Foto: Saskia Jung

Saskia Jung: Auf dem Weg zur Vintage-Königin

Warum nicht aus der privaten Leidenschaft einfach einen Beruf machen: So geschehen bei Saskia Jung, die mit Vintageparrot ihren eigenen Online Shop für Vintage Mode eröffnet hat.

 

Von der privaten Liebe zum Business

Mode ist schon lange ihr Ding – aber, dass sie nach ihrer
Station als Stylistin in London und im Visual Merchandising auf einmal
in die Fußstapfen ihrer Mutter treten würde, das war eigentlich nicht der Plan.
Doch genau so kam es.

Nun hat Saskia Jung mit Vintageparrot ihren eigenen Onlineshop für Vintage Mode
eröffnet. Sie erzählt uns von den schweren Anfangszeiten und erklärt, was man mitbringen sollte, um sich im Mode-Dschungel durchzuschlagen. Außerdem hat sie einen Tipp in petto, worauf man beim shoppen von Vintage-Stücken achten
sollte.

Was war die Initialzündung für deinen eigenen Onlineshop?

„Ich habe lange Zeit in London als Stylistin gearbeitet. Da
ich fast jedes Wochenende auf die Vintage-Märkte gegangen bin, war mein
Kleiderschrank bald bis zum Platzen voll. Daher habe ich ab und zu in East
London auf Märkten ein paar von meinen Schätzen verkauft. Auf den Märkten wurde ich immer
wieder gefragt, ob man mich auch woanders antreffen kann, um meine Kleider zu erstehen. So kam eins zum anderen – und ‚Vintageparrot’
war geboren.

Gibt es ein Vorbild für deinen Shop?

„Natürlich lasse ich mich immer wieder gerne von Bloggern
und Designern inspirieren. Meine größte Inspiration ist aber das Reisen. Jedes
Land hat seinen eigenen Charme, ich
versuche das einzufangen und auch in meinem Shop mit einfließen zu lassen, sodass für
jeden Geschmack etwas dabei ist.“

Was hast du zuvor beruflich gemacht und wie beeinflusst dich
das in deinem Arbeiten heute?

„In meiner Zeit
in London, in der ich für Asos und All Saints gearbeitet habe, konnte ich viel
Erfahrung in den Bereichen Merchandising und Sales Strategies sammeln, also:
was will der Kunde und wie kann man darauf im Verkauf reagieren? Diese Skills sind natürlich auch heute noch sinnvoll und machen es mir leichter,
unternehmerische Entscheidungen in dem Bereich zu treffen.“

Auch deine Mutter hatte einen Vintage Shop – allerdings
keinen digitalen. Ist es schwer, in die Fußstapfen der eigenen Mutter zu
treten?

„Ja, das stimmt. Ich bin von klein auf von Vintage-Klamotten
umgeben. Meine Mutter war ein großer Fan von Vintage-Designstücken, wie etwa
von Jil Sander oder Armani. Sie hat es geliebt, elegante Mode mit gezielt
gesetzten Vintage-Teilen aufzupeppen. Das hat mich sehr geprägt. Deshalb würde
ich auch sagen, das es eher von Vorteil ist. Ich liebe ausgefallene und
farbenfrohe Mode, versuche aber immer eine gewisse Eleganz mit einfließen zu
lassen – ich denke, dass ich diesen Teil meiner Mutter zu verdanken habe.“

Der Einzelhandel ist kein einfaches Business. Wie war die
Zeit der Gründung finanziell gesehen und kannst du heute schon von dem Shop leben?

„Wie sagt man immer so schön: wo ein Wille ist, ist auch ein
Weg. Am Anfang war es natürlich nicht einfach, alles auf einmal zu stemmen.
Letztes Jahr bin ich viel gereist, um die ganzen Vintage-Teile einzukaufen und konnte so auch nicht viel nebenbei arbeiten.
Sobald ich wieder mehr Luft hatte, war ich als Stylistin aktiv oder habe
Freelance Jobs in Modeagenturen übernommen. Es war eine Herausforderung, die
Ausgaben gering zu halten. Zum Glück habe ich viel Unterstützung von meiner
Familie und meinen Freunden bekommen, die mir in dieser stressigen Phase zur
Seite gestanden haben. Mittlerweile läuft es immer besser, sodass ich mich voll
und ganz auf Vintageparrot konzentrieren kann.“

‚Irgendwas mit Mode’ –
das ist kein seltener Berufswunsch. Was sollte man beachten, wenn man in
die Richtung strebt? Hast du Tipps?

„Das ist eine gute Frage. Was mir in den letzten Jahren
immer wieder klar geworden ist: Man sollte sich von nichts und niemanden von seinem
Weg abbringen lassen, und an sich glauben. Es wird immer wieder Momente oder
Menschen geben die einen beeinflussen werden – positiv wie auch negativ. Das Wichtigste ist, dabei sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Ein gutes
Selbstvertrauen kann in dieser Branche nie schaden, dabei sollte man aber nicht
vergessen jeden mit Respekt zu behandeln.“

Was sind die drei Fundstücke, auf die du am meisten stolz
bist und, Hand aufs Herz: Hast du sie in den Shop gegeben oder für den eigenen
Kleiderschrank behalten?

„Jetzt hast du eine Schwachstelle entdeckt. Ich muss zugeben,
dass ich mein Vintage-Herz schon an so manches Teil verloren habe und diese
dann wirklich nur schwer hergeben konnte. Zu meinen absoluten Lieblingen zählt
eine MCM Schultertasche von meiner Mutter, ein Seiden-Blouson, den ich in
meinem ersten Jahr in London entdeckt habe sowie eine schwarze Lederjacke mit
Fransen, die schon so manches Festival mit mir überstanden hat.“

Und noch ein Tipp zum Schluss. Worauf sollte man achten,
wenn man gerne Vintage-Mode shoppt. Gibt’s da Tipps, wie man ‚echte’ von ‚falschen’
alten Schätzen unterscheiden kann?

„Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn die Besitzer der Läden
persönlich im Shop anzutreffen sind. Aber leider wird bei Vintage-Mode immer wieder geschummelt, besonders wenn es sich um Designerstücke handelt. Deshalb
ist es ratsam, noch einmal vor dem Kauf im Netz zu recherchieren, ob dieses
Teil wirklich mal Teil einer Kollektion war.“

Alle Artikelbilder: Aktuelles Lookbook | Vintageparrot

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