Illustration: „Tear this down“, Collage: EDITION F

„Tear this down“: Gegen Kolonialismus im Straßenbild

Die Spuren des Kolonialismus sind noch immer im deutschen Straßenbild verankert. Das Projekt „Tear this down“ zeigt diese Spuren und fordert neben der Umbenennung auch eine „Umerinnerung“.

Deutschland koloniales Erbe ist auf den Straßen sichtbar. Ob Straßen, Plätze oder U-Bahnhöfe: viele Orte sind nach Kolonialverbrechern benannt. Andere stehen in direktem Bezug zum deutschen Kolonialismus. Bis heute werden Kolonialverbrechen und -verbrecher durch Straßennamen und Denkmäler geehrt.

Das Projekt Tear this down will das nun ändern. Das Künstler*innenkollektiv Peng! und die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) zeigen auf der gleichnamigen Internetseite eine Landkarte, die koloniale Straßennamen, Plätze und Denkmäler zeigt. Es handelt sich dabei um ein partizipatives Projekt, das Menschen dazu bewegen soll, mit offenen Augen durch die Straßen zu gehen und selbst an der Veränderung teilzuhaben.

Für eine „Umerinnerung“

„Das Ziel ist nicht Umbenennung, sondern Umerinnerung“, sagt die Künstlerin Simone Dede Ayivi von der ISD im Interview. „Anstelle der Unterdrücker sollen Menschen des Widerstands geehrt werden, wie anti-koloniale Kämpfer*innen oder anti-rassistische Aktivist*innen.“ Als gelungenes Beispiel nennt sie das ehemalige Gröbenufer in Berlin-Kreuzberg, das heute May-Ayim-Ufer heißt – benannt nach der afrodeutschen Poetin, Pädadogin und Aktivistin May Ayim.

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So reiche es nicht, einfach die kolonialen Namen zu streichen und sie durch irgendwelche Namen zu ersetzen – wie es gerade in Berlin im Fall der Glinkastraße passieren soll. Forderung der Initiative ist es, die Namen bewusst auszutauschen. Für besagte U-Bahn-Haltestelle wird seit Jahren der Name „Anton-W.-Amo-Straße“ vorgeschlagen. Anton Wilhelm Amo wurde 1703 in Ghana geboren und war der erste Schwarze Akademiker in Deutschland.

Informationstafeln für den historischen Kontext

Um an die Geschichte zu erinnern, reiche es nicht, einfach nur Straßen, Plätze und Denkmäler umzubenennen. Hilfreich dabei könnten auch Informationstafeln sein, die den historischen Kontext erklären und Menschen für die Kolonialzeit sensibilisieren.

Auf der Internetseite fordert das Projekt die Partizipation in drei Schritten: „Verantwortung übernehmen, Perspektive wechseln, Kämpfer*innen empowern“. Simone Dede Ayivi sagt: „Die Spuren sollen nicht einfach verschwinden. Wir wollen, dass die Perspektive geändert wird.“

Wir wollen, dass die Perspektive geändert wird.

Simone Dede Ayividi

Schließlich gehe es der Initiative darum, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und einen gesellschaftlichen Diskurs über Kolonialgeschichte und Rassismus anzustoßen. Auf der Website steht: „Kolonialismus hat keinen Platz auf unseren Straßen“.

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