Foto: Lina Böcker

Lina: „Auf Geld verzichte ich gern, wenn ich jeden Tag um 16 Uhr mein Kind abholen kann”

Lina Böcker ist mit 37 Jahren gerade Partnerin in einer renommierten Kanzlei für IT-Recht geworden. Wie schafft man das als alleinerziehende Mutter?

 

Allein unter Jungs 

Frauen haben keine Ahnung von IT? Lina Böcker ist der beste Beweis dafür, dass das totaler Quatsch ist. Mit gerade einmal 37 Jahren ist sie seit Beginn des Jahres die erste weibliche Partnerin in einer der renommiertesten IT-Kanzleien Deutschlands geworden. Und das als alleinerziehende Mutter einer Zwei-jährigen Tochter. Wie kann man Kind und Karriere so gut vereinen? Lernt man Lina kennen, merkt man schnell, dass es vor allem auf zwei Dinge ankommt: Ein Arbeitsumfeld, das bereit ist, sich auf ein flexibles Teilzeitmodell einzulassen und eine Alleinerziehende, die unglaublich viel Energie hat. Bei einem Gespräch in ihrer Kanzlei – während dem ihre Tochter draußen von einer von Linas Mitarbeiterinnen liebevoll betreut wurde – hat die Anwältin mit uns über ihren Weg als Frau in einer absoluten Männerdomäne, das besondere an ihrer Kanzlei und ihrem Arbeitsmodell und die Missstände der Gesetzeslage für Alleinerziehende gesprochen. 

2015 haben nur 15 Prozent Frauen in IT-Berufen gearbeitet, in den Chefetagen der großen Wirtschaftskanzleien waren im selben Jahr nicht einmal zehn Prozent weiblich. Du bist gerade Partnerin in einer renommierten IT-Kanzlei geworden. Wie kamst du auf diese anscheinend ungewöhnliche Kombination?

„Dafür muss ich etwas länger ausholen: Ich habe sehr früh – durch einen totalen Zufall – angefangen mich für die Zusammenführung von IT und Recht zu interessieren: 2004 war ich als Assistentin am einzigen wirtschaftsrechtlichen Lehrstuhl der Freien Universität in Berlin tätig, der wegen seiner wirtschaftsrechtlichen Ausrichtung auch die Datenverarbeitungsfälle betreut hat. Zu diesem Zeitpunkt war Datenverarbeitung für die meisten Menschen noch ein Buch mit sieben Siegeln. Die FU wollte ein E-Learning-Tool entwickeln und hatte dafür Open-Source-Software verwendet. Damals wusste noch niemand, was Open-Source-Software überhaupt ist und wie man rechtlich damit umgeht. Eben diese Frage ist dann – wahrscheinlich einfach, weil ich die einzige Mitarbeiterin war, die gerade da war – auf meinem Schreibtisch gelandet. Ich habe angefangen, mich einzulesen und fand es einfach total spannend. Daraufhin habe ich, zunächst gegen den Willen meines Profs, spontan mein Dissertations-Thema zu ,Rechtschutz für Computerprogramme‘ geändert und in dem Bereich promoviert.”

Und nach dem Studium?

„Nach einem kleinen Schlenker in eine Kanzlei für Gesellschaftsrecht, bin ich relativ schnell wieder im IT-Recht gelandet, einfach, weil es mir so viel Spaß gemacht hat. Zu meiner jetzigen Kanzlei kam ich, weil einer der ersten Anwälte, der sich in Deutschland überhaupt mit Open-Source-Recht beschäftigt hat, hier Partner war und ist. Deshalb habe ich mich beworben und bin dann glücklicherweise auch genommen wurden. Das ist jetzt dreieinhalb Jahre her.”

Dreieinhalb Jahre erst, dann bist du ja recht schnell Partnerin geworden, oder?

„Ich bin jetzt insgesamt sechs Jahre zugelassen. Aus dieser Perspektive ist mein Weg in die Partnerschaft nicht übermäßig schnell, eher in einem normalen Tempo verlaufen.”

Wenn man aber bedenkt, dass du zwischendurch auch noch mal eben Mutter geworden bist und seit der Geburt alleinerziehend bist?

„Dann ist es wahrscheinlich eher schnell (lacht). Das hat aber auch mit den Strukturen hier in der Kanzlei zu tun. Ich rechne es meinen Partnern wirklich hoch an, dass meine Schwangerschaft keinerlei Verzögerung auf dem Weg in die Partnerschaft nach sich gezogen hat. Dass ich die Möglichkeit habe, Teilzeit-Partnerin zu sein, ist wirklich toll.”

Wie lange warst du in Elternzeit?

„Ich habe ein Jahr Elternzeit gemacht, bin aber nach sechs Monaten langsam wieder eingestiegen.”

Wie gut war dieser fließende Übergang für dich?

„Für mich hat das total gut funktioniert. Im Vorhinein hatten wir uns überlegt, dass es nach der Geburt drei mögliche Szenarien gibt: Entweder ich mache das Jahr Elternzeit komplett und fange dann langsam an, oder ich mache es komplett und steige dann von null auf hundert ein, oder aber ich steige nach sechs bis neun Monaten irgendwie wieder ein.

Ich habe sowieso nie aufgehört, E-Mails zu lesen und nach ein paar Wochen zuhause habe ich gemerkt: ,Ok, das geht nicht.’ Deshalb war ich relativ schnell nach der Geburt wieder präsent, dadurch haben die Kollegen meine Tochter Lilith sehr früh kennengelernt. Ich bin erst einmal mit 15 Stunden eingestiegen, obwohl es für meine Chefs auch in Ordnung gewesen wäre, wenn ich erst einmal nur eine halbe Stunde am Tag komme – da war ich wirklich total frei. Und das, obwohl es diese Form der Lösung in der Kanzlei vorher noch nie gab.

Nach drei Monaten auf dieser Ministelle habe ich dann auf eine ,richtige’ halbe Stelle aufgestockt und als Lilith ein Jahr alt war, habe ich wieder fast voll gearbeitet.”

Woran, glaubst du, liegt es, dass deine früheren Chefs und jetzt Partner, diesen Weg so bereitwillig mit dir ausprobieren? Hast du die Flexibilität vielleicht auch einfach eingefordert?

„Ich glaub, es ist ein bisschen von allem. Als ich hier angefangen habe, war ich mir relativ schnell sicher, dass ich bleibe und auch Partnerin werden will und soll. Nach der Schwangerschaft wollten meine Partner dann einfach, dass ich möglichst schnell wieder anfange und waren deshalb total offen. Ihr Credo lautete: ,Wir machen es so, wie du dir das vorstellst und schauen, ob es klappt.‘ Ich glaube, es hat vorher einfach noch niemand gesagt: ,Ich möchte so schnell wie möglich in Teilzeit zurückkommen.’”

Du bist ja erst seit ein paar Wochen Partnerin. Hast du trotzdem schon Veränderungen bemerkt?

„Es ist auf jeden Fall ein anderes Arbeiten. Man ist ja nicht mehr angestellt, sondern selbstständig. Das hat gute und schlechte Seiten. Man ist plötzlich selbst dafür verantwortlich, dass man Fälle bekommt und damit Geld verdient. Plötzlich legt einem der Chef die Arbeit nicht mehr auf den Tisch, man muss sich die Aufträge selbst suchen – das hab ich aber eigentlich sowieso schon immer so gemacht. Eine Riesenumstellung war es trotzdem nicht – ich wusste ja, was auf mich zukommt.

Man steht jetzt aber auch auf einer Stufe mit den vorherigen Chefs, bekommt alles mit, hat noch mehr Freiheiten in der Arbeitsgestaltung, das ist super.”

Das Arbeitspensum hat sich bei dir nicht geändert durch die Partnerschaft?

„Gefühlt natürlich schon. Als ich noch angestellt war und meine Tochter zum Beispiel krank war, konnte ich an diesen Tagen vielleicht nur drei Stunden abrechnen, das war dann einfach so. Jetzt ist es so: Wenn ich nur drei Stunden abrechne, dann verdiene ich auch nur drei Stunden. Das ist nicht schlimm, aber es ist ein anderes Gefühl und es ist natürlich ein bisschen mehr Druck.

Allgemein hat man das Gefühl, dass Kanzleien nicht unbedingt die flexibelsten Arbeitgeber sind. Ist Teilzeit ein Problem unter Juristen?

„In Unternehmen nicht, da ist der Arbeitsaufwand aber auch verhältnismäßig überschaubar. In einer Kanzlei aber schon. Dort ist man schließlich Dienstleister und die Anforderungen sind schwer eingrenzbar. Allgemein sind wahnsinnige Arbeitszeiten unter Anwälten sehr verbreitet, ich persönlich habe das allerdings noch nie wirklich erlebt. Die Kanzleien, in denen ich gearbeitet habe, waren eigentlich immer sehr modern und haben sich die Work-Life-Balance auf die Fahnen geschrieben. Ich kann, glaube ich, in meiner kompletten Anwaltskarriere die Abende, an denen ich länger als bis 23 Uhr im Büro war, an einer Hand abzählen. Dafür verdient man dann allerdings auch weniger. Aber auf ein paar Tausend Euro mehr im Jahr verzichte ich gerne, wenn ich dafür eigentlich jeden Tag um 16 Uhr mein Kind abholen kann.”

Wie ist das möglich? Was macht euer Modell hier so besonders?

„Das Wichtigste bei uns ist, dass wir offen sind für flexible Modelle. Das sieht man zum Beispiel daran, dass mir selbst die Gestaltung meines Wiedereinstiegs völlig überlassen war. Das sieht man auch an der Tatsache, dass ich ein Homeoffice habe, das ich auch als Angestellte jederzeit nutzen konnte (und natürlich kann), wenn meine Tochter krank war. Unser Modell zeichnet sich tatsächlich vor allem durch Flexibilität und Offenheit aus. Es wird immer geschaut, welche Möglichkeit für alle am besten passt und nicht daran festgehalten, wie es eben schon immer lief. Alle haben Kinder, alle bringen ihre Kinder mit, wenn sie nicht in die Kita können. Ich glaube, anders geht es auch nicht.

Darüber hinaus waren meine Partner bereit, ihr Verteilungsmodell in der Partnerschaft für mich umzustellen. Für sie selber war das irgendwie selbstverständlich, aber das ist es ja eigentlich überhaupt nicht. Das hier ist schon ein besonderer Laden.”

Das klingt wirklich gut. Trotzdem, wie kommst du mit der Doppelbelastung „alleinerziehende Mutter und Partnerin in einer renomierten Kanzlei“ klar?

„Es ist tatsächlich anstrengend. Ich glaube, es ist stemmbar, weil es zwei völlig unterschiedliche Sachen sind, die mir beide viel Spaß machen. Wenn ich 17 Stunden am Tag das Gleiche machen würden, wäre ich wahrscheinlich angestrengter als jetzt, wo ich einen drei Schichten Tag habe: morgens ins Büro, nachmittags die Kleine abholen und abends nochmal an den Schreibtisch. Natürlich ist es wahnsinnig fordernd – aber das sind Kinder doch immer, egal, ob alleinerziehend oder nicht.

Wir müssen generell aufhören, uns ständig gegenseitig zu erzählen, wie außergewöhnlich überlastet man ist, denn dann redet man sich auch immer weiter rein. 

Ich glaube, das Rezept ist, alles etwas entspannter zu sehen und auch mal zuzulassen, das etwas nicht klappt. Als alleinerziehende Mutter muss man sich vom Perfektionismus verabschieden.”

Lina und ihre Tochter Lilith, bereit, zu zweit die Welt zu erobern. (Quelle: Redaktion) 

Wie gut kannst du zwischen Beruf und Muttersein trennen?

„Ich glaube, so richtig trennen kann man es nie, das Gehirn ist eigentlich ständig mit Beidem beschäftigt. Mein Glück ist vielleicht, dass meine Tochter total eingebunden ist in mein Berufsleben. Sie ist oft hier in der Kanzlei, sie kommt mit auf Vortragsreisen und zu Mandanten. Für sie ist das etwas ganz Normales und deshalb muss ich es auch gar nicht so sehr trennen. Die Trennung von Beruflichem und Privatem ist ja heute eigentlich sowieso nicht mehr möglich. Also, nee, ich kann es überhaupt nicht trennen – aber das ist einfach so und das ist auch ok.”

Glaubst du, mit zwei Kindern würde es auch gehen?

„Das ist eine schwierige Frage. Wahrscheinlich würde es schon gehen, wenn man es ähnlich angeht. Na klar braucht man Hilfe, die muss man sich suchen. Aber, wenn man das tut, findet man meistens auch welche.”

Wie viele Frauen seid ihr bei euch in der Kanzlei?

„Im Assistentinnenbereich sind es nur Frauen. Anwältinnen sind wir seit 1. Januar vier, keine davon arbeitet voll. Ich bin allerdings die erste und bisher einzige Partnerin. Das ist vor allem in den Partnerversammlungen, von denen ich gerade meine erste hatte, manchmal amüsant, weil sich alle Mühe geben, sich ordentlich zu verhalten, was eigentlich nicht nötig ist. Liegt vielleicht aber auch einfach daran, dass ich erst so kurz dabei bin. Ich glaube, man kann sagen: Die Jungs sind alle, im besten Sinne des Wortes, Feministen. Das ist ziemlich schön.”

Hat dein Berufsfeld ein Frauenproblem?

„Ja, und zwar teilweise auf eine ganz subtilen Art. Beim Anwaltsberuf allgemein ist es nicht so subtil: der ist beherrscht von sehr selbstbewussten älteren Männern, die auch gar nicht so viel Lust auf Frauen in ihrem Feld haben. Da hatte ich mit meinen Kollegen hier bei uns einfach großes Glück. Subtil ist es im IT-Bereich. Da geht es nicht darum, dass die Männer uns Frauen nicht ernst nehmen, die sind einfach oft ehrlich überrascht, wenn sie eine Frau sehen. Und wenn die dann auch noch weiß, wie man codiert, passt das für die erst einmal nicht zusammen. Das ist nicht böse gemeint, aber auch im Jahr 2017 noch ein beherrschendes Vorurteil.”

Du kannst Codes lesen?

„Ja, klar. Muss ich, sonst könnte ich den Job auch gar nicht ordentlich machen. Ich hatte gerade neulich wieder einen Mandanten hier, der völlig überrascht war, dass ich ihm erzählt habe, wie seine Software funktioniert. Der hat mir dann danach eine sehr nette E-Mail geschrieben, wie toll das sei, dass eine Frau das kann. Auch das war überhaupt nicht böse gemeint, aber, wenn ich ein Mann gewesen wäre, hätte es die E-Mail wohl nicht gegeben.”

Nervt dich das?

„Noch finde ich es lustig. Nervig sind höchstens Entwickler-Konferenzen, bei denen man die einzige, oder eine von zwei Frauen ist. Da bilden sich dann abends ganz gerne Trauben um uns. Das ist schon absurd und anstrengend. Ich glaube aber nicht, dass das speziell etwas mit der IT zu tun hat, das ist in jedem Bereich so, in dem mehr Männer als Frauen tätig sind. Da kann man dann am besten gegenwirken, in dem man dafür sorgt, dass Frauen dort nichts Exotisches mehr sind.”

Welche Tipps hast du für Frauen, die den gleichen Weg gehen wollen wie du?

„Nicht so viel nachdenken und optimieren, einfach machen. Ich bin ja selbst in meine Situation reingestolpert: ich wollte eigentlich nicht jetzt schon Mutter sein, schon gar nicht allein, sondern erst einmal den sicheren Weg in die Partnerschaft hier gehen. Als es dann so kam wie es kam, habe ich mir gesagt: ,Ok, das ist jetzt einfach so.‘

Darüber hinaus kann ich nur jedem raten – und ich weiß, wie schwer das ist, weil ich selber früher Expertin darin war – etwas vom eigenen Perfektionismusdrang abzulegen, anders geht es gar nicht. Dann ist es auch nicht so stressig. Mir fehlt zum Beispiel an manchen Tagen die Energie abends noch etwas pädagogisch Wertvolles mit meiner Tochter zu machen. Dann kuscheln wir vielleicht einfach nur noch und schauen die Sendung mit der Maus und gehen eben nicht zum Kinderturnen oder zum Chinesischkurs – das macht aber gar nichts. Und genau das muss man lernen. Ich musste auch lernen, auf der Arbeit Sachen nicht fertig zu bekommen, bevor ich Lilith abholen muss. Ich habe übrigens tatsächlich noch nie erlebt, dass das jemand nicht verstanden hätte. Wir haben noch keinen Mandaten deswegen verloren.”

Glaubst du also, man muss einfach offen zu seiner Situation stehen und dann haben auch alle Verständnis?

„Das ist jetzt eine mutige Aussage, aber ich glaube, dass viele Frauen sich in diese Rolle auch ein wenig zu sehr reindenken und deshalb glauben, dass sie nicht sagen dürfen, dass sie Mütter sind und ab 17 Uhr eigentlich nicht mehr erreichbar. Sie glauben dann, dass sie es geheim halten müssen. Das ist aber nicht meine Erfahrung. Ich posaune es heraus, meine Tochter kommt auch mit zu Mandantenbesprechungen. Da frage ich natürlich vorher, aber es hat noch keiner Nein gesagt.

Das ist, glaube ich, etwas, das in unserer Generation – ich habe ja viel mit jüngeren Leuten im Startup-Bereich zu tun – offen und flexibel aufgenommen wird. Da lässt sich, erfreulicher Weise, ein klarer Wandel erkennen.”

Hast du selbst eine Art Vorbild?

Nein, höchstens meine Mutter, aber eigentlich nicht. Vielleicht gehört genau das zu diesem Prinzip der Entspanntheit. Vielleicht muss man sich keine bestimmte Person suchen, der man nacheifert, sondern viel mehr den für sich besten Weg. Auch das ist etwas, das ich erst durchs Muttersein gelernt habe und das mir beruflich total viel bringt: Ich muss den Mandanten nicht genau so beraten, wie mein Kollege das machen würde. Ich habe meine eigene Art – und genau deshalb kommt der Mandant vielleicht zu mir. Das hat vielleicht etwas mit Authentizität zu tun, die man als Mutter lernt, weil man sich einfach gar nicht mehr so gut verstellen kann, wenn man Job und Kind gleichzeitig schaukeln will. Dafür fehlen einfach die Kapazitäten.”

Das klingt alles sehr gut. Trotzdem ist es für viele Alleinerziehende noch lange nicht Realität. Wo siehst du konkreten Verbesserungsbedarf von Seiten des Staates und deiner Branche?

„Als ich angefangen habe ,zuzuarbeiten‘, also meinem normalen Beruf wieder nachzugehen, während ich noch in Elternzeit war, wurden meine Verdienste gegen das Elterngeld aufgerechnet. Solange man Elterngeld bezieht, kommt man nicht über dessen Höchstsatz hinaus, mit Glück bleibt vielleicht ein Plus von 50 Euro. Und, wenn man dann noch den Kitabeitrag, den man dann ja schon zahlen muss, abzieht, macht man am Ende Minus. Das finde ich, ist ein Fehler im System. Ich würde es sinnvoller finden, wenn man bis zu seinem vorherigen Nettoeinkommen dazu verdienen dürfte. Erst dann kann man wirklich von dazuverdienen sprechen. Das würde ich sofort verändern, wenn ich könnte.

Um einen Kita-Platz zu bekommen, muss man außerdem einen wahnsinnig hohen bürokratischen Aufwand betreiben. Man muss gefühlt 1.000 Unterlagen nachweisen, muss mehrmals zum zuständigen Amt. Warum geht so etwas nicht online? Typische Berliner Verwaltungsstrukturen. Bei mir ging jetzt alles gut, aber wenn jemand unter Zeitdruck steht, kann das sehr problematisch werden.

Insgesamt ist es außerdem so, dass die Leistungen, die man als alleinerziehende Person erbringt – man macht ja eigentlich zwei Jobs – staatlich überhaupt nicht honoriert werden. Wieso gibt es nicht wenigstens spürbare Steuervorteile oder mehr Kindergeld für die sich kümmernde Person? Der Vater meiner Tochter kümmert sich zum Beispiel sehr wenig, sie wohnt ausschließlich bei mir, die Hälfte des Kindergeldes wird allerdings trotzdem von seiner Unterhaltsverpflichtung abgezogen. Das ist völlig in Ordnung, wenn beide sich die Erziehung und die Kosten gleichberechtigt teilen – aber, wenn das nicht so ist, sollte das Kindergeld auch nicht geteilt werden.”

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