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So macht unverbindlicher Sex allen Beteiligten Spaß

Warum machen sich so viele Leute das Leben beim Thema Casual Sex so unnötig schwer, fragt sich Theresa Lachner in ihrer neuen Kolumne. 

Unverbindlicher Sex muss nicht kompliziert sein

Alle so: „Momentan hab ich echt keine Lust auf was Festes, ich will einfach nur unkomplizierten Sex“ – hey, alle, I feel you! Dass die monogame Paarbeziehung vielleicht nicht mehr unbedingt der absolut zwingende, heilige Gral ist, kann man durchaus diskutieren. Die Frage, die sich dann stellt, ist allerdings: Warum machen wir uns Casual Sex oft so schrecklich kompliziert?

Hier zum Ausdrucken, Laminieren und im Club verteilen oder für die Tinder-Kurzbio: Theresas Regeln für eine gepflegte Hookup-Kultur.

Einvernehmlichkeit

Consent ist nicht nur sexy, sondern auch verpflichtend. Und er sollte enthusiastisch sein. Entgegen unserer toxischen Sexualmoral und sämtlichen Pornonarrativen – die uns Frauen seit immer einreden, dass wir uns bitteschön schon ein bisschen prüde bitten und von einem magischen Penis zu Sex bekehren lassen sollten, weil Frauen ja angeblich oft mal nein sagen, aber heimlich dann eben doch ja meinen und Männer doch sooo gerne erobern – sollte begeisterte Einvernehmlichkeit im Jahr 2019 nicht nur eine Grundvoraussetzung sein, sondern auch explizit eingefordert werden. Und zwar gerne auch immer und immer wieder. Sprich: Wenn du dir nicht sicher bist, frag nach. „Magst du es, wenn ich dich hier anfasse?“ „Weitermachen oder lieber ein Glas Wasser?“ Frei nach Derek Sivers: „If it´s not a hell yes, it´s a no.“

Verhütung

Safer Sex, und zwar ohne Diskussion. Wer bei Kondomen anfängt rumzulamentieren, ist einfach sofort raus. „Wieso, nimm doch einfach die Pille?“ – Gespräche beim Casual Sex sagen alles über den Reifegrad der jeweiligen Person aus, und darüber, wie wichtig ihr*ihm die eigene Gesundheit und die ihres*seines Gegenübers ist. Vertraut mir, von hier geht es nur noch bergab. Und Stealthing ist übrigens keine Sexualpraktik. Stealthing ist ein Straftatbestand.

Klarheit

Bau keine Luftschlösser. Sex ist Sex. Sex macht viel Spaß. Sex braucht nicht unbedingt eine Milliarde aufgebauschte Emotionen drum herum. Manchmal ist Sex wirklich einfach nur Sex. Wenn du jemandem die Hucke voll lügen musst, damit diese Person mit dir schläft, passiert der Sex nicht zu den Bedingungen dieser Person, was uns direkt zurück zu Punkt 1, Consent zurückführt. Man kann nur in etwas einwilligen, von dem man die Rahmenbedingungen kennt.

Fehlerfreundlichkeit

Es geht nicht darum, einen Porno nachzuturnen. Es geht nicht darum, wie die Menschen in Pornos auszusehen. Es geht nicht darum, seinem Gegenüber jeden Wunsch blind von den Lippen abzulesen. Es geht darum, miteinander voneinander zu lernen, was sich gemeinsam gut anfühlt. Freundliche Korrekturen sind jederzeit erlaubt, Lachen sowieso.

Sex und keine Therapiestunde

Dein*e Sexualpartner*in ist nicht dein*e Therapeut*in – erwarte keine Emotional Labor von dem Menschen, mit dem du „nur“ ins Bett gehst. Schon klar, es passiert schnell: körperliche Nähe suggeriert emotionale. Wenn Körper aufeinandertreffen, gibt es auch Zwischenmenschlichkeiten. Das kann grundsätzlich etwas Schönes sein, aber: Deinen Weltschmerz, dein*e gemein*e Expartner*in, deine Selbstwertthemen besprich bitte lieber mit jemandem, die*der dafür 90 Euro für 50 Minuten Gespräch nimmt. Frauen übernehmen in heterosexuellen Paarbeziehungen statistisch gesehen den Großteil des Mental Loads, also der Koordination der Dinge, die eben geregelt werden müssen. Weil Toxic Masculinity vielen Männern suggeriert, dass Emotionen was für Frauen sind und sie deswegen auf keinen Fall mit ihren Jungs reden können, kotzen sie sich oft und relativ unselektiv unter der „Ich dachte ihr wollt jetzt gefühlvolle Männer?“-Prämisse bei Frauen aus. Grundsätzlich ok, aber: Es gibt einen Unterschied zwischen „über Gefühle reden und diese empathisch kommunizieren“ (siehe dazu auch Punkt 2) und sein Sexdate als Therapeut*in missbrauchen. Wer einfach nur vögeln will, will eben oft wirklich genau das. Einfach nur vögeln. Und zwar, in Punkto Mental Load, mit jemandem, der ein Kondom selbst überziehen kann, ohne zu jammern, womit wir schon wieder bei Punkt 2 wären.

Ghosting

Die meisten Dinge haben ein Ablaufdatum. Das ist an sich vollkommen in Ordnung. Was hingegen nicht in Ordnung ist: sich unkommentiert zu vertschüssen. Wann wurde „Kontakt blockieren“ eigentlich zur legitimen Schlussmachmethode für Leute, die nicht genügend Rückgrat für eine zweizeilige „Herzlichen Dank, es hat mich sehr gefreut, aber reicht mir fürs erste auch!“ haben? Für jemanden, die*den man an seine Schleimhäute gelassen hat (einmal mehr Punkt 2) und dabei im besten Fall sogar Spaß hatte, sollte man freundliche klare Worte finden. Und sich, wenn die Person dadurch im eigenen Ansehen sinkt, weil man mit ihr im Bett war, vielleicht mal ein paar warme Gedanken zur eigenen Sexualmoral machen. Ein*e Therapeut*in hilft dabei gern – Punkt 5, Stichwort „90 Euro für 50 Minuten“.

Eigentlich alles ganz unkompliziert, oder? Bitte, gern geschehen.

  1. Ist alles gut aber Distanzlosigkeit ist nicht „toxic masculinity“. Es ist erschreckend wie leicht die angebliche „toxic masculinity“ – ein total verqueres Konzept – als catch all Phrase für alle unliebsamen Verhaltensweisen über die Lippen kommt. Distanzlosigkeit ist weiblich wie männlich – und wenn emotionale Verschlossenheit tatsächlich als männlich (ohne vergiftet) gälte, wäre nicht einzusehen, warum Männer nun gerade beim casual sex auf Männlichkeitskonzepte pfeifen sollten und sich ausheulten…

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