nun einmal. Es scheint, als wäre es wichtiger gemocht als fair vergütet zu werden.

Was mich allerdings wirklich überwältigt, ist dieser leichte Hauch von Resignation, der sich schon in solch jungen Jahren bei uns festgesetzt hat. Das unterbewusste Denkmuster, dass es einfach so ist, dass man es zumindest in Karrierebelangen immer schlechter haben wird als Männer. Eine selbsterfüllende Prophezeiung? Vielleicht. Möglicherweise haben wir wirklich verinnerlicht, dass wir als tickende Zeitbomben im Betrieb betrachtet werden – eine selbstdegradierende Perspektive auf das potenzielle Mutterdasein. Was dahintersteckt ist die Beobachtung, dass Männer in einem gewissen Alter (ca. um die 30) zum Teil bei schlechterer Qualifikation oder weniger Arbeitserfahrung an Frauen vorbeibefördert werden. Der Grund: Frauen könnte schwanger werden. Sobald Kinder dann wirklich  geplant sind, gehen die meisten von uns sowieso schon von einem Karriereknick aus.

Frauen müssen einfach mit einem Karriereknick leben?

„Selbst schuld, wenn du dich für Kinder entschieden hast, es war ja deine eigene Entscheidung“, ist der Vorwurf, den junge Arbeitnehmerinnen hören, wenn sie ihren Missmut darüber äußern, dass sie sich aufgrund der biologischen Gegebenheit, dass nur Frauen Kinder austragen und stillen können, abgehängt fühlen. Mutterschaft als Karrierebelastung – ein Evergreen. Aber muss es so sein oder fehlen uns einfach die Vorbilder?

Sheryl Sandberg hat in ihrem viel beachteten Buch „Lean In“ bereits aufgeführt, dass Frauen sich zu stark zurücknehmen, ihre Leistung eher unterschätzen, wohingegen Männer dazu neigen, sich selbst zu überschätzen. Am Verhandlungstisch seien Frauen viel zu leise, nicht mutig genug. Da ist zwar viel Wahres dran, aber man darf auch nicht vergessen, dass nicht jeder in eine Familie mit finanzieller Stabilität geboren wurde und in Harvard studieren kann wie Frau Sandberg. Diese finanzielle Sicherheit kultiviert Risikobereitschaft – im schlimmsten Fall gäbe es jemanden, der Unterstützung bieten kann. Vielleicht braucht es eine Sandberg aus der Mittelschicht, die vorlebt, wie man beruflich geradestehen kann, anstatt zu buckeln?

Hallo, Sexismus

Was ich zudem unterschwellig immer wieder höre, sind Kommentare im Stile von: „Die hat sich doch hochgeschlafen!”, oder „Jetzt hat sie einen reichen Macker geheiratet und macht sich einen Lenz.” Das, meine Lieben, ist internalisierter Sexismus. Egal, ob man erfolgreich wird oder sich gegen die Karriere entscheidet, für das Umfeld ist es immer die falsche Entscheidung und Frauen sind manchmal leider besonders hart zueinander. Die Grundprämisse ist dabei immer wieder dieselbe: eine Frau ist an sich nicht stark genug – zumindest nicht so stark wie ein Mann – und kann sich Erfolg gar nicht allein erarbeitet haben oder zieht den Ruf der ambitionierten Frauen in den Dreck, sobald sie sich für ein Leben als Mutter und Hausfrau entscheidet. „Eine starke, emanzipierte Frau hat doch zu arbeiten, selbst wenn ihr Mann gutes Geld verdient” – bei diesem Gedanken habe ich mich bereits selbst ertappt. Dafür, dass Frauen angeblich so emphatisch sein sollen, fallen die Urteile in der Regel sehr hart aus.

Mädels, wir haben ein echtes Problem, wenn wir uns indirekt als Opfer der Gesellschaft sehen. Klar, es gibt verdammt viele Hürden und es ist nicht leicht nach oben zu kommen. Sexistische Sprüche, Reduktion auf das Erscheinungsbild und Stereotype von der „mütterlichen Natur“ der Frau begegnen vielen – vor allem zu Beginn der Karriere. Zweifelsohne, es gibt Fälle, in denen Frauen unterschätzt werden. AfD-Politiker Gedeon kritisierte beispielsweise Hannah Arendts Ausführungen mit der Begründung, dass das weibliche Hirn nicht komplex philosophisch abstrahieren könne.

Aber äußeren Druck erleben auch Männer – nur eben auf andere Art und Weise. Die Krux besteht darin den Weg zu finden, sich durchzusetzen und solidarisch untereinander zu sein. Ein Netzwerk kann entscheidende Tipps geben, damit wir unsere Ziele erreichen. Vorgesetzte sind in den meisten Branchen nunmal hauptsächlich noch Männer und es reicht nicht, Forderungen verblümt zu artikulieren. Je mehr Frauen das allerdings üben und untereinander offen mit diesen Unsicherheiten umgehen, umso normaler werden zum Beispiel auch Gehaltsverhandlungen für uns. Es ist an der Zeit, dass wir uns nehmen, was uns zu steht: der Weg, den wir am liebsten gehen wollen.

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