Foto: Jamie Cooper – Unsplash

8 Tipps, wie man Nachhaltigkeit ganz einfach in den Alltag integrieren kann

Die Welt vermüllt und nichts kann man tun. Stimmt das? Nein. Ihr könnt tatsächlich jeden Tag viele kleine Dinge tun, die der Umwelt gut tun und euren Lebensstil nachhaltiger machen.

 

Alle wollen die Welt retten

Der Klimawandel ist kompliziert
geworden. Mülltrennung in allen Farben des Regenbogens, autofreie Zonen in
Großstädten und was darf man überhaupt noch essen, ohne den ökologischen
Fußabdruck eines Riesens zu hinterlassen? Vegan ist das neue Vegetarisch,
Windräder die neue Touristenattraktion
 und
grün die Farbe, die den neuen Trend setzt. Den Planeten zu retten scheint kein
Anfang und kein Ende mehr zu nehmen. Wo fängt man da an?

Kann man überhaupt anfangen? Die
Antwort ist: ja. Klimawandel ist nicht nur ein Thema der globalen politischen
Agenda, er ist eine Bewegung, die unten beginnt.

Die gute Nachricht: Nein, man muss
kein Windrad im Vorgarten installieren. Aber: Wenn wir nicht wollen, dass
unsere Enkelkinder uns eines Tages nach der Bedeutung des Wortes „Schnee“
fragen, müssen wir aktiv werden.

Es sind die kleinen Dinge, die
den großen Unterschied machen. Diese acht Tips zeigen, wie man im Handumdrehen
im Alltag den Planeten retten kann.

1. Kaffee ohne
Pappbecher

Die Tasse ist klasse. Leider
reicht die Zeit nicht immer, um sich in ein Café zu setzen und dort in Ruhe an
der morgendlichen Kaffeetasse zu nippen. Wir haben es uns angewöhnt, den Kaffee
unterwegs
in Einwegbechern zu genießen.  In
Deutschland allein sind es etwa acht Millionen Einwegbecher, die täglich
verbraucht werden. Das produziert nicht nur jede Menge Müll, das verschlingt
auch Unmengen an Wasser.
Daran kann man etwas ändern: In den meisten großen Kaffeeketten
ist es bereits Gang und Gebe, dass man sich den bestellten Kaffee in seinen
eigenen Becher füllen lässt. Viele Cafés verkaufen sogar wiederverwertbare
Becher in allen Formen und Farben, oft kann man sie auch selbst gestalten. Das findet
nicht nur unser Auge schön, das findet vor allem die Umwelt schön. 

2. Etiketten
lesen

Ja, man kann tatsächlich schon
beim Frühstücken den Regenwald retten. Der Grund: Palmöl. In fast jedem
Produkt, von der Zahnpasta bis zur Schokolade, steckt Palmöl. Durch den Anbau
von Palmplantagen wird der Regenwald gerodet und somit auch der Lebensraum von
Tieren zerstört. Dabei ist Palmöl oft gar nicht notwendig: die Erdnussbutter
wird durch Palmöl zwar cremiger, den gleichen Effekt erhält man allerdings
auch, wenn man die Nussbutter einmal kräftig mit einem Löffel umrührt. Es gibt auch
Alternativen zur  weltberühmten italienischen Nuss-Nougat-Creme, die man inzwischen im handelsüblichen
Supermarkt findet. Darin befindet sich entweder kein, oder zumindest nachhaltig
angebautes, organisches Palmöl. Das ist nicht nur besser für die Umwelt, das
ist auch besser für die Arbeiter auf den Palmplantagen und für die eigene
Gesundheit.

3. Fair-Trade-Produkte kaufen

Wo man anfangen kann? Beim Schokoladenregal im Supermarkt. Die billigen Preise führender Schokoladenmarken schlagen die der Fair-Trade-Schokolade. Worüber sich viele nicht bewusst sind: die billige Schokolade hat
ihren Preis. Der Weg von der Kakaobohne bis zur Plastikverpackung ist weit und hinter dem Knistern der Schokoladenverpackung stecken von der Arbeit
gezeichnete Kinderhände. Das ist die Realität.

Schokolade, die hierzulande Kindern ein
Strahlen in die Augen treibt, treibt Kinder in anderen Teilen dieser Erde an
den Rand ihrer Kräfte. Laut Fair Trade Deutschland ist noch immer jedes siebte Kind
gezwungen zu arbeiten, um sich und seine Familie zu ernähren. Darunter leidet
nicht nur die Bildung und somit die Zukunftschancen der Kindern, sondern auch
ihre Gesundheit. Und schon schmeckt die süße
Versuchung bitter.

Bei Fair-Trade-Schokolade ist das anders. Nicht
nur, dass sie oft in Papierverpackungen verkauft werden, was der Umwelt zu Gute
kommt, bei ihr sind faire Löhne und ein stabiler Marktpreis garantiert.
Den Eltern werden faire Löhne ausgezahlt, die die Existenz der Familie sichern
und so die Kinderarbeit im Kern ersticken. Aber nicht nur die Kleinbauern und
ihre Familien selbst, sondern ganze Gemeinden profitieren von fairem Handel, ganze
Kommunen haben dank des Einsatzes von Fair Trade einen Aufschwung erleben
können: ausgebaute Infrastrukturen und eine Anerkennung der weiblichen
Arbeitskräfte, deren Rolle in patriarchal geprägten Gesellschaften nach wie vor
zu kurz kommt.

Das gilt übrigens nicht nur für Schokolade –
eine Vielzahl an unterschiedlichsten Produkten, von Blumen, über Tee und Kaffee
bis hin zu Eiscreme sind mit einen Fair-Trade-Siegel ausgezeichnet. Wenn der
süße Hunger das nächste Mal ruft, hilft es, bewusst zu antworten.

4. Eigene
Einkaufstaschen verwenden

Die Stofftasche ist wieder da. Ja, ihr habt vermutlich schon einige Zuhause. Und das ist gut so!

Bis Plastik völlig zersetzt ist,
können bis zu 400 Jahre vergehen. Das ist länger, als die Zeit, die vergangen
ist, seitdem der Kunststoff erfunden wurde. Im offenen Ozean schwimmen ganze
Inseln an Plastikmüll, die nicht nur den Lebensraum, sondern die Tiere selbst
zerstören, die Kunststoffe mit richtiger Nahrung verwechseln und daran sterben.
Also: Neben Spiegel, Handy, Schlüssel und Schokoriegeln, sollte die
Stofftasche einen festen Platz in der Handtasche bekommen. So ist man
vorbereitet, wenn man auf dem Weg nach Hause ganz dringen noch am Supermarkt
halten muss, um die Schokocreme für das morgendliche
Frühstück am nächsten Tag besorgen muss.

5. Second-Hand
kaufen

Etwas, das man nur der besten
Freundin hinter vorgehaltener Hand erzählen würde: die neue Bluse, für die es
Komplimente regnet, ist eigentlich aus Zweiter Hand. Ein schönes Bild. Denn
anstatt mit den eigenen Händen links und rechts nach neuen Kleidungsstücken zu
greifen, nimmt bei Second-Hand-Kleidung die eine Hand neue Blusen von der
Stange, die andere reicht man einer anderen Person. Nämlich der, die am Anfang
der Produktionskette steht.

Dass billige Kleidung zu
inhumanen Bedingungen produziert wird, ist schon lange kein Geheimnis mehr.
Dass aber auch ein teurer Preis keine Garantie für faire Arbeitsbedingungen ist,
wissen nur die Wenigsten. Vor allem wissen das diejenigen, die zu
ausbeuterischen Bedingungen ihre Lebenszeit in Nähfabriken verbringen. Das will
keiner mit sich herumtragen.

Dem umgeht man, in dem man
Second-Hand kauft – oder sogar seine eigene Kleidung an gemeinnützige Projekte
spendet. Es gibt viele Portale, die Kleidung
wiederverwertbar machen, ihr könnt Kleidertauschpartys organisieren oder auf den Flohmarkt gehen. Damit wird nicht nur die Umwelt geschont, sondern auch
ein Zeichen der Solidarität und des bewussten Konsums gesetzt.

6. Wochentags-Vegetarismus

Bitte was?! Richtig, das lassen wir uns noch einmal auf der Zunge zergehen. Wochentags-Vegetarismus. Heißt übersetzt: Keiner muss auf die geliebte Gulaschsuppe verzichten, aber von nun an gibt es die eben nur noch am Wochenende.

Die weltweite Fleischproduktion verursacht mehr Kohlenstoffdioxid als alle Transportmittel zusammen. Das heißt Autos, Busse, Flugzeuge und Schiffe gemeinsam schaffen es nicht, an die Menge des ausgestoßenen CO2s durch die Fleischproduktion heranzukommen. Erschreckend? Ja. Aber leider wahr.

Die Lösung heißt: bewusst Fleisch essen. Es enthält durchaus wichtige Nährstoffe, die sich zwar ersetzen lassen, aber wer nicht komplett zur Vegetarierin (oder Veganer) werden möchte, macht schon einen großen Unterschied, wenn von nun an nur noch am Wochenende Fleisch auf dem Speiseplan steht.

Nebenbei rettet man damit auch den Regenwald, der täglich in Fußballfelder großen Dimensionen abgeholzt wird, um Monokulturen anzubauen, die das Getreide für die Mästung der Rinder und Kühe erzeugen sollen. Das ist nicht nur schlecht für den Regenwald als Lebensraum für Tiere (und Menschen!), das ist auch reine Verschwendung von Ackerfläche, die für den Anbau von Nahrungsmittel für Menschen genutzt werden könnte.  

Mit Wochentags-Vegetarismus schlägt man also gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Umweltverschmutzung, Regenwaldrodung und Welthunger. Das klingt besser als jedes Burgerestaurant.

7. Upcycling

Recycling ist gut. Upcycling ist besser. Deutschland ist bereits ein Vorreiter, was die Mülltrennung angeht. Bei dem Versuch, das deutsche Recyclingsystem zu erklären, wird man zunächst nett belächelt („Die Deutschen. Fünf Mülleimer!“). Das nette Lächeln wird dann schnell zu einem interessierten, und ja, etwas neidischen Stirnrunzeln („Ihr bekommt Geld für eure leere Flaschen?!“). Ja, Deutschland ist da in eine Vorreiterrolle geschlüpft. Das bedeutet allerdings nicht, dass mit Recycling alle Probleme gelöst sind. Es wird nach wie vor zu viel Müll produziert.  Besser ist also, wenn man von vornherein versucht, möglichst wenig Müll zu verursachen. Das geht durch Upcycling. Leere Marmeladengläser? Kerzenständer. Zahnbürstenhalter. Spardose. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Leere Gläser eignen sich auch á la Ball Mason super als Lunchbox für unterwegs – das ist nicht nur super stylisch, sondern auch ein Statement.

8. Bäume pflanzen

Wälder werden gerodet, mehr Kohlenstoffdioxid wird produziert. Wir brauchen frische Luft! Und nebenbei sind Grünflächen auch ein schöner Anblick. Es gibt ein argentinisches Sprichwort: „Jeder sollte in seinem Leben geliebt, ein Buch geschrieben, und einen Baum gepflanzt haben.“ Nicht nur um des Sprichtwortes willen, sondern auch der Umwelt willen, macht es durchaus Sinn, einen Baum zu pflanzen. Organisationen wie Anyone Plant machen das zu einem Kinderspiel: Man pflanzt den Baum selbst und registriert ihn über die Organisation. Innerhalb von drei Jahren wurden mehr als 13.000 Bäume weltweit bei Anyone Plant registriert. Jeder Baum erzählt eine Geschichte: sie wurden zur Geburt von Kindern gepflanzt, zu Hochzeitstagen und Schulabschlüssen, oder zum Einzug in ein neues Zuhause. Die eigene, besondere Geschichte wird so zur Möglichkeit, die Welt zu retten.

Kleine Dinge mit großer Wirkung. Und wer sich fragt, wie das denn noch einmal war, mit dem Kaffeebecher und der Plastiktüte, hier die Übersicht:


1. Eigene Kaffeebecher – Kaffee ohne Pappbecher
2. Etiketten lesen – Palmöl vermeiden
3. FairTrade kaufen
4. Eigene Einkaufstasche – Plastik umgehen
5. Second Hand
6. Wochentags Vegetarismus
7. Upcycling
8. Bäume pflanzen

Darauf erst einmal einen Kaffee. Im selbstgestalteten, wiederverwertbaren Becher natürlich. 

Habt ihr noch weitere Tipps?


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