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„Ich habe Brustkrebs“ – von der Hilflosigkeit, wenn eine Freundin erkrankt

Unsere Community-Autorin Bettina hat drei Freundinnen, die an Brustkrebst erkrankt sind. Die Schicksale haben ihr bewusst gemacht, dass nur eins gegen die Krankheit hilft: Vorsorge.

 

Drei Freundinnen, drei Schicksale

Plötzlich scheint er überall zu sein: Der Brustkrebs. Es ist fast so, als würde jede von uns jemanden kennen, der ihn hat. Oder hatte. Bei mir sind es drei enge Freundinnen, die fast zeitgleich erkrankten. Drei Geschichten. Dreimal Brustkrebs.

Die erste Freundin

Meine Freundin wurde 40 Jahre alt. Kurz zuvor hatte ich erfahren, dass ich mit einer Tochter schwanger bin. Die Freundin und ich sahen uns nicht mehr so häufig wie früher, seit sie in die Vorstadt gezogen war. Dennoch war der Kontakt immer innig. Schon lange vor ihrem Geburtstag erklärte sie mir, wie und wo das rauschende Fest stattfinden soll. Kurz vor ihrem Geburtstag kam dann aber – gar nichts. Keine Einladung, kein Anruf, keine Mail. Alles von meiner Seite blieb unbeantwortet. Drei Wochen nach ihrem 40. Geburtstag rief sie mich an. Ich lag in der Badewanne. Ich weiß es noch ganz genau. Ich sang Happy Birthday, bevor ich „Hallo“ sagte. Ich frage nach der Feier. Sie kam nicht zu Wort. Als ich fertig war, sagte sie nur: „Betti, ich habe nicht gefeiert. Ich habe Krebs. Brustkrebs.“

Die zweite Freundin

Die zweite Freudin lernte ich kennen, als sie einen alten Freund von mir erst datete, dann heiratete. Ein Traumpaar – keine Zwei hätte es besser erwischen können. Sie redete fast so viel wie er. Er trank fast so viel wie sie. Die Beiden wollten eine Familie gründen. Doch es klappte nicht. Sie gaben sich in ärztliche Beratung. Dort wurde dann festgestellt: Ihr Körper kämpft. Sie hat Brustkrebs. Statt über Kinderplanung sprachen sie nun über Behandlungsmöglichkeiten.

Die dritte Freundin

Meine dritte Freundin hatte gerade ihr zweites Baby zur Welt gebracht und war überglücklich. Alles klappte wunderbar mit den beiden Kleinen – der Mann war toll, die Familie komplett, das Leben nahezu perfekt. Dann war sie bei einer Routinekontrolle bei ihrem Frauenarzt – sechs Monate nach Entbindung. Sie fühlte sich großartig. Schlagartig war es vorbei: Brustkrebs, der gestreut hat. In die Knochen. In die Lymphdrüsen. 

Alle Augen auf Brustkrebs!

Der Oktober ist in jedem Jahr der „Breastcancer Awareness Month“. Dann berichten die Medien viel darüber. Gebäude werden pink angestrahlt und Unternehmen fahren Spezialaktionen mit der rosafarbenen Schleife. Dann finden Vorträge zum Thema Brustkrebs statt. Das ist toll. Aber auch die restlichen elf Monate dürfen wir nicht vergessen, wie wichtig das Thema ist.

Ich durfte in diesem Jahr an einem spannenden Event von „Frauen verbinden“ und Estée Lauder teilnehmen. Ich war dabei, als drei mutige Betroffene von ihrem Brustkrebs erzählten. Krebs, diese verfluchte Krankheit, die plötzlich überall zu sein scheint. Brustkrebs, diese beschissene Krankheit, bei der frau Haare verliert und verfrüht in die Menopause kommt. Oder vielleicht daran stirbt.

Das Bustkrebs-Bewusstsein

Die Heilungschancen sind heutzutage so gut wie nie zuvor. Im Bereich Onkologie wird extrem viel geforscht. Eben weil Krebs heutzutage so häufig ist wie nie zuvor. In unseren Breiten erkrankt jede zehnte Frau an Brustkrebs. Daher muss das Thema Brustkrebs häufiger in unser Bewusstsein rücken. Nicht nur im Oktober. Nicht nur, wenn man das Alter erreicht hat, ab welchem die Krankenkasse die Untersuchungskosten trägt. Die Aussage „Ich würde es gar nicht wissen wollen, wenn ich Krebs hätte…“, sollte endgültig verboten werden. Denn es geht um das Bewusstsein. Bewusstsein, dass es Brustkrebs gibt, dass jeder ihn bekommen kann – und dass er eben auch heilbar ist. Aber nur, wenn man sich dessen bewusst ist, dass man ihn haben könnte…

Warum Brustkrebs? Warum ich?

Es gibt Risikofaktoren, die das Krebsrisiko befeuern. Es ist klar, dass eine gesunde Lebensweise, Normalgewicht und Sport Gesundheitsrisiken senken. Doch keiner ist davor sicher. Meine Freundinnen waren alle jung, dünn, zwei waren Raucherinnen, zwei hatten Kinder. Es gab keine bekannte familiäre Vorbelastung. Sie alle fühlten sich gesund. Freundin Eins erzählte, sie hätte zwei Wochen mit der Welt gehadert und sich gefragt „Warum ich?“ Dann stellte sie sich die Frage „Warum eigentlich ich nicht?“ Es gab keinen Grund dafür oder dagegen – es kann einfach Jede treffen. Und daher ist es so unglaublich wichtig: Lasst Euch untersuchen! Und nehmt Eure Mütter und Schwestern mit!

Überleben

Alle drei Freundinnen haben etwas gemeinsam: Sie leben noch!
Allen wurden die Brüste abgenommen. Alle verloren Haare. Alle gelten als geheilt und krebsfrei! Sie alle haben wieder Lebensfreude und Mut. Mit Freundin Zwei habe ich bei Wein über variable Busengröße diskutiert. Mit Freundin Eins habe ich überlegt, ob es nicht lustiger wäre sich Tigeraugen statt Burstwarzen tätowieren zu lassen – größerer Überraschungseffekt…  Sie können wieder lachen, sie können wieder genießen. Sie können wieder wirklich leben – nicht dahin leben, sondern wirklich leben. Bewusst. Sie können überleben. Alles.

Bei jeder Freundin war ich über die Diagnose geschockt. Ich fühlte mich hilflos, stammelte immer etwas von „Wenn die Sylvie van der Vaart das schafft, dann schaffst Du das auch!“ Danach habe ich immer überlegt, wie die Diagnose wohl für die Betroffenen sein muss. Meine Freundinnen hatten allesamt hervorragende ärtzliche Unterstützung und volle Hilfe von Partnern, Familie und Freunden. Sie konnten offen darüber reden. Es war eben kein Tabu. Sie hatten eine Krankheit —keine selbstverschuldete Schwäche. Sie bekamen vermittelt, dass sie nicht allein sind, dass sie Hilfe bekommen. Es war schlimm – die Krankheit ist schlimm, es gibt nichts zu beschönigen. Und doch haben sie diese Krankheit besiegt, denn sie wurde rechtzeitig erkannt. Und nun taste ich mir die Brust mal richtig ab

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