Steffi Jones, Weltmeisterin, Europameisterin und ehemalige Bundestrainerin, erzählt im Interview, welcher Moment in ihrer Karriere emotionaler war als jeder Titel. Außerdem spricht sie über unbewusste Vorurteile und warum wir mehr Mentor*innen brauchen, um Gleichberechtigung zu fördern.
Steffi Jones hat sportlich alles erreicht: 111 Länderspiele, Weltmeisterin, dreifache Europameisterin und Olympiabronze-Gewinnerin. Nach ihrer aktiven Karriere, die 2007 endete, blieb sie dem Fußball treu – zuerst als Präsidentin des Organisationskomitees für die Frauen-WM 2011, später als Direktorin beim Deutschen Fußball-Bund und schließlich als Bundestrainerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft von 2016 bis 2018.
Heute setzt sich Steffi Jones mit der gleichen Leidenschaft, die sie auf dem Spielfeld zeigte, für eine gleichberechtigte Gesellschaft ein. Im Rahmen des FFF DAY 2024 sprach sie mit Yvonne Weiß darüber, warum es mehr Mut und mehr Mentor*innen braucht, um echte Chancengleichheit zu schaffen, und verrät, welcher Moment ihrer Karriere sie bis heute tief berührt.
„Die drei wichtigsten Werte sind Respekt, Gleichberechtigung und Inklusion. Wir sollten uns immer auf Augenhöhe begegnen.“
Steffi Jones
Du bist eine bekannte Persönlichkeit. Wofür nutzt du deine Stimme?
„Für Werte. Die drei wichtigsten sind mir Respekt, Gleichberechtigung und Inklusion. Wir sollten uns immer auf Augenhöhe begegnen. Und ich plädiere auch für gute Mentor*innen, also Menschen, die uns unterstützen.“
Hattest du eine*n solche*n Mentor*in in deiner Karriere?
„Ja, Tina Theune. Sie war die erste Bundestrainerin und einfach sensationell. Das war meine Mentorin, sie hat mich nicht nur zu einer Weltklasse-Abwehrspielerin geformt, sondern auch meine Persönlichkeit entwickelt. Sie war so ein Typ Mensch, der dich anguckt und förmlich in dir liest. Immer wenn es hieß: Wir sollen zu Tina nach vorne, hast du gedacht, nee, bitte nicht, weil sie alles durchschaut. Sie hat immer sofort gefühlt, was mit dir los ist. Das fand ich unwahrscheinlich beeindruckend.“
Haben wir zu wenig Trainerinnen im Fußball? Ich sehe vor allem Trainer, es gibt nur eine weibliche Trainerin in der Bundesliga.
„Tja. Das Selbstverständnis, dass Männer grundsätzlich Frauen trainieren können, doch andersherum geht das nicht, passt leider zum Thema Frauen in Führungspositionen insgesamt. Da ist es ja ähnlich. Als Frau musst du dich immer umso mehr beweisen und liefern. Und genug Männer denken, Frauen seien nicht imstande, zu führen.“
„Als Frau musst du dich immer umso mehr beweisen und liefern. Und genug Männer denken, Frauen seien nicht imstande, zu führen.“
Steffi Jones
Das würden aber wenige laut sagen. Wie geht man mit diesen unbewussten Vorurteilen um?
„Das ist schwierig. Dafür braucht es diese Pionierinnen, die eben Türen öffnen oder auch Pioniere. Also es dürfen auch Männer sein. Es gibt genug männliche Supporter, die Türen öffnen könnten. Das war bei mir zum Beispiel Theo Zwanziger, der mich zur OK Präsidentin und zur Direktorin machte. Grundsätzlich finde ich es wichtig, dass Frauen nicht verwalten, wenn sie oben sind, sondern dann auch anderen helfen und sie groß machen. Und manchen fehlt auch der Mut, eine Führungsposition anzunehmen.“
Wann war dein größter Moment, als du gesagt hast: Ich versuch´s?
„Immer schon, von klein auf. Bei mir gab es nie Hindernisse aufgrund eines nicht so groß vorhandenen Selbstwertgefühls, da bin ich ganz ehrlich.“
Woher rührte dieses Selbstbewusstsein?
„Aus meiner Kindheit, weil ich mich aufgrund meiner Hautfarbe häufig ausgegrenzt gefühlt habe. Meine Mama hat uns so großgezogen hat, dass wir immer doppelt so gut sein müssen wie andere.“
Hat deine Mutter es so konkret formuliert?
„Ja. Und dass wir es schwer haben werden aufgrund unserer Hautfarbe und trotzdem gute Menschen sein sollen und durchhalten sollen bis zum Ende, bis wir es geschafft haben.“
Da bekomme ich Gänsehaut…
„Ich habe mir immer gesagt: Es gibt nichts, was ich mir nicht zutraue, und das meine ich nicht überheblich. Ich will Dinge annehmen und ausprobieren. Für diese Einstellung habe ich alles gegeben. Bis hin zur Rolle der Bundestrainerin habe ich alles erreicht, was ich erreichen wollte.“
„Für mich war der schönste Augenblick, als ich Nationalspielerin geworden bin. Das war für mich das Größte und Schönste und der unglaublichste Moment.“
Steffi Jones
Auf welche Leistung in deiner Karriere bist du besonders stolz?
„Für mich war der schönste Augenblick, als ich Nationalspielerin geworden bin. Das war für mich das Größte und Schönste und der unglaublichste Moment. Da ist kein Titel oder irgendeine Weltmeisterschaft rangekommen. Dieses Gefühl, jahrelang auf etwas hinzuarbeiten, und dann wird dieser Traum wahr – unbeschreiblich.
Da war Stolz, aber auch Demut, weil du dein Land vertreten wirst. Ich weiß noch beim ersten Länderspiel, da war ich 21: Du gehst dann wirklich raus, hörst die Nationalhymne, trägst das Deutschland-Trikot, hast Gänsehaut und denkst: Mein Gott, ich spiele jetzt wirklich für Deutschland.“
Hast du je gedacht: Wenn ich bei den Männern Nationalspielerin wäre, dann würde ich das x-fache verdienen?
„Nein, niemals. Ich vergleiche auch heute nicht. Ich wehre mich dagegen, den Frauenfußball mit dem Männerfußball zu vergleichen. Ich frage mich eher, was es braucht, um professionellere Bedingungen für den Frauenfußball herzustellen, um die Rahmenbedingungen für alle gleich zu schaffen. Das kann in Teilen von den Männern kopiert werden.“
Was könnte man zum Beispiel von den Männern gut kopieren?
„Grundsätzliches wie Trainingsplätze, Stadien, das medizinische Team, Fußball-Internate, Eliteschulen – das sollte alles gleich sein. Was man nicht kopieren kann sind die Zuschauerzahlen. Der Frauenfußball füllt keine Stadien in der Größenordnung von 80.000 alle zwei Wochen. Dahin müssen wir kommen. Da sollten wir den Vergleich mit anderen Ländern wie USA, England, Spanien wagen.
In England machen die Männer mit den Frauen zusammen Fotos, sie spielen im selben Stadion, es macht keinen Unterschied, und das ist einfach sehr cool. Der erste Verein war hier Chelsea mit der Trainerin Emma Hayes. Emma Hayes ist mega, ihr kleiner 5-jähriger Sohn Henry geht überall mit hin, ins Stadion und zum Training. Emma hat vieles verändert, jetzt ist sie US-Trainerin und hat als Pionierin zum ersten Mal eine Summe von über einer Million Euro Gehalt erstritten. Das gab es noch nie.“
Feierst du so etwas?
„Und wie. Das meine ich mit Frauen, die wirklich etwas bewegen für andere.“
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„BE BOLD“ ist das Motto des FFF DAY am 11. Oktober 2025!
Was bedeutet es, mutig zu sein? In jedem Land, in jeder Kultur wird Mut anders gelebt, anders definiert. Im Iran ist Mut das laut ausgesprochene Verlangen nach Freiheit, in Afghanistan der unermüdliche Kampf um Bildung, im Sudan das Aufbegehren gegen Unterdrückung und Gewalt, in Russland das Einstehen für die eigene Meinung. In Deutschland ringen wir um Gleichberechtigung und Chancengleichheit. In Frankreich brachte Gisèle Pelicot größten Mut auf, indem sie trotz jahrelanger Misshandlungen gegen ihre Peiniger aussagte und damit eine wichtige internationale Debatte über sexualisierte Gewalt anstieß.
Beim FFF Day 2025 im bcc Berlin feiern wir den Mut, für Menschenrechte und Demokratie einzustehen. Wir wollen den verschiedenen Facetten von Mut Raum geben – weltweit und individuell. Gemeinsam erkunden wir, wie Mut sich in unterschiedlichen Kontexten zeigt, wie Privilegien unsere Perspektive darauf prägen und was Mut bewirken kann. Unter dem Motto „Be bold“ feiern wir mutige Menschen, die Grenzen überwinden und Veränderung schaffen. Freu dich auf inspirierende Keynotes, internationale Stimmen und vielfältige Begegnungen, die Mut sichtbar und spürbar machen.
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